Freitag, 29. November 2013

Amerika, ich komme!

(Eine weitere Erinnerungsgeschichte)

Regina vom Tag-zu-Tag-Blog hat uns verraten, dass ihr Mann einen runden Geburtstag feiert. Und schon fiel mir eine weitere Erinnerungsgeschichte ein. Sie liegt zwar noch nicht so lange zurück, aber immerhin sind seitdem auch schon wieder 8 Jahre vergangen: Der 50. Geburtstag meines Mannes. Für die Geschichte muss ich zunächst zurückgehen in das Jahr 1975.
Als ich damals zum ersten Mal sein damaliges Zimmer in seinem Elternhaus betrat, wurde ich erschlagen von Jerry-Cotton-Heften und New-York-Postern. Er war und ist ein ganz großer Fan dieser Stadt. (Ich weiß nicht, wie oft ich schon das Lied von Neil Diamond ‚It’s a beautiful noise’ in seinem Auto mit anhören musste. Aber ich mag das Lied auch, so ist es nicht.)
Er wollte sich immer seinen großen Traum erfüllen und nach New York reisen, doch nie klappte es. In jungen Jahren fehlte das Geld und später rückte der Traum aus irgendwelchen Gründen immer weiter weg. Ich weiß noch wie heute, dass er mit Tränen in den Augen vor dem Fernseher saß, als das World Trade Center einstürzte und er dann sagte: „Jetzt brauch ich gar nicht mehr dort hin“.
Als etwas später sein 50. Geburtstag anstand und alle überlegten, was schenken wir ihm und womit könnte man ihm eine Freude machen, dachte ich an seinen Wunsch. Er hatte nicht viele Wünsche, doch nach New York zu fahren, war ein ganz großer. Ich habe dann alle Freunde und Verwandten, die zu dem Fest eingeladen werden sollten angerufen und von dem Plan erzählt, ihm diese Reise zu seinem 50. zu schenken. Natürlich waren alle begeistert.
Zunächst habe ich eine USA-Flagge gekauft und die ging von Haus zu Haus weiter. Jeder Gast beteiligte sich an diesem Geschenk und unterschrieb auf dieser überdimensionalen Geburtstagskarte. Außerdem war ausgemacht, dass jeder Gast wirklich ohne ein Geschenk in der Hand gratuliert. Kein Umschlag, keine Karte, keine Kleinigkeit. Und das hat wirklich geklappt.
Wir hatten die Möglichkeit, bei Freunden auf einer großen Bauerndeele zu feiern. Das waren viele Vorbereitungen, die aber auch Spaß gemacht haben. Als wir am Abend vorher alles soweit vorbereitet hatten, sagte mein Mann plötzlich: „Ich habe ja gar keinen Geschenketisch.“
„Ja, daran haben wir noch gar nicht gedacht“, haben wir sofort gesagt und einen ziemlich kleinen Tisch geholt und an die Haustür gestellt. Er wird sich gedacht haben: „Wenn der Tisch man ausreicht“. Gesagt hat er aber nichts.
Nun kam der Geburtstag. Die Gäste trudelten ein. Kein Mensch übergab ein Geschenk. Mein Mann sagte wieder nichts, doch sein Gesicht sprach Bände. Er wusste nicht, was los war. Kein einziges auch noch so kleines Geschenk lag auf seinem doch arg kleinen Geschenketisch. Das blieb auch so bis nach dem Essen.
Jeder Gast bekam vorher genaue Instruktionen, wie er sich verhalten sollte. Ich hatte ein Gedicht gemacht und darin aufgezählt, was man so alles hätte schenken können. Das Gedicht steuerte dann im letzten Absatz auf unser eigentliches Geschenk zu. Ein Freund ließ das Lied von Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“ von der CD laufen, alle Gäste holten plötzlich kleine Papierfähnchen mit der USA-Flagge hervor, schwenkten sie und sangen mit. Dann haben wir die große Flagge entrollt und sie ihm übergeben mit den Worten: „Wir schenken dir eine Woche New York.“ Ich bekomme jetzt beim Schreiben noch eine Gänsehaut. Es gab kaum einen Gast, der keine Tränen in den Augen hatte. Mein Mann legte sich die Flagge um die Schultern und ging von Gast zu Gast und bedankte sich handlich.
Es dauerte dann noch 10 Monate, bis es endlich los ging und dann haben wir ihm noch – zum nächsten Geburtstag als vorträgliches Geburtstagsgeschenk – einen Flug mit dem Helikopter über New York geschenkt. Das bleibt unvergessen.
Nun steht in zwei Jahren wieder ein runder Geburtstag an und sein Wunsch lautet: Ich möchte gerne noch einmal nach New York. 
Die Überraschung vom 50. Geburtstag lässt sich nicht wiederholen, doch ich könnte mir vorstellen, dass er vielleicht seinen 60. dort feiert – 
Schaun wir mal!



                    
Fotos: Pixelio.de / Rike und Lars Heims                                                


Kommentare:

  1. Ach Martina, nun habe ich auch Tränen in den Augen, was für ein wunderschönes Geburtstagsgeschenk. Meine Tochter will auch immer nach New York, aber sie ist ja noch jung, vielleicht erfüllt sich ihr Wunsch einmal.LGLore

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    1. Ich wünsche es deiner Tochter. Bis zum 50. hat sie ja noch ein paar Jahre;-)!

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  2. Oh Gott ist das süss!!! Das ist einfach genial!! Ich habe gerade Gänsehaut gekriegt..Während dem Lesen hatte ich sooo Mitleid mit ihm.. der Arme war sicher zuerst traurig! Aber so schön dass ihr ihm diesen Traum erfüllt habt!!!

    Küsschen Mila

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    1. Es war echt bewegend - für den Beschenkten aber auch für die Gäste.
      Dieser Tag bleibt allen in Erinnerung!

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