Montag, 25. November 2013

Die Erinnerungen gehen weiter

Am Sonntag brachte mir Lore Erinnerungen an unseren Hund und heute ist es Mila vom married-blog.
Sie hat mich angeschrieben, weil sie demnächst heiraten möchte und darüber bloggt. Nun ist sie auf der Suche nach verheirateten Bloggern, die von ihrer Hochzeit erzählen.
Also kommt heute nochmals eine Erinnerungsgeschichte – nämlich die Erinnerung an unsere Hochzeit.

Nachdem mein Mann und ich uns in diesen Tagen vor 39 Jahren kennen gelernt hatten, haben wir uns im Oktober 1978 verlobt. Mila fragt nach dem Heiratsantrag, doch den gab es gar nicht. Der Grund, sich zur Ehe zu entschließen, war ein anderer. - Nein, ich war nicht schwanger J. –
Heute werden die jungen Leute darüber schmunzeln, denn es war so, dass mein Mann in unserer Gegend keine Arbeit fand. Es ergab sich, dass 200 Kilometer von unserem damaligen und heutigen Zuhause eine Arbeitsstelle frei war. Die bekam mein Mann und zog 1978 nach Helmstedt. Vielen wird der Ort durch die damalige innerdeutsche Grenze bekannt sein. Ich wollte ihm folgen und genau das war der Grund, zu heiraten.
Es gab zwar schon das eine oder andere Paar, das in ‚wilder Ehe’ - wie es so schön hieß - lebte, doch das traute ich mich nicht. Meine Eltern hätten dafür keinerlei Verständnis aufgebracht. Also musste (nein, quatsch) durfte vorher geheiratet werden.
Da ich ab dem 1. März 1979 dort auch eine Arbeitsstelle gefunden hatte, musste dies noch vorher geschehen. Das heißt, wie heirateten im Februar. Nun werden die Älteren von euch wissen, dass der Februar 1979 sehr schneereich war. Er ging wohl als einer der schneereichsten Winter in die Geschichte Deutschlands ein.
Es war eigentlich eine standesamtliche und kirchliche Trauung für den Tag geplant, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Es fiel soviel Schnee, dass die auswärtigen Gäste reihenweise absagten. Auch etliche heimische Gäste meldeten sich kurz vor dem großen Tag ab, denn eine Grippewelle durchzog die Bundesrepublik. Von über 120 Gästen blieben maximal 50, die mit uns gefeiert hätten. Nun war guter Rat teuer.
Ich weiß es noch wie heute, dass ich wie ein Häufchen Elend heulend auf einer Treppenstufe neben dem Telefon saß, als meine Mutter mit dem Pfarrer telefonierte und sagte, wir müssten die Hochzeit absagen bzw. auf einen späteren Termin verschieben. Das war kein Problem, doch mussten wir diesen Termin bis Ende April verschieben, da in der damaligen Zeit von Seiten der Kirche keine Trauung in der Fastenzeit durchgeführt wurde.
Dann rief meine Mutter noch in dem Haus an, in dem gefeiert werden sollte. Sie nahmen die Absage auch an, ohne dass uns Kosten entstanden. Das war unser Glück.
Die standesamtliche Trauung fand dann aber statt. Das Problem war: Die Braut war da – aber der Bräutigam nicht, denn die Trauung fand in unserem Heimatort statt und er musste zunächst dorthin gelangen.
Es war ihm nicht möglich, mit dem Auto zu fahren. Ich erinnere mich noch daran, dass wir es später unter vielen Schneehaufen gesucht haben. Keiner wusste mehr so genau, wo sein Auto stand.
Übrigens gestaltete sich die Fahrt zum Standesamt auch abenteuerlich. Eine breite Straße war quasi um die Hälfte geschrumpft. Man hoffte inständig, dass sich keine zwei LKW auf der Strecke begegneten. Dann wäre es schwierig geworden. Die Schilder an der Straße waren nicht mehr zu erkennen, da sie unter einem Berg von Schnee begraben waren. Wir fuhren damals wie durch eine Schneise – rechts Schnee, links Schnee, unter uns und über uns: Schnee, Schnee, Schnee!
Doch zurück zur Zugfahrt: Nun, mein Mann wollte ja gerne an seiner Hochzeit teilnehmen J und deshalb nahm er die Bahn. Das war aber eine richtig abenteuerliche Fahrt über viele, viele Stunden. Er musste in Hannover umsteigen, ist dann einfach aus seinem Zug heraus in den gegenüberliegenden hinein gesprungen, der gerade abfahren wollte, ohne zu wissen, ob es der richtige Zug war. 
Ja, es war der richtige Zug und Ja, es war der richtige Mann, denn wir sind noch heute verheiratet und wollen es auch bis zum Lebensende bleiben.
Das wünsche ich auch Mila von Herzen, dass sie den richtigen Mann gefunden hat.
Was mir im Übrigen auch noch in besonderer Erinnerung ist, ist die ‚neue’ Unterschrift mit dem neuen Namen im Standesamt. Das war etwas ganz Besonderes. 
Ich habe mich auch später niemals versprochen oder verschrieben. Vom ersten Tag an gehörte der neue Name zu mir.





Kommentare:

  1. Ach war das schön, siehst du, du hast mal geschrieben: durch meine Erinnerungsgeschichten würdest du mich besser kennen lernen.
    Das kann ich nun zurückgeben.
    Liebe Martina wünsche dir einen schönen Dienstag. Herzliche Grüße, Lore

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    1. Vielleicht fallen mir ja noch mehr Erinnerungsgeschichten ein. Man hat ja doch schon einiges erlebt. Mal schauen. Dir auch einen schönen Dienstag! Martina

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  2. Danke für diesen tollen Post! Ich werde ihn selbstverständlich verlinken auf meinem Blog und darüber berichten.. Freue mich auch auf das Interview mit dir!

    Küsschen Mila

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    1. Danke vielmals, heute ist es online gegangen:
      http://www.married-to-c.ch/2013/11/real-weddings-richtig-vintage-und-ganz.html

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  3. Wie schön, liebe Martina,
    so lernen wir uns Stück für Stück noch ein bisschen besser kennen - ich liebe diese Erinnerungsgeschichten sehr!
    Herzliche Grüße
    Regina

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    1. Ja, es ist wirklich so. Also schreibt ihr auch bitte weiterhin Erinnerungen auf. Das ist immer schön zu lesen.
      Dein Mann nullt, hab ich bei dir gelesen. Das ist immer anstrengend. Unsere nächste Null steht 2015 an - so wie bei dir. Mein Mann möchte auch nicht feiern - schauen wir mal. Ist ja noch etwas Zeit. Das bringt mich jetzt gerade dazu, an seinen 50. zu denken. Das ist auch eine schöne Geschichte, die ich bloggen könnte :-)!
      Wenn du mal wieder Zeit hast, dann sollten wir mal wieder telefonieren. LG Martina

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