Samstag, 31. August 2013

Die Kräuterhexe (Fortsetzung)


Foto: Pixelio.de/Angelina S.


Heimlich beobachtete Ina ihre Mutter. Sie bemerkte, dass sie immer müder wurde. Die Arbeit in der Gaststätte fiel ihr zunehmend schwerer. Sie wollte, nein, sie musste ihrer Mutter helfen.
Ina nahm allen Mut zusammen und machte sich auf den Weg zu dem Häuschen am Waldrand. Dort standen viele Obstbäume und im Garten war Gemüse angepflanzt. Es gab auch viele Kräuter. Weit und breit konnte sie jedoch keinen Stall mit entführten Kindern entdecken. Dennoch klopfte ihr Herz bis zum Hals, als sie an die kleine grüne Haustüre klopfte. Vielleicht hätte sie ihrer Mutter doch sagen sollen, was ihr Plan war. Jetzt wusste niemand, wo er sie suchen musste, wenn sie nicht wieder nach Hause käme.
„Weg mit den dummen Gedanken“, dachte Ina. Leise sagte jemand: „Herein“.
Ina betrat ein kleines Zimmer. Es war dunkel hier. Sofort entdeckte sie die schwarze Katze am Ofen und am Tisch saß die alte Frau und las in einem Buch.
„Nanu“, sagte die Alte, „da bin ich aber überrascht. Ich bekomme nämlich sehr selten Besuch. Ich freue mich, dass du den Weg zu mir gefunden hast.“
Die Frau hörte sich wirklich nett an. Ina trat näher und auf die Frage der Alten, was sie denn für sie tun könne, sagte Ina: „Ja, das ist so: Meine Mama ist krank. Sie hat schlechtes Blut, sagt der Arzt. Und sie ist auch immer so müde und da dachte ich, sie als …“, weiter kam Ina nicht. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte.
Die alte Frau schmunzelte. „Nun komm doch näher, mein Kind. Wie heißt du denn überhaupt?“
„Ich heiße Ina und bin die Tochter des Gastwirts“, antwortete diese.
„Setz dich, Ina“, meinte die Alte. „Ich freue mich, dass du zu mir gekommen bist und ich weiß, dass die Leute im Ort sagen, ich sei eine Hexe. Ich lasse sie reden. Weißt du, die meisten Leute interessieren sich nicht dafür, weshalb ich bei Vollmond draußen bin und in den Wiesen und Feldern nach Kräutern suche. Dabei könnte ich manchem mit meinen Kräutern helfen. Du sagst, deine Mama hat schlechtes Blut?“
„Ja, genau. Sie ist oft müde und hat auch unreine Haut“, sagte Ina.
„Dann braucht sie Brennnessel-Tee. Sie soll bei abnehmendem Mond, am besten zwischen 15 und 17 Uhr, so viel Brennnessel-Tee wie möglich trinken. Dann soll sie 14 Tage warten und die Sache wiederholen, bis das Leiden sich gebessert hat. Die Brennnesseln werden am besten bei abnehmendem Mond gesammelt. Warte, Kind, ich gebe dir welche mit. Und sag deiner Mama einen Gruß von mir“, gab die Frau Ina mit auf den Weg.
Inas Blick fiel wieder auf die schwarze Katze. Die alte Frau lächelte.
„Weißt du, Ina“, sagte sie, „wahr ist, dass der Vollmondtag oder der abnehmende Mond die besten Zeiten sind, um heilkräftige Kräuter zu sammeln. Das kommt den meisten Menschen komisch vor. Und wenn man dann noch eine schwarze Katze besitzt, dann ist die Geschichte von der Hexe perfekt.
Die Menschen früher beobachteten die Natur und auch die Tierwelt. Dabei hat man auch herausgefunden, dass sich Katzen zum Schlafen immer ‚schlechte Plätze’ aussuchen - Orte im Haus mit negativer Energie. Also dort, wo sich Wasseradern befinden oder Erdstrahlen. Wo eine Katze sich wohl fühlt, da hat man früher niemals einen Arbeitsplatz eingerichtet, geschweige denn ein Bett aufgestellt. Und dieses Wissen halten einige Menschen für übersinnlich und deshalb haben sie es den Hexen zugesprochen.“
Die alte Frau lachte darüber und verabschiedete Ina.
Inas Mutter konnte die Geschichte kaum glauben. Doch insgeheim war sie sehr stolz auf ihre Tochter. Sie probierte die Sache mit dem Brennnessel-Tee aus und siehe da, es ging ihr wirklich besser. Sie war schon sehr gespannt, was ihr Arzt sagen würde, bei ihrem nächsten Besuch.
In jedem Fall würde sie einen Marmorkuchen backen und ihn zusammen mit Ina der Frau am Waldrand bringen, denn sie schämte sich, dass sie immer so schlecht über die Kräuterfrau gedacht hatte.

 © Martina Pfannenschmidt



Freitag, 30. August 2013

Die Kräuterhexe

Foto: Pixelio.de/Birgit Meyke

Oben am Waldrand stand ein kleines Fachwerkhäuschen. Es war idyllisch gelegen. Dort wohnte eine alte Frau einsam mit ihrer schwarzen Katze. 
Die Frau kam selten hinunter ins Dorf. Nur wenn sie Einkäufe tätigen musste. Da sie aber selbst einen kleinen Garten hatte, kam es nur sehr selten vor.
Ina, die Tochter des Gastwirts, hatte vor Jahren gehört, wie man sich in der Gaststube über die Frau unterhielt. Sie sei eine Hexe, sagten die Männer. Irgendwie ahnte es Ina schon immer: Diese Frau war anders als alle anderen. Nun hatte sie richtig Angst vor ihr.
Ina war inzwischen 10 Jahre alt geworden und die Hexengeschichte lag einige Jahre zurück. Die Zeit, in der sie dachte, die alte Frau am Waldrand würde vielleicht genau wie bei Hänsel und Gretel Kinder in ihrem Stall verstecken, war vorüber. Doch Kontakt hatte immer noch niemand mit dieser Frau.
Heute kam Ina später als sonst nach Hause. Sie hatte ein wenig die Zeit vergessen und noch mit ihrer allerbesten Freundin herumgetrödelt. Mama war nicht zu Hause. Auf dem Tisch lag ein Zettel. ‚Liebe Ina, wo bleibst du nur? Ich habe einen Termin beim Arzt. Das Essen steht im Backofen. Es ist noch warm. Bin gleich zurück. Mama’
Ach ja, Mama musste zum Arzt. Das hatte Ina ganz vergessen. Nach dem Essen zog sie sich in ihr Zimmer zurück und begann mit den Hausaufgaben. Sie hörte, dass ihre Mutter und ihre Tante das Haus betraten.
„Ina, bist du oben?“, rief ihre Mutter im Hausflur.
„Ja, ich mache meine Hausaufgaben“, antwortete Ina. „Alles in Ordnung mit dir, Mama?“
„Ja, ja, es wird schon wieder werden, meint der Arzt“, war Mamas Antwort.
Einige Zeit später belauschte Ina ein Gespräch zwischen ihrer Mutter und ihrer Tante.
„Der Arzt macht sich Sorgen um mich“, sagte Mama zur Tante. „Mein Blutbild ist ganz und gar nicht in Ordnung. Hoffentlich bin ich nicht sehr krank.“
Ina erschrak. Also ging es ihrer Mama doch nicht so gut, wie sie sagte. Sie hatte Angst um sie. Auf keinen Fall durfte sie sterben. Sie brauchte ihre Mutter doch noch. Wie konnte sie ihr nur helfen?
Da fiel Ina die Hexe ein. Hexen konnten doch zaubern – oder? Vielleicht konnte die Hexe ja ihrer Mutter helfen. Aber dann müsste sie zu ihr gehen. Ob sie sich das trauen würde? Auf der anderen Seite hatte sie die Frau noch nie mit einem Besen durch den Ort fliegen sehen. Vielleicht war ja doch alles nur dummes Gerede.
Aber die schwarze Katze… Das war vielleicht doch kein gutes Zeichen. Sie wollte es sich noch einmal überlegen.

(Morgen erfahrt ihr, ob Ina sich traut oder nicht, denn dann wird die Geschichte fortgesetzt.)

  

Donnerstag, 29. August 2013

Glücksmomente


Foto: Pixelio.de/Ulla Thomas


Eigentlich wollte ich heute mit einer Geschichte starten, doch nun ist etwas Anderes in meinem Kopf. Da muss die Geschichte noch einen Tag warten.
Gestern Abend kam ich beim Zappen auf die von Sonja Zietlow moderierte Sendung ‚Die 25 unglaublichsten …’.
Gestern ging es um Wünsche. Vielleicht hat es der eine oder Andere auch gesehen.
Als ich einschaltete, sah man einen 26jährigen Amerikaner, der einen Stall ausfegte. Dann erfuhr man, dass dieser Mann geistig behindert sei. Doch was war sein Wunsch, fragte man sich.
Andere in seinem Alter hätten eine Schulter zum Anlehnen und auch schon sexuelle Erfahrungen gemacht. Nur er habe niemanden und das mache ihn traurig, erzählte der junge Mann.
Doch nicht nur er war darüber traurig, sondern auch seine Mutter und deshalb beschloss sie, für einen ‚Glücksmoment’ im Leben ihres Sohnes zu sorgen. Das war eine echte Überraschung und wohl nicht nur für den 26jährigen, sondern auch für den Zuschauer, denn dann kam eine Prostituierte ins Spiel. 
Die Mutter engagierte sie für ihren Sohn. Diese Frau hatte sich – man höre und staune – auf Behinderte ‚spezialisiert’. Sie müsse sehr einfühlsam sein, sagte sie und das glaubte ich ihr sofort.
Es kam dann - selbstverständlich hinter verschlossenen Türen - zu einem Treffen.
Als der junge Mann nach 2  Stunden zu seiner Mutter zurückkehrte, hatte er ein unbeschreibliches Strahlen in seinem Gesicht. Er war einfach nur glücklich.
Es ist sicher nicht einfach, sich in einen geistig behinderten Menschen hinein zu versetzen. Doch wenn man dessen Wünsche kennt und sie ihm erfüllt, muss das auch für den ‚Schenkenden’ ein unglaubliches Glücksgefühl sein.
Ich habe größten Respekt vor den beiden Frauen, finde ihren Einsatz grandios und wünsche dem 26jährigen noch viele weitere Glücksmomente in seinem Leben.


Mittwoch, 28. August 2013

Erwartungen


Wie ist das eigentlich mit unseren Erwartungen. Wir haben jede Menge Erwartungen an die unterschiedlichsten Menschen in unserem Umfeld.

Da ist zum Beispiel der Ehemann. Wie ist dass, wenn ich die Erwartungshaltung habe: ‚Mein Mann muss mir täglich zeigen und sagen, dass er mich liebt’. – Mein Mann aber andererseits denkt: ‚Wir sind jetzt schon so lange verheiratet, da wird meine Frau wissen, dass ich sie liebe. Das muss ich ihr nicht ständig sagen. Das weiß sie’.

Das könnte Schwierigkeiten bedeuten – vor allen Dingen dann, wenn man seine Erwartungshaltung nicht ausspricht und auch noch erwartet, der andere müsse dies auch so wissen.

Vielleicht müssten wir unsere Erwartungen einmal überdenken und auch bedenken, dass andere Erwartungen an uns haben. Und dann sollten wir uns fragen, ob wir diese erfüllen.

In jedem Fall sollte der andere aber zuerst mit uns reden.

Ich finde, das ist doch wohl das Mindeste, was wir erwarten können!


Foto: Pixelio.de/Thommy Weiss

Dienstag, 27. August 2013

Autokennzeichen


(Foto: Pixelio.de/lichtkunst 73)

Gestern fuhr ich zum Einkaufen – der Kühlschrank war wieder einmal leer. Da fiel es mir wieder auf: Autos mit den unterschiedlichsten Kennzeichen kamen mir entgegen: Urlaubszeit! Ich erinnerte mich daran, wie ich mir früher bei langen Autofahrten die Zeit damit vertrieb, mir zu den Kennzeichen eine Geschichte auszudenken. 
Hier bei uns im Minden-Lübbecker Land begegnet einem manchmal ein Mini Cooper mit dem Kennzeichen „MI-NI“ oder ein junges Mädchen, das gern mal einen „MI-XI“ trinkt oder die Katze mit dem Rechtschreibfehler „MI-ZE“.
Und da geschah es. Mir kam eine leibhaftige „HE-XE“ entgegen. Ihr dicht auf der Felge das „Z-DF“. Schnell machte ich die Nachrichten lauter. Vielleicht kam ja folgende Meldung: „Achtung, Achtung! Das Zweite Deutsche Fernsehen bittet um ihre Aufmerksamkeit.  Melden sie sich umgehend bei der Polizei, falls ihnen auf der B 65 Richtung Lübbecke ein verdächtiges Fahrzeug begegnet“.
Da wird doch die schnödeste Einkaufsfahrt zu einem spannenden Erlebnis.

Wie heißt es immer so schön: „Da, wo es geht: Gute Fahrt!“


Montag, 26. August 2013

Die Raupe (Drabble)


(Foto: pixelio.de/Walter Ebert)

Seitdem die Raupe wusste, dass sie eines Tages ein wunderschöner Schmetterling sein würde, war sie unausstehlich.
Ständig wies sie die anderen Tiere darauf hin, dass sie etwas ganz Besonderes sei und bald fliegen würde. Die anderen Tiere meinten: „Sei vorsichtig, denn Hochmut kommt vor dem Fall.“
Heute traf die Raupe auf einen Frosch.
„He, Frosch!“, rief sie ihn. „Ich werde bald fliegen können und du armer Kerl wirst den Rest deines Lebens hüpfend und quakend an diesem Teich verbringen.“
„Oh“, sagte der Frosch, „dass ging jetzt aber schnell“, und schaute der Raupe hinterher, …

… die im Schnabel der Meise davon flog.                            

© Martina Pfannenschmidt


(Ein Drabble ist eine pointierte Geschichte, die aus exakt 100 Wörtern besteht.)

Sonntag, 25. August 2013

Mein Leben (Gedicht)



Foto: Pixelio.de/Rainer Sturm


He, Leben, wo willst du nur mit mir hin?
Fragst gar nicht, ob ich einverstanden bin.
Willst mit mir hohe Berge erklimmen
und scheinbar meinen Weg bestimmen.

Doch dann antwortete mir das Leben:
Ich will dir nur das Beste geben.
Im Übrigen hast du die freie Wahl –
ist das nicht wirklich genial?

Aber warum ist es dann oft so schwer?
Und weshalb fühle ich mich nur so leer?
Bisweilen ist mein Leben eine Plage;
muss es so sein, stellte ich die Frage.

Ja, sagte mir das Leben dann,
sieh mich doch einmal genauer an.
Alles hatte immer seinen Sinn,
weil ich nun mal dein Leben bin.

Du musst lernen, in allem das Gute zu sehen
und dunkle Wolken, die werden verwehen.
Du solltest keine Tränen mehr weinen,
dann kann auch für dich die Sonne scheinen.

Als ich rückblickend dann mein Leben besah,
da wurde mir wirklich vollkommen klar:
Gerade in den oft schwierigen Zeiten
zeigte mir das Leben besondere Seiten.

Ich erkannte, ich bin von der Liebe umgeben
und werde nach dem 7. Himmel streben.
Denn dann wird das Leben mich begeistern
und ich werde mit Bravour es meistern.


© Martina Pfannenschmidt

Samstag, 24. August 2013

Schöpfer - Schöpfung - Geschöpfe






Wenn ich an den Schöpfer glaube,
dann kann ich aus dem Vollen schöpfen.

Wenn ich die Schöpfung erhalte,
dann kann ich frische Luft schöpfen.

Wenn ich mich als ein Geschöpf Gottes erkenne,
dann kann ich bei ihm Kraft schöpfen.

Da könnte man doch den Verdacht schöpfen,
Schöpfer, Schöpfung und Geschöpfe
seien untrennbar miteinander verbunden.


© Martina Pfannenschmidt