Mittwoch, 12. Februar 2014

Während ich beim Einkaufen nach einem bestimmten Produkt suchte, sah ich aus den Augenwinkeln zwei dunkel gekleidete ältere Damen, die sich angeregt unterhielten. Als ich näher kam, hörte ich, dass es offensichtlich in dem Gespräch um ihre Männer ging. „Es ist schwierig, plötzlich so alleine zu sein“, sagte eine der beiden Frauen. Ich sah hoch und erkannte, dass sie Trauerkleidung trug. Damit war klar, dass ihr Mann vor kurzem gestorben sein musste. Unbeabsichtigt wurde ich Zeugin des Gesprächs. Als sich die zwei Frauen etwas später voneinander verabschiedeten, sagte die Dame in schwarzer Kleidung: „Es ist schon komisch. Oft habe ich das Gefühl, Heinz ist noch bei mir.“ Dann gingen sie auseinander und dieser Satz blieb im Raum stehen.
Seither beschäftige ich mich damit. Der Satz geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Die Frau hat das Gefühl, ihr Mann sei noch bei ihr. Kann das sein, dass er wirklich noch bei ihr ist? Und wenn ja, ist dort noch sein Platz? Ist es für sie gut, ist es für ihn gut, wenn es so ist?
Ghost – Nachricht von Sam. Ein sehr bekannter Film. Da ist der Mann nach seinem Tod auch noch bei seiner Frau. Auch sie hat das Gefühl, ihn zu spüren. Keine völlig frei erfundene Geschichte? Könnte doch ein Fünkchen Wahrheit daran sein?
Doch dann zur weiteren Frage. Ist es gut, wenn er noch da ist? Das glaube ich eher nicht, denn die Toten haben doch diese Welt ‚überwunden’, wie wir zu sagen pflegen.
Demnach müsste es ebenso ein Reich der Toten geben, wie es ein Reich für uns Lebende gibt. Wir Lebenden können uns nicht im Reich der Toten aufhalten. Zumindest das ist klar. Alles hat seine Zeit – alles hat seinen Platz.
Vielleicht ist es das 'Nicht-Loslassen-Können' der Hinterbliebenen, dass den Verstorbenen den Weg ins Reich der Toten so schwer macht. Könnte doch sein. Vielleicht halten wir unsere Toten noch zu sehr fest, weil sie uns halt so sehr fehlen. Doch tun wir uns – tun wir ihnen – damit einen Gefallen?
Immer wieder komme ich mit meinen Gedanken an diese Grenze, die ich nicht überschreiten kann. Eines Tages, wenn ich die Grenze zwischen diesen Welten überschritten haben werde, werde ich es besser wissen. 
Doch bis dahin ist alles reine Spekulation - bis dahin sind es nur meine Gedanken.




Kommentare:

  1. Liebe Martina,
    bald jährt es sich bei mir zum 8. Mal, dass mein Mann gestorben ist.
    Oftmals ertappe ich mich dabei, dass ich mit ihm spreche, ihn um Rat
    frage. Wenn man lange Zeit miteinander gelebt hat, bleiben die Gedanken
    da. An ein Leben nach dem Tod habe ich noch nicht gedacht. ich weiß auch
    nicht, ob ich ihn wiedersehe.
    Einen schönen Mittwochabend wünscht dir
    Irmi

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  2. Liebe Irmi, ich denke auch oft an meine Eltern und wir lachen über Situationen, die wir mit ihnen gemeinsam erleben durften. Doch sprechen, nein, sprechen tue ich nicht mit ihnen. Du schreibst, du weißt nicht, ob du deinen Mann wieder siehst. Nein, wissen tue ich es auch nicht. Doch nach meiner Beschäftigung mit dem Sinn des Lebens und Sterbens, bin ich zu der festen Überzeugung gekommen: Ja, wir sehen uns wieder.
    Gerade fällt ein Sonnenstrahl in mein Zimmer - ich schick ihn dir als lieben Gruß an den Neckarstrand! Martina

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  3. Die erste Zeit hatte ich auch das Gefühl mein Mann ist noch da, doch inzwischen nicht mehr.
    Aber sprechen tue ich trotzdem mit ihm , wenn mich etwas bedrückt, des nimmt die Leere und wir waren 35 Jahre zusammen, so wird er in Gedanken immer bei mir sein.
    Ob ich ihn wiedersehe, das weiß niemand, aber der Glaube daran gibt Hoffnung.

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    1. Der Glaube daran gibt Hoffnung ... Ja, so ist das!

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