Sonntag, 9. März 2014

99 Luftballons!!!




Über 99 blaue und weiße Luftballons flogen gestern über unser Haus hinweg. Ein imposantes Bild und doch, hört man die Geschichte dazu, bekommt man eine Gänsehaut.
Zurück zum vergangenen Montag, morgens gegen 8 Uhr: Blaulicht, wohin man sah, Krankenwagen, Polizei, Feuerwehr und zuletzt noch der Rettungshubschrauber. Doch: Niemand kann verhindern, dass ein 19jähriger stirbt. Viele, sehr viele aus unserem Dorf kannten ihn. Er war ein engagierter, stets höflicher und bei allen sehr beliebter junger Mensch – und jetzt: Trauer, wohin man sieht. Man fühlt es sogar. Das ganze Dorf scheint wie unter einer Trauerglocke zu stecken. Eine Frage steht über allem: Warum? Warum muss so ein junger Mensch sterben? Noch 100 Meter, dann wäre er zu Hause gewesen, doch er kam dort nie an. Sein Auto verkeilte sich in einem Brückengeländer – jede Hilfe kam zu spät. Hilflos – alle Menschen fühlen sich hilflos. 
Denke ich an diesen jungen Mann, dann glaube ich, dass es ihm gut geht und dass es schön ist, dort, wo er jetzt sein darf und ich glaube auch, dass er diesem ‚Schicksal’ nicht aus dem Weg gehen konnte. Vielleicht wird uns hier auf der Welt manchmal ein kleines Fenster dessen geöffnet, was uns dort erwartet. Nämlich dann, wenn wir uns im Zustand der ersten Liebe befinden, denn dann sagen wir doch, wir fühlen uns, wie im 7. Himmel. Ich glaube, so ähnlich wird es jetzt für ihn sein. Traurigkeit, wie sie jetzt seine Familie umfängt, wird er nicht kennen. Deshalb gilt mein Mitgefühl nicht ihm, sondern seiner Familie, den Eltern und ganz besonders der jüngeren Schwester, die sehr an ihrem Bruder hing. Sie brauchen Unterstützung in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten, ja sogar Jahren, denn nichts ist mehr so, wie es einmal war. Das Leben dieser Familie ist ab sofort ein anderes und die Frage nach dem ‚Warum’ wird vielleicht niemals beantwortet werden.
Doch ich schweife ab – wollte euch von den Luftballons erzählen. Der junge Mann mit dem glücklichen Namen Felix war Fan des Fußballclubs Schalke 04, zu denen bekanntlich die Farben blau und weiß gehören. Alle Jugendlichen bildeten heute ein Spalier – von der Friedhofskapelle bis zu seinem Grabplatz – und immer dann, wenn der Sarg an einer Person vorbei gezogen war, ließ sie einen Ballon steigen. Alle waren sie versehen mit einem Zettel, auf dem ein Wunsch notiert war. Eine sehr beeindruckende Szenerie.

Die Liebe ist mächtiger, als das Schicksal!

(Ein Wort von Giovanni Boccaccio 1313 – 1375). 


Wer kann diese Familie trösten?
Ich glaube, nur die Liebe vermag dies!


Kommentare:

  1. Gänsehaut hatte ich schon, als du es mir am Telefon erzählt hast, aber dieser Gedanke mit den Luftballonen ist wirklich wunderschön. Vielleicht tröstet es die Angehörigen ein bisschen, obwohl der Schmerz wird bleiben.Lore

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    1. Ja, es ist wirklich ein Schmerz, den man empfindet, wenn man trauert. Hoffentlich wird er irgendwann gelindert. LG Martina

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  2. Liebe Martina,
    ich habe in der Aktuellen Stunde von dem Unfall gehört. Tragisch, mein Mitgefühl ist ebenfalls bei seiner Familie und denen, die ihn lieb hatten.
    Den Abschied mit den Luftballons finde ich sehr rührend.
    Herzliche Grüße
    Regina

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    1. Ja, ich habe es auch dort noch einmal gesehen - wir sind morgens direkt darauf zu gefahren, denn die Stelle ist keinen Kilometer von uns zu Hause entfernt. Wenn du mich demnächst besuchst, kommst du dort vorbei. Seit Montag stehen an der Brücke ein Kreuz, Kerzen und Blumen. Sie ist so eine Art Wallfahrtsort für die Hinterbliebenen geworden. LG Martina

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  3. Was für eine schlimme Geschichte, ich fühle bei Autounfällen immer sehr mit und bin dankbar, dass es bei mir gut ausging. Die Luftballons sind eine wunderbare Geste...
    LG
    Manu

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    1. Ja, fand ich auch. Die Idee stammt von seinen Mitschülern, die gerade mitten im Abitur stecken und einen Tag nach dem Unfall eigentlich eine Klausur geschrieben hätten. LG Martina

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  4. Liebe Martina,
    ich kenne den jungen Mann niht - und doch habe ich Tränen in den Augen.
    Es ist eine ergreifende Geschichte,
    Wir alle können unserem Schicksal nicht entfliehen. Ich glaube, es ist
    vorbestimmt und schlägt zu, wenn die Zeit gekommen ist.
    Der Familie gilt mein tiefes Mitgefühl.
    Einen schönen Sonntagabend wünscht Dir
    Irmi

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    1. Die Traurigkeit, die in den Familien herrscht, die ein Kind oder ein Elternteil so früh 'verlieren', muss unbeschreiblich sein. LG Martina

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