Sonntag, 20. Juli 2014

Aussteuer


Mein Mann gab mir letztens die Zeitschrift ‚Das Haus’ in die Hand. ‚Lies mal!’ (Er ist kein Mann der vielen Worte.) Dort stand, dass man bei diesen Temperaturen am besten unter weißer oder eisblauer Bettwäsche schlafen könnte. Sie hätte wirklich eine kühlende Wirkung.
Weiße Bettwäsche – die hatte ich ‚früher’ auch. Ich erinnere mich daran, dass ich ab dem 12. Lebensjahr zu jedem Weihnachtsfest und auch zum Geburtstag etwas für die Aussteuer bekam. Dieses Wort gibt es heute glaube ich gar nicht mehr. Von allem musste es mindestens ein Dutzend sein und so konnte ich irgendwann 12 weiße Damastbettbezüge mein eigen nennen. Dazu gab es dann noch jede Menge Handtücher (besonders zur Konfirmation), ein komplettes Besteck, Essgeschirr, Kaffeegeschirr und Tischdecken.
Als ich dann geheiratet habe und eine eigene Wohnung hatte, da passte keine einzige dieser Tischdecken, denn mein Tisch hatte ein ganz anderes Format, als die Tischwäsche, die im Schrank lag. Die Handtücher passten in der Regel farblich nicht ins Bad und die moderne Bettwäsche dieser Zeit war nicht mehr weiß, sondern bunt. Und die wollte ich viel lieber haben.
Dann habe ich begonnen, einige weiße einzufärben – mit mal mehr, mal weniger Erfolg. Das Geschirr war nicht spülmaschinenfest und entsprach dann später auch gar nicht mehr meinem Geschmack. Heute existiert von diesen Dingen gar nichts mehr.
Während ich das hier schreibe, denke ich: Meine Güte, du hast Probleme. Andere Menschen wären froh, wenn sie dies alles gehabt hätten. Vielleicht war ich undankbar, doch als ich noch jung war, ist mir das gar nicht so aufgefallen. Erst jetzt. Hätte ich noch von der weißen Bettwäsche (aber hier würde auch das Maß nicht mehr passen), dann hätte ich sie jetzt wegen der kühlenden Wirkung aufgezogen.

Kommentare:

  1. Meine "Bettwäsche" ist weiß, obwohl ich seit Jahren (aktuell 14) kein Bett habe :-)
    Den Begriff "Aussteuer" lese ich aber in der Tat heute zum ersten Mal.

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    1. Na da kannst du mal sehen, da hast du heute richtig was gelernt. Oh ja, die Aussteuer, darauf legte meine Familie großen Wert und alles musste immer im Dutzend vorhanden! Ich werde gleich mal schauen, ob Herr Google die Aussteuer noch kennt. ;-) LG Martina

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  2. Natürlich kenne ich das Wort Aussteuer noch, aber glücklicherweise haben meine Eltern das nicht gemacht. Nur Sammeltassen, die bekam ich von Tanten zu jeder Gelegenheit, oje!
    Wünsche dir einen schönen Wochenanfang.Lore

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    1. Sammeltassen sind aber auch eine echte Strafe, liebe Lore!
      Danke für den Kommentar und eine schöne Woche! Martina

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  3. Hallo Martina,
    da muss ich schmunzeln, denn der Sohn liebt diese kühlende Bettwäsche im Sommer heute noch. Wir haben ein paar eingefärbte Damastbezüge geerbt! Meine Aussteuerkiste fand ich auch immer total blöd und doch war ich froh, dass ich zu Beginn einiges an Handtüchern und Schüsseln hatte. Manches wurde schnell durch neues ersetzt und manches ist bis heute geblieben.
    LG
    Manu

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    1. Du hast recht, zu Anfang war es sehr hilfreich, auf einiges zurückgreifen zu können, doch bei mir war ein eindeutig viel zu viel. Mir tut heute noch das Geld leid, das meine Oma investiert hat. Froh bin ich in jedem Fall, dass sich doch noch zwei gefunden haben, die mit dem Ausdruck überhaupt noch etwas anfangen konnten! LG Martina

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  4. Hallo Martina,
    das hatte durchaus gepaßt, als wir geheiratet hatten. Meine Frau hatte einiges an Bettwäsche, Geschirr usw. in unseren gemeinsamen Haushalt mit eingebracht. Empfinde ich im nachhinein durchaus als sinnvoll.

    Gruß Dieter

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  5. Sinnvoll war es, in jedem Fall, denn der Geldbeutel war damals echt schmal - zumindest bei uns war es so. Doch in diesen Mengen - von allem ein Dutzend -, war es einfach zuviel!
    LG Martina

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