Mittwoch, 6. August 2014

Ick sidde inne Baunen!

Es gibt immer wieder Momente oder Situationen in meinem Leben, in denen ich mich an meine Eltern oder Großeltern erinnere. So geschah es auch jetzt wieder.
Grüne Sojabohnen / IconEin Nachbar stand vor der Haustür, ‚bewaffnet’ mit zwei 10-Liter-Eimern, in denen sich grüne Bohnen befanden.
„Kannst du die gebrauchen?“, fragte er.
Ich jubelte: „Na klar, die nehme ich sehr gerne!“
„Ja“, sagte er dann, „dieses Jahr ist ein ‚Bohnenjahr’, ich habe schon 45 (!) Gläser eingemacht, mehr brauchen wir nicht.“
Mit diesem Wort ‚Bohnenjahr’ brachte er mich mit meinen Gedanken zu meiner Mutter, denn genau so hätte sie sich auch ausgedrückt, wenn sie sagen wollte: die Bohnenernte war in diesem Jahr überdurchschnittlich gut.
Und so gingen meine Gedanken zu dieser Zeit zurück. 
(Die grünen Bohnen heißen bei uns auch ‚Brechbohnen’ – und meine Tochter wusste als Kind ganz genau, warum sie so heißen, denn sie mochte die warme Variante nicht und fand sie … - na, zum Brechen haltJ!)
Diese Brechbohnen wurden allerdings bei uns nicht gebrochen, sondern mit dem Messer geschnitten. Das machten wir Kinder und ich weiß noch, wie Mutter sagte: Die müssen noch 'abgedöppt' werden. Das bedeutete, dass die Blüte und der Stil auch noch entfernt werden mussten, und wir nicht nur die Bohnen in Stücke schneiden sollten.
Dann stand mir folgende Situation vor Augen. Ich stellte mir vor, wie eine Freundin meiner Mutter, die immer gerne lange mit ihr telefonierte, anrief. Mit ihr sprach sie plattdeutsch. Sie heißt ‚Luise’, doch für meine Mutter war sie ‚Lieschen’ (nicht Lies-chen). So, nun stellt euch vor, Lieschen rief an, während meine Mutter in der Küche stand und Bohnen einmachte. Ich weiß gaaaanz genau, welchen Satz Lieschen zu hören bekommen hätte: „Du Lieschen, ick häbbe keine Teut, ick sidde inne Baunen!“ Verzeiht mir meinen kläglichen Versuch, plattdeutsch zu schreiben, doch übersetzt heißt er: „Du Lieschen, ich habe keine Zeit, ich mache Bohnen ein – oder genauer: ich sitze in den Bohnen“ – was natürlich nicht wörtlich zu nehmen ist.

Danke schon bilder, dass ihr mir bis hierher gefolgt seid – ich muss jetzt aber leider gehen, denn ich habe eigentlich überhaupt keine Zeit, denn ihr wisst ja: ick sidde inne Baunen!!!


An dieser Stelle geht ein herzlicher
Willkommensgruß an
Doris von Wolke sieben!!!


Kommentare:

  1. Oh schön , meine haben es nicht geschafft . Zweimal wegen der gefräßigen Schnecken . Und dann war ich zu spät dran , neue zu stecken . Naja , in den letzten beiden Jahren hat es geklappt.
    Aber wir essen fast immer alles auf , was sich zu bestimmter Zeit aus dem Garten ergibt . Ich hätte auch keine guten Einlagerungsmöglichkeiten .
    Schöne Grüß inne Bounen .

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    1. Wir hatten auch so viele Schnecken, keine Ahnung, weshalb sie nicht beim Nachbarn waren :-)! Das Gemüse oder den Salat zu essen, der gerade im Garten wächst, ist das Beste, was uns passieren kann! LG Martina

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  2. Hallo Martina,
    Baunen giff dat bi uss nich, ower sso allerlei annere Soaken, Mirabellen sin vandage reip und dat giif ne söite Marmelade.
    Holt di wacker
    Regina

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    1. Ick häbbe moi jüste kaputt lachet. Ick kann et bierter verstaun, als liersen.
      Mann oder Mann, ich geb es auf. Ich habe so gelacht - über mich, weil ich es so holperig gelesen habe, wie ich es auch spreche! Danke für den plattdeutschen Kommentar, der mir alles abverlangt hat :-)! LG Martina

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  3. . . . bei uns gehts grade erst los mit den "Banal" wie die "Baunen" bei uns auf niederbayerisch heißen ;0) Könnte sie jeden Tag essen und in allen Variationen . . . .
    Fröhliches Schnippeln,
    Doris

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    1. Hei, dann habt ihr die Bohnen wohl später gelegt, als unser Nachbar. In jedem Fall guten Appetit, wenn sie dann irgendwann gepflückt und gegessen werden können! LG Martina

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  4. Ui, 2 Eimer,
    wir haben gerade so viel, dass sie so weggegessen werden,
    unsere Enkel mögen sie auch sehr gerne.
    Ich mag die grünen und gelben Brechbohnen lieber als die Stangenbohnen.
    Hoffentlich sitzt du nicht mehr allzulange inne Bohnen.
    Liebe Grüße
    Nähoma

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    1. Ach, dass werde ich ihm erzählen, dass die Ernte nicht überall so reich ausgefallen ist. Dann wird er sich über seinen 'Bohnensegen' besonders freuen! LG Martina

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  5. Antworten
    1. Liebe Lore, wenn wir so richtig loslegen würden mit unserem plattdeutsch, dann würdest du kein einziges Wort verstehen. Stell dir vor: du bayrisch, wir plattdeutsch und keine verstünde die andere. Das wäre aber wirklich schade! LG Martina

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  6. Hallo Martina,
    der Blogzug brachte mich grad zu dir und mit deiner Bohnengeschichte hast du auch Kindheitserinnerungen in mir geweckt :)
    Wir hatten früher auch immer so viele Bohnen im Garten, die erst eingekocht, später irgendwann mal eingefroren worden - und ich hatte die gleichen Assoziationen wie deine Tochter *lach - Auch heute mag ich die Bohnen nur kalt und in Salatform...
    Herrlich, dein platt :))

    Ich bleib einfach mal hier und lese mich gerne noch weiter in deine Geschichten!

    Liebe Grüße, Suzie

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    1. Hallo Suzie, ich freue mich, dass du mich gefunden hast und wünsche dir viel Freude bei mir - ich hoffe es gefällt dir und du bleibst! LG Martina

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