Sonntag, 21. Dezember 2014

Der Weihnachtsabend eines Kellners


Kellner berufe bilder
Aller Welt dreht er den Rücken,
und sein Blick geht zu Protest.
Und dann murmelt er beim Bücken:
"Ach, du liebes Weihnachtsfest!"

Im Lokal sind nur zwei Kunden.
(Fröhlich sehn die auch nicht aus.)
Und der Kellner zählt die Stunden.
Doch er darf noch nicht nach Haus.

Denn vielleicht kommt doch noch einer,
welcher keinen Christbaum hat,
und allein ist wie sonst keiner
in der feierlichen Stadt.

Dann schon lieber Kellner bleiben
und zur Nacht nach Hause gehn,
als jetzt durch die Straßen treiben
und vor fremden Fenstern stehn.
Erich Kästner (1899-1974)


Kommentare:

  1. Vielen Dank für das Gedicht Martina. Ich mag Erich Kästner sehr. Sein hintersinniger Witz trifft oft ins Schwarze und was lustig klingt, hat ernsthafte Tiefe und Wahrheitsgehalt. Ein nachdenklicher Moment im Weihnachstrubel. Liebe Grüße Tanja

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    1. Genau das triift es! Auch dieses, zunächst humorvoll anmutende Gedicht, endet berührend! LG und einen guten Start in die Weihnachtswoche! Martin

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  2. Gefällt mir gut

    Liebste Grüße zu dir :-)

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