Dienstag, 30. September 2014

Ein letzter Wunsch

Manche 'Reizwörter' tragen ihren Namen wirklich zu recht. 
In diesem Fall war es das Wort 'Brillanz', das uns und unser Gehirn gewaltig gereizt hat. Wir haben es dann aber doch noch unterbringen können und heute präsentieren wir das Ergebnis. 
Folgende weiteren Wörter müssen vorkommen: 
Geschenk – freudig – melancholisch – schreiben




Olga war heute ein wenig melancholisch zumute. Dieser nun schon seit Tagen andauernde Regen war wohl dafür verantwortlich. Eigentlich hatte sie sich vorgenommen, in dieser Woche die Büsche im Garten zu schneiden, doch bei diesem Wetter war das einfach nicht möglich. Zunächst wusste sie nichts mit sich und der gewonnenen freien Zeit anzufangen, doch dann ging sie zum Bücherregal, das im Wohnzimmer stand, kramte ein altes Fotoalbum hervor, strich über die etwas verstaubte Oberfläche und schlug es auf. Bereits beim ersten Bild musste sie schmunzeln. Gut, die Fotos hatten inzwischen an Brillanz verloren, doch das machte nichts. Auch wenn sie einen Gelbschimmer zeigten, so führten sie Olga doch zurück in die Vergangenheit.
‚Auf alten Fotos sieht man immer so jung aus’, ging es ihr durch den Kopf und sie musste über ihren eigenen Witz lächeln. Die Bilder zeigten ihre Schule und ihre allerbesten Freundinnen. Wieso war ihre Freundschaft eigentlich zerbrochen, fragte sie sich in diesem Moment? Einen ersichtlichen Grund hatte es nicht gegeben. Ihr Blick blieb auf einem Foto hängen, auf dem sie alle vier zu sehen waren: Sie, Olga, stand ganz links, neben ihr Marlies, daneben Anna und Sabine. Olga erinnerte sich daran, wie sie von den übrigen Klassenkameraden genannt wurden: die O-M-A-S! Die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen ergaben diesen Spitznamen, den sie gemeinsam bekommen hatten. Olga, Marlies, Anna, Sabine! Sie waren ein wirklich gutes Quartett, nicht zwei und zwei Freundinnen, sondern vier – und dass war schon etwas ganz Besonderes und ein wahres Geschenk.
Nach einer Weile legte Olga das Album zur Seite. In der heutigen Zeit musste es doch möglich sein, die anderen drei wieder zu finden. Kurz entschlossen schaltete sie den PC ein und forschte im Internet nach ihnen. Sie war bisher in keinem Forum unterwegs, wollte keine fingierten Freunde, doch ihre wahren, echten Freunde von damals wieder zu finden, das reizte sie und stimmte sie freudig. Olga schaute sich die eine oder andere Internetseite an und stieß dabei auf ihre alte Schule und ein Foto ihrer Klasse. Sie meldete sich dort an und schon nach kurzer Zeit hatte sie Zugang zu den Namen ihrer alten Klassenkameraden. Es bedurfte schon einiger Anstrengung, sich an die Person hinter den Namen zu erinnern, doch so nach und nach kamen sie ihr wieder in den Sinn und dann stand dort der Name von Sabine zusammen mit einer E-Mail-Adresse. Ob sie ihr schreiben und sie fragen sollte, wo jetzt ihr zuhause war? Da Sabine dort mit ihrem Mädchennamen stand, vermutete Olga, dass ihre frühere Freundin unverheiratet geblieben war. Dann entschied sie spontan, sich bei ihr zu melden und schrieb in ihrer E-Mail, dass sie noch in ihrem früheren Heimatort verblieben sei, dass sie vor über 30 Jahren geheiratet und zwei erwachsene Söhne habe und nun bald eine echte Oma würde. Bereits nach kurzer Zeit antwortete ihre ehemalige Freundin. Sie freue sich, schrieb sie, von Olga zu hören. Ganz so viel Glück mit Männern habe sie nicht gehabt, ließ sie verlauten. Sie sei geschieden und habe ihren Mädchennamen wieder angenommen. Kinder habe sie keine. Ob sie schon gehört habe, fragte Sabine weiter, dass Anna so schwer erkrankt sei. Olga musste dies verneinen und hatte dabei einen dicken Kloß im Magen.
Sie hatte immer gemeint, ihr Leben sei schwierig, weil ihr Mann oft nicht zu Hause und sie für vieles allein verantwortlich war, doch wenn sie jetzt von dem Leben ihrer Freundinnen hörte, dann wurde ihr bewusst, wie gut es das Leben bisher mit ihr gemeint hatte. Sie erinnerte sich an ihren Großvater, der immer gesagt hatte: ‚Du darfst nicht nach oben schauen, zu den Menschen, denen es vermeintlich besser geht, als dir, das macht dich nur neidisch. Schau auf die Menschen, denen es nicht so gut ergeht, dann wirst du ein zufriedener Mensch.’ Wie Recht er damit hatte. Sie konnte wirklich zufrieden sein mit ihrem Leben. Sie war nicht reich, doch sie hatte eine Familie, alle waren gesund, gingen einer Arbeit nach und hatten ihr Auskommen.
Olga suchte weiter im Internet und fand auch noch Marlies, die offensichtlich verheiratet war. Das verriet ihr Doppelname. Auch an Marlies schrieb Olga eine E-Mail und auch die Antwort kam prompt. Sie wisse, schrieb Marlies zurück, dass Anna schwer erkrankt sei, sie habe sie zufällig im Hospiz getroffen, als sie dort ihren Mann besucht habe, der vor ein paar Wochen verstorben sei. Olga war erschüttert. Die Menschen, die ihr früher einmal so viel bedeutet und ihr so nahe gestanden hatten, hatte das Schicksal hart getroffen, und sie ahnte nichts davon, obwohl sie alle noch in ihrer näheren Umgebung wohnten. Olga hatte das ganz große Bedürfnis, Anna noch einmal zu sehen, bevor sie diese Welt verließ und deshalb schrieb sie Marlies nicht zurück, sondern rief bei ihr an. Sie telefonierten 2 Stunden lang und weinten so manche Träne miteinander und sie verabredeten, gemeinsam Anna zu besuchen. Auch Sabine wurde gefragt und sagte sofort zu.
Die drei früheren Freundinnen trafen nach so langer Zeit vor dem Hospiz aufeinander. Sie fielen sich in die Arme, doch es wollte keine rechte Freude aufkommen, zu schwer war der Besuch, der vor ihnen lag.
Mit klopfendem Herzen standen sie dann vor Annas Tür. Als die drei den Raum betraten, lag ein Lächeln auf Annas schmalem und vom Tod gezeichneten blassen Gesicht, doch sie war die Erste, die etwas sagte und damit die schier unerträgliche Situation milderte.
„Nun sind die OMAS wieder komplett“, sprach sie mit leiser Stimme. Sie war sehr abgemagert und man merkte, wie schwach sie war und wie schwer ihr das Sprechen fiel.
„Wisst ihr“, flüsterte sie leise, „ich habe in den letzten Tagen viele Gespräche mit Gott geführt. Ich hadere nicht mit ihm oder meinem Schicksal. Es ist, wie es ist und ich bin bereit, zu gehen, doch die einzigen Menschen, die ich vorher noch einmal sehen wollte, wart ihr drei. Und deshalb habe ich ihn inständig darum gebeten, er möge veranlassen, dass ihr zu mir kommt, denn es gibt sonst niemanden mehr in meinem Leben, von dem ich mich verabschieden könnte. Er hat meine Bitte erhört, ihr seid bei mir. Doch bevor ich gehe, möchte ich so gerne wissen, was das Leben für euch gebracht hat“.
Wie selbstverständlich setzten sich die drei anderen um Annas Bett und erzählten von sich und ihrem Leben. Das Lächeln wich dabei nicht mehr aus Annas Gesicht, auch nicht, als der Tod schon neben ihr stand und ein Engel sie mit sich fort nahm.

© Martina Pfannenschmidt, 2014

Weitere Geschichten gibt es wie immer:
Hier, hier und hier!!!

Montag, 29. September 2014

Zellen

Als ich mich gestern auf die Suche machte, aus wie vielen Zellen der menschliche Körper besteht, stieß ich auf einen interessanten Artikel von Klaus D. Endrulis. Er schreibt:

Der Zyklus von der Geburt bis zum Tod der Zelle und die Teilung ist je nach Zellenart unterschiedlich. Unser Körper erneuert sich ständig. Bei einem erwachsenen Menschen sterben in jeder Sekunde etwa 50 Millionen Zellen und werden gegen neue ausgetauscht.  Aber eben nur fast, denn der erwachsene Mensch baut nach und nach ab.
Am  schnellsten teilen (erneuern) sich Darm- (1-2 Tage) Zahn-, Haar-, Augen-, und Tumorzellen. Deshalb fallen dem Menschen bei der Chemotherapie auch Haare und Zähne aus und die Augen werden schlechter.
Am längsten dauert die Zellteilung der Knochen, etwa 3 Monate.
Der Mensch und seine Zellen erneuern sich immer und überall - doch nun kommt das Wunder:
Obwohl die Zelle ganz nagelneu ist - gerade in diesem Moment gemacht - nimmt sie sofort den Zustand der alten, verbrauchten Zelle an.
Warum das so ist? Das weiß kein Mensch und alle Forscher der Welt sind seit Jahrhunderten auf der Suche danach - den Jungbrunnen zu finden!

Diese Frage finde ich insofern interessant, weil ich auch bereits in einem Post auf dieses Phänomen hingewiesen und mir genau diese Frage gestellt habe.
Warum ist es so? Die Frage beschäftigt mich sehr. Die neue Zelle übernimmt sogleich die 'Fehler' der alten Zelle. Nichts dazu gelernt, könnte man salopp sagen. Aber vielleicht ist es genau das. Wir, der Mensch hinter dieser Zelle, haben nichts verändert. Vielleicht hätten erkrankte Zellen die Chance gesund zu werden, würde der Mensch sich bzw. seine Einstellung, Gedanken und Handlungen verändern. 



Sonntag, 28. September 2014

7.000.000.000 – nur eine gigantische Zahl?

Nein, viel mehr als das, denn hinter jeder einzelnen Zahl steht ein Mensch. Du, ich, wir alle. 7.000.000.000!! Und doch sind wir alle unverwechselbar und einzigartig. Ist das nicht einfach unglaublich? Doch ich kann diese Zahl noch toppen und zwar mit dieser:
Aus 100.000.000.000.000 einzelner Zellen soll unser Körper bestehen. Legte man alle Zellen eines Menschen aneinander, so reichten sie vier Millionen Kilometer weit - oder 100 - mal um die Erde, oder 12 mal von der Erde bis zum Mond.
Ich frage mich, ob jeder dieser einzelnen kleinen Zellen bewusst ist, dass sie nicht alleine steht, sondern gemeinsam mit allen anderen Zellen zusammen arbeitet und einen großen Zellenverband und damit einen Menschen bildet. Vermutlich nicht, oder?
Liegt da nicht der Gedanke nahe, dass auch wir, also alle 7.000.000.000 Menschen zusammen für etwas arbeiten und uns dies auch nicht bewusst ist?


Samstag, 27. September 2014

Weitere Gedanken zur Wahrheit

Elke brachte mich gestern mit ihrem Kommentar zum Nachdenken. Sie hat das Beispiel mit der Empfindung von warm und kalt im gestrigen Post aufgegriffen und auf sich und ihren Lebenspartner umgemünzt und dann mussten beide lachen, schreibt sie, weil sie erkannten, keiner hat die Wahrheit – jeder hat ein anderes Empfinden.

schilder-0209.gif von 123gif.de Download & GrußkartenversandDas brachte mich auf folgende Gedanken. Stellt euch ein Paar vor, das in der Küche am Frühstückstisch sitzt. Jeder blinzelt in einem anderen Rhythmus. Immer dann, wenn die Frau schaut, ist der Raum pink erleuchtet. In dem Moment sind die Augen des Mannes geschlossen. Öffnet dieser nun die Augen, wechselt die Lampe ihr Licht und scheint blau – in diesem Moment sind die Augen der Frau geschlossen.

Die Frau sagt nach einer Weile ‚ist dieses pinke Licht nicht besonders schön’? ‚Welches pinke Licht?’, wird er fragen. ‚Na, das, was hier den Raum erhellt’, wird sie genervt antworten und seine Gegenfrage nicht verstehen. ‚Aber das ist doch blau’, wird er verständnislos antworten. Und was passiert dann? Die beiden geraden in einen heftigen Streit, denn jeder  w-e-i-ß  ja, dass er recht hat – er sieht es doch mit seinen eigenen Augen. 

Ja, so ist es, aber jeder sieht etwas anderes, nämlich  s-e-i-n-e  Wahrheit und das muss nicht zwingend die Wahrheit des anderen sein. 

Wie oft gibt es wohl Streit, weil ein Partner eine andere Sicht auf die Dinge hat, als der andere - und wie unnütz ist es dann, zu streiten!


Freitag, 26. September 2014

Was ist Wahrheit – und was Wahrhaftigkeit?


Als ich mich auf die Suche nach diesen Begriffen machte, fand ich bei ‚YAHOO! Clever’ eine Antwort von ‚Venus’, der ich nichts hinzuzufügen habe. Er schreibt dort:

Wahrhaftigkeit
Ein wahrhaftiger Mensch ist für mich ein Mensch, der authentisch ist, er ist er selbst und zwar in allen Situationen des Lebens. Ein wahrhaftiger Mensch ist jemand mit Prinzipien, Ethik und moralischen Grundsätzen. 


Wahrheit 
Wessen Wahrheit? 
Deine, meine, unsere? 
Gibt es eine absolute Wahrheit? 
Ist nicht alles eine Frage der Erziehung, Prägung, der Auswertung über das bereits Erlebte? 
Schaue ich nicht immer subjektiv auf eine Thematik, um sie evtl. zu be’urteilen’? 
Dann ist Wahrheit und das, was ich für MEINE Wahrheit halte, 
die Summe meiner Erfahrungen und Erkenntnisse - 
gerichtet auf eine Person oder Situation -, 
in Bezug auf das Urteil, das ich fälle. 
Für mich persönlich gibt es keine Wahrheit. 
Was ich für "wahr" halte, kann für Dich schon unwahr sein... 
Ist es warm? 
Ist es kalt? 
Ab wann ist es warm und ab wann ist es kalt? 
Ist es bei 12 Grad warm oder kalt? 
Ist es bei 25 Grad warm oder heiß? 
Ist denn nicht - und das nicht erst seit Einstein dies so wunderbar beschrieb und bewies - ALLES relativ? 


Donnerstag, 25. September 2014

Loslassen

Einige Kommentare zu meinem gestrigen Post veranlassen mich, heute einmal über das Loslassen nachzudenken.
Ja, ich weiß es aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, sein Kind los zu lassen. Aber es sind ja nicht nur Kinder, von denen wir uns lösen müssen, doch meine Gedanken heute drehen sich um das Loslassen zwischen Mutter und Kind.
Wenn das Kind geboren wird, dann muss es sich von der Nähe der Mutter lösen. Ich kann mir gut vorstellen, wie schwer es sein muss, wenn die Nabelschnur durchtrennt wird. Das ist die erste Lösung, das erste Loslassen, das uns hier auf der Welt erwartet. Ab dann sind Mutter und Kind nicht mehr eins, sondern zwei. Auch die Mutter muss natürlich das Kind los lassen und aus seinem Bauch entlassen. Ich denke, dass die Mutter dann eine ‚schwere Geburt’ erlebt, wenn sie eben dieses Kind nicht aus ihrem Bauch entlassen, sondern noch bei sich behalten möchte. Aber es geht nicht. Das ist nicht der Sinn. Das Kind muss sich von der Mutter lösen, sonst ist es nicht lebensfähig.
Kaum haben Mutter und Kind dieses überstanden, müssen sie sich wieder trennen. An der Kindergartentür. Wieder so eine schwere Zeit für beide. Wieder muss das Loslassen geübt werden. Kommt das Kind dann in die Schule, ist der Schritt des Loslassens von der Mutter schon gelernt und es ist kein Problem. Dann kommt die erste Klassenfahrt. Vielleicht für eine Woche. Eine Woche lang getrennt sein von Mutter und Familie. Wieder muss das Loslassen geübt werden, auf beiden Seiten.
Wird das Kind erwachsen, rebelliert es gegen die Eltern. Dann ist es vielleicht später nicht mehr so schwer, sich von der Familie zu lösen. Wenn man die Eltern gar nicht mehr so nah an sich heran lässt, dann ist es vielleicht einfacher, zu gehen, denn der Tag kommt, an dem das Kind von zu Hause auszieht, zum Studium oder spätestens dann, wenn es selbständig sein oder eine eigene Familie gründen möchte.
Es gibt so einen schönen Sinnspruch, der aus Indien stammt:
‚Solange die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie älter geworden sind, gib ihnen Flügel.’ Doch das setzt eins voraus: wir müssen sie loslassen, damit sie fliegen können. Wir müssen uns klar darüber werden, dass Kinder zu uns kommen, eine Weile nah bei uns sind und uns dann verlassen. Damit gilt es umzugehen. Das ist schwer. Sehr schwer!
Und dann gibt es den Moment, wo wir ganz von hier gehen und es sozusagen ein letztes Loslassen auf beiden Seiten geben muss. Manchmal ist es sogar das Kind, das vor der Mutter gehen will oder darf und dann wird es ganz besonders schwer. Das Loslassen-Lernen hört niemals auf, aber auch das Wiedersehen nicht. Es wird immer wieder ein Wiedersehen geben. Das ist der einzige Trost, den wir haben. 

Foto: geist.der.gesetze.wordpressD

Mittwoch, 24. September 2014

Es war einmal ein Kind, das bereit war, geboren zu werden

Rechts auf meinem Dashboard (dieses neudeutsche Wort kannte ich früher gar nicht J) findet ihr u. a. 'Beliebte Posts'. Oft schaffen es meine (erfundenen) Geschichten, die aus den Reizwörtern entstanden sind, auf die ersten Plätze. Das freut mich natürlich, doch jetzt steht dort eine wahre Geschichte, die es wirklich verdient hat, den 1. Platz einzunehmen. Ich rede von Joshua und 'seiner' wahren Schicksals-Geschichte.

Für ihn und alle Kinder dieser Welt, gibt es heute diese Geschichte, von der ich leider nicht weiß, wer sie geschrieben hat. Aber sie ist einfach zauberhaft! 

Das Kind fragte Gott: „Sie sagen mir, dass du mich morgen auf die Erde schicken wirst, aber wie soll ich dort leben, wo ich doch so klein und hilflos bin?“ Gott antwortete: „Von all den vielen Engeln suche ich einen für dich aus. Dein Engel wird auf dich warten und auf dich aufpassen.“

Das Kind erkundigte sich weiter: „Aber sag, hier im Himmel brauche ich nichts zu tun, außer singen und lachen, um fröhlich zu sein.“ Gott sagte: „Dein Engel wird für dich singen und auch für dich lachen, jeden Tag. Und du wirst die Liebe deines Engels fühlen und sehr glücklich sein.“

Wieder fragte das Kind: „Und wie werde ich in der Lage sein, die Leute zu verstehen, wenn sie zu mir sprechen und ich die Sprache nicht kenne?“ Gott sagte: „Dein Engel wird dir die schönsten und süßesten Worte sagen, die du jemals hören wirst, und mit viel Ruhe und Geduld wird dein Engel dich lehren zu sprechen.“

„Und was werde ich tun, wenn ich mit dir reden möchte?“ – Gott sagte: „Dein Engel wird deine Hände aneinanderlegen und dich lehren zu beten.“
„Ich habe gehört, dass es auf der Erde böse Menschen gibt. Wer wird mich beschützen?“ Gott sagte: „Dein Engel wird dich verteidigen, auch wenn er dabei sein Leben riskiert.“

„Aber ich werde immer traurig sein, weil ich dich niemals wieder sehe.“ Gott sagte: „Dein Engel wird mit dir über mich sprechen und dir den Weg zeigen, auf dem du immer wieder zu mir zurückkommen kannst. Dadurch werde ich immer in deiner Nähe sein.“.

In diesem Moment herrschte viel Frieden im Himmel, aber man konnte schon Stimmen von der Erde hören und das Kind fragte schnell: „Gott, bevor ich dich jetzt verlasse, bitte sage mir den Namen meines Engels.“ – „Ihr Name ist nicht wichtig. Du wirst sie einfach 'Mama' nennen.“



Dienstag, 23. September 2014

Ein magischer Ort

Heute geht nicht nur bei mir, sondern auch bei
REGINA, LORE und EVA die
30. Reizwörtergeschichte an den Start!
Die Wörter, die vorgegeben wurden, lauteten:
Leben – Muster – gefangen – perfekt – strukturieren


Es bedurfte schon einiger Anstrengung, diesen Berg zu erklimmen, doch Alexander wusste, dass es sich lohnen würde, denn er war nicht zum ersten Mal hier. Damals, vor 5 Jahren, war er allerdings nicht so wie heute mit seinem Rennrad unterwegs, sondern er hatte sich einen Wagen gemietet.
Diese eine Steigung galt es noch zu überwinden, dann hätte er sein Ziel erreicht. Alex schmunzelte, denn diese Anstrengung heute war sinnbildlich für sein Leben. Ja, es hatte ihn einige Mühen gekostet, es zu verändern, doch es war ihm gelungen und er hatte das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.
Er stellte sein Rad zur Seite, nahm den Helm ab und betrachtete die Möwen, die unter dem blauen Himmelszelt kreischend ihre Bahnen zogen und er genoss diese erhabene Weite, die nun vor ihm lag. Dann setzte er sich, genau wie damals, auf den massiven Felsen oberhalb des tiefblauen Meeres und atmete mit geschlossenen Augen tief durch. Eine große Welle klatschte gegen den Felsen und das Wasser ließ seine gewaltige Macht erkennen. An diesem Ort zeigte die Natur eine ihrer schönsten Seiten.
Die Gedanken von Alex gingen unweigerlich zurück zu dem Tag vor fünf Jahren. Er wusste es noch wie heute, dass er hier gesessen und ihm ein Satz oder besser eine Aufforderung nicht aus dem Kopf gegangen war, die er zuvor in einem Buch gelesen hatte.
‚Stellen Sie sich vor’, hatte dort gestanden, ‚heute wäre ihr 80. Geburtstag und sie blickten zurück auf ihr Leben und Sie schrieben einen Brief an sich selbst in die Jetztzeit! Was würden Sie sich schreiben?’
Dieser Satz hatte ihn aufgewühlt und ihm bewusst gemacht, dass er nicht ewig leben würde und die Zeit, um sein Leben lebenswert zu gestalten, begrenzt war. Der Gedanke, eines Tages 80 Jahre alt zu sein und dann vielleicht erkennen zu müssen, sein Leben vergeudet zu haben, hatte ihn gerade noch rechtzeitig wach gerüttelt.
Alexander griff in seine rechte Hosentasche und holte einen Umschlag hervor. Darin war der Brief, den er damals, auf diesem Felsen sitzend, geschrieben und an sich gerichtet hatte und er begann zu lesen:
‚Lieber Alex, du bist jetzt 34 Jahre alt, und du hast viel in deinem Leben erreicht. Du bist ein erfolgreicher Arzt, so wie es dein Vater auch ist und wie er es sich immer gewünscht hat. Du hast nicht nur dein Auskommen, sondern mehr als das, zumindest an materiellen Dingen, und deine zahlreichen so genannten Freunde haben dies auch. Doch sei bitte ein einziges Mal ehrlich zu dir selbst. Bist du wirklich glücklich? Dein Leben scheint perfekt, doch ist es das auch? Was ist aus all deinen Träumen geworden? Nach dem Studium hattest du dir geschworen, eine Auszeit zu nehmen und für ein Jahr durch Amerika zu reisen. Darf ich dich fragen, was daraus geworden ist? Du hast es nicht gemacht. Ja, ich weiß! Es ginge nicht, dachtest du, weil dein Vater erkrankte und du von heute auf morgen allein in der Praxis warst. Du hilft den Menschen, dass ist eine wichtige Aufgabe, doch wer hilft dir? Wer hört dir zu, fragt, wie es dir geht? Warum schaust du dich nicht nach einem Kompagnon um? Weil du es deinem Vater nicht antun möchtest? Ich kann dir sagen, wohin dein Leben führt, wenn du nichts veränderst. Es führt dich von einem Tag zum anderen – aber ohne Freude. Du gehst von einer Party zur nächsten, führst ein oberflächliches Privatleben, das dir, wenn du ehrlich zu dir selbst bist, keine Freude bereitet. Hast du dich schon einmal gefragt, warum du immer noch mit Jessica zusammen bleibst, obwohl du längst erkannt hast, dass ihr überhaupt nicht zueinander passt. Warum trennst du dich nicht von ihr und von allem, was dir und deinem Leben nicht gut tut? Stell dir vor, wie es ist, wenn du deinen 80. Geburtstag feierst und dein Leben so weitergeht, wie jetzt. Dann kannst du nichts mehr rückgängig machen oder verändern. Sieh zu, dass dein Leben lebenswert wird und zieh die Notbremse – jetzt!’

Er hatte diesen Brief damals in einen Umschlag gesteckt und an sich selbst gerichtet. Als er zwei Tage später in seinem Briefkasten lag, wusste er genau, was er wollte und dieses Ziel hatte er nicht mehr aus den Augen verloren. Alex hatte erkannt, dass die Wohnung, in der er mit Jessica lebte, wie ein goldener Käfig für ihn war, in dem er sich nicht frei, sondern gefangen fühlte. Jessica hatte sie eingerichtet, denn sie war eine erfolgreiche Innenarchitektin. Wenn er ehrlich zu sich war, dann war die Wohnung zwar sehr schick, doch ein Zuhause war sie für ihn nicht und warum hatte er eigentlich den Wunsch nach Kindern aufgegeben? Nur weil Jessica keine haben wollte? Was hielt ihn noch bei ihr und in dieser Wohnung?
Noch am selben Abend hatte er seine Koffer gepackt und sich von seiner Lebensgefährtin getrennt. Er war dann in einer einfachen aber sauberen Pension untergekommen, bis er wusste, wie es für ihn weitergehen würde.
Bereits den nächsten Tag hatte er für ein Gespräch mit seinen Eltern genutzt. Er hatte ihnen von der Trennung erzählt und auch, dass er sein Leben völlig neu strukturieren möchte. Sie hatten ihm eine Weile zugehört und wider Erwarten großes Verständnis für ihn gezeigt. Sein Vater war einverstanden, einen weiteren Arzt in die Praxis zu holen und auch damit, dass Alex eine Auszeit nahm, sobald es seinem Vater besser ging und er wieder praktizieren würde.
Das alles lag jetzt lange zurück und heute konnte er sagen, er hatte es tatsächlich geschafft, alte Muster zu durchbrechen und dadurch sein Leben in andere Bahnen zu lenken.
Alex hatte seinen Traum wahr werden lassen und war tatsächlich für ein Jahr durch Amerika gereist. Inzwischen hatte er sich ein kleines Haus gekauft und gemütlich eingerichtet. Nur die Tatsache, dass er es alleine bewohnte, machte ihn ein wenig traurig.
Als er so gedankenverloren auf dem Felsen saß, überkam ihn plötzlich das Gefühl, beobachtet zu werden. Erschrocken sah er sich um und schaute direkt in die schönsten blauen Augen, die er jemals gesehen hatte.
„Entschuldigung“, sagte die junge Frau die zu diesen Augen gehörte, „ich wollte sie nicht stören. Sie waren so in sich gekehrt, dass sie mich gar nicht wahrgenommen haben.“
Alex konnte seinen Blick nicht von diesen Augen lösen, es schien ihm, als würde er darin versinken.
„Ich habe Sie tatsächlich nicht gehört“, antwortete er dann.
„Wissen Sie“, sagte die junge Frau, „seit fünf Jahren mache ich hier Urlaub und jedes Mal werde ich von diesem geheimnisvollen Ort angezogen. Es kommt mir so vor, als würde ich hier etwas finden, wonach ich schon so lange suche.“
Sie blieben dort noch eine ganze Weile schweigend nebeneinander sitzen. Ob sie ahnten, dass sie in jedem Jahr an ihrem Hochzeitstag hierher kommen würden, um ihren Kindern von diesem mystischen Ort zu erzählen?

© Martina Pfannenschmidt, 2014


Liebe MIMMI, ich begrüße dich sehr herzlich
auf meinem Blog. Schön, dass du da bist!

Foto: pixmule.com