Mittwoch, 31. Dezember 2014

Silvester

Herta saß in ihrem gemütlichen Ohrensessel und starrte Löcher in die Luft. Die Zeit, sie wollte einfach nicht vergehen. Früher war das anders. Ganz anders. Da fehlte sie ihr ständig, die Zeit. Heute hatte sie viel zuviel davon. Sie wandte ihren Blick zu ihrer Standuhr. 21.30 Uhr. Herta seufzte. Dann waren keine fünf Minuten vergangen, seitdem sie das letzte Mal dorthin geblickt hatte.
Sie stand auf, trat ans Fenster und sah in den Park hinunter. Natürlich war dort niemand zu sehen, zu dieser Uhrzeit. Außerdem war es bitterkalt. Der Wind trieb den Schnee vor sich her. So einen kalten Winter hatte es lange nicht gegeben. Als sie noch ein Kind war, waren die Winter immer so hart und doch, damals hatte sie die Kälte gar nicht so empfunden. In der Stube ihrer Eltern war es stets wohlig warm gewesen.
Auch hier in ihrem Zimmer war es gemütlich und warm. Sie hatte einige Möbel mit hierher nehmen dürfen. Dennoch fühlte sie sich nicht zuhause. – Weg mit den trüben Gedanken, entschied sie. Das zieht dich nur herunter und dann fängst du wieder an zu weinen und das wollte sie vermeiden. Sie hatte genug geweint, entschied sie. Ihre Tränen würden ihre Situation nicht verändern. Es war nun mal so, wie es war und damit musste sie sich abfinden.
Drei Kindern hatte sie das Leben geschenkt. Zwei Jungen und einem Mädchen. Herta hatte sie streng, doch voller Liebe erzogen. Heute hatte es ihre Kinder in alle Winde verstreut und niemand fand die Zeit, sich um die Mutter zu kümmern. Sie waren alle froh, dass sie jetzt hier in diesem Seniorenstift untergekommen war. Seniorenstift. Das klang zwar gut, doch es war auch nur ein anderes Wort für ein Altenheim. Sie fühlte sich noch gar nicht alt und sie wollte auch noch nicht ans Sterben denken. Sie wollte noch das Leben spüren und nicht hier in ihrem Zimmer auf den Tod warten.
Alle drei Kinder hatten ihr beim Umzug geholfen. Und wie immer, wenn sie aufeinander trafen, hatte es Streit gegeben. Als sie wieder abreisten, hatten sie ihr versichert, wie gut sie es doch hier getroffen habe, in diesem Haus. Ja, ganz wunderbar war es hier. Auch wenn sie das jetzt zynisch meinte, so wusste sie im Inneren doch, dass es eigentlich stimmte. Nicht viele der älteren Menschen konnten sich das leisten. Ihr Mann hatte ihr genug Geld hinterlassen, auch wenn es sie ein Vermögen kostete, hier zu wohnen. Ihren Kindern war es egal, auch wenn am Schluss kein Penny übrig blieb. Sie hatten selber genug. Sie wollten ihr eigenes Leben genießen und sich keine Gedanken um ihre alte Mutter machen müssen. Das Gewissen ihrer Kinder ihr gegenüber war rein, lupenrein sozusagen.
22.00 Uhr. Immerhin, eine halbe Stunde war vergangen, seitdem sie das letzte Mal auf die Uhr gesehen hatte. Drunten aus dem Essenssaal drang Musik zu ihr hinauf. Sylvester im Altenheim, lachhaft, fand sie. Herta würde sich niemals so ein dummes Papierhütchen auf den Kopf setzen und zu heimatlichen Klängen schunkeln. Niemals!
Leise klopfte es an ihrer Tür. Sie öffnete. Davor stand der Mann, der vor zwei Monaten gemeinsam mit ihr hier eingezogen war. Sie hatte seine ungehörigen Blicke durchaus bemerkt, doch bisher schenkte sie ihm keine Aufmerksamkeit. Nicht, dass sie etwas Besseres wäre, aber es gehörte sich nicht, in seinem Alter Frauen hinterher zu sehen.
„Guten Abend, Frau Wagner“, sagte er dann jedoch höflich und verneigte sich ein wenig, „ich habe schon den ganzen Abend nach ihnen Ausschau gehalten. Würden sie mir die Ehre erweisen und mich hinunter begleiten? Es wäre zu schön, wenn sie mir ein Tänzchen gewähren würden.“
Tanzen? Sie sollte tanzen, in einem Altenheim? Niemals!
Doch dann tat sie etwas, womit sie selbst nicht gerechnet hatte. Sie sprang über ihren eigenen Schatten und entschied in diesem Moment, alles Alte hinter sich zu lassen und mit dem neuen Jahr auch ein neues Leben zu beginnen und ihren Lebensabend so lebenswert wie möglich zu gestalten.
Als sie den Saal betrat, war sie erstaunt. Niemand trug ein Hütchen und niemand schunkelte. Alle waren elegant gekleidet und gut gelaunt. Ein Mann saß am Piano und spielte in diesem Moment einen Tango. Wie lange hatte sie keinen Tango mehr getanzt. Ihr Begleiter umfasste ihre Taille und nach ein paar Tanzschritten war es um sie geschehen.
Als sie ihm um Mitternacht zuprostete, ahnte sie, dass ihr Leben noch nicht beendet war, denn es war tatsächlich der Beginn einer neuen, zaghaften Liebe, die das Leben für diese beiden Menschen wieder lebenswert machte.

© Martina Pfannenschmidt, 2014


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Mit dieser kleinen Geschichte möchte ich das Jahr 2014 beenden.
Jedoch nicht, ohne mich bei euch allen herzlich zu bedanken –
für jeden Besuch und jeden lieben Kommentar.
In meinem Bloghaus wäre es ohne euch ziemlich still –
schön, dass ihr da seid und dass es euch gibt.
Als ich mit meinem Blog im August 2013 begann, hätte ich nicht für möglich gehalten, hier sooooo viele nette Menschen zu finden.
Und so gehe ich voller Vorfreude in das Jahr 2015 – 
mit euch an meiner Seite!
Wir lesen uns – in euren Blogs oder hier bei mir!
Guten Rutsch!
Martina


Dienstag, 30. Dezember 2014

Der alte Hampelmann

Zu den Feiertagen wollten wir nicht über einer Geschichte brüten.
Deshalb wird es heute keine Reizwörter-Geschichte geben. 
Da ihr es jedoch gewohnt seid, am Dienstag bei mir eine Geschichte zu lesen, habe ich in meinem Archiv gekramt und stelle heute eine Geschichte ein, die zu meinen Ersten gehört. 
Ich habe sie im Jahr 2012 geschrieben. Viel Spaß beim Lesen!


Nelly ging traurig die Treppe, die zum Bodenraum führte, hinauf. Dicke Tränen liefen über ihr Gesicht. Sie war immer so glücklich gewesen in diesem Haus.

Sie betrat den Bodenraum. Es war ziemlich dunkel hier. Nelly betätigte den alten vergilbten Lichtschalter. Eine Glühbirne, die von der Decke herunterbaumelte, verbreitete ihr trübes Licht. Alles sah noch genau so aus, wie sie es in Erinnerung hatte. Lange war sie nicht mehr hier oben gewesen.

Ihr Blick fiel auf eine alte Truhe. Sie hatte einmal ihrer Oma gehört und war schon sehr alt. Langsam ging sie dort hin und öffnete vorsichtig den Deckel. Es kam ihr vor, als würde sie den Geruch ihrer Kindheit wahrnehmen. Monika, ihre Puppe, lag dort. Sie trug noch die grüne Hose und den gesteiften Pulli, den ihre Mama einmal für Monika gestrickt hatte. ‚Dazu gab es noch einen Schal und eine Mütze’, ging es Nelly durch den Kopf. Sie nahm Monika aus der Truhe und schaute sie verweint an. Sie hatte vor vielen, vielen Jahren unter dem Tannenbaum gesessen. Damals war sie so glücklich darüber gewesen. Überhaupt war sie ein glückliches Kind. Diese Erinnerungen konnte ihr niemand nehmen.

‚Oh, nein’, ging es ihr durch den Kopf, ‚meinen Hampelmann, den gibt es auch noch.’ Ihre Mutter hatte alles für sie aufbewahrt und liebevoll in diese Truhe gelegt. Jetzt war sie nicht mehr da, ihre Mutter. Gestern musste sie sich endgültig von ihr verabschieden, als sie allein an ihrem Grab gestanden hatte.

Der Hampelmann hatte immer an ihrem Bettchen gehangen. Nelly zog an dem Faden, so wie sie es früher oft getan hatte, wenn sie nicht einschlafen konnte. Dann hatte sie Zwiegespräche mit ihm geführt. Sie zog und die Arme und Beine bewegten sich. Sie war ihrer Mutter dankbar, dass sie diese wertvollen Schätze für sie aufgehoben hatte.

‚Heute’, dachte Nelly, ‚gibt es Menschen, für die bin ich nur der dumme Hampelmann’. Sie dachte dabei an Ralf, ihren Freund. Stets war sie für ihn da. Sie sorgte sich um ihn, führte den Haushalt, erledigte alle Einkäufe, hielt den Garten in Ordnung und natürlich seine Wäsche. Dabei arbeitete sie auch jeden Tag 8 Stunden in einem Büro. Er hatte selten Zeit für sie und gemeinsame Unternehmungen gab es auch kaum.

Sie erinnerte sich an die Zeit im Kindergarten. Dort sangen sie ein Lied über den Hampelmann. Sie konnte es noch und sang leise: „Jetzt steigt Hampelmann, jetzt steigt Hampelmann, jetzt steigt Hampelmann aus seinem Bett heraus.“ Sie lächelte und konnte sich noch ganz genau daran erinnern, als sie einmal in der Mitte stehen durfte und alle Kinder machten die Bewegungen nach, die sie vormachte. Stolz war sie damals auf sich gewesen.

Würde sie Ralf das verzeihen können, dass er sie in dieser schweren Stunde des Abschieds von ihrer geliebten Mutter allein gelassen hatte? ‚Wie lange will ich mir das eigentlich noch gefallen lassen’, fragte sie sich. ‚Es gibt Menschen, die haben Angst, dass andere sie zum Hampelmann machen und merken dabei nicht, dass sie selbst einer sind.

Wie sollte es jetzt mit ihr weitergehen? Sie musste sich klar darüber werden, was sie wollte. Sollte sie sich von Ralf trennen? Dann wäre sie ganz allein. Nein, dass stimmte so auch nicht. Sie hatten gemeinsame Freunde. Doch die würden wahrscheinlich alle Kontakt zu Ralf halten und nicht zu ihr, denn die meisten waren seine alten Freunde. Ralf mochte Nellys Freunde nicht. Sie waren ihm zu einfach gestrickt. Wie dumm war sie nur gewesen, den Kontakt zu ihrer besten Freundin aufzugeben. Sie hatte früher im Haus nebenan gewohnt. Nelly hatte keine Ahnung, wo sie geblieben war und ob sie inzwischen geheiratet und vielleicht sogar Kinder bekommen hatte.

Ihre Gedanken drehten sich im Kreis. Wenn sie so weiter machte wie bisher, dann bliebe sie auf der Strecke. Dann gäbe es nur noch Arbeit für sie. Aber das konnte doch nicht alles sein. Da musste doch noch etwas kommen.

Sie hätte auch gerne Kinder gehabt. Doch Ralf mochte keine Kinder. Sie waren ihm zu laut und brächten nur Unruhe und Dreck ins Haus, hatte er einmal gesagt.

Es war ihr, als fiele eine dicke Nebelwand herunter, die bisher ihren Blick getrübt hatte. Wie um alles in der Welt hatte sie das alles nur die ganzen Jahre ausgehalten. Das war doch nicht mehr sie. Doch was sollte sie jetzt tun?

Sie nahm ihre Gliederpuppe, ging die Treppe hinunter in die Küche ihrer Mutter. Viel hatte sich in all den Jahren nicht verändert. Das Haus hatte Charme. Gut, hier und dort musste es modernisiert werden. Hatte sie das Geld dazu und den Mut, Ralf zu verlassen und hierher in das Haus ihrer Kindheit zu ziehen? Sie würde sich eine neue Arbeitsstelle suchen müssen. Neue Freunde. Wollte sie – konnte sie das schaffen?

Nelly ging zum Küchenschrank. Sie entnahm ihm eine Filtertüte und Kaffeepulver und kochte Kaffee. Der würde ihr jetzt gut tun. Durch den Duft, der sich ausbreitete, wurde es richtig gemütlich. Sie musste sich sammeln und genau überlegen, was sie wollte.

Sie nahm einen Block und einen Stift zur Hand, schenkte sich eine Tasse Kaffee ein und setzte sich an den Küchentisch. Sie notierte ihr Gehalt, ihre Ersparnisse und überschlug die Kosten, die eine Renovierung des kleinen Hauses mit sich bringen würde. Das müsste zu schaffen sein. Sie hatte ja auch noch einen kleinen Sparvertrag. Von dem Geld wollte sie sich irgendwann ein neues Auto kaufen. Doch das konnte warten. Sollte sie es wagen? Sollte sie wirklich einen Neustart wagen?

Es klingelte an der Tür. ‚Nanu’, dachte Nelly, ‚wer wird das sein?’ Sie ging zur Tür, öffnete sie vorsichtig und sah in zwei blaue Augen, die ihr sehr bekannt waren. „Hallo Nelly“, sagte die junge Frau. „Erkennst du mich noch? Ich bin es, Lucy von nebenan.“

Natürlich hatte Nelly Lucy sofort erkannt, doch sie war so erstarrt, dass sie gar nicht reagieren konnte. Tränen stiegen auf und dann fiel sie Lucy in die Arme. „Wie schön, dich hier zu sehen“, freute sich Nelly. „Komm doch herein.“

Gemeinsam gingen sie in die Küche. Nelly stellte Lucy einen Kaffeebecher hin und sie sprachen über ihre Kindheit. Ihre Freundin berichtete, dass sie sich vor einem Jahr von ihrem Partner getrennt habe und nun mit ihrem kleinen Sohn nebenan im Haus ihrer Eltern wohne.

Zwei Stunden später verließ Lucy das Haus. Nelly wusste jetzt, was sie zu tun hatte. Hoch erhobenen Hauptes verließ sie das Haus. Den Hampelmann nahm sie mit. Er saß neben ihr auf dem Beifahrersitz und sollte sie daran erinnern dass sie niemals wieder für jemanden der dumme Hampelmann sein wollte.

Später würde sie das Gespräch mit Ralf suchen. Ihr war niemals so klar wie in diesem Moment, was sie wollte und wie es in ihrem Leben weitergehen sollte.


Martina Pfannenschmidt, 2014

Montag, 29. Dezember 2014

Champagner


Zu Silvester wird er wieder in Mengen fließen. Sekt gehört einfach dazu, wenn man auf das neue Jahr anstößt. Manchmal darf es auch der gute Champagner sein. Ich persönlich trank meinen ersten Champagner in Paris. Damals war ich 17 Jahre alt und zusammen mit zwei Freundinnen (und einem Busunternehmen) dort. Es war einfach herrlich. Doch ob es sich bei dem Getränk nun um Sekt oder Champagner handelte, hätte ich nicht herausgeschmeckt. Auch war mir damals noch nicht bekannt, dass er so genannt wird, weil seine Trauben aus dem Weinbaugebiet der Champagne in Frankreich stammen. Uns stieg der gute Tropfen jedenfalls wahnsinnig schnell in den Kopf. Ich weiß es noch wie heute, dass wir mit ein paar Leuten im Bus saßen und das teure Getränk direkt aus der Flasche tranken. Ein Frevel, ich weiß und einen echten Weinkenner wird es jetzt schütteln, denn das Glas ist nicht unerheblich, aus dem wir Wein, Sekt oder eben Champagner trinken.
Ich merke gerade, dass ich total abschweife von dem, was ich eigentlich schreiben wollte. Nämlich dies: Ist euch schon einmal aufgefallen, dass eine Magnumflasche Sekt ganz besonders teuer ist? Sie kostet sogar mehr als das Doppelte einer normalen Flasche und das ist doch kurios. Bei anderen Lebensmitteln wird es günstiger, wenn man eine ‚Großpackung’ kauft. Weshalb ist das beim Champagner nicht so? Und dann fand ich die Erklärung: Die Flaschenproduktion und der Transport sind teurer, doch das ist nicht der Hauptgrund für die Verteuerung. Der Schampus hat sich bei der Flaschengärung in den Übergrößen besser entwickelt, weil weniger Luft drin ist. Dadurch schmeckt er noch samtiger und das muss man teuer bezahlen.
Nun, um ehrlich zu sein, konnte ich mir bisher noch keine eigene Meinung dazu bilden, denn ich habe noch nie Champagner aus einer Magnumflasche getrunken. 
Das könnte dann vielleicht auch auf meine Liste der Dinge, die ich unbedingt einmal machen möchte! :-)


Sonntag, 28. Dezember 2014

Dankbar sein

Immer, wenn sich das Jahr seinem Ende entgegen neigt, kann ich es nicht verhindern, dass rückblickende Gedanken kommen und darin ist ja auch gar nichts Schlechtes zu sehen. Für mich war es – wie man wohl so sagt – ein ‚gutes’ Jahr.
Herauspicken möchte ich nur eine einzige Sache, die jetzt im Dezember neu auf mich zugekommen ist. Ich habe schon kurz davon berichtet. Es geht um die Flüchtlinge, die in unserer Stadt untergekommen sind, und die gerne Deutsch sprechen können würden. 
Ich habe mich bereit erklärt, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten. Gelernt habe ich es nicht, andere zu unterrichten, doch die ersten einfachen Worte oder Sätze kann ich ihnen vielleicht beibringen.
Als ich diesen jungen Menschen zum ersten Mal gegenüber stand, schlug mein Herz. Ihres sicher auch. Und dann sah ich in ihre Augen und war sehr berührt. So vieles konnte ich darin lesen. Traurigkeit über das Erlebte zum einen, Hoffnung zum anderen. Eine kleine Hoffnung, die sie auch in mich setzten. Sie sind hoch motiviert und das macht die Sache so erfreulich.
Als wir in mehreren kleineren Gruppen mit ihnen u. a. das Alphabet übten und einfache Begrüßungssätze gemeinsam sprachen, erzählte ein Mann (in gebrochenem englisch): 'Wenn ich einkaufen gehe, dann sitzt dort immer eine nette Frau an der Kasse. Sie spricht mich an, doch ich kann sie nicht verstehen und lächle nur zurück. Das ist so unbefriedigend, ich würde ihr so gerne antworten'. 
Dies zu hören, hat mein Herz berührt. Auch, weil die Frau an der Kasse ihn freundlich behandelt und es ihr, wie mir, bewusst ist, dass dieser Mensch hier ist, weil er der Gewalt in seinem Land entflohen ist und weil er Frieden für sich will und keine Gräueltaten mehr ansehen und schon gar nicht selber ausführen möchte.
Es gibt Gott sei Dank eine große Anzahl Deutscher, die so denken und handeln wie diese Frau an der Kasse und die erkennen, dass wir in der Situation dieser Flüchtlinge auch dankbar wären, würden wir freundlich in einem fremden Land aufgenommen. 
Manchmal kommt es mir so vor, als würden wir es gar nicht zu schätzen wissen, in einem Land wie dem unsrigen zu leben. Über so vieles schimpfen und wettern wir. Doch wir leben im Frieden und (die meisten von uns) im Überfluss und wir haben immer noch mehr als genug, wenn wir andere daran teilhaben lassen.   



Samstag, 27. Dezember 2014

Erinnerung an Kindertage

vatertag-0037.gif von 123gif.de Download & GrußkartenversandAn den Weihnachtsfeiertagen, wenn die ganze Familie zusammen kommt, dann werden oft Geschichten von 'früher' ausgegraben. Mein Mann, der noch zwei jüngere Geschwister hat, erzählte diesmal, dass er immer mit schlafen gehen musste, wenn sein kleiner Bruder ins Bett sollte. „Du kannst ja wieder aufstehen, wenn er eingeschlafen ist“, bekam er dann immer zu hören. „Das war doch nicht in Ordnung!“, empörte er sich heute noch darüber.

Nein, dass war es sicher nicht. Mir kam das allerdings sehr bekannt vor, nur aus der anderen Position heraus. Bei uns zu Hause war ich die Jüngste und meine Schwester - fast 6 Jahre älter - musste mit mir zu Bett gehen und stand dann wieder auf. Keine Ahnung, warum unsere Eltern das so gehandhabt haben. Aber sicher waren sie nicht die Einzigen.

Für Kinder ist es oft auch schwer zu verarbeiten, wenn ein Geschwisterchen geboren wird. Das älteste Kind hatte die Eltern für eine gewisse Zeit ganz für sich allein und somit ihre volle Aufmerksamkeit. Kommt dann ein Bruder oder eine Schwester, müssen sie lernen, die Liebe ihrer Eltern mit diesem kleinen Geschöpf zu teilen. Eine schwierige Situation, auch für die Eltern, denn das Baby benötigt ja die ganze Aufmerksamkeit - besonders der Mutter. Da fühlt sich das große Kind schnell vernachlässigt, zurückgesetzt und nicht mehr geliebt. 

Oft leiden wir – ohne uns dessen bewusst zu sein – noch als Erwachsene unter diesen frühkindlichen Erfahrungen. Warum wir als Erwachsene in manchen Dingen so handeln, wie wir handeln, hängt ganz oft von dem ab, was wir als Kinder erlebt, erfahren und vorgelebt bekommen haben. Jeder einzelne hat da so seine eigene Geschichte zu erzählen. 


Freitag, 26. Dezember 2014

Gastbeitrag

Vielleicht erinnert ihr euch an Christel, die hin und wieder über mein Blog eine – manchmal erlebte – Geschichte erzählt. Sie schickte mir gestern die nachfolgende wahre Begebenheit und da sie von einem Erlebnis am Heiligen Abend erzählt, stelle ich sie gerne heute ein:

Unser geliebter Opi, (der Enkel sagte: "Mein Freund, der Opi" ), bekam irgendwann Ende der 70-er Jahre vor Weihnachten einen Schlaganfall. 

Am Heiligen Abend hatte jedoch keines der Geschwister Zeit, den Opi im Krankenhaus zu besuchen. Und so kamen wir auf die Idee, dass wir mit dem Opi und der Omi im Krankenhaus in O. den Heiligen Abend begehen.

Man stelle sich vor: In dem alten VW Käfer, genannt JX, wurde ein kleines geschmücktes Tannenbäumchen mit Topf und echten Kerzen verstaut, dazu alle verpackten Geschenke. 
 Ihr beiden Jungs wurdet dazwischen auf den Rücksitz gesteckt. Was noch mit musste und euch bestimmt erdrückt hätte, verstaute ich bei mir um den Beifahrersitz und ab ging die Fahrt am Heiligen Abend - nachmittags von K. nach O. Als wir ankamen, war es schon dämmrig. Eine Krankenschwester holte eine fahrbare Krankentrage und breitete ein weißes Laken darüber. Darauf kam dann der Tannenbaum - die Kerzen brannten. Drum herum lagen die vielen kleinen Pakete - auch für Omi und Opi. 
So zogen wir dann singend mit "Oh du fröhliche - oh du selige gnaden bringende Weihnachtszeit" auf der Station ein und hin zu Opi's Krankenzimmer. 
Die Freude war riesengroß und alle - der Arzt, die Schwestern und die Patienten, haben vor Rührung geweint. Opi konnte es gar nicht fassen und war so glücklich - damit hatte er nicht gerechnet. Nach einigen Stunden packten wir unsere "sieben Sachen" wieder in den JX, das Bäumchen blieb im Krankenzimmer und wir fuhren  wieder Richtung K. 

Als wir eine Autobahnkirche entdeckten, wurde die noch aufgesucht,  dann haben wir nachts um 23.30 Uhr  an einer Autobahnraststätte ein Würstchen gegessen und sind anschließend glücklich und zufrieden wieder nach Hause zurückgekehrt. 

Es war ein unvergesslicher Weihnachtsabend der ganz besonderen Art ...und unser lieber Opi hat in der Nacht davon geträumt  und sich noch gaanz lange daran erinnert......und wir auch!!!



Mittwoch, 24. Dezember 2014

Heimkehr

Der Zug hielt im Bahnhof, gleich würde er jedoch seine Fahrt fortsetzen und ihn zu seinem Ziel bringen. Ratternd und schnaufend befuhr die Bahn die Strecke bis zum nächsten Haltepunkt. Dort würde er aussteigen. Von dort war es dann nicht mehr weit, bis zu seinem Zuhause. Nur noch ein paar Kilometer, die er zu Fuß hinter sich bringen musste. Dann wäre er da. Zuhause! Welch magisches Wort! Wie sehr hatte er es vermisst, sein Zuhause. Wie lange seine Familie nicht gesehen. Die ganze Situation erschien ihm so unwirklich. Nur noch ein paar Minuten, dann würde er den Zug verlassen. Unzählige Male hatte er sich dies in Gedanken vorgestellt. Er hatte sich ausgemalt, wie es sein würde, wieder seine Heimat unter den Sohlen zu spüren, heimatliche Luft zu atmen. Irgendwie war er in diesem Moment ein bisschen enttäuscht. Was hatte er denn erwartet? Dass man für ihn einen großen Bahnhof hielt? Das eine Blaskapelle voran schritt und ihn bis nach Hause begleitete? Niemand ahnte doch, dass er auf dem Weg war. Niemand! Er sah den kleinen Bahnhof in der Ferne auf sich zu kommen. Er stand von seinem Platz auf, warf seinen Rucksack über die Schulter und ging zur Tür. Quietschend hielt der Zug. Er stieg aus. Dass ihm alles schmerzte, besonders seine Füße, die in den dicken Stiefeln steckten, bemerkte er gar nicht. Genau so wenig hatte er die mitleidigen Blicke der anderen Passagiere wahrgenommen. Und dann begann es doch, laut zu pochen, sein Herz und so etwas wie eine kleine Freude stieg in ihm auf. Vorfreude! Er setzte einen Fuß vor den anderen, wie in Trance. Sein Heimatort, die Häuser, kamen näher und näher. Aus den Schornsteinen stieg weiß der Rauch gen Himmel. Sein Blick fiel auf den Kirchturm und die große schwarze Uhr mit dem goldenen Ziffernblatt. Wie oft hatte er sich schon nach ihr gerichtet, morgens auf dem Weg zur Schule, um nicht zu spät zu kommen. Genau in diesem Moment begannen die Glocken der kleinen Kirche zu läuten. Es war ihm, als läuteten sie nur für ihn – als Willkommensgruß – und dann konnte er es nicht mehr verhindern, dass ihm die Tränen wie Bäche über die eingefallenen Wangen liefen. Er beschleunigte seinen Schritt, konnte es jetzt nicht mehr erwarten. Mit letzter Kraft bog er in seine Straße ein. Es waren nur wenige Häuser. Überall war es hell in den guten Stuben und hier und da sah er die Kerzen auf den Tannenbäumen brennen, hörte fröhliches Lachen. Und dann stand er vor seinem Haus. Das letzte Mal, dass er hier gestanden hatte, lag Jahre zurück. Es hatte sich kaum etwas verändert. Nur der grün gestrichene Zaun zur Straße hin war marode. Den würde er im Frühjahr reparieren müssen. Er wusste, dass er nicht klingeln musste. Die große Eingangstür wurde nur nachts verschlossen. Sein Herz klopfte so laut, dass er es hören konnte. Vorsichtig trat er auf die Diele. Es war still, sehr still. Was würde ihn erwarten hinter der Tür, vor der er jetzt stand? Er öffnete sie und blieb wie angewurzelt stehen. Der Tannenbaum - nie zuvor erschien er ihm so schön, wie in diesem Moment. Seine Mutter war die Erste, die aufsah und einen Schrei ausstieß, so, als sei sie bis ins Mark getroffen. Der Junge, der unter dem mit Lametta und Strohsternen geschmückten Baum saß und mit einem kleinen Auto aus Holz spielte, erschrak und suchte Schutz bei seiner Mutter, die mit dem Rücken zur Tür saß. Erschrocken wandte sich die junge Frau um, sprang aus ihrem Sessel und fiel ihrem Mann weinend um den Hals. Der Junge weinte auch, doch eher aus Furcht, als vor Freude, denn er erkannte seinen Vater nicht. Heiligabend 1951! Sechs Jahre nach Kriegsende kehrte er als letzter Kriegsgefangener in sein Dorf zurück.


Ich wünsche euch,
wo auch immer ihr zuhause seid,
ein besinnliches Weihnachtsfest,
das ihr hoffentlich mit all euren
Lieben verbringen dürft!

Frohe Weihnachten!

Montag, 22. Dezember 2014

Lasst uns ein Licht sein!




Lasst uns die erste Kerze entzünden für alle


Aus-
gebrannten
Bekümmerten
Cholerischen Depressiven
Einsamen Fassungslosen Gebrechlichen
Hoffnungslosen Intoleranten Jähzornigen
Kranken Leidenden Missmutigen Niedergeschlagenen
Obdachlosen Pflegebedürftigen Rauschgiftsüchtigen Schuldlosen Trauernden Umtriebigen Verbitterten Wankelmütigen
und
Zornentbrannten.


Lasst uns die zweite Kerze entzünden,
für mehr Frieden in dieser Welt.

Lasst uns die dritte Kerze entzünden,
für mehr Liebe in dieser Welt.

Lasst uns die vierte Kerze entzünden,
damit es hell wird in unseren Herzen und
wir ein Licht sind für diese Welt!
  
© Martina Pfannenschmidt, Advent 2014


Heute hat ein ganz junges 'Blögchen'
zu mir gefunden. :-)
Herzlich willkommen, WW-BLOG!
Celebrate your life!


Sonntag, 21. Dezember 2014

Der Weihnachtsabend eines Kellners


Kellner berufe bilder
Aller Welt dreht er den Rücken,
und sein Blick geht zu Protest.
Und dann murmelt er beim Bücken:
"Ach, du liebes Weihnachtsfest!"

Im Lokal sind nur zwei Kunden.
(Fröhlich sehn die auch nicht aus.)
Und der Kellner zählt die Stunden.
Doch er darf noch nicht nach Haus.

Denn vielleicht kommt doch noch einer,
welcher keinen Christbaum hat,
und allein ist wie sonst keiner
in der feierlichen Stadt.

Dann schon lieber Kellner bleiben
und zur Nacht nach Hause gehn,
als jetzt durch die Straßen treiben
und vor fremden Fenstern stehn.
Erich Kästner (1899-1974)


Samstag, 20. Dezember 2014

Prophezeiungen

In der Bibel begegnen uns sogenannte Prophezeiungen, zum Beispiel diese:

Die Engel der 4 ElementeDer Engel Gabriel prophezeit Maria:
„Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären,
des Namen sollst du Jesus heißen. Der wird groß sein
und ein Sohn des Höchsten genannt werden.“

Da sprach Maria zu dem Engel:
„Wie soll das zugehen,
da ich von keinem Manne weiß?“

Der Engel antwortete und sprach zu ihr:
„Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft
des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch
das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden“.

Bereits der Prophet Jesaja verkündigte ca. 700 Jahre vor der Geburt Jesu:
“Siehe, die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären,
und sie werden seinen Namen Emmanuel heißen”, was übersetzt heißt: Gott mit uns.


Wie gehen wir heute mit diesen Worten um?

Ich weiß noch, dass wir uns damals im Konfirmandenunterricht darüber amüsiert haben und – etwas verschämt – darüber sprachen, dass das doch gar nicht möglich sei. Wir meinten aber nicht die Prophezeiungen, an denen zweifelten wir nicht. Wir meinten, gerade durch unsere Eltern oder Lehrer ‚frisch’ aufgeklärt, dass es nicht möglich sei, als Jungfrau ein Kind zu bekommen. Und damit standen wir nicht alleine da. Eine sehr ‚prominente Person’ dachte ebenso, wie wir oben lesen konnten: Maria! Auch sie bezweifelt es.


Die Jahre zogen ins Land und ich muss ehrlich gestehen, ich machte mir darüber keine Gedanken mehr. Irgendwann jedoch in einer Gesprächsrunde und um einige Jahre gereifter, sprachen wir über dieses Thema und wir kamen zu einem überraschenden Ergebnis. Wir hielten es für möglich! Ja, wirklich! Denn uns wurde bewusst: Gott ist  A-L-L-E-S  möglich! Es reichte sein Wort (zu Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott) und Maria wurde schwanger! Diese Erkenntnis hat mich sehr berührt und zu dem Wissen geführt: Gott ist ALLES – ALLES ist Gott!!


Bild: Die Welt der Engel

Freitag, 19. Dezember 2014

Ein himmlischer Heiligabend

Durch einen Kommentar wurde ich an die nachfolgende Geschichte erinnert, die ich vor einem Jahr bereits in meinem Online-Adventskalender veröffentlicht hatte und die unter anderem von der Entstehung des Adventskalenders erzählt. Sie kommt somit dem einen oder anderen Leser meines Blogs vielleicht bekannt vor.


Lisa und Fritzi wohnten in einem kleinen Dorf in den Bergen und kannten sich schon, solange sie denken konnten. Lisa war einen Monat älter als Fritzi. Nach der gemeinsamen Kindergartenzeit besuchten sie jetzt die gleiche Schule und saßen in der Klasse selbstverständlich nebeneinander. Man sah die eine selten ohne die andere. Dicke Freundinnen halt.
Der Schnee knirschte unter ihren Füßen. Lisa und Fritzi kamen von der Krippenspiel-Probe und waren auf dem Weg nach Hause.
„Der Xaver, der hat heute aber viel gemeckert, findest du nicht auch?“, fragte Lisa.
„Ja schon, aber es dauert ja auch nicht mehr lange bis zur Aufführung und er will halt, dass alles perfekt abläuft“, antwortete Fritzi.
In diesem Jahr durfte Lisa beim Krippenspiel die Rolle der Maria übernehmen und Fritzi war auserkoren, der Erzengel Gabriel zu sein.
Fritzi stapfte in Gedanken versunken durch den Schnee, bis sie zu ihrer Freundin sagte: „Du Lisa, denkst du, es gibt die Engel wirklich?“
Voller Überzeugung kam die Antwort: „Na klar, gibt es Engel. Sie werden doch schon in der Bibel erwähnt. Immer wieder wird dort von Engeln erzählt.“
„Aber eigentlich sind das doch nur Geschichten“, misstraute Fritzi immer noch.
„Was in der Bibel steht sind wahre Begebenheiten und keine Geschichten, die sich ein Mensch einfach nur ausgedacht hat. Oder denkst du, die Sache mit der Geburt von Jesus, die stimmt gar nicht?“
Da musste Fritzi dann doch zustimmen: „Klar stimmt die, sonst würden wir ja nicht zweitausend Jahre später immer noch davon erzählen und Weihnachten feiern.“
„Na siehst du“ entgegnete Lisa, „und wenn die Sache mit Jesus stimmt, dann gibt es auch Engel, denn von beiden berichtet die Bibel.“
„Ich kenne nur niemanden, der schon einmal einen Engel so richtig gesehen hätte.“
Lisa dachte einen Moment über Fritzis Einwand nach. „Das stimmt. - Einmal habe ich meine Mama gefragt, ob sie glaubt, dass Engel wirklich Flügel haben und damit fliegen können.“
„Und, was hat sie geantwortet?“, fragte Fritzi neugierig.
„Sie meinte, Engel bräuchten gar keine Flügel. Die Menschen würden sie nur so darstellen, weil sie sich sonst nicht vorstellen könnten, dass es Engeln möglich ist, zu uns auf die Erde zu kommen.“
„Das kann ich mir auch nicht vorstellen. Ohne Flügel kann doch niemand fliegen.“
„Engel schon, glaube ich“, überlegte Lisa.
„Weißt du, ich würde gerne einmal einen echten Engel sehen.“
„Oh ja, ich auch!“
Die zwei kamen bei Lisa zuhause an.
„Kommst du noch kurz mit hinein?“, fragte sie.
Fritzi sah auf die Uhr.
„Ja, für eine halbe Stunde bleibe ich noch, aber dann muss ich nach Hause, sonst gibt’s wieder Ärger.“
Die beiden Mädchen zogen die dicken Schuhe aus und warfen ihre Jacken über die Garderobe.
Sie wurden von einem verführerisch guten Duft im Haus empfangen.
„Kommt rein“, rief Lisas Mutter „ich habe Bratäpfel gemacht.“
Kurze Zeit später saßen sie zu dritt am Tisch und ließen sich die herrlich duftenden Äpfel schmecken.
„Ach“, meinte Lisas Mama „jetzt hab ich ganz vergessen, die Kerzen am Adventskranz anzuzünden. Dann wird es doch noch gemütlicher.“
Schnell griff sie zu den Streichhölzern und zündete zwei Kerzen an.
„Wisst ihr eigentlich“, fragte sie dann die beiden Mädchen „wer sich das mit dem Adventskranz ausgedacht hat?“
„Nein“, meinte Fritzi. Auch Lisa schüttelte den Kopf.
„Na, dann werde ich euch davon erzählen. Den Brauch, in der Adventszeit einen Kranz aufzustellen, den gibt es noch gar nicht sooo lange. Die Idee kam einem Pfarrer, der ein Waisenhaus leitete. Was ein Waisenhaus ist, dass wisst ihr doch?“, fragte die Mama.
„Ja“, wusste Fritzi „dort leben Kinder, die kein Zuhause mehr haben, weil die Eltern gestorben sind - oder so.“
„Das ist richtig, Fritzi. Und genau wie auch noch heute, warteten die Kinder schon damals ungeduldig auf das Weihnachtsfest. Und um die Wartezeit bis Heilig Abend besser zu verstehen, ließ sich der Pfarrer die Sache mit dem Adventskranz einfallen. Er nahm ein altes Kutsch-Rad aus Holz und stellte rundherum vierundzwanzig kleine rote und außerdem vier dicke weiße Kerzen darauf. Dieses Kerzenrad wurde im Waisenhaus aufgehängt und jeden Abend durfte ein anderes Kind eine weitere Kerze entzünden. Am Heiligabend brannten sie dann alle.“
„Aber wir haben nicht so viele Kerzen auf dem Adventskranz“, fiel Lisa auf.
„Ja, wisst ihr, dieser erste Adventskranz war viel zu groß, um ihn in einem Wohnzimmer aufzustellen und deshalb hat man ihn verkleinert. Und weil auf so einem kleinen Kranz nicht ganz so viele Kerzen Platz haben, beließ man es bei den vier dicken Kerzen, eine für jeden Adventssonntag. - Wisst ihr denn überhaupt, was das Wort ‚Advent’ bedeutet?“, fragte Lisas Mutter weiter.
Beide Kinder schüttelten den Kopf.
„Das Wort ‚Advent’ kommt aus der lateinischen Sprache und heißt übersetzt ‚Ankunft’. Aber auf wessen Ankunft wir warten, das wisst ihr?“
„Ja klar“, sagten beide „auf die Ankunft Jesu.“
Dann läutete das Telefon. Fritzis Mutti rief an. Die Drei hatten ganz die Zeit vergessen.
„Deine Mutter wartet sozusagen auf deine Ankunft“, lachte Lisas Mutter. „Aber ich habe ihr schon gesagt, dass es meine Schuld ist, dass du dich verspätest und sie deshalb nicht mit dir schimpfen soll.“
„Okay, na dann bis morgen und Danke für den Bratapfel!“, verabschiedete sich Fritzi und machte sich auf den Weg nach Hause.
Endlich war es so weit. Lisa war schon ganz früh aufgewacht, denn heute war Heiligabend. Im Haus herrschte große Betriebsamkeit. Alles wollte noch hergerichtet sein. Lisa half ihrem Vater, den Baum zu schmücken und Lisas Mutter bereitete das Essen für den Heiligabend vor.
Lisa war mächtig aufgeregt. Das lag auch an dem Krippenspiel, an ihrer Rolle als Maria. Hoffentlich klappte es heute besser, als bei der Generalprobe.
„Wird schon werden, du schaffst das!“, machte Lisas Mama ihr Mut.
Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Weihnachtsbaum strahlte in seiner ganzen Pracht und selbst die kleinsten Kinder hörten andächtig zu.
Fritzi war ein wunderschöner Engel mit ihrem langen blonden Haar und dem goldenen Heiligenschein. Auf dem Rücken trug sie zwei Flügel aus Pappe, die mit weißen Federn beklebt und an ihrem weißen Gewand befestigt waren. Fritzi sprach mit ihrer piepsigen Stimme so ehrfurchtsvoll, wie es ihr eben möglich war:
„Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude! - Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.
Geschafft – fehlerfrei! Auch die anderen Kinder machten ihre Sache hervorragend und erhielten zum Schluss von allen Gottesdienstbesuchern tosenden Applaus.
Nachdem die ganze Gemeinde voller Inbrunst ‚O du fröhliche’ gesungen hatte, zog es die Kinder nach Hause. Endlich Bescherung! So lange hatten sie darauf warten müssen.
Die Erwachsenen waren immer noch in der Kirche, weil sie die dort aufgebaute alte Krippe betrachten wollten.
Lisa und Fritzi warteten ungeduldig an der Kirchentür auf ihre Eltern, als Lisa plötzlich flüsterte: „Schau, Fritzi. Was ist denn das dort für eine helle Gestalt?“
Wie gebannt starrten beide dort hin.
„Duuu, Liiisa, iiich glaub, daaas iiiist eiiin …“, stotterte Fritzi.
„Fritzi, denkst du das gleiche wie ich?“
„Du, ich glaub, das ist ein Engel!“, flüsterte Fritzi ehrfürchtig.
Dann sprach der Engel zu den Kindern.
„Ich habe mir euer Krippenspiel angesehen und werde im Himmel davon berichten, wie beeindruckend ihr die Geburt des Herrn dargestellt habt. Dann wird dort große Freude herrschen.“
Als die Eltern aus der Kirche kamen, war der Engel bereits fort.
„Ihr schaut ja genauso erschrocken, wie damals die Hirten auf dem Feld, als ihnen der Engel erschienen ist“, meinte Lisas Mama scherzhaft.
„Genau“, murmelte Fritzi kaum hörbar. Lisa knuffte ihrer Freundin in die Seite und die Mädchen sahen sich verschwörerisch an. Auf dem Heimweg nahmen sich die beiden Freundinnen bei der Hand und folgten ihren Eltern schweigend. 
Dieses himmlische Ereignis am Heiligabend behielten sie für immer und ewig in ihren Herzen.

c Martina Pfannenschmidt


Donnerstag, 18. Dezember 2014

Der Weihnachtsbaum

Die Anfänge der Weihnachtsbaumtradition sind ungeklärt. Sie entstand vermutlich aus Bräuchen verschiedener Kulturen. Bereits im Mittelalter wurden Bäume zu öffentlichen Anlässen dekoriert.
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Der erste Christbaum, so wie wir ihn heute kennen, wurde 1605 in Straßburg mit Papierrosen, Äpfeln und Kuchen geschmückt. Die Kerzen am Christbaum kamen erst im 19. Jahrhundert in Mode und 100 Jahre später wurden die Weihnachtskugeln aus Glas beliebt.


Weihnacht

Nun tragt ins Zimmer mir herein
Den grünen Tannenbaum.
Ich möchte einmal träumen noch
Den süßen Weihnachtstraum.

Die goldnen Nüsse bringt herbei
Aus dem verschlossnen Spind,
Die roten Kugeln auch, die noch
Nicht all' zerbrochen sind.

Und packt die alte Krippe aus:
Den Stall mit seinem Stern,
Maria, und den Josef fromm,
Und unsren lieben Herrn.

Die Weisen aus dem Morgenland,
Der Engel goldne Schar,
Den Hirten, dessen runder Kopf
Einst voller Locken war.

Den weißen Wachsstock nimm vom Sims,
Den ich zu Kerzlein schnitt.
Er ward geweiht am Lichtmeßtag,
Ich selber bracht' ihn mit.

Und setz' dich nieder am Klavier,
Damit das süße Lied
Vom Jesulein aus Davids Stamm
Die Seele mir durchzieht.

Dann schließ' ich meine Augen zu.
Des Lebens Qual verrinnt.
Ich knie am alten Krippchen hin
Und bin ein selig Kind.

Therese Keiter

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Geschenke

So langsam wird es Zeit, sich über die Geschenke zum Weihnachtsfest Gedanken zu machen. Das meiste, was wir verschenken ist ‚Zeug’ – in irgendeiner Form.
Bei den Vorbereitungen zu diesem Post stieß ich auf eine Internetseite, auf der vorgeschlagen wurde, statt ‚Zeug’ doch einmal ‚Zeit’ zu schenken. Keine schlechte Idee, wie ich finde.
Dr. Eckart von Hirschhausen kommt in seinem Buch ‚Glück kommt selten allein’ zu der Erkenntnis, dass es vor allem die sozialen Kontakte sind, die uns glücklich machen, nicht der Konsum.

Wie wäre es deshalb, statt der traditionellen Geschenke, mit folgendem:

Die Schwester bekommt - anstatt zum 10. Mal Parfüm - 
einen gemeinsamen Waldspaziergang geschenkt.
Die Oma kein Buch, sondern einen Sonntagnachmittag mit 
Kaffee, Kuchen und Vorlesen.
Der Nichte schenken wir diesmal kein Kuscheltier 
sondern einen Nachmittag im Zoo.
Dem Freund keine Flasche Wein, sondern einen Wandertag.
Dem Mann keinen Schal, sondern eine Nackenmassage 
und der liebsten Freundin kein Kochbuch 
sondern einen gemeinsamen Kochabend.


Wie sieht es aus? Habt ihr noch weitere Vorschläge, die Zeit statt Zeug schenken und nicht nur den Geldbeutel sondern auch unsere Ressourcen schonen?