Dienstag, 17. Februar 2015

Höhenflüge

Heute können wir ein kleines Jubiläum feiern, 
denn unsere
50. Reizwörter-Geschichte 
geht an den Start!
Das sind die Wörter dieser Woche:
Feder – Birke – bunt – suchen – verstehen
Und das sind meine 'Mitschreiberinnen', 
bei denen ihr auch eine Geschichte lesen könnt:

Bildergebnis für gifs kostenlos feder
Mia hetzte durch den Park, so, als sei sie auf der Flucht. Doch vor wem? Vor sich selbst? Vor Erkenntnissen, die vielleicht schmerzhaft wären?
Halt, gebot sie sich! So geht das nicht! Man kann seinen Problemen nicht davon rennen, man muss sich ihnen stellen. In der Nähe eines bunten Blumenbeetes stand eine Bank. Dorthin wollte sie sich setzen und ihre Gedanken ordnen.
Sie schaute nach oben. Es kam ihr so vor, als wären die Blätter der Birke, unter der sie saß, in ständiger Bewegung. Sie lächelte bei ihren Gedanken, dass die Bäume genau wie die Menschen einen sehr unterschiedlichen Charakter zeigten. Die dicke Eiche dort hinten konnte anscheinend nichts und niemand umhauen. Doch es schien nur so, denn ein Orkan oder die Hand eines Menschen vermochten auch diesen Baum zu Fall zu bringen.
Was war sie? Eine Eiche? Eine Birke? Irgendwie keins von beidem. Sie wäre gerne ein Baum, der Früchte trägt. Das wäre schön, wenn ihr Leben eines Tages Früchte tragen würde. Doch so, wie es im Moment aussah, würden diese wohl von Maden und Würmern befallen sein.
Im selben Moment fiel eine wunderschöne Feder direkt in ihren Schoß. Mia sah nach oben. Woher kam diese Feder? Sie konnte keinen Vogel entdecken. War das ein Zeichen? Doch wofür?
Sollte es vielleicht bedeuten: ‚Steck dir deine Probleme an den Hut, so wie du es mit dieser Feder tun könntest?’ Oder wollte ihr die Feder sagen: ‚Verleih deinen Problemen Flügel und erlaube ihnen, fort zu fliegen?’ Das wäre gut, wenn ihr das gelingen würde: Fest verwurzelt stehen zu bleiben und ihren Problemen Flügel zu verleihen.
Und schon waren sie wieder da, die Worte ihres Mannes, vor denen sie auf der Flucht war: ‚Es tut mir leid, Mia, aber ich werde dich verlassen. Ich habe mich in eine andere Frau verliebt. Sie bekommt ein Kind von mir.’ Wie sollte sie diese Worte jemals vergessen können und wie ihnen Flügel verleihen? Die andere bekam ein Kind von ihm. Sie hatte sich auch immer eines gewünscht, doch es war ihr verwehrt geblieben. Das schmerzte. Jetzt mehr, denn je zuvor.
Wie lange er sie wohl schon betrog? Warum hatte sie ihm diese Frage nicht gestellt? Andererseits war es völlig unwichtig. Sie hatten sich doch einmal geliebt. Und jetzt? Jan liebte sie nicht mehr, das stand fest. Doch wie war das mit ihr? Liebte sie ihn noch oder nur den Gedanken, dass alles so bleiben möge, wie es war, weil es eben bequem und bekannt war?
Sie merkte, wie sie der Beantwortung dieser Frage auswich. Warum konnte sie sich die Frage, ob sie Jan noch liebte, nicht beantworten? Und wenn sie sich eingestehen müsste, dass auch sie ihn nicht mehr lieben würde, dann müsste sie sich jetzt fragen, wann die Liebe gegangen war. Wenn sie ehrlich war, musste sie sich eingestehen, dass sich ihre Liebe davongeschlichen hatte. Vor Jahren schon. Stetig und unaufhaltsam.
Gedankenverloren betrachtete sie die Feder. Es half nichts, sie musste sich dieser Sache stellen. Einen gemeinsamen Weg mit Jan würde es ab jetzt nicht mehr geben, obwohl sie es immer noch nicht verstehen konnte, warum es so kommen musste. Jetzt musste sie ihren eigenen Weg suchen und ihn alleine gehen. Gab es überhaupt ‚falsche’ und richtige’ Wege? Was, wenn es falsche Wege gar nicht gab, sondern einfach nur Umwege oder Sackgassen, die aber auch ihre Bedeutung hatten. Vielleicht waren es genau diese Erfahrungen, die man auf den Umwegen sammelte, die wichtig waren.
Vielleicht würde ihr die Zukunft zeigen, warum der gemeinsame Weg genau hier zu Ende war. Wenn sie damals, vor der Hochzeit, schon geahnt hätte, dass dieser Weg eine Sackgasse war, hätte sie dann einen anderen gewählt?
Nein! Damals gab es für sie beide nur diesen einen gemeinsamen Weg. Alles andere wäre undenkbar gewesen. Deshalb konnte es einfach nicht der falsche Weg gewesen sein. Vielleicht war es jetzt auch gar keine Sackgasse in der sie sich befanden, sondern eine Wegkreuzung. Jan nahm nun den einen und sie den anderen Weg. So einfach war es aber nur in ihren Gedanken. In der Realität war es sehr schmerzlich, sich zu trennen und getrennte Wege zu gehen.
Wenn sie sich ein Leben ohne Jan an ihrer Seite vorstellte, dann traten Tränen in ihre Augen. Doch sie erkannte auch, dass das Leben nicht zu Ende war und es auch ohne ihn weiter gehen würde. Sie war weder mittel- noch hilflos dem allem ausgesetzt. Sie hatte ihr eigenes Einkommen, stand auf eigenen Beinen. Fest verwurzelt, so hoffte sie. Dieser Sturm würde vorüber gehen und es nicht schaffen, sie umzuhauen. Das nahm sie sich in diesem Moment ganz fest vor.
Sie erhob sich und ging zielstrebig zurück zu ihrem Auto. Dabei kam ihr ein Spruch in den Sinn, den sie irgendwo gelesen hatte: „Wenn ich niedergeschlagen bin, hole ich nur Anlauf für neue Höhenflüge*.“ 

© Martina Pfannenschmidt, 2015 
 * Helga Schäferling


gif: Malerfeder.de

Kommentare:

  1. Liebe Martina,
    gute Gedanken finden sich in deiner Geschichte, die so traurig gar nicht ist, wie man zunächst vermutet. Ich denke, dass Mia ihren Weg finden wird - die Gedanken unter der Birke werden ihr die Richtung weisen.
    Eine schöne Geschichte, vielen Dank!
    Liebe Grüße am Dienstagmorgen
    Regina

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    1. Nein, traurig ist sie in dem Sinne nicht, denn jedes Ende birgt einen neuen Anfang, heißt es doch so schön! LG Martina

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  2. Liebe Martina,
    ja, eine traurige und doch am Ende schöne Geschichte!
    Herzlichen Glückwunsch zu Nummer 50, mögen noch viele weitere folgen! Ich lese sie immer mit großer Begeisterung!
    Ich wünsche Dir ein wunderschönen und fröhlichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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    1. Du liest nicht nur - du kommentierst auch und dafür möchte ich dir heute noch einmal herzlich danken! Dankeschön für deine Treue und deine stets lobenden Worte! Vielen Dank! Martina

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  3. Glückwunsch zur 50. , wie auch immer man drauf kommt , aus den paar Wörtern eine Geschichte zu schreiben . :-) , die ich aber gerne lese . Ja ist ja auch meist aus dem Leben gegriffen .
    Der zuletzt erwähnte Spruch gefällt mir , vielleicht sollte man es mal so betrachten .
    Schöne Woche und LG JANI
    P.S. Hoffe ich kann den Kommentar jetzt endlich mal abschicken !

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    1. Als Regina damals mit dieser Idee um die Ecke kam, hätte ich niemals gedacht, dass ich es schaffen würde, soooo viele Geschichten zu schreiben und ich vermute - und vor allen Dingen: hoffe - es werden noch viieell mehr! Dankeschön! Martina

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  4. Liebe Martina
    ich denke dass sie gutes Weges ist so selbstständig auf den Beinen zu stehen das haben manche Frauen nicht...eien sehr schöne Geschichte die den Alltag wieder spiegeln lässt!
    Glückwunsch dir und den anderen zur 50 Geschichte
    Lieben Gruss Elke

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    1. Danke, Martina, ja, so kann es gehen im Leben.

      Sie hat die richtige Einstellung, und sieht auch, daß die Liebe schon eine Zeitlang weg ist ... was hat das dann noch für einen Sinn ...

      Alles LIebe
      Eva :)

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    2. Ja, sie hat die richtige Einstellung, das glaube ich auch. Auch wenn die Situation nicht einfach ist, sie ist eine Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht und auch diese Situation meistern wird. Wer weiß, was das Leben noch für sie bereit hält! LG und Dankeschön euch beiden! Martina

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  5. Die Mia wird ihren Weg schon meistern. Da gibt es Menschen, die schaffen es nicht, sich auf Veränderungen und Neuerungen einzustellen und verfallen in Depressionen. Dabei sind es doch gerade die Veränderungen, die das Leben bunt und interessant machen. Was, wenn Mia gerade jetzt den Mann ihres Lebens trifft, denn Jan ist es ja offensichtlich nicht gewesen?
    Meinen Glückwunsch zur 50. Geschichte!
    LG Elke

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    1. Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich nicht so 'taff' wie die Mia in dieser Geschichte. Aber ich würde es mir wünschen, dass ich so ähnlich handeln würde, wie sie. Danke und LG Martina

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  6. Liebe Martina,
    Deine Geschichte ist einerseits traurig - aber andererseits regt sie zum Nachdenken an.Und sie macht Hoffnung, dass das Leben IMMER irgendwie weitergeht, auch nach solchen einschneidenden Erlebnissen. Ich fürchte nur, ganz so cool wie Mia könnte ich nicht sein. Aber ich war zum Glück auch noch nie in so einer Situation. Und ich hoffe, dass ich nie herausfinden muss, wie ich dann reagieren würde ...
    Liebe Grüße, und herzlichen Dank für diese Geschichte.
    Christine

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    1. Geht mir ganz genau so, Christine! So eine Geschichte zu schreiben ist eben viel einfacher, als es zu erleben! LG Martina

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  7. Liebe Martina,
    wenn deine Geschichte einerseits auch sehr traurig ist,
    so steckt auch viel Antrieb in ihr. Antrieb, das Leben wieder
    positiv zu sehen und zu neuen Ufern aufzubrechen.
    Einen schönen Abend wünscht Dir
    Irmi

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    1. Manchmal muss man neue Wege gehen, ob man will oder nicht. Je weniger man sich dagegen wehrt, umso einfacher wird es! LG Martina

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  8. Liebe Martina,
    in der Haut von Mia möchte ich nicht stecken. Viel Kraft kann man da nur wünschen.Sehr schön umgesetzt die 5 Worte. 50 wow, gehen da die Ideen nicht aus? Liebe Grüße Eva

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    1. Es dauert ja nicht mehr lange, liebe Eva, dann bist du auch dabei - und du wirst staunen, wie schnell ein Jahr vergeht und dann hast du auch so viele Geschichten geschrieben. Ich hätte es vor einem Jahr auch nicht für möglich gehalten. LG Martina

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  9. Liebe Geschichtenschreiberin,
    <3lichen Glückwunsch zum 50.
    Darf ich aber bitte darauf hinweisen, dass Ihnen ein nicht unbedingt zulässiger Fehler unterlaufen ist !!!! Eines der Wörter dieser Woche war BUNT nicht BUNTEN !!!!
    Ich bitte dies künftig zu beachten.
    Hochbunt
    Reeenaaaade
    PS: Ansonsten war die Geschichte wie immer vortrefflich !!!!

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    1. Du nun wieder!!!! K E I N Einziger hat es bemerkt oder bemängelt. Alles gut. Bis zu dem Moment, wo DU hier auftauchst. Machst einen Hermann wegen dieser beiden läppischen Buchstaben. Weißt du was, damit du Ruhe gibst, spare ich sie an anderer Stelle ein - also, die beiden Buchstaben, meine ich natürlich! Tschüß R..ate! Hahahaha, Rate!!! Ja, nun rate mal, wer Rate ist!!!! Ich habe einen neuen Spitznamen für dich!!! Gefällt er dir????????????? Lachfaltenrettung die 2.!!!!!

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    2. *tss da meint man/FRAU es noch gut, weist auf kleine kaum merkliche Unstimmigkeiten im Text hin und dann wird man/FRAU doch glatt gestückelt *nenenenenee*
      Gut das du noch ein a beim Namen hast, sonst würd ich dich grad Papa nennen,
      der hieß nämlich Martin !!!!!
      :O) .....

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    3. Ach, wie nett! Dein Vater und mich trennt nur ein 'a'. Das ist aber schön!!!!

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    4. siehst du mal, so bin ich !!
      Hab mir extra einen Papa ausgesucht der Martin hieß !!!!!
      und weißt du was, meine Mama hieß Maria und der Name versteckt sich auch in deinem !!!!!
      und der Mädchenname meiner Mama war Schmitt, okay das passt nicht ganz, dafür hab ich aber auch ein paar Pfannen im Schrank !!!!
      und jetzt, was sachst de jetzt ?????
      :O) .....

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