Dienstag, 24. März 2015

Sprengstoff an Bord!

Die Reizwörter
Käfer – Grünanlage – wohlgesinnt – schalten- freuen
sind auch in den Geschichten von
zu finden.


Bildergebnis für foto bombardierkäfer

Unter einem großen Stein inmitten einer riesigen Grünanlage wohnte Familie Käfer.
Mama Käfer rief ihre Rasselbande zusammen: „Sa, So, Mo, Di, Mi und Do, kommt bitte einmal her zu mir!“ Schon krochen fünf von ihnen unter dem Stein hervor und gesellten sich zu ihrer Mutter auf die Wiese.
„Wo steckt denn Mo schon wieder?“, fragte sie harsch. In dem Moment lugte der Kleine ganz vorsichtig mit seinem Köpfchen unter dem Stein hervor.
„Komm her!“, forderte ihn die Käfermama energisch auf. „Deine Geschwister warten schon auf dich. Ich möchte euch heute etwas zeigen, was sehr wichtig für euch ist. Auch für dich, Mo! Nun komm endlich!“
Seine Mutter hatte so streng gesprochen, dass er sich auf den Weg zu ihr machte, um sich ihren Unmut nicht noch mehr zuzuziehen. Dabei sah er möglichst unauffällig in alle Richtungen. Zu groß war seine Angst.
„Meine lieben Kinder“, begann die Mutter, „ihr müsst wissen, dass wir ganz besonders intelligente Käfer sind. Die Menschen versuchen schon lange, hinter unser Geheimnis zu kommen, doch sie haben es noch nicht gelüftet. Hört gut zu, wie sie uns nennen: Bombardierkäfer. Was sagt ihr jetzt?“
So, sie waren Bombardierkäfer. Und was bedeutete dies nun für sie?
Dann sprach Mama Käfer weiter. „Wir beherrschen vermutlich den originellsten Trick des gesamten Tierreichs“, sagte sie nicht ohne Stolz in der Stimme.
Dann erhob sie sich, drehte ihr Hinterteil mal nach links, dann wieder nach rechts. Kurz darauf entwich eine ätzende Flüssigkeit ihrem Hinterleib - begleitet von einem unüberhörbaren Knall.“
Ihre Kinder zuckten zusammen. Was ihnen ihre Mutter gerade gezeigt hatte, war sensationell. Nur Mo fand das Ganze nicht so toll. Er saß wie versteinert da und zitterte wie Espenlaub. Seine Geschwister jedoch waren Feuer und Flamme und forderten ihre Mutter auf, sie in das Geheimnis dieser Explosion einzuführen. So probierten sie die unterschiedlichsten Schusstechniken aus, kicherten, als sie merkten, dass sie sogar um die Ecke schießen konnten und freuten sich an ihren Erfolgen. Alle, die ihnen nicht wohlgesinnt wären, würden sie mit diesem ätzenden und sehr heißen Gasgemisch, das sie aus ihren Hinterleibern katapultieren, verjagen. Alle beherrschten diese Technik sehr bald, nur Mo nicht. Er hatte es nicht einmal versucht, denn bei jedem Knall, den seine Geschwister erzeugten, zuckte er zusammen. Niemals würde er auf andere schießen! Niemals!!!
So vergingen die Tage. Mo hielt sich immer in der unmittelbaren Nähe seines Steines auf, um sich schnell wieder darunter verstecken zu können, falls Gefahr drohte. Er wurde allerdings immer einsamer, denn seine Geschwister entfernten sich weiter und weiter von ihrem Stein. Wenn sie von Feinden angegriffen wurden, so schalteten sie diese kurzerhand aus, indem sie ihnen die heiße Flüssigkeit entgegen schleuderten. Mo wurde auch immer trauriger, denn wenn seine Geschwister wieder zurückkamen, prahlten sie mit ihren wagemutigen Taten. Di erzählte, dass er einer Kröte direkt von der Zunge gesprungen sei, nachdem er sie bombardiert hatte. Mo musste sich in diesen Momenten eingestehen, dass er ein Feigling war.  
Als er wieder einmal sehr traurig war, beschloss er, an diesem Tag besonders mutig zu sein und sich ein wenig mehr vom sicheren Stein zu entfernen, um ausgiebig zu fressen. Er schlich auf Zehenspitzen, um keinen Feind auf sich aufmerksam zu machen. Sein Herz klopfte dabei so laut, dass man hätte meinen können, die ganze Welt hätte es hören müssen. Plötzlich zeigte sich ein Schatten über ihm. Schlagartig erstarrte Mo und war weder in der Lage, nach vorn, noch nach hinten zu rennen. Er blieb einfach wie angewurzelt an seinem Platz stehen. Dass, was den Schatten machte, kam näher und näher. Jetzt hatte seine letzte Stunde geschlagen. Er wusste es! Wäre er doch bloß unter seinem Stein sitzen geblieben. Mo schloss die Augen und wartete auf sein Ende. Er wartete und wartete, doch nichts geschah. Ob er vielleicht schon tot war und gar nichts von seinem Ende mitbekommen hatte? Vorsichtig öffnete er ein Auge, um es ebenso schnell wieder zu schließen.
„Hallo, kleiner Käfer, was ist los mit dir? Du musst keine Angst vor mir haben!“
Noch einmal öffnete er ein Auge. Das Gesicht eines Kindes war direkt über ihm. Es war furcht erregend. Aber er lebte noch. Da war er sich ziemlich sicher.
„Was bist du denn für ein Käfer?“, ertönte es aus dem Mund seines Gegenübers. Sollte er es wagen, zu antworten? Gaaaaanz leise sprach er: „Ich bin ein Bombardierkäfer und wer bist du?“
„Ich bin Luisa“, stellte sich das Mädchen vor.
„Und ich heiße Mo!“
„Hallo Mo, was machst du denn hier so alleine?“
Es war so, als habe Mo nur auf diese Frage gewartet. Er erzählte Luisa von seiner Traurigkeit, weil er nicht so tapfer sei, wie seine Geschwister und überhaupt sehr ängstlich. Das Mädchen hörte sich alles geduldig an.
„Wollen wir Freunde sein?“, fragte es dann rund heraus. Mo wusste vor Freude nicht, was er tun sollte. Er drehte und wendete sein Hinterteil und plötzlich schoss wie bei allen anderen Bombardierkäfern auch eine ätzende Flüssigkeit aus seinem Hinterleib und traf Luisas Finger.
„Au!“, schrie sie auf. „Na, du bist mir ja ein toller Freund.“
„Entschuldige bitte, es tut mir so leid. Ich hatte mir geschworen, niemals diese Flüssigkeit auszustoßen und jetzt ist es doch passiert. Wirklich, du musst mir glauben, ich wollte es nicht.“
„Aber Mo, so schlimm war es nun auch wieder nicht. Es brennt ein wenig, doch bedenke, ich bin ein Mensch und kein Frosch, den du getroffen hast. Aber jetzt weißt du doch, dass du eigentlich keine Angst haben musst, denn du bekamst von der Natur dieses Geschenk, um dich gegen deine Feinde wehren zu können. Nimm es doch einfach dankbar an und setz es ein, wenn es nötig ist.“
Ob das Mädchen Recht hatte?
„Jetzt muss ich nach Hause, Mo, aber in ein paar Tagen komme ich wieder und dann erzählst du mir, welche Abenteuer du mit deinen Geschwistern erlebt hast.“
Als Mo wieder unter seinem Stein saß, dachte er über sich und sein Leben nach und er erkannte: Nichts zu wagen konnte furchtbar langweilig sein und Angst war der schlechteste Ratgeber, den man sich denken konnte.  


© Martina Pfannenschmidt, 2015


Foto: Energie und Technik

Kommentare:

  1. Hihi, Martina, tolle, explosive Geschichte! Wieder was gelernt - es ist schön, bei Dir zu lernen :) Wo nimmst Du immer die Ideen her?

    Alles Liebe
    Eva :)

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    1. Danke, Eva! Wo die Geschichten herkommen? Na aus dem Teich, aus dem auch du deine Geschichten fischt! ;-) LG! Martina

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  2. Hallo Martina,
    diese kleine Geschichte hast du wirklich toll erzählt und lehrreich ist sie auch noch - so ganz nebenbei!
    LG Heidi

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    1. Dankeschön Heidi, ich freue mich, dass du dich bei mir zu Wort meldest! Bist du über den Blog von Renate hierher gekommen? LG Martina

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  3. Liebe Martina,
    vom Bombadierkäfer hatte ich bis heute noch nie etwas gehört oder gelesen. Nun wurde es Zeit, danke für die wunderbare Geschichte. Ich werde sie übernächste Woche mal dem Lukas vorlesen, der findet sie sicher auch toll, weil er sich so sehr für alles interessiert, was da kreucht und fleucht!
    Herzliche Grüße
    Regina

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    1. Na da bin ich ja mal gespannt, was dein Lukas dazu sagt. Übrigens kannst du ihm auch ein Video zeigen - auf youtube -! Das ist sehr interessant! LG Martina

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  4. Liebe Martina, du hast ein neues Käfertier erfunden, lach, ja die haben es aber drauf. Ganz liebe Geschichte. LG Eva

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    1. Nein, nein, ich bin keine Märchentante, liebe Eva! Da verwechselst du etwas! Lach!! Nein, im Ernst, den Käfer gibt es wirklich! Danke und LG! Martina

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  5. Das ist eine schöne und witzige Geschichte mit dem Bombadierkäfer, der lieber Pazifist sein wollte.
    LG Elke

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  6. Liebe Martina, deine liebe und lustige Geschichte mit den Bombadierkäferchen hat mir sehr gut gefallen und ich bedanke mich. LG. Gerda R.

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    1. Oh, ich habe zu danken: Für deinen lieben Kommentar! LG Martina

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  7. Eine herrliche Geschichte, liebe Martina! Bombadierkäferchen, ja, die haben es nicht leicht ;O)
    Ich wünsch Dir noch einen wunderschönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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    1. Das Leben ist eins der schwersten - auch für Bombardierkäfer! Lach!
      LG und Dankeschön! Martina

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  8. eine klasse Geschichte mit Mo und seine Bomadierung * gg* spassig udn doch wiedermal lehrreich!
    Danke dir für eine schöne lsutige Geschichte!
    Schönen Abend wünsche ich dir!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Danke dir, Elke! Einen schönen Abend auch für dich! Martina

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  9. Liebes Fräulein Klümpchen,
    ich kann nur sagen, äh schreiben *BOMBASTISCHE GESCHICHTE*
    Nennt man die Käferchen nicht auch Rosenkäfer ? oder sind das die stinkenden Verwandten *grins*
    Auf jeden Fall ist die Geschichte klasse und
    *DANKE; WIEDER WAS GELERNT* *freuuuuuuu*
    und hüüüüüpf :O) ....

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    1. Mein liebes Renatchen! Bin ich denn die Auskunft oder habe ich etwa Biologie studiert oder was? Ich kann dir diese (blöde) Frage natürlich NICHT beantworten. Aber das wolltest du nur. Du wolltest nur, dass ich hier wie Hein Blöd da stehe und genau DIES sagen (schreiben) muss! Das ist sooooo gemein! Und dann wieder hinten herum ankommen und rumschleimen, Ne, was man mit dir mitmachen muss ist nicht zu beschreiben! Tschüss - ich lass noch schnell eine Stinkbombe für dich hier!!!!
      Und jetzt ernsthaft: Dankeschön für deinen netten Kommentar!!! LG Martina

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    2. SO du klebrig, stinkendes Teilchen.
      Ich hab selbst nachgeschaut und weißt de was!!!!
      Nee ich sag`s dir nicht weiter. SOOOOO nicht !!!!!
      Anders immer wieder gerne aber SOOOOO nicht *tss
      :O).....

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    3. Ich musste gerade nochmal meinen Kommentar lesen, damit ich DEINEN überhaupt verstehen konnte! Und nun sitze ich hier und lach mich schlapp!!! Ich sags: Irgendwann mach ich doch einen Kommi-Post!!! Und keiner lacht mit uns, dass wäre dann auch blöd!!!

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  10. Liebe Maartina,
    ist doch klar, dass ich diese Gechichte meinen Kindern vorlesen muss, oder?
    Ich bin restlos begeister. Heute gibt es wirklich tolle Geschichten. Es ist immer wieder
    faszinierend, was man aus fünf kleinen Wörtern alles machen kann.
    Einen ruhigen Abend wünscht Dir
    Irmi

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    1. Ach wie schön! Ich freue mich, wenn dir die Geschichte gefällt und du sie an die Kinder weiter gibst!! Freu!!!!!!!!! LG Martina

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  11. Hallo Martina,
    da hast Du eine schöne und lustige Geschichte geschrieben, an der nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene ihre Freude haben.
    LG
    Astrid

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    1. Danke Astrid! Schön, dass dir die Geschichte gefallen hat! LG Martina

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  12. Liebe Martina,
    ob Du es glaubst oder nicht - ich habe bei Deiner Geschichte Tränen gelacht. Weil ich mir nämlich bildlich vorgestellt habe, was für eine Wirkung es hätte, wenn auch wir Menschen so ein "explosives" Hinterteil hätten... **laaaaaach**. Dann würde es sich erübrigen, Pfefferspray mitzuschleppen - man könnte sich einfach umdrehen und dem Angreifer eine Ladung Säure ins Gesicht schießen ... Oje - da geht die Phantasie mal wieder mit mir durch!

    Den Bombardierkäfer kannte ich zwar dem Namen nach, aber warum er so heißt, wusste ich nicht. Vielen Dank für diese lehrreiche, interessante und äußerst witzige Geschichte!
    Liebe Grüße
    Christine

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    1. Oh weia, stell dir das bloß vor! Die GANZE WELT wäre eine STINKBOMBE!!!
      Danke und LG Martina

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  13. Wenn du mich jetzt sehen könntest, würdest du über meine Lachtränen grinsen.Herrlich deine Geschichte und ich habe einen neuen Käfer kennen gelernt, den ich bestimmt auch mal einsetzen werden, schon allein wegen seinen knalligen bombigen Pupsen, haahaahh, danke dir habe mich köstlich amüsiert und es ist wunderbar geschrieben. LGLore

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    1. Liebe Lore, du hier UND mit einem Kommentar?!? Ich kann es kaum glauben!
      Dankeschön! Martina

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