Dienstag, 12. Mai 2015

Abkühlung

Erinnert ihr euch an Suse?
Also ich meine DIE Suse, die 100.000 Euro geerbt hat
- von ihrem Nachbarn?
Wenn nicht, dann lest HIER!
Damals gab es einige Leserinnen, die sich eine Fortsetzung der Geschichte vorstellen konnten. 
Sie dachten dabei an eine Liebesgeschichte.
Na gut, wenn ihr meint!!! 
Die Reizwörter dieser Woche waren wie gemacht dafür:
Thermometer – Eis – bitten – verzaubert – lockig

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Das Thermometer kletterte an diesem Nachmittag auf über 30°. Als Suse aus dem klimatisierten Bürohaus nach draußen trat, hätte sie fast der Schlag getroffen. Sie hatte noch keine Lust, nach Hause zu fahren und in ihrer Wohnung zu sitzen. Dort war es im Sommer sowieso viel zu warm.
Sie ging Richtung Brunnen und wollte es den Kindern gleich tun, die dort eine Abkühlung suchten. Schnell schnippte sie die Sandalen von ihren Füßen, setze sich auf den Rand des Brunnens, drehte sich kurzerhand um und kühlte ihre heißen Füße in dem kühlen Nass. Herrlich war das!
Seit einiger Zeit hatte sie sich von der Ergriffenheit, so viel Geld geerbt zu haben, erholt und sie spielte gerade mit dem Gedanken, sich eine andere Wohnung zu suchen. Sie bräuchte nicht viel größer zu sein, als ihre jetzige, doch einen Balkon sollte sie in jedem Fall haben. Abends würde sie dort draußen sitzen und in die Sterne schauen. Wäre das schön, wenn sie diese Momente mit einem Mann teilen könnte, ging es ihr durch den Kopf. Sie schloss die Augen und vernahm das Kreischen der Kinder nur noch wie durch Watte. Abrupt öffnete sie die Augen kurz darauf wieder, sprang auf und sah an sich herunter. Ein kleiner Junge mit lockigem Haar stand ihr gegenüber und freute sich diebisch, denn er hatte sie nass gespritzt.
„Na warte, du kleiner Schlingel“, rief Suse, „gleich schnapp ich dich und tauche dich unter.“
„Mama“, schrie der Bengel, rannte davon und zeigte mit dem Finger auf sie: „Die Frau da, die will mich untertauchen.“
Gott sei Dank nahm die Mutter das nicht so ernst und lachte über die Aussage ihres Buben. Das war gut so. Auf eine zänkische und zickige Mutter hatte Suse jetzt echt keine Lust.
Wieder schloss sie die Augen und ließ ihre Kleidung in der Sonne trocknen. Ob sie eines Tages auch einmal eine Mutter sein würde und wie sie sich wohl verhalten hätte in dieser Situation.
„Hallo!? …“ Suse träumte weiter vor sich hin. „Hallo, Frau Schmidt?“, sagte jemand und stupste sie dabei an, so dass Suse aus ihren Tagträumen erwachte. „Natürlich sind sie es. Ich war einen Augenblick unsicher. Wir kennen uns doch. Erinnern Sie sich an mich?“
Suse erkannte ihr Gegenüber sofort und erinnerte sich auch sogleich an die Situation an ihrer Haustür und an ihre Mickymaus-Hausschuhe.
„Ach, Herr Leiter, dass ist ja eine Überraschung. Was machen Sie denn hier?“
Blöde Frage! Wenn er sie das gefragt hätte, dann hätte sie es auch als blöd empfunden. Warum fehlten ihr gerade jetzt die richtigen Worte? Im selben Moment war es auch schon wieder da, dieses Kribbeln im Bauch, dass sich schon damals eingestellt hatte, als er bei ihr war, wegen der Erbschaft.
„Darf ich mich einen Augenblick zu ihnen setzen?“, fragte er formvollendet. „Oder noch besser, darf ich Sie auf ein Eis einladen, dann kann ich mich endlich für den leckeren Auflauf revanchieren?“
Suse ließ sich nicht zweimal bitten. Sie liebte Eiscreme und der Italiener um die Ecke war für seine gute Qualität bekannt.
Eine kurze Zeit später ergatterten sie den letzten Tisch und bestellten zwei riesige Eisbecher.
„Ich möchte ja nicht neugierig erscheinen, aber mich würde schon interessieren, ob Sie sich von dem Erbe schon etwas Schönes geleistet haben?“, fragte Benjamin Leiter unverblümt.
Suse schüttelte mit dem Kopf.
„Nein, ich bin eher der Typ, der Anschaffungen genau plant und ich überlege lange vor einer größeren Investition. Und mit diesem Geld, das mir so unerwartet zufiel, möchte ich besonders behutsam umgehen. Gerade eben dachte ich darüber nach, mir eine andere Wohnung zu suchen. Ich hätte so gerne eine helle Wohnung mit einem Balkon.“
„Ach und ich dachte, sie hätten vielleicht schon eine Mittelmeerkreuzfahrt geplant oder einen Urlaub in der Karibik oder so etwas.“
Wieder schüttelte Suse den Kopf.
„Ach“, meinte sie, „so ganz alleine macht doch eine Kreuzfahrt gar keine Freude und wen könnte ich schon mitnehmen?“
„Na mich zum Beispiel“, schlug Benjamin spontan vor, der sich aber sogleich entschuldigte. „Oh, dass hört sich ja jetzt so an, als ob Sie Ihr Erbe mit mir teilen sollten. Da war ich jetzt echt der Elefant im Porzellanladen. Entschuldigen Sie bitte. So war das gar nicht gemeint. Wissen Sie, ich bin auch alleine, seitdem sich meine Freundin von mir getrennt hat und ich habe bereits eine Reise für zwei Personen auf der AIDA gebucht und bisher noch nicht storniert. Doch so alleine zu verreisen ist, wie Sie ganz richtig sagen, nicht schön und da kam mir eben ganz spontan der Gedanke, dass wir doch vielleicht zusammen …“
Suse hörte ihm mit offenem Mund zu und seine letzten Worte nahm sie wie durch eine Nebelwand war. Wir? Gab es denn zwischen ihnen ein wir?
Im selben Augenblick wurde ihr bewusst, woher dieses komische Gefühl in ihrer Magengegend kam. Es waren die Schmetterlinge, die sich bei seinem Anblick in ihrem Bauch bemerkbar machten. Natürlich! Sie war verliebt und zwar seit dem ersten Augenblick. Sie wollte dieses Gefühl nur nie zulassen, da sie ihn für unerreichbar hielt. Doch jetzt war es wieder da, dieses Kribbeln und zwar so heftig, wie nie zuvor. Und jetzt schlug er ihr sogar eine gemeinsame Reise vor. Ob er dies wirklich ernst meinte? Fühlte er vielleicht genau wie sie? Suse konnte sich mit dem Gedanken anfreunden. Doch auf der anderen Seite: Weshalb hatte er sich so lange nicht bei ihr gemeldet und heute waren sie sich doch auch nur durch Zufall begegnet. Oder nicht? Suses Gedanken schlugen Purzelbäume.
Nachdem sie kein Wort heraus brachte, sprach Benjamin weiter.
„Wissen Sie, Sie haben mit Ihrer Art nicht nur ihren Nachbarn, Herrn Bessen, verzaubert, sondern auch mich. Sie gingen mir die ganze Zeit über nicht aus dem Kopf. Doch bisher war da noch meine Freundin und deshalb habe ich keinen weiteren Kontakt zu Ihnen gesucht, doch als ich Sie jetzt dort an dem Brunnen sah, da war mir klar, dass ich Sie gerne an meiner Seite hätte". Er machte an dieser Stelle eine kleine Pause. Das war gut. Die Worte mussten Suse zuerst einmal erreichen. Als er weiter sprach ging er wie selbstverständlich zum Du über. "Ich glaube, in dem Moment, als du mit deinen Mickymaus Hausschuhen die Tür geöffnet hast, war es um mich geschehen. Ich glaube, ich habe mich bereits in dem Augenblick in dich verliebt, Suse! Ich weiß, dass kommt jetzt alles ein bisschen überraschend für dich und vielleicht beruht diese Zuneigung ja auch gar nicht auf Gegenseitigkeit, aber vielleicht ist da ja auch bei dir so ein klitzekleiner Funke …“
Er redete und redete – und Suse schwieg. Er wusste ihr Schweigen nicht zu deuten. Deshalb schwieg er auch. Nach einer Weile der Stille zwischen ihnen nahm Suse seine Hand, die die ganze Zeit wie zufällig neben ihrer lag. Sie sah ihn aus lachenden Augen an, durchbrach die Stille und formulierte es so: "Weißt du, einen Mann, der sich nicht von diesen Hausschuhen abschrecken lässt, den darf man nie wieder los lassen!"

© Martina Pfannenschmidt, 2015


Und hier geht es zu den anderen Geschichten:

Kommentare:

  1. Wie der Zufall so spielt... Genau in dem Moment, in dem man es am wenigsten erwartet, dann schlägt er zu.
    Schön, dass Du die Beiden zusammen gebracht hast. Aber sicher werden sie uns auch an der Kreuzfahrt irgendwann einmal teilhaben lassen.
    Du siehst, jetzt hast Du Deine Leser erst recht neugierig gemacht.
    LG
    Astrid

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    1. Ach du liebe Güte, eine Geschichte von der Kreuzfahrt wird auch noch gewünscht - lach! Aber wer weiß, vielleicht kommt es ja auch gar nicht dazu! Danke für den lieben Kommentar! Martina

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  2. Ich hatte mich ja auch schon gefragt, ob und wie das mit Suse und ihrer unverhofften Erbschaft weitergeht. Dass Mickymauspantoffel so anziehend wirken können..... grins. Eine schöne Fortsetzung der Suse-Geschichte ist das und ganz sicher wird Suse demnächst dann auch von ihrer gemeinsamen Kreuzfahrt berichten :-). Ich freu mich schon drauf.
    Liebe Grüße
    Inge

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    1. Du, da kann man doch nur jeder jungen Frau zu Mickymaus-Hausschuhen raten, wenn die eine derartige Wirkung auf Männer haben - lach!! Danke für den Kommentar und die Sache mit der Kreuzfahrt?! Nun ja, ich werde es mir durch den Kopf gehen lassen! LG Martina

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  3. Ach wie schön, liebe Martina,
    eine Liebesgeschichte und der Leser ist mittendrin, so anschaulich klingt sie.
    Ein herzlicher Gruß und ein Dankeschön für den Lesegenuss!
    Regina

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    1. Danke meine Liebe - nicht nur für den Kommentar. Du weißt schon: Manchmal haben wir ja auch ein Geheimnis, nicht wahr? HIHIHI LG Martina

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  4. Da bin ich doch mal froh, dass mein Telefonat dich inspiriert hat. Wunderschön, ach ja die Liebe, die Liebe ist eine Himmelsmacht.
    LGLore

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    1. Liebe Lore, ich hatte es dir versprochen. Wenn es eine Fortsetzung gibt, bringe ich den Satz unter und siehe da .... !!!!! LG Martina

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  5. Liebe Martina,

    ich hoffe es geht in Ordnung das ich auch aus diesen Begriffen eine Reizwortgeschichte mache!?

    Das ist dann mein heutiger Blogbeitrag.

    Ich finde diese Idee genial! Danke dafür

    LG Sophie

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    1. Ich habe sie schon gelesen, deine Geschichte mit den 'gemopsten' Reizwörtern. Es wäre schön, wenn du an jedem Dienstag dabei sein könntest. Überleg es dir! LG Martina

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  6. Ach, wie schön und dann noch eine Kreuzfahrt - vielleicht treffe ich die beiden ja, denn ich bin in diesem Sommer auch auf einem Schiff.
    LG Elke

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    1. Oh, du machst auch eine Schifffahrt! Wie wäre es dann, wenn du darüber berichtest oder mir die Geschichte schreibst. Ich habe bisher nämlich keine Erfahrung mit einer Kreuzfahrt gemacht. Wie wäre es, kann ich auf dich zählen? ;-) LG Martina

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    2. Vielleicht, mal sehen, wie der Urlaub wird.
      LG Elke

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  7. hihi wie schön doch es ist dass sie sich getroffen haben wieder und merkten dass sie sich verliebt hatten .. tolle Geschichte!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Ja, liebe Elke! Es war wieder einmal der Zufall, der seine Finger im Spiel hatte!
      Danke für den Kommentar und LG! Martina

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  8. Danke, Martine, für die Fortsetzung, und noch dazu so romantisch, juhu!

    Freu mich auf mehr :)

    Alles Liebe
    Eva :)
    https://evasgeschichten.wordpress.com

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    1. Noch eine Fortsetzung?!? Mal sehen - dann gib mir mal die richtigen Reizwörter!!! Lach! LG Martina

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  9. Liebe Martina,
    eine wunderschöne Fortsetzung der Suse-Geschichte :O)
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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    1. Ach, ich freue mich, dass auch dir meine kleine Fortsetzungsgeschichte gefallen hat. Dankeschön! Martina

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  10. Das ist ja eine süße Fortsetzung. Da wünsche ich den Beiden auf jeden Fall eine schöne Reise. ;-)
    LG Tanja

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    1. Wenn es dazu kommt, liebe Tanja! Wenn es dazu kommt!!! :-)

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  11. Liebe Martina,
    Happy End, ich liebe das. Endlich haben sie sich gekriegt. Hoffe, sie haben eine schöne Reise. LG Eva

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    1. Ob sie wirklich verreisen, dass steht noch in den Sternen. Warten wir es mal ab! ;-) LG Martina

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  12. Herrlich!!!!!
    Bin gespannt wie es weiter geht :-0
    Aber sag mal, fehlt da nicht jemand in eurer Runde?
    :0)

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    1. Oh, du bist sooooo gemein. Als ich das las überkam mich sofort die Panik. O weia, du hast einen Link vergessen! Schlechtesgewissengehabtsofort! Ich geguckt! Nee, keine Mitschreiberin vergessen - alle da. Was meint sie nur? Meinst du meine Lütte - oder was???? DU BIST DOOF - ABER SOWAS VON!!!!! Imwiederholungsfallwirdsofortdiefreundschaftgekündigtdamitdubescheidweischt!!!!

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  13. Liebe Martina,
    zuerst einmal - sorry, dass ich JETZT ERST meinen Kommentar zu Deiner Super-Geschichte abgebe! Aber ich war ja im Urlaub, und heute finde ich erst die Zeit dazu ...
    Also, ICH wünsche mir auch eine Fortsetzung der Geschichte. Schließlich kann man auf einer Kreuzfahrt soooo viel erleben ... BITTE BITTE lass Dir was einfallen!
    Liebe Grüße, und noch einen schönen Sonntagabend!
    Christine

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    1. Versprochen, liebe Christine! Wenn irgendwann die Reizwörter passen, gibt es eine weitere Fortsetzung! Danke für deinen Kommentar! Meine Befürchtung war ja schon, dass du die Geschichte als so grottenschlecht empfunden hast, dass du lieber gar keinen statt eines negativen Kommentares schreiben wolltest. Lach!!! Dankeschön!

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