Freitag, 26. Juni 2015

Tschüss, Schule!!!

Heute beginnen in NRW die Ferien und darüber ist die Freude allerorten groß. Doch in unserem kleinen Ort schwingt ein bisschen Wehmut mit. Der Grund: Die Kinder sagen heute nicht Tschüss, bis in 6 Wochen. Sie sagen: Tschüss, liebe kleine Dorfschule! Es war schön, doch jetzt ist es vorbei!
Seit vielen Jahren steht die Schule mitten im Dorf und ich erinnere mich, dass mein Opa erzählte, man habe den Lehrer früher mit Lebensmitteln bezahlt, z. B. mit den Eiern von den eigenen Hühner. Eier gibt es noch genug im Dorf, schrieb heute unsere Tageszeitung, doch leider nicht mehr genug Kinder. Ja, die Zahl der Kinder schrumpft. Das Fazit: Im Kindergarten gibt es nach den Ferien nicht mehr drei, sondern nur noch 2 Gruppen. Natürlich mussten einige Erzieherinnen deshalb gehen. Und die Schule, sie schließt für immer ihre Pforten.
Es ging dem Ganzen ein langes Hin und Her voraus. Schon vor Jahren wurde eine Klasse in einen Nachbarort ausgesiedelt. Dann kamen wieder zwei starke Jahrgänge und die geforderte Gesamtschülerzahl konnte gerade so gehalten werden. Doch jetzt kommen geburtsschwache Jahrgänge und damit das Aus für die Schule.
Unsere Große war jetzt zwei Jahre lang dort – ich selbst und unsere Tochter (aber auch bereits meine Mutter, meine Oma und mein Opa) gingen in diese Schule. Jetzt muss sie die Schule wechseln. Doch es geht nicht die komplette Klasse in eine andere Schule. Es kommt noch schlimmer: Die Kinder werden auf zwei Schulen und verschiedene Klassen aufgeteilt. Wenigstens ist man auf die Bitten der Eltern eingegangen, auf gewachsene Freundschaften Rücksicht zu nehmen. So wird unsere Enkeltochter weiterhin mit ihren beiden besten Freundinnen in eine Klasse gehen. Gott sei Dank! Ihr gefällt die neue Schule ganz gut – sie waren zum Schnuppern bereits dort. Auch die neue Klassenlehrerin hat einen guten Eindruck gemacht – nicht nur auf die Eltern, sondern auch auf die Kinder. Die alte Klasse gibt es ab heute nicht mehr.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als sei das politisch so gewollt und als habe man diese Richtung schon seit langem eingeschlagen, zunächst ohne die Eltern davon zu unterrichten und ‚mitzunehmen’. Natürlich gab es Proteste gegen die Schließung. Doch was will man machen. Die Kinder fehlen – Punkt! Der Transport der Schüler in die anderen Schulen kostet natürlich auch Geld und wie viel man wirklich durch diese Schließung einspart, konnte so recht niemand beantworten, dennoch wird der Schlüssel heute umgedreht.
Ab dem nächsten Schuljahr wird unser Schulkind somit ein ‚Buskind’ sein. Daran müssen wir uns zuerst einmal gewöhnen. Die Schule, die sie dann besucht ist im Vergleich zu den Grundschulen einer Großstadt natürlich immer noch klein, doch sie ist mehr als doppelt so groß, was die Schülerzahl anbelangt.

Ich bin mir sicher, dass unsere Große mit der Situation klar kommt, doch in unserem Dorf bleibt ein Schulgebäude plötzlich leer. Was aus ihm wird steht noch in den Sternen. In jedem Fall ist jetzt erst einmal ‚Ausverkauf’! Die Kinder durften gestern ihren Stuhl bemalen und mit nach Hause nehmen. Das war eine schöne Aktion von der es ein Foto gibt. Und doch …

Kommentare:

  1. Traurig. Für das Dorf, die Gemeinschaft und vor allem für die Kinder,
    Aber es ist überall so. Nur die Großstädte zählen noch. In den Dörfern werden Krankenhäuser, Arztpraxen, Läden reihenweise geschlossen, weil unrentabel. Die Bewohner dieser Orte können sehen, wo sie bleiben - die werden einfach abgehängt. Es ist zum Heulen!

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    1. Wir sind froh, dass ein Arzt in der Nachbarschaft seine Praxis aufrecht erhalten konnte. Er hat jahrelang nach einem Nachfolger gesucht. Bei uns fährt zweimal in der Woche ein mobiler Lebensmitteldienst. Da kaufen die Älteren gerne ein. Ja, so ist es auf dem Dorf. - Trotzdem will ich hier nicht weg! :-) LG Martina

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  2. Liebe Martina,

    jeder Abschied ist hart und schmerzhaft.

    Sonnige Grüße
    Elisabeth

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    1. Er ist hart, schmerzhaft und sehr traurig!
      Einen schönen Samstag! Martina

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  3. Liebe Martina,
    ich finde die Idee mit den Stühlen super. Das ist ein herrliches Andenken.
    Ja, es ist schade, dass diese kleinen und "gemütlichen" Schulen schließen. Aber unsere Kinder mussen in die Welt hinaus und das ist wohl der erste Schritt dazu. Die Kinder kommen oftmals besser damit klar, als man denkt. Ich kenne Kinder, die nehmen 1 Stunde Anreise zur Schule in Kauf, damit sie auf die Schule gehen können, auf die sie möchten (weiterführende Schulen). Allerdings halte ich von derartigen langen Anreisezeiten auch nichts. Das trägt man dann wohl auf dem Rücken der Kinder aus und das ist sehr, sehr schade.
    LG
    Astrid

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    1. Die Busverbindung ist recht gut. Es wird extra für unsere Schüler ein neuer Bus eingesetzt, so dass sie nicht stundenlang unterwegs sind. Das ändert sich dann in zwei Jahren, wenn sie zu einer weiterführenden Schule müssen. Wenn man in einem Dorf lebt, muss man damit leben. - LG Martina

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  4. Liebe Martina,
    wenn auch die Idee mit den bemalten Stühlen große Klasse ist, so ist der Grund dafür mehr als traurig. Ein solcher Entschluss ist nicht nachzuvollziehen. Warum muss man gewachsene Dinge so einfach - mit einer Handbewegung - vom Tisch wischen?
    Klar, werden sich die Kinder in der neuen Schule eingewöhnen - aber der Schulweg wird beschwerlicher.
    Liebe Grüße
    Irmi

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    1. Die Stuhlaktion war wirklich toll, doch es bleibt ein bitterer Beigeschmack! LG Martina

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  5. Liebe Martina,
    oh, das ist aber schade! Da hatten wir in meinem Heimatdorf mehr Glück. Dadurch, daß viele junge Familien zugezogen sind in den letzten Jahren, sind die 4 Grundschulklasse gut ausgebucht über Jahre. Selbst der Kindergarten hat eine zusätzliche Gruppe aufgemacht.
    So ist es überall unterschiedlich .. cih freue mich auf jeden Fall immer, wenn ich meine alte Schule sehe ( sie liegt gegenüber dem Friedhof ) und weiß, daß sie noch immer mit LEben und Kinderlachen gefüllt ist :O)
    Die Idee mit den Stühlen find ich aber klasse!
    Ich wünsche Dir ein schönes, sonniges und erholsames Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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    1. Das Kinderlachen gibt es jetzt nicht mehr - mitten im Dorf. Das ist schon hart. Die Schule und der Bereich drum herum waren der Mittelpunkt unseres Ortes, der jetzt sehr tot sein wird! LG - uns erwartet ja eine heiße Woche! Das kommt gerade recht für die Kinder! LG Martina

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  6. Ja, es ist traurig, in unserem Dorf wurde de Schule bereits im vorigen Jahr geschlossen, jetzt gibt es nur noch den Kindergarten, wer weiss, wie lange noch! Aber die bunten Stühle sind grosse Klasse, bei uns wurden sie für wenig Geld an Interessierte abgegeben, im Urzustand.
    Wir Dörfler werden immer mehr abgehängt, aber trotzdem bleiben wir, oder!?
    Ein schönes Wochenende wünscht Anna!

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    1. Ja schau! Man hört es aus ganz vielen Gemeinden. Um uns herum geht es vielen kleinen Dörfern ebenso. Warum, frage ich mich? Weshalb konnten die Schulen über sooooo viele Jahre existieren und jetzt plötzlich nicht mehr - nur wegen der fehlenden Schüler? Manchmal bezweifle ich das! LG Martina

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    2. Ich denke du weißt die Antowrt. Früher waren in einem Klassenzimmer (in einer Klasse), gerade in Dorfschulen, Kinder aus unterschiedlichen Jahrgängen zusammen. Das hatte zwar Nachteile, aber durchaus auch eben einen Vorteil: man trennte das Leben im Dorf nicht von der schulischen Erziehung ab. Ich bin zwar kein Befürworter des Schulsystems, aber eine Einklassenschule finde ich durchweg besser, als die Abgrenzung der Schüler einer Einrichtung durch Jahrgänge.

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    3. Das war 'ganz früher' - lach - so!! Als ich eingeschult wurde zum Beispiel! Da waren die 1. und 2. Klasse in einem Raum, die 3. und 4. usw. In den letzten Jahren gab es jedoch manchmal sogar zwei Klassen eines Jahrgangs. Dann gingen die Geburtszahlen zurück. In anderen Ländern gibt es auch 'Zwergenschulen', aber die haben wohl ein ganz anders Schul-System vermute ich.

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    4. Ja, leider. Aber es gibt sie schon noch, ganz vereinzelt. Meine Mutter war auch in so einer. Der Lehrer war der Bürgermeister. ^^
      Ich habe mich da gerade in der Wikipedia bestätigt gefühlt, genau so hat sie mir mal ihre Schulzeit beschrieben. Les doch mal nach, einfach "Einklassenschule" googln.

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    5. Danke für den Hinweis. Ich werde gleich mal schauen!

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  7. Auch bei uns im Flecken schließt die Schule zu den Ferien. Wir selber sind nicht betroffen, unsere kommt erst im nächsten Jahr in die Schule und die Grundschule besteht noch. Wer weiß wie lange? Die Sporthalle der Haupt und Realschule soll von der Grundschule genutzt werden, aber was mit dem Schwimmbad (das einzige im Großraum ) wird auch von der DLRG und Sportvereinen aus umliegenden Orten genutzt wird, steht in den Sternen. Da ist einiges zu reparieren und niemand will die Kosten tragen. Abwarten und Tee trinken. Für Euch schöne Ferien und gute Erholung. LG Christa

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    1. Im Nachbarort ist es ähnlich. Die Schule besteht im Moment noch - das Schwimmbad ist auch marode. Keine Geld da, um es zu finanzieren. Jetzt sollen die Schüler mit dem Bus zu einer anderen Schule mit Schwimmbad kutschiert werden. Und das kostet dann kein Geld? Sonnige Grüße! Martina

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  8. Liebe Martina, auch hier in unserem kleinen Ort hat die Schule und der Kindergarten zugemacht. 60 Jahre gingen die Kinder dort zur Schule. Aber die Eltern haben sich zusammen getan, sie wollen eventuell eine Montesori Schule privat gründen. Bin gespannt, ob es klappt. Liebe Grüße Eva

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    1. Einen anderen Schulträger zu finden, wurde hier auch versucht - dafür war es dann aber viel zu spät! Jetzt müssen alle damit leben! LG Martina

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  9. Liebe Martina, wir hatten auch heute Abschlusstag an der Grundschule und es ging mit vielen heftigen Tränen ab. Ich hoffe auch, dass Ihr im Dorf einen Weg findet, zumindest das Gebäude für Euer Dorf zu erhalten. Für die meisten Kinder in diesem Alter ist die Grundschule eine indentitätsstiftende Zeit gewesen und ich weiß, wie sehr die Erinnerungen, je älter man wird, auch an diesen buchtäblich begreif- und begehbaren steinernen Zeitzeugen festgemacht werden. Die Idee mit den Stühlen fand ich übrigens auch ganz toll. LG Tanja

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    1. Ich bin sehr gespannt, was aus dem Gebäude wird. Die Kinder werden schnell mit der neuen Situation klar kommen und neue Freundschaften werden sich ergeben.Dennoch ist es sehr traurig, finde ich. Wir wären auch gerne nach Bad H. gegangen, doch wie lange bleibt die Schule noch? - Hier flossen auch Tränen - besonders bei den Eltern! LG übern Berg! Martina

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  10. Es ist schon ein wenig traurig, dass endgültig Schluss ist, überall hört man von solchen kleinen Schulen die geschlossen werden. Dafür ist es aber ein schöner bunter Abschied und ein Stuhl als Erinnerung, das finde ich eine schöne Geste an die Kinder.
    Vielleicht kann aus der Schule ein Kulturzentrum oder Museum werden, wer weiß?
    Frisch aus dem Urlaub, ein schönes Wochenende mit viel Sonne von mir, klärchen

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    1. Es ist wichtig, dass man etwas sinnvolles aus dem Gebäude macht und es nicht einfach leer stehen lässt. Dann wirkt der Ortsmittelpunkt wie tot. - Schön, dass du zurück bist und du hast uns ein soooo herrliches Foto von einem Sonnenuntergang mitgebracht. Schwärm!!!!

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  11. Ja schade,
    trotz den wunderschön, bunten Stühlchen ist es ein trauriger Punkt.
    Die Dorfmitte und das Geschehen dort wird anders sein, aber es findet sich bestimmt, wie bei uns in den Dörfern, eine schöne neue Nutzung der Schule. Im Geburtsdorf meines Mannes ist im Schulgebäude ein Mehrgenerationshaus durch die Dorfbewohner entstanden und dies ist richtig klasse !!!! Gerade in guten Dorfgemeinschaften finden sich doch schöne Lösungen.
    Die Kinder wachsen in den neuen Schulalltag schnell rein und die Erinnerungen bleiben !!!!!
    Der schale Nachgeschmack ist eben, dass solche Vorhaben oft länger geplant, aber nicht öffentlich gemacht werden.
    Ich hüpfe weiter :O) .....

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    1. Ein Mehrgenerationsnhaus daraus zu machen, ist eine sehr gute Idee. Das könnte ich doch bei einer Versammlung mal in den Raum werfen!!! - Ja, die Kinder werden sich schnell eingewöhnen. Da bin ich auch sicher und neue Freundschaften werden sich ergeben. Es hat schon alles seinen Sinn - auch wenn man ihn nicht auf Anhieb erkennt :-)!!! LG Martina

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    2. Mach das, aber pass auf dass du keinen triffst *lach*
      In dem Schulgebäude ist auch eine kleine, gemütliche Bücherei untergebracht und der Musikverein hat seinen Probenraum dort.
      :O) .....

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    3. Du hast recht, man kann andere Menschen treffen und verletzten, wenn man Worte in den Raum wirft!!! Da muss ich wohl mal einen Aphorismus dazu schreiben!!! - Ach, hab ich ja schon!!! Jedenfalls so ähnlich!!! Lach!!!

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  12. Hallo Martina,
    das ist ja ein lieber Gedanke mit den Stühlen, der gefällt mir gut. Zur Schließung kann ich nur sagen, wir sind 6 Teilgemeinden und wir quasi die Hauptstadt. Insofern betrifft es uns nicht so, weil alle zu uns kommen müssen, aber seit meiner Kindheit sind nun 4 Schulen zusammengelegt worden und mit Ende diesen Schuljahres wird nun die vorletzt geschlossen und alle werden mit dem Bus zu uns kommen. Nicht so toll, wenn man ab der 1. Klasse bereits Bus fahren muss, aber wir haben einfach zu wenig Kinder.
    LG
    Manu

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    1. Überall läuft es nach dem gleichen Muster. Wir finden es auch schade, dass unsere Kleine im kommenden Jahr sofort ein Buskind wird. Aber unsere Große wird ein Jahr lang noch zur selben Schule gehen und das ist wiederum gut. Bis dahin hat sie sich dort eingelebt und das Bus fahren gehört zum Schulalltag! Sonnige Grüße! Martina

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