Dienstag, 11. August 2015

Marie, der Maulwurf und Vater Storch

Die Reizwörter-Geschichten machen noch Pause.
Das ist die Gelegenheit, 'alte' Geschichten einzustellen.
Die heutige hat für mich eine besondere Bedeutung.
Als in mir der Gedanke aufkam,
Geschichten schreiben zu wollen, 
tat ich mich noch seeeehr schwer damit.
Mit dem Gedanken zum einen, 
mit der Ausführung zum anderen.
Die Geschichte, die ich heute einstelle, 
war die Erste, die ‚durch mich geboren werden wollte’! :-)


Draußen im Garten stand ein schickes rotes Fahrrad. Es gehörte Marie, die 4 Jahre alt war. Heute hatte niemand Zeit für sie. Mama putzte das Haus und ihre Geschwister machten Hausaufgaben. Marie war es langweilig.
„Spiel doch draußen im Sand oder fahr mit deinem Fahrrad durch den Garten“, meinte Mama.
Marie hatte schon so viele Sandkuchen gebacken, aber keiner kam, um sie zu probieren. Nur Morle, die schwarze Katze ihrer Nachbarin, hatte neugierig daran geschnüffelt. Doch als Marie sie gefragt hatte, ob sie bleiben und mit ihr spielen wollte, da war die Katze auf den Gartenzaun gesprungen und fortgelaufen.
Maries Blick fiel auf ihr Rad. So ganz allein durch den Garten zu kurven machte einfach keinen Spaß. 
Sie überlegte kurz, schnappte sich ihr Rad, öffnete das Gartentor und schon ging es ab Richtung Dorfmitte.
‚Mal sehen’, dachte sie, ‚vielleicht treffe ich ja jemanden aus meinem Kindergarten, mit dem ich spielen kann’. Doch niemand war zu sehen.
In dem Moment wurde neben ihr auf dem Acker ein kleiner Erdhügel aufgeworfen. Marie sah interessiert zu. Es dauerte gar nicht lange und ein kleiner Maulwurf schaute oben aus dem Hügel heraus.
„Hallo, Maulwurf“, rief Marie, „willst du vielleicht mit mir spielen?“
„Würde ich ja gerne“, antwortete dieser, „aber ehrlich gesagt, ist es mir viel zu hell hier draußen. Ich lebe unter der Erde und dort ist es immer dunkel. Die Sonne blendet in meinen Augen und ich habe keine Sonnenbrille. Sonst hätte ich jetzt gerne mit dir gespielt. Wie heißt du denn?“
„Ich heiße Marie und weißt du was, ich habe eine Idee. Wir gehen zusammen in die nächste Stadt und kaufen dir dort eine Sonnenbrille. Wollen wir dass machen, kleiner Maulwurf?“
„Ich heiße Fritz“, sagte der Maulwurf, „und finde deine Idee toll. Aber ich muss unter der Erde bleiben. Du musst nur den kleinen Erdhügeln folgen. Wir treffen uns auf dem Marktplatz der Stadt und wenn du mir eine Sonnenbrille gekauft hast, kann ich mit dir spielen.“
Gesagt, getan! Marie folgte den kleinen Erdhügeln, doch von der Stadt war weit und breit nichts zu sehen. Da hielt Marie an und rief so laut sie konnte: „Fritz, schau doch einmal aus deinem Hügel heraus. Ich glaube, wir haben uns verlaufen“.
Als Fritz auf seinem Hügel stand und nach den Häusern der Stadt Ausschau hielt, bemerkte er, dass es wirklich so war. Sie standen inmitten einer Wiese.
„Es stimmt, Marie, wir haben uns verlaufen, was machen wir jetzt nur?“
Marie überlegte. Ihre Beine waren müde und sie wollte gerne wieder nach Hause. Und außerdem hatte sie ein schlechtes Gewissen. Marie wusste ganz genau, dass sie ohne Mama oder Papa auf keinen Fall das Haus verlassen durfte. Bestimmt waren sie schon auf der Suche nach ihr.
Da begann Marie zu weinen. Sie schluchzte so laut, dass alle Tiere, die auf dieser Wiese lebten, zu ihr kamen. Marie erzählte, was geschehen war und dass sie unbedingt ganz schnell wieder nach Hause müsse.
Gemeinsam überlegten die Tiere, wie sie Marie helfen konnten. Es musste doch eine Lösung geben. Plötzlich kam dem Frosch eine Idee.
„Ganz hier in der Nähe lebt eine Storchenfamilie. Wollen wir mal Vater Storch fragen, ob er dich zu deinen Eltern zurückbringen kann?“, fragte er.
Alle Tiere machten sich gemeinsam mit Marie auf den Weg zu Familie Storch. Vater Storch saß oben in seinem Nest und klapperte laut mit seinem Schnabel. Die Tiere mussten schon sehr kräftig rufen, bis Vater Storch sie hörte. Doch dann schwang er sich zu ihnen hinunter in die Wiese. Er hörte sich die Geschichte an und erklärte sich bereit, Marie nach Hause zu fliegen.
Sie setzte sich auf den Rücken des Storches. Mama Storch nahm das Fahrrad in ihren Schnabel und schon flogen sie los.
Die Tiere standen noch beisammen und winkten ihr nach.
„Tschüß, Marie, guten Flug und komm uns bald wieder besuchen“, riefen sie ihr hinterher.
Es war ein tolles Gefühl über der Wiese zu schweben. Aber noch lieber wäre Marie jetzt schon zu Hause.
Als sie ihr Ziel fast erreicht hatten, sah Marie schon ihre Mutter. Sie lief aufgeregt durch den Garten und rief immer Maries Namen.
„Ich glaube“, meinte Vater Storch, „es wird besser sein, wenn ich dich hier absetze. Jetzt ist es nicht mehr weit. Nun findest du den Weg alleine.“ Marie stieg auf ihr Fahrrad und fuhr schnurstracks nach Hause.
„Mama, Mama, du darfst nicht schimpfen. Weißt du, mir war so langweilig und da wollte ich in die Stadt fahren, aber der Maulwurf hat sich verlaufen. Aber dann kam dem Frosch die Idee mit dem Storch und er mich tatsächlich zu dir gebracht!“
Mama verstand kein Wort.
„Marie, da bist du ja, ich hab mir schon solche Sorgen gemacht. Wo warst du nur? Du darfst doch nicht alleine fortgehen. Dass weißt du doch. Es ist viel zu gefährlich. Gott sei Dank bist gesund wieder zurück“, meinte Mama. Sie nahm Marie ganz fest in ihre Arme.
„Bei deinem nächsten Ausflug nimmst du mich aber mit, Marie – versprochen?“, fragte Mama.
„Versprochen, Mama, ganz großes Indianerehrenwort!“

© Martina Pfannenschmidt, 2013

Kommentare:

  1. Liebe Martina,

    deine interessante Geschichte schenkt mir viel Freude.
    Sonnige Grüße
    Elisabeth

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  2. Deine Geschichte hat mir ein Lächeln geschenkt, Danke!
    ♡liche Grüße Claudia

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  3. Liebe Martina,
    schön, daß ihr wieder mit den wunderschönen Geschichten zurück seid! Auch ich hatte ein Lächeln beim Lesen im Gesicht :O)
    Ich wünsch Dir noch einen schönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  4. Liebe Martina,
    ich kann mich noch soooo gut an diese Geschichte erinnern,schön, sie heute mal wiederzulesen.
    Herzliche Grüße
    Regina

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  5. Ach, was für eine bezaubernde Geschichte, liebe Martina!!!
    Ich war ja viele Jahre im Kindergarten tätig und habe mir die ganze Zeit beim Lesen die Gesichter der Kinder vorstellt. Wie sie gespannt und voller Interesse mit großen Augen zuhören. Und mir selber ging es ja genauso, ich war ebenfalls neugierig wie es ausgeht.
    Du bist eine wundervolle Erzählerin!

    Ganz ♥-lich grüßt
    Uschi

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  6. Liebe Martina,
    so eine niedliche Geschichte. Auch ich hatte beim Lesen ein Lächeln auf den Lippen. Ich habe sie gerne gelesen und die Kinder, die diese Geschichte vorgelesen bekommen, werden sie gerne hören und sich alles bildlich vorstellen.
    LG
    Astrid

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  7. Liebe Martina,
    Ich habe Deine liebe Geschichte gerne gelesen. Du hast damalsschon schön geschrieben. Liebe Grüße Eva

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  8. Was für eine bezaubernde erste Geschichte!
    Danke schön, dass du sie hier mit uns teilst.
    LG
    Marle

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  9. Wie gut und wundervoll, dass diese herrliche Geschichte von dir geboren werden wollte !!!!!!
    :O) .....

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