Dienstag, 1. September 2015

An Tagen wie diesen

Dienstagmorgen!
Wir schreiben den
1. September 2015!
Es ist 9.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit!
- Lachmichschlapp! -
JUUUUUCHHUUUU!!!
Endlich gehen unsere Geschichten wieder an den Start!
Mit diesen Reizwörtern:
Einkaufszentrum – Chance – schlagen – vergessen – blitzartig


Regina - Lore - Eva - Christine - Eva V.

An dieser Stelle sage ich herzlich
DANKESCHÖN
für eure lieben Kommentare zu
meinen Sonntagsgedanken!
Ich hab mich wirklich sehr darüber gefreut
und nun wünsche ich euch viel Freude
mit unseren Geschichten!

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Peter war voll bepackt, als er mit seiner Angetrauten durch das Einkaufszentrum ging. „Was denkst du, Henriette, haben wir jetzt alles?“
Seine Frau strich über ihren Babybauch und fragte: „Was meinst du, fehlt noch etwas oder sind wir gut vorbereitet?“ Anschließend tat sie so, als würde sie in sich hinein horchen und der Antwort des Babys lauschen. „Es meint, wir seien hervorragend vorbereitet“, antwortete sie lächelnd, um sich kurz darauf zu berichtigen: „Nein, wir haben doch noch etwas vergessen. Wir brauchen noch einen Flaschenwärmer.“
„Ich schlage dir diesen Wunsch ungern ab, aber du willst das Kind stillen. Da brauchen wir keinen Flaschenwärmer.“
„Aber wenn es nicht klappen sollte mit dem Stillen, brauchen wir einen.“      
„Ja, dann brauchen wir einen und ich verspreche dir, ich werde sofort einen kaufen, wenn er benötigt wird. Doch bitte lass uns jetzt nach Hause gehen.“
Just in dem Moment klingelte sein Handy. Eigentlich klingelte es nicht, sondern es trällerte - eine Melodie nämlich: ‚An Tagen wie diesen’ ertönte es. Peter musste zunächst sämtliche Päckchen, Tüten und Taschen auf dem Boden abstellen und kramte anschließend umständlich nach seinem Handy, das er in die Innentasche seiner Jacke gesteckt hatte.
Seine Reaktionen ließen vermuten, dass es sich um einen wichtigen Anruf handelte. Bestimmt hatte es etwas mit seiner Bewerbung um die Stelle als neuer Pfarrer in einer kleinen Dorfgemeinde zu tun.
„Henriette“, rief Peter hoch erfreut, nachdem er aufgelegt hatte, „ich bin in der engeren Wahl und soll am Sonntag eine Probepredigt halten. Ist das nicht toll? Das ist dieee Chance, von der Stadt aufs Land zu ziehen. Wir hatten uns doch immer gewünscht, dass unsere Kinder dort aufwachsen sollen. Vielleicht geht unser Traum jetzt in Erfüllung. Ich darf es am Sonntag nur nicht vermasseln. Was sagst du dazu?“
Zunächst einmal sagte sie nichts – gar nichts.
„Henriette, freust du dich gar nicht über diese Nachricht?“
„Doch schon, na klar freue ich mich. Für dich natürlich ganz besonders. Aber am Sonntag ist der errechnete Geburtstermin. Was, wenn unser Kind genau an dem Tag geboren werden möchte?“
„Was du dir nur für Gedanken machst. Kaum ein Baby kommt genau zum errechneten Termin auf die Welt.“
„Und wenn doch?“, beharrte Henriette. „Du hast es hoch und heilig versprochen, bei der Geburt dabei zu sein“, erinnerte sie ihren Mann.
„Das habe ich und das halte ich auch“, war er sicher.
„Dein Wort in Gottes Ohr!“, murmelte sie.
„Henriette!“, sagte er scharf.
„Entschuldigung, war nicht so gemeint.“
Die Tage zogen dahin. Peter wurde immer nervöser, zumal er inzwischen wusste, dass er frei predigen müsste, ganz ohne Konzept. Er würde, so hatte man ihm gesagt, auf der Kanzel einen Zettel, auf dem man eine Bibelstelle notiert habe, vorfinden und darüber solle er spontan predigen. Seit diesem Wissen bat er allabendlich in seinem Zwiegespräch mit dem Herrgott, er möge ihm dabei zur Seite stehen.
Samstagabend, 22.00 Uhr. Henriette vernahm ein leichtes Ziehen im Rücken. Die Vorzeichen für Peter standen schlecht. Einerseits wollte er unbedingt diese Stelle als Pfarrer, andererseits wollte er natürlich seine Frau nicht enttäuschen und selbstverständlich war es sein größter Wunsch, bei der Geburt seines Kindes dabei zu sein.
„Herr“, sprach er deshalb noch einmal sehr eindringlich in seinem Gebet, „ich übergebe die Sache in deine Hände. Du wirst es für mich regeln, so wie du es immer getan hast.“
Peter wurde nach diesem Gespräch zwar etwas ruhiger, doch er konnte seine eigenen Gedanken und Wünsche, wie es am morgigen Sonntag für ihn ablaufen sollte, nicht ganz unterbinden. Es war leichter gesagt: Ich lege meine Sorgen in deine Hände, als es getan war.
Das Ziehen im Rücken seiner Frau war auch am nächsten Morgen noch da, sogar verstärkt. Peter machte sich dennoch sehr zeitig auf den Weg. Henriette hatte ihm tatsächlich das Versprechen abgenommen, während des Gottesdienstes das Handy nicht auszuschalten und sofort zu ihr zurück zu kehren, falls sie ihm melden würde, dass das Baby geboren werden wollte.
Peter stand etwas abseits und betrachtete nervös die Schar der Gottesdienstbesucher. Der Küster ging an ihm vorüber, grinste und meinte: „Ja, das ist immer so. Wenn sie alle hinein gingen, wollen sie nicht hinein. Und wenn sie nicht mehr hinein gehen, wollen sie plötzlich hinein!“ Lachend ging er weiter. Peter musste sich den Satz noch einmal durch den Kopf gehen lassen – dann schmunzelte er auch.
Eine kurze Zeit später betrat er gemeinsam mit dem Pfarrer, der nun in den Ruhestand wechseln wollte, das Kirchengebäude. Es war wirklich sehr voll, was Peter noch unruhiger werden ließ. Er musste sich eingestehen, dass es ihm lieber wäre, eine geschliffene und ausgefeilte Predigt in der Tasche zu haben. Aber nun war es anders. Da musste er durch. Und jetzt war es so weit.
Während die Gemeinde noch das Lied vor der Predigt sang, betrat Peter die Kanzel. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Über welche Bibelstelle er wohl predigen sollte?! Er fand einen weißen Zettel vor, nahm ihn an sich, drehte ihn um und sah: Nichts! Es stand nichts auf dem Zettel. Ob er sich nun darüber freuen sollte oder ob er die Taktik etwas gemein fand, wusste er in diesem Moment nicht. Es blieb ihm aber gar keine Zeit, darüber nachzudenken. In zwei Minuten wäre der Gesang beendet und dann ging es für ihn los.
„Liebe Gemeinde! Lukas schreibt: ‚Bei Gott ist kein Ding unmöglich!’ - Und wie ist das bei uns Menschen? Wie oft kommen wir an unsere Grenzen? Uns ist vieles ‚nicht möglich’. Doch bei Gott ist das anders, ihm ist ALLES möglich!“ --- An Tagen wie diesen --- Oh nein, bitte nicht!! --- Henriette rief an. JETZT!!!
In der Gemeinde machte sich eine gewisse Unruhe breit. Man suchte den Störenfried, der vergessen hatte, sein Handy auszuschalten. Doch er war so schnell nicht auszumachen. Das Gedudel kam doch nicht etwa – von der Kanzel???
„Entschuldigung“, sagte Peter verlegen, „meine Frau – ich müsste mal eben kurz … – Henriette, ich bin mitten in der Predigt. - Jetzt? - Aber wie soll ich das machen?!?  - Ja, okay!“
Die Gottesdienstbesucher sahen sich gegenseitig an, blickten wieder hinauf zu Peter und konnten es nicht glauben. Der Pfarrer stand auf der Kanzel und telefonierte mit seiner Frau. Soooo etwas hatte es hier noch nicht gegeben.
„Liebe Gemeinde“, wiederholte Peter, nachdem er das Telefonat beendet hatte, „es wäre Gott durchaus möglich, die Geburt meines Sohnes nicht an diesem Tag und zu dieser Stunde geschehen zu lassen. Aus irgendeinem Grund findet er jedoch, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Meine Frau befindet sich bereits auf dem Weg ins Klinikum und deshalb haben Sie bitte Verständnis, dass ich an dieser Stelle abbreche und zu meiner Frau fahre. An Tagen wie diesen muss man Entscheidungen treffen.“
Mit diesen Worten verließ er mit wehendem Talar blitzartig das Gotteshaus und ließ eine verwirrte Gemeinde zurück. Der verbleibende Pfarrer hatte seine Mühe, die Gemeinde zur Ruhe zu bringen. War das jetzt das Ende seiner noch nicht einmal begonnenen Karriere als Pfarrer, fragte sich Peter auf dem Weg ins Klinikum? Egal! Seine Frau und die Geburt seines Sohnes hatten jetzt Priorität!
Eine Stunde nachdem Peter das Krankenhaus erreicht hatte, wurde das Kind bereits geboren. Als er seinen Sohn zum ersten Mal auf seinem Arm hielt, wusste er, dass er alles richtig gemacht hatte. Diesen Moment versäumt zu haben, hätte er sich niemals verzeihen können.
Dank eines Telefonates mit dem Pfarrer der Gemeinde wusste er einige Tage später, dass zwar nicht alle begeistert über seinen Abgang gewesen waren, doch dass die Mehrheit bestimmt habe, ihn zu einer erneuten Probepredigt einzuladen. Sie waren der Meinung, einen solch entschlusskräftigen Pfarrer in der Gemeinde gut gebrauchen zu können. - Ein halbes Jahr später zog eine kleine Familie ins Pfarrhaus ein.


© Martina Pfannenschmidt, 2015

Kommentare:

  1. Ich lach mich schlapp, da durfte ja heute in unseren Geschichten ein Pfarrer mitspielen.
    Wunderbar deine Geschichte, sehr sehr schön.
    Jedem kann man es nicht recht machen, aber die meisten haben doch erkannt, dass ein Pfarrer dem die Familie und das Versprechen an seine Frau wichtiger als die Karriere ist, auch immer hinter seiner Gemeine stehen wird.LGLore

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  2. Liebe Martina,
    toll, so ist das Leben! Man kann planen, machen und tun, das Leben hat seine eigenen Regeln und Gesetze und neues Leben, das auf die Welt kommen will erst recht. Ich habe diese Geschichte genossen und der Pfarrer war mir sehr sympathisch, - verantwortungsbewusst und so menschlich. Ich hätte ohne Wenn und Aber für ihn gestimmt.
    LG
    Astrid

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  3. Liebes Fräulein Klümpchen,
    solch einen Pfarrer würde ich jeder Gemeinde wünschen !!!!! Deine Geschichte ist mal wieder spannend bis zum Schluss *DANKE*
    Da mich dein Post von Donnerstag noch immer beschäftigt, meine Frage dazu: Ist es okay für dich, wenn ich ihn auch bei mir im Blog zeige. Ich denke, es ist gaaaanz wichtig viele Info`s über solche, wirklich fiese Maschen mancher Personen, zu berichten und zu warnen !!!!!
    gaaaanz <3liche Grüße von mir zu dir :O)

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  4. Liebe Martina,
    was für eine wunderschöne Geschichte! Ja, das ist ein Pfarrer, wie es sich sicher viele Gemeinden wünschen würden!
    Ich wünsche Dir noch einen schönen und gemütlichen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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  5. Liebe Martina,

    das ist eine tolle Geschichte! Die Frauen der Gemeinde werden dem Pfarrer zu Füßen liegen, denn er hat natürlich genau die richtige Entscheidung getroffen und jeder, der mal ein Kind bekommen hat (auch die Väter) haben sicherlich Verständnis. Ich hätte ihn auch auf jeden Fall gewählt!
    Liebe Grüße
    Regina

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  6. Hihi, Liebe Martina, in der Haut des jungen Pfarrers oder Vaters wollte ich nicht gesteckt haben. Aber er hat Charakter gezeigt und das ist sehr wichtig und gut.
    Liebe GrüßeEva

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  7. Eine zauberhafte Geschichte und einen Gemeinde die verzeihen kann. Wie schön das alle zusammenhalten und alles gut ausgegangen ist.
    Gut geschrieben , flüssig und schlüssig kommt sie daher, die Geschichte.
    Lese ja nicht immer alle Geschichten, aber heute ist ein Regentag und ich bin gut drauf, Klärchen

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  8. toll deine Geschichte sie war spannend und amüsant zu gleich, ja Babys warten nicht die wollen kommen egal wann!
    Lieben Gruss Elke

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  9. Das ist wieder eine schöne und lustige Geschichte, die zum Glück gut ausgeht. Gefällt mir sehr.
    LG Elke

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  10. Hallo, Martina,
    wie habe ich doch neulich bei Seniorbook gelesen? "Immer, wenn Du Dein Leben planst, fällt irgendwo das Schicksal lachend vom Hocker ..." Dieser Spruch passt genau auf Deine heutige Geschichte. Aber immerhin - der Pfarrer hat seine Entscheidung für seine Familie getroffen, die neue Stelle doch noch bekommen, und alles ist gut.
    Super Idee, spannend umgesetzt - klasse!
    Liebe Grüße
    Christine

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  11. Das ist eine so herrliche Geschichte und ich habe auch geschmunzelt. Sag einmal, diese Aktion, darf ich da evtl. auch mitmachen??? Mal fragend guck. Ich würde mich echt freuen. Liebe und anerkennende Grüße zu dir von Celine

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  12. Liebe Martina,
    bei meiner Runde durch deinen Blog habe ich (in passender roter Schrift *schmunzel*) deine Zeilen über die Liebe gelesen und wieder mal gestaunt, wie du es immer schaffst, ein so komplexes Thema auf den Punkt zu bringen.
    Beim „Loch im Eimer“ den Kopf darüber geschüttelt, wie wir Menschen es doch immer wieder schaffen, uns an solchen Kleinigkeiten aufzuhängen, uns selber so viel Leid zufügen und darüber das was wirklich wichtig ist, was zählt vergessen.
    Und nun bin ich hier gelandet. Normalerweise bevorzuge ich beim Bloggen Beiträge mit vielen Fotos und wenig Text. Aber mittlerweile weiß ich ja, dass deine Geschichten auf alle Fälle lesenswert sind! Und so hat mich auch diese Erzählung wieder schnell in ihren Bann gezogen. Die Geschichte war nicht nur interessant, alles war auch so nachvollziehbar, so direkt aus dem Leben gegriffen und ich war sehr gespannt, wie es ausgeht.
    Mit einem Lächeln auf den Lippen sitze ich nun da (die Welt ist in Ordnung! *zwinker*)
    Ja, deine Texte tun mir gut. Danke.

    ∗♥∗✿❊✿❊✿∗♥∗
    Herzlich grüßt
    Uschi

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