Dienstag, 29. Dezember 2015

Im Winterwald

Gerade fiel mir eine Geschichte, 
die ich im Jahr 2013 schrieb, 
in die Hände.
Sie ist in erster Linie für Kinder gedacht,
doch vielleicht erfreut sie ja auch euch!



Es war ruhig und still im Wald. Auf den Bäumen und Tannen lag dick der Schnee. Manchmal sah man den Förster, der den Tieren etwas zum Fressen brachte. Sie fanden keine Nahrung mehr - zu lange schon war der Boden gefroren.
Das Eichhörnchen huschte aus seinem Kobel und scharrte das Laub an der Baumwurzel fort. Gott sei Dank fand es dort ein paar Nüsse, die es im Herbst dort verbuddelt hatte. Das Eichhörnchen war nämlich sehr hungrig. Die Igel hielten ihren Winterschlaf. In ihren Höhlen war es gemütlich warm und zum Fressen brauchten sie nichts – sie schliefen ja.
Ein paar Rehe standen an der Futterkrippe und kauten genüsslich das Heu. Nur zwei kleine Schneehasen tollten umher.
Ein mächtiger Hirsch näherte sich dem Geschehen.
„He“, rief er den Hasenkindern zu, „nun seid mal etwas vorsichtiger. Wenn ihr so um unsere Beine saust, geraten wir noch ins Stolpern.“
„Wir hören aber nicht auf“, rief der vorlaute Felix.
„Na, na du frecher Kerl. Haben dir deine Eltern nicht beigebracht, wie man sich benimmt?“
„Er meint es nicht so!“, entschuldigte Flocke seinen Bruder, für den er sich oft schämte.
„Klar hab ich das so gemeint“, reagierte Felix trotzig. „Wenn der Hirsch meint, er ist hier der Chef, hat er sich aber getäuscht. Der hat mir gar nichts zu sagen.“
„Pass nur auf!“, meinte der Hirsch und Zorn stieg in ihm auf: „Oft folgt die Strafe auf dem Fuße.“
„Welche Strafe auf welchem Fuße?“, lachte Felix übermütig.
Die Rehe schüttelten nur mit dem Kopf. Noch nie hatten sie einen solchen Frechdachs erlebt.
Felix war sehr ausgelassen und trieb es auf die Spitze, als er den Hirsch fragte: „Du, alter Mann, wollen wir ein Wettrennen veranstalten?“
„Felix“, rief Flocke, „hör jetzt auf.“
Der Hirsch reagierte gar nicht auf den kleinen Schneehasen, der ihn provozieren wollte.
„Schaut nur, was ich kann“, rief Felix den anderen zu und vollführte mächtige Sprünge.
„Ja, ja, du bist ein toller Kerl“, meinte das Reh ironisch, „und jetzt wäre es uns lieb, wenn ihr an einem anderen Ort spielen könntet.“
„Geht ihr doch weg, wenn es euch nicht passt. Wir bleiben hier“, sagte Felix patzig.
In dem Moment machte er einen mächtigen Sprung, übersah dabei die dicke Baumwurzel, die völlig vereist unter dem Schnee lag und landete so unglücklich mit der rechten Pfote, dass sie gebrochen war.
 „Au“, schrie Felix, „dass tut so verflixt weh.“
„Hab ich es dir nicht gesagt“, schimpfte der Hirsch. „Wer nicht hören will, muss fühlen. Das hast du jetzt von deiner großen Klappe.“
Doch Felix hatte gar keine große Klappe mehr. Ganz im Gegenteil. Dicke Tränen kullerten aus seinen Augen. Seine Pfote schmerzte ziemlich stark.
„Was machen wir denn jetzt nur?“, fragte Flocke völlig panisch. „Wir können Felix doch nicht einfach hier liegen lassen. Er erfriert doch.“
„Wo sind denn eure Eltern?“, erkundigte sich das Reh. „Hol deine Mama, damit sie ihm hilft.“
„Unsere Eltern leben nicht mehr“, weinte Flocke, „und wenn mein Bruder jetzt auch noch stirbt, bin ich ganz alleine auf der Welt.“
„Lasst uns überlegen, was zu tun ist“, lenkte der Hirsch ein. Er hatte nun doch Mitleid mit den beiden Hasenkindern.
„Mir ist so kalt und mein Bein schmerzt ganz doll“, jammerte Felix.
„Tragt Laub zusammen“, ordnete der Hirsch an, „wir wollen den Kleinen damit bedecken, sonst erfriert er uns.“
Sofort liefen alle auseinander, scharrten den Schnee beiseite und sammelten Laub. Bald lag Felix jammernd unter einem dicken Laubhaufen.
„Das Bein muss geschient werden“, meinte das Reh. „Der Hase braucht einen Arzt.“
„Aber wie soll das gehen?“, fragte der Hirsch.
"Vielleicht kann ich euch helfen“, schlug das Eichhörnchen vor.
„Und wie?“, wollte das Reh wissen.
„Ich könnte zum Haus des Försters laufen. Sein Sohn spricht mit den Tieren im Wald. Er könnte seinem Vater von Felix erzählen.“
„Weißt du denn, wo der Förster wohnt?“, fragte Flocke und ein kleines Fünkchen Hoffnung keimte in ihm auf.
„Er wohnt in einem Haus am Waldrand. Aber es ist ein ganz schön weiter Weg bis dort hin. Alleine möchte ich nicht gehen.“
„Ich komme mit“, schlug Flocke vor und an seinen Bruder gerichtet.:„Felix hörst du, wir holen Hilfe.“
„Ja“, jammerte Felix, „bitte lauft so schnell ihr könnt.“
Sogleich machten sich die beiden auf den Weg. Völlig erschöpft erreichten sie nach einiger Zeit ihr Ziel. Inzwischen war es dunkel geworden, doch man sah Licht hinter einem Fenster.
Schnell sprang das Eichhörnchen auf die Fensterbank und sah in den Raum hinein.
„Der Junge sitzt vor dem Fernseher. Ich werde jetzt an die Scheibe klopfen. Vielleicht hört er es.“
„Wir müssen es versuchen“, meinte Flocke, „hoffentlich klappt es.“
Das Eichhörnchen klopfte so laut es konnte, doch der Junge hörte ihn nicht. Der Fernseher war einfach zu laut.
„Wir müssen Kieselsteinchen suchen. Wenn ich die gegen die Scheibe werfe, dann hört er mich vielleicht.“ Es war die einzige Idee, die dem Eichhörnchen jetzt noch kam. - Aber es klappte. Der Junge drehte sich zum Fenster um und kam nach draußen.
„Hallo!“, begrüßte er die beiden Tiere verwundert. „Was macht ihr denn hier?“
„Du musst uns helfen“, sagte Flocke aufgeregt. „Mein Bruder hat sich die Pfote gebrochen. Er liegt im Wald bei der Futterkrippe und hat ganz furchtbare Schmerzen. Er muss dringend zu einem Tierarzt gebracht werden.“
„Ach herrje, dass ist ja eine Katastrophe. Ich werde es gleich meinem Vater erzählen. Er wird euch ganz sicher helfen und in den Wald fahren. An der Futterkrippe liegt er, sagt ihr?“
„Ja, an der Futterkrippe unter einem Laubhaufen.“
„Wollt ihr mit uns fahren?“, erkundigte sich das Kind bei den Tieren.
Das Eichhörnchen und der Schneehase sahen sich an. Sie hatten Angst, in diese dröhnende Blechdose, die die Menschen Auto nannten, einzusteigen. Doch ihre Beinchen waren eine so lange Strecke gelaufen, dass die Zwei doch einwilligten. Sie waren verwundert, wie warm und bequem es in der Blechkiste war.
Nach einiger Zeit trafen sie an der Futterkrippe ein. Alle Tiere versteckten sich sogleich im Unterholz, um von dort aus die Rettungsaktion zu beobachten.
„Ach du armer kleiner Kerl“, äußerte der Förster verständnisvoll und nahm Felix sehr vorsichtig auf seinen Arm. „Komm her, ich bringe dich zu einem Tierarzt, damit er dir hilft.“
„Aber Flocke müssen wir auch mitnehmen“, erklärte der Junge seinem Vater. „Die Eltern der Beiden leben nicht mehr und er bliebe ganz alleine zurück.“
„Selbstverständlich nehmen wir ihn auch mit“, antwortete der Förster.
So wurde Felix gerettet. Die beiden Schneehasen verbrachten den ganzen Winter beim Förster und seiner Familie. Als das Frühjahr kam, war die Pfote des kleinen Schneehasen wieder verheilt. Deshalb verabschiedeten sie sich von den Menschen und gingen zurück in den Wald.
Seit diesem Geschehen war Felix wie ausgewechselt. Er war nett und hilfsbereit und niemals mehr hörte man ein böses Wort aus seinem Mund. Felix wurde sehr beliebt bei den allen Tieren des Waldes. 

© Martina Pfannenschmidt, 2013



Hallo und herzlich Willkommen
liebe Christine vom Blog
Ich freue mich, dass du zu mir gefunden hast!








Kommentare:

  1. Liebe Martina,

    deine schöne Geschichte gefällt mir gut.
    Sonnige Grüße
    Elisabeth

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  2. Hallo Martina, eine süße Geschichte. Gut, dass der Förster helfen konnte. Da sind die beiden Häschen auch gut aufgehoben, Alles Liebe Eva

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  3. Liebe Martina,
    eine schöne Geschichte, gerade richtig zum Feierabend und zum Genießen. Ich habe die Tiere vor mir gesehen und ihren Unterhaltungen gelauscht und ich war sehr froh, dass dem Kleinen geholfen werden konnte!
    Herzlicher Abendgruß
    Regina

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  4. Hallo Martina,
    der Schnee und die Kälte passen zwar nicht zum Wetter, die Geschichte ist aber sehr schön geschrieben. An solche Tiergeschichten habe ich mich noch nicht heran getraut.

    Gruß Dieter

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  5. Liebe Martina,
    danke für diese reizenden Geschichte!
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen und glücklichen Tag und schon mal einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2016!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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