Dienstag, 30. Juni 2015

Wie ein altes Paar Schuhe

Herzlich Willkommen zur Geschichte am Dienstag.

Diesmal mit diesen Reizwörtern:
Schuh – Kapitel – kurz – verhindert – nachdenken

Weitere Geschichten gibt es wie immer bei:


Bildergebnis für gifs alte schuhe

Emil und Helene - sie kannten sich schon, solange sie denken konnten. Ihre Eltern waren befreundet und so waren sie schon als kleine Kinder ständig beieinander. Später drückten sie gemeinsam die Schulbank und gehörten ein und derselben Clique an. Irgendwann war aus dieser Freundschaft Liebe geworden und aus ihnen ein Paar. Lange, sehr lange lag das jetzt zurück. Heute waren sie wie ein altes, ausgelatschtes Paar Schuhe, das man allerdings gerne trug. Zum einen der lieben Gewohnheit wegen, zum anderen, weil alte Schuhe so bequem sind. Ein bisschen ausgebeult vielleicht und hier und dort zeigten sich kleine Risse, doch sie waren noch recht gut in Schuss und wenn man nicht so genau hinschaute, fast wie neu.
Dieser Morgen war ein ganz besonderer. Zum ersten Mal in all ihren Ehejahren würden sie getrennt voneinander sein. Helene fuhr zur Kur. Für ganze sechs Wochen. Emil konnte nicht leugnen, dass sich so etwas wie eine kleine Vorfreude einstellte. Sechs Wochen in denen er nicht hören musste: ‚Emil, der Rasen müsste mal wieder gemäht werden’ oder ‚Emil, dieses Hemd passt aber nicht zu der Hose’ oder ‚Emil, lass uns nach Hause gehen, du hast schon genug getrunken’ oder ‚Emil, stell den Fernseher leiser’ oder ‚Emil, iss nicht soviel Schokolade, denk an dein Cholesterin’. Sechs Wochen, in denen er schalten und walten konnte, wie er wollte. Er würde seine Freunde zum Skatabend einladen und sie würden bis mitten in der Nacht Karten spielen, Bier trinken und Zigaretten rauchen – im Wohnzimmer. Es war ja keiner da, der ihm das verbieten könnte. Sechs Wochen lang würde er keinen einzigen Rosamunde-Pilcher-Film anschauen und keine Kompromisse machen müssen.
Emil stand auf dem Bahnsteig und winkte dem Zug nach, in dem Helene von dannen fuhr. Als er hinter der nächsten Kurve aus seinem Blickfeld verschwand, rieb er sich die Hände. Jetzt begann auch für ihn so etwas wie Urlaub. Er musste kurz darüber nachdenken, wann er das letzte Mal dieses Gefühl von Freiheit verspürt hatte. Es war verdammt lange her. Pfeifend und bestens gelaunt ging er zurück zu seinem Auto.
Drei Wochen später schlurfte Emil ins Bad. Sein Schädel brummte. Es waren wohl wieder ein paar Bierchen zu viel geworden gestern Abend. Beim Blick in den Spiegel erschrak er. "Bist du das, Emil?", fragte er sich. "Hast dich lange nicht rasiert, alter Freund. Was Helene wohl sagen würde, wenn sie dich so sähe." Aber sie war ja nicht da und somit gab es auch niemanden, der herum kommandierte und ihm sagte, was er zu tun und zu lassen hatte. Jetzt bräuchte er zunächst einmal einen Kaffee. Als er die Küche betrat, roch es nicht wie sonst nach frisch gebrühtem Kaffee, sondern nach Bier und kalter Asche. Im Schrank war keine einzige Tasse mehr zu finden. Wie auch, sie stapelten sich ja alle in der Spüle. In Emil stieg erneut ein Gefühl auf, das er schon lange nicht mehr verspürt hatte. Er gab es ungern zu, aber seine Helene fehlte ihm. Nicht, um hier mal wieder alles auf Vordermann zu bringen, nein irgendwie anders. War da doch noch so etwas wie Liebe für seine Frau in seinem Herzen? So ein altes paar Schuhe war ja eigentlich nur gemeinsam etwas Wert. Er fühlte sich alleine ohne diesen zweiten Schuh – irgendwie nur halb.
Emil fasste einen Entschluss. Er würde seine Freunde anrufen und den heutigen Skatabend absagen. Sie würden sich vielleicht wundern, wenn er ihnen sagte, er sei verhindert, doch das war ihm egal. Er wollte seine Helene wieder sehen. Nachdem er geduscht und sich rasiert hatte, machte er sich ans Werk. Er stellte endlich die Waschmaschine an, räumte auf, putzte sogar die Fenster und es war ihm egal, was die Nachbarn dazu sagten. Er mähte den Rasen und fiel abends hundemüde ins Bett.
Am nächsten Morgen packte er einen Koffer und fuhr kurz entschlossen seiner Helene hinterher. Er mietete sich in einer Pension in der Nähe der Kurklinik ein, um seine Frau zu überraschen. Plötzlich traf ihn ein Faustschlag mitten in den Magen. Was, wenn sie sich einen Kurschatten angelacht hatte? Wenn sie vielleicht mit dem Gedanken spielte, ihn zu verlassen? Emil erinnerte sich, dass es einmal, ein einziges Mal, brenzlig für ihn geworden war, als ihm eine Kollegin bei einem Betriebsfest ein unmissverständliches Angebot gemacht hatte. Damals hatte er … aber das war ja ein anderes Kapitel und lag lange zurück. Ob es für Helene auch schon mal eine ähnliche Situation gegeben hatte oder vielleicht gerade jetzt gab? Er musste zu ihr, schnellstens, um Schlimmeres zu verhindern.
Eine kurze Zeit später stand er geschniegelt und gebügelt mit einem Blumenstrauß in der Hand vor Helenes Zimmertür. Vorsichtig klopfte er an. Nach fast 40 Jahren Ehe stand er dort wie ein verliebter Junge mit feuchten Händen. Während er um Einlass bat, hörte er ein Lachen, das er sehr gut kannte. Es war unverkennbar das Lachen seiner Frau. Dann sah er sie, seine Helene, die zunächst wie angewurzelt stehen blieb.
„Was machst du denn hier?“, rief sie ihm von weitem entgegen und stürzte sich in seine Arme. Tränen traten in ihre Augen. „Emil, ich habe dich so sehr vermisst“, sagte sie. Wie schön sie immer noch war. Er hatte es gar nicht mehr bemerkt.
„Hier für dich“, brachte er heraus und hielt ihr die Blumen hin.
„Emil, was ist denn in dich gefahren?“, fragte Helene und freute sich sehr über die Blumen. An den letzten Strauß von ihm konnte sie sich kaum noch erinnern. „Ach übrigens“, sagte sie mit einer Handbewegung zu dem Mann, der hinter ihnen auf dem Flur stehen geblieben war, „dass ist Hannes, mein Kurschatten.“
Abends saßen Emil und Helene in einem Lokal und sahen sich verliebt in die Augen. Emil hatte den Scherz, den sich Helene mit ihm erlaubt hatte, inzwischen verwunden. Er nahm ihre Hand und flüsterte: „Komm, lass uns zu mir in die Pension gehen oder denkst du, es fällt auf, wenn du die Nacht nicht in der Kurklinik verbringst?“

© Martina Pfannenschmidt, 2015


Foto: Schuhtechnik Riedel

Montag, 29. Juni 2015

Zweimal klatschen

Manchmal hat man es mit Menschen zu tun, die viel reden – seeeehr viel reden. Man kann sich dabei oft des Eindrucks nicht erwehren, dass sie eigentlich gar nichts zu sagen haben. Sie reden einfach nur, um zu reden und alles, was sie von sich geben, ist ziemlich inhaltslos.

Bei den älteren und traditionsbewussten Japanern ist oft das Gegenteil der Fall. Sie reden äußerst wenig und handeln damit nach einem Sprichwort, das besagt: ‚Die Wissenden reden nicht, die Redenden wissen nicht.’

Bildergebnis für gifs klatschende händeDoch wenn einer von ihnen vor einem Shinto-Schrein steht, legt er diese Zurückhaltung für eine kurze Zeit ab. Vor seinem lautstark vorgetragenen Gebet klatscht er zweimal in die Hände. Der Grund: Der Shinto-Gott könnte ja eingeschlafen sein.


Sonntag, 28. Juni 2015

Sonntagsgedanken - Farben

In dieser Woche gab uns Ulla das Wort 
Farben 
vor.

Zu weiteren Beiträgen zum Projekt
Poesie à la carte
geht es
Bildergebnis für gif malen

Ach wär ich doch ein Maler,
ich malte mir die Welt
mit vielen bunten Farben,
gelb wär mein Stoppelfeld.

bg_wo009.jpg von 123gif.de Download & Grußkartenversand

Mit kleinen weißen Wolken
malt ich den Himmel blau
und auch des Meeres Tiefe,
ich weiß es ganz genau.

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Die Farben für das Wachstum
die wären bei mir grün
und jede Menge Blumen,
die ließe ich erblühn.



Der kleine süße Käfer,
erstrahlt’ in einem rot
mit vielen schwarzen Punkten,
der Farbe für den Tod.

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Weiß ständ dabei für Reinheit,
der Farbe auch des Lichts.
Doch male ich mit Worten,
mit Pinsel wird es nichts!


© Martina Pfannenschmidt, 2015


Samstag, 27. Juni 2015

Es hat sich wohl inzwischen

herumgesprochen, dass bei uns auch Tieren geholfen wird - lach!!! Erinnert ihr euch an die Taube aus dem letzten Sommer, die zu uns kam und ziemlich krank wirkte? Wir haben ihr damals eine Schale Wasser mit einem Globuli darin hingestellt. Sie hat davon getrunken und anschließend jede Menge grüne Hinterlassenschaften zurück gelassen. Später kam sie noch für eine Weile an jedem Abend auf unser Dachfenster.




Vor zwei Tagen nun saß ein 'Babyhase' wie unsere Kinder sagten, in unserer Garage. Dort steht in der Ecke noch etwas gelbes Dämm-Material. Das kommt im Winter immer vor den Wasserhahn, damit er nicht einfriert :-). Zwischen dem Material und der Wand saß nun ein kleines wildes Kaninchen. Es war sehr matt, bewegte sich kaum. Klar, es bekam auch einen Globuli in ein Schälchen Wasser und jede Menge Löwenzahn - von den Enkeln gesucht! Über Nacht haben wir das Garagentor geschlossen, weil hier doch immer ein Fuchs herumlungert. Es wäre ihm sicher zum Opfer gefallen. Am nächsten Morgen blieb es noch ein Weilchen, doch irgendwann war es weg. 


Alles Gute kleines Kaninchen - und wenn du wieder Bauchweh hast, 
dann kommst du wieder - ja?!?!? :-)))




Freitag, 26. Juni 2015

Tschüss, Schule!!!

Heute beginnen in NRW die Ferien und darüber ist die Freude allerorten groß. Doch in unserem kleinen Ort schwingt ein bisschen Wehmut mit. Der Grund: Die Kinder sagen heute nicht Tschüss, bis in 6 Wochen. Sie sagen: Tschüss, liebe kleine Dorfschule! Es war schön, doch jetzt ist es vorbei!
Seit vielen Jahren steht die Schule mitten im Dorf und ich erinnere mich, dass mein Opa erzählte, man habe den Lehrer früher mit Lebensmitteln bezahlt, z. B. mit den Eiern von den eigenen Hühner. Eier gibt es noch genug im Dorf, schrieb heute unsere Tageszeitung, doch leider nicht mehr genug Kinder. Ja, die Zahl der Kinder schrumpft. Das Fazit: Im Kindergarten gibt es nach den Ferien nicht mehr drei, sondern nur noch 2 Gruppen. Natürlich mussten einige Erzieherinnen deshalb gehen. Und die Schule, sie schließt für immer ihre Pforten.
Es ging dem Ganzen ein langes Hin und Her voraus. Schon vor Jahren wurde eine Klasse in einen Nachbarort ausgesiedelt. Dann kamen wieder zwei starke Jahrgänge und die geforderte Gesamtschülerzahl konnte gerade so gehalten werden. Doch jetzt kommen geburtsschwache Jahrgänge und damit das Aus für die Schule.
Unsere Große war jetzt zwei Jahre lang dort – ich selbst und unsere Tochter (aber auch bereits meine Mutter, meine Oma und mein Opa) gingen in diese Schule. Jetzt muss sie die Schule wechseln. Doch es geht nicht die komplette Klasse in eine andere Schule. Es kommt noch schlimmer: Die Kinder werden auf zwei Schulen und verschiedene Klassen aufgeteilt. Wenigstens ist man auf die Bitten der Eltern eingegangen, auf gewachsene Freundschaften Rücksicht zu nehmen. So wird unsere Enkeltochter weiterhin mit ihren beiden besten Freundinnen in eine Klasse gehen. Gott sei Dank! Ihr gefällt die neue Schule ganz gut – sie waren zum Schnuppern bereits dort. Auch die neue Klassenlehrerin hat einen guten Eindruck gemacht – nicht nur auf die Eltern, sondern auch auf die Kinder. Die alte Klasse gibt es ab heute nicht mehr.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als sei das politisch so gewollt und als habe man diese Richtung schon seit langem eingeschlagen, zunächst ohne die Eltern davon zu unterrichten und ‚mitzunehmen’. Natürlich gab es Proteste gegen die Schließung. Doch was will man machen. Die Kinder fehlen – Punkt! Der Transport der Schüler in die anderen Schulen kostet natürlich auch Geld und wie viel man wirklich durch diese Schließung einspart, konnte so recht niemand beantworten, dennoch wird der Schlüssel heute umgedreht.
Ab dem nächsten Schuljahr wird unser Schulkind somit ein ‚Buskind’ sein. Daran müssen wir uns zuerst einmal gewöhnen. Die Schule, die sie dann besucht ist im Vergleich zu den Grundschulen einer Großstadt natürlich immer noch klein, doch sie ist mehr als doppelt so groß, was die Schülerzahl anbelangt.

Ich bin mir sicher, dass unsere Große mit der Situation klar kommt, doch in unserem Dorf bleibt ein Schulgebäude plötzlich leer. Was aus ihm wird steht noch in den Sternen. In jedem Fall ist jetzt erst einmal ‚Ausverkauf’! Die Kinder durften gestern ihren Stuhl bemalen und mit nach Hause nehmen. Das war eine schöne Aktion von der es ein Foto gibt. Und doch …

Donnerstag, 25. Juni 2015

Luftballonwettbewerb

Bildergebnis für gifs rote schubkarreVor ein paar Wochen gab es einen Luftballonwettbewerb. Ausgerichtet wurde er von einem Kindergarten eines Nachbarortes. Ihr kennt das: Der Absender des Ballons, der am Weitesten fliegt, wird belohnt. Nun trudelte eine Einladung bei uns ein, und zwar zu einem Nachmittag in diesem Kindergarten. Die Karten von 10 Kindern waren zurückgekommen und jedes Kind sollte eine kleine Belohnung erhalten. Der Ballon unserer Kleinen war 178 km geflogen und bescherte ihr Platz 3 und eine rote Schubkarre! Könnt Ihr Euch vorstellen, wie glücklich dieses Kind war? Übrigens war der auf Platz 2 189 km unterwegs und Platz 1 war sogar fast 100 km weiter geflogen. Enorm, wie ich finde!


gif: retro-pedals.de

Mittwoch, 24. Juni 2015

Schalter umgelegt


Es ist immer wieder spannend mitzuerleben, wenn die Kinder – oder Enkel – einen Entwicklungsschub machen. Bei unserer ‚Kleinen’ ist das gerade der Fall.
Bildergebnis für animierte gifs kinder kostenlosAls sie zwei Jahre alt war, ging sie bereits zu anderen Kindern zum Spielen – ganz alleine, ohne zu weinen und ohne irgendwelche Probleme. Das änderte sich schlagartig – wirklich von einer Sekunde auf die andere. Die Mami, bei deren Tochter sie damals zum Spielen war, erzählte uns: Plötzlich stand sie mit verschränkten Armen vor mir und sagte: "Ich will sofort zu meiner Mama!" - Keine Diskussion! Hier bleibe ich keine Minute länger! -
Die Mami brachte sie damals umgehend zu uns und von Stund an ging sie nicht mehr zum Spielen zu einem anderen Kind. Die Freundinnen durften weiterhin zu ihr kommen, sie verabredete sich auch gerne, doch eines war klar: Ich komme nicht zu euch!
Genau so ging es mit dem Kinderturnen und –tanzen. Sie ging nicht mehr hin, wenn Mama nicht blieb. Und das war dort nicht vorgesehen und meine Tochter hat es auch nicht gemacht. Irgendwann, so waren wir sicher, wird sich ihr Verhalten wieder ändern.
Es dauerte jedoch lange – seeeeehr lange sogar!!! Sie ist heute 5 und seit der vergangenen Woche ist alles anders.
Am Dienstag verkündete sie beim Mittagessen: Ich möchte heute zu Sophie zum Spielen. Ein viel sagender Blick zwischen meiner Tochter und mir war die Folge. Beide dachten wir: Hoffentlich weiß sie in zwei Stunden auch noch, dass sie das möchte. Doch es klappte. Sie ging – sie blieb – kam stolz wie Oskar zurück und verkündete: Und morgen gehe ich zum Fußball!
Zum Fußball? Wie kommt sie jetzt darauf? Das wissen wir nicht so genau, doch sie ging und ist Feuer und Flamme! „Da gehe ich wieder hin“, war ein Satz, den wir sehr gerne vernommen haben!

Der Entwicklungsschub äußerte sich sogar noch auf einem anderen Gebiet. Sie holte sich von ihrer großen Schwester ein Schreibheft, legte es ihrer Mama vor die Nase und sagte: „Und jetzt will ich die Buchstaben lernen und die Zahlen auch“. – Na wenn das so ist, gerne!


Dienstag, 23. Juni 2015

Rasante Talfahrt

Heute gibt es eine - kleine - Premiere.
Der Grund:
Die heutige Geschichte ist die Fortsetzung einer Fortsetzung.
Los ging es mit einer
unverhofften Erbschaft!

Später traf Suse 
Benjamin, den Überbringer dieser guten Nachricht, während sie sich in einem Brunnen eine
Abkühlung verschaffte!

Nach eurem Wunsch sollen die zwei frisch Verliebten nun auf eine Kreuzfahrt gehen. Okay!

Das sind die Reizwörter:
Vollmond – Wagnis – widerstehen – majestätisch – verführerisch

Und das die Links zu den anderen Geschichten:
Regina - Lore - Eva - Christine - Eva V. - Ulla


Bildergebnis für gifs schiff

Obwohl es schon so spät war, war es fast noch taghell in Suses Schlafzimmer. Der Grund dafür war der Mond. Heute war Vollmond und der ließ sie oft nicht schlafen. In dieser Nacht könnte es allerdings einen anderen Grund für ihre Schlaflosigkeit geben und der hieß: Benjamin.
Nicht im Traum wäre ihr heute Morgen in den Sinn gekommen, am Abend der festen Überzeugung zu sein, den Mann fürs Leben getroffen zu haben.
Schon so lange sehnte sie sich nach einem Mann an ihrer Seite. Jetzt, wo sie den Gedanken beiseite geschoben hatte, einen passenden Partner zu finden, servierte ihr das Leben ihn auf einem Silbertablett. ‚Du musst deine Wünsche los lassen, wenn sie sich erfüllen sollen’, hatte ihre Oma immer gesagt. Leider ließ sich das nicht so einfach umsetzen, wie es sich aussprach.
In Gedanken ließ Suse ihren Tag Revue passieren. Diese fast unerträgliche Hitze, die sie zum Brunnen geführt hatte, wo der Zufall ihr dann Benjamin schickte. Sie sah förmlich den kleinen Engel, der seine Pfeile genau in dem Moment auf sie Beide abgeschossen hatte, als sie sich erneut begegneten. Sie waren ineinander verliebt. Hals über Kopf war es passiert und es hatte sie beide getroffen. Wie eine Grippewelle wurden sie von der Liebe überrollt. Man war ihr einfach machtlos ausgeliefert, konnte nichts dagegen tun.
Sie hatten sich noch lange unterhalten und am liebsten wäre sie die ganze Nacht bei ihm geblieben, um einfach nur zu reden und ihm nahe zu sein. Doch das schickte sich nicht, zumindest war dies die Meinung ihrer Oma, die ihr außerdem den guten Rat mit auf den Weg gegeben hatte, ihren Liebsten nicht gleich am ersten Abend zu küssen. Diesem Wunsch hatte sie allerdings nicht widerstehen können. Aber Oma würde ja nichts davon erfahren. Bereits nach diesen wenigen Stunden konnte sie sich vorstellen, mit Benjamin das Wagnis einer Ehe einzugehen.
Die Liebe, sie war mächtig und etwas ganz Besonderes. Dieses Gefühl, einen anderen Menschen zu lieben, war mit nichts anderem vergleichbar. Die meisten Kinder waren aus dieser Liebe heraus entstanden. Die Liebe war der Beginn von allem – der Anfang und das Ende. Alpha und Omega. Das war ein wunderbarer Gedanke.
Besonders verführerisch hatte sie bei ihrer ersten Begegnung wahrlich nicht ausgesehen, dennoch hatte sich Benjamin in sie verliebt. Der Liebe war es egal, wie der andere gekleidet war. Die Liebe sah das Herz an.
Suse schaute auf die Uhr. Es wurde allerhöchste Zeit, zu Bett zu gehen. Der Wecker und ihr Arbeitsalltag würden keine Rücksicht auf sie nehmen und sie erbarmungslos daran erinnern, dass es noch etwas anderes als Benjamin und ihre junge Liebe in ihrem Leben gab.
Mitten in der Nacht schnellte Suse hoch. Sie war schweißgebadet und musste sich zunächst einmal klar darüber werden, dass sie nur geträumt hatte. Ihre Oma hatte mit erhobenem Zeigefinger vor ihr gestanden. ‚Was habe ich dir geraten, Kind? Du sollst dir Zeit lassen und die Männer prüfen, bevor du sie küsst. Was ist, wenn Benjamin ein Heiratsschwindler ist, der es nur auf deine Erbschaft abgesehen hat.’ Ein wahrer Alptraum war das, der einen kleinen Stachel hinterließ. Was, wenn es wirklich so war? Wenn der Traum sie warnen wollte. Nein, schalt sie sich, so ist er nicht. Er ist so warmherzig und gutmütig und sicher hat er es nicht auf mein Geld abgesehen. Suse schlief erneut ein.
Mit einem Koffer voller Geld stand sie am Meer. Majestätisch zog ein Segelschiff vorüber. Plötzlich drehte der Wind und das Boot kam direkt auf sie zu. Sie nahm ihre Hand und legte sie schützend über ihre Augen. Sie erkannte den Mann, der das Segelboot steuerte. Es war Benjamin, der ihr zuwinkte und ihr etwas zurief, was sie jedoch nicht hören konnte. Je näher er ihr kam, umso mehr schien sie sich von ihm zu entfernen. Sie wollte zu ihm rennen, doch es gelang ihr nicht. Sie wünschte sich, bei ihm zu sein, doch die Distanz zwischen ihnen wurde immer größer. Wieder schrak sie hoch. Was hatten diese Alpträume nur zu bedeuten?

Der Traum war lange vergessen, als sie mit ihrem Liebsten auf Kreuzfahrt ging. Es war ihre erste Reise mit dem Schiff und es würde sicher nicht ihre letzte sein.
An diesem strahlend schönen Tag standen sie an Deck des Schiffes und freuten sich darauf, die Blumeninsel Madeira zu erkunden. Auf diesen Ausflug freute sich Suse ganz besonders und sie fühlte sich an diesem Morgen wie die berühmte österreichische Kaiserin Sissi, die ebenfalls die Schönheit dieser portugiesischen Insel zu schätzen gewusst hatte. Auch wenn das Essen auf dem Schiff fantastisch war und sie bestimmt schon zwei Kilo zugenommen hatte, würden sie über den bekannten Bauernmarkt schlendern und frische Mangos und Feigen kosten. Ein besonderes Erlebnis würde sicher die Fahrt mit dem Holzschlitten. Durch den Reiseführer wusste Suse, dass man während dieser zwei Kilometer langen Strecke eine herrliche Aussicht über die Insel genießen konnte.
„Ich glaube, im Garten Eden kann es nicht viel schöner sein, als hier“, stellte Suse beim Anblick dieser einzigartigen Insel mit ihrer vielfältigen Fauna und dem angenehmen Klima fest.
Als sie später durch einen tropischen Garten spazierten, fühlte sie sich wirklich wie im Paradies. Glücklicher war sie in ihrem ganzen Leben noch nicht gewesen, wie in diesen Tagen und in diesem Augenblick.
Genau auf diese Stimmung und diesen Moment schien Benjamin gewartet zu haben: „Suse, ich wollte dich die ganze Zeit über schon etwas fragen.“
Wenn er ihr jetzt einen Heiratsantrag machte, würde sie ihn ohne weiter darüber nachzudenken, annehmen.
„Es ist mir ein klein wenig unangenehm“, fuhr er fort und wirkte dabei etwas bedrückt, „aber weißt du, die Kosten für diesen Urlaub sind sehr hoch und belasten mich finanziell doch arg. Mein Konto ist dadurch ziemlich in die roten Zahlen geraten. Deshalb wollte ich dich fragen, ob es dir etwas ausmachen würde, die Kosten unserer Reise zu tragen.“
Damit endete Suses Beziehung zu Benjamin genau so unerwartet, wie diese Geschichte für den Leser!
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© Martina Pfannenschmidt, 2015



Montag, 22. Juni 2015

Pünktlichkeit

Es gibt Menschen, die kommen ständig zu spät. Ein Grund könnte sein: ‚Gerade als ich los wollte, klingelte noch das Telefon’. Klar, manchmal ist es so – oder man möchte unbedingt das spannende Kapitel des Buches noch zu Ende lesen. Aber immer zu spät zu kommen, ist nicht so meins. Ich wurde anders erzogen, bin – eigentlich – immer pünktlich.
Bildergebnis für gifs kostenlos uhrDass dies in anderen Ländern durchaus anders gesehen wird, weiß ich spätestens seit dem Sprachkurs. Außer mir steht niemand pünktlich um 14 Uhr vor der Tür des Rathauses. Von der ‚akademischen Viertelstunde’ haben die Teilnehmer vielleicht noch nie gehört, doch sie denken sich auch nichts dabei, erst dann zu erscheinen.
Pünktlichkeit wird in anderen Kulturen ganz anders gesehen. In manchen Ländern muss man sich für eine Verspätung gar nicht entschuldigen – in wieder anderen reagieren die Versetzten ‚verschnupft’. Ich muss gestehen, ich musste auch erst lernen, damit gelassener umzugehen. 'Pünktlichkeit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr!' - Lach!

gif: gratis malvorlagen

Sonntag, 21. Juni 2015

Sonntagsgedanken - Stein


Diesmal beteilige ich mich
mit einigen Aphorismen
an der Aktion
‚Poesie à la Carte’.
Das heutige Thema lautet:

Stein




Lausche einem Stein
und er erzählt dir von der Ewigkeit.


Ein Stein am Meeresgrund
weiß nichts vom Himmel.


Ein Diamant ist auch nur ein Stein.


Der ‚Zahn der Zeit’ 
nagt auch an Steinen.


Nicht immer ist
der Stein des Anstoßes
ein Ball.


In einem Stein liegt die Weisheit

von allem, was ist.

© Martina Pfannenschmidt, 2015