Mittwoch, 30. Dezember 2015

Gedanken zum Jahreswechsel

Das neue Jahr steht vor der Tür – so sagen wir.
Ich empfinde es anders:
Es liegt hinter einer noch verschlossenen Tür.
Ich stehe davor und kann nicht sehen,
was sich hinter dieser Tür befindet.
Ich schaue zurück und sehe die Jahre,
die ich schon erlebt - gelebt - habe.
Was hinter mir liegt, weiß ich –
was noch vor mir liegt,
entzieht sich meinem Blick.
Ich schaue auf das vergangene Jahr
und denke an einige Menschen,
mit deren Tod nicht zu rechnen war.
Plötzlich – unerwartet – sind sie gegangen.
Ein trauriges Weihnachtsfest liegt hinter den Familien
und nur schwer ist Zuversicht für das neue Jahr zu finden.
Ebenso traten unerwartet neue Menschen in mein Leben,
die es bereichern und wofür ich sehr dankbar bin.

Wenn ich vor dieser Tür zu einem neuen Jahr stehe,
kann ich es nicht verhindern,
dass ich innehalte und Ausschau halte.
Eigenartig,
denn eigentlich geschieht ja nichts Besonderes:
Ein Tag folgt auf einen anderen – eine alltägliche Situation.
Und doch ...
Ein neues Jahr verbinden wir immer mit Hoffnungen –
Hoffnung auf positive Lebensveränderungen:
-      möge die Krankheit von mir gehen
-      möge sich das ersehnte Kind auf den Weg machen
-      möge sich Arbeit finden,
damit sich die finanzielle Situation verbessert
-      möge es weniger Streit in der Familie geben
-      möge Friede im Land herrschen und – und – und
1000 Menschen – 1000 Wünsche!

Was liegt hinter der Tür?
Grauer Alltag?
Eine schicksalhafte Wendung?
Krankheit?
Trauer, Krieg, Unglück?
oder
Gesundheit, Liebe, Frieden und Glück?
Ich habe es nicht in der Hand – ich kann nichts beeinflussen!
Ist das so?
Wenn es so wäre, würde dies bedeuten,
dass wir dem Leben ausgeliefert sind – völlig schutzlos!
Ein wie ich finde Furcht erregender Gedanke.
Ich möchte niemandem ausgeliefert sein!

Schauen wir genauer hin:
Streit in der Familie – 
kann ich wirklich nichts tun?
Doch ich kann etwas tun.
Ich kann mich verändern –
meine Reaktion auf andere kann ich verändern
und schon habe ich ein Muster durchbrochen.
Wenn ich anders als gewohnt reagiere,
muss es mein Gegenüber auch tun.
Ich kann hinschauen und mich fragen,
warum der andere so ist, wie er ist
 und warum er so reagiert, wie er reagiert
und warum ICH bisher so darauf reagiert habe!
Welche Lebensumstände haben ihn so werden lassen?
Dann kann ich diesem Menschen mit Verständnis begegnen.
Das könnte mein erster guter Vorsatz für 2016 sein:
Andere so anzunehmen, wie sie sind
und ihnen Verständnis entgegen zu bringen
und mich nicht an ihnen zu reiben.

Krankheiten!
Bin ich einer Krankheit ausgeliefert?
Kann ich wirklich nichts anderes tun,
als Medikamente zu nehmen?
Auch hier gilt: Schau hin!
Warum bin ich erkrankt?
Was ging dieser Krankheit voraus?
Eine Krankheit will uns immer auf etwas hinweisen.
Es ist der Hilferuf unserer Seele: Schau hin!
Es gibt inzwischen einige Literatur,
die sich mit diesem Thema beschäftigt.
Die neue Medizin zum Beispiel.
Sie befasst sich mit den Gründen,
die zu einer bestimmten Erkrankung geführt haben.
Es sind Muster erkennbar.
Bestimmte Krankheiten und die Lebenssituationen
der erkrankten Menschen
zeigen Parallelen auf.
Aber:
Es ist nur dort Heilung möglich,
wo wir erkennen und dann erlösen.
Das kann eine schwerwiegende Entscheidung
erfordern. Doch dann ist Heilung möglich -
auch dann, wenn Ärzte etwas anderes sagen!
Dafür gibt es ein Wort:
Wunder!
Dort kann das Wunder der Heilung geschehen,
wo ich mich mit meiner Erkrankung und dem Ruf
meiner Seele, der dahinter steckt, auseinander setze!
Was will mir meine Seele sagen?
Die Antwort liegt tief in uns.
Möge es im Jahr 2016 viele Wunder geben!

Wenn wir betroffen sind,
weil ein lieber Mensch verstirbt,
fallen wir in eine tiefe Trauer.
Wenn wir sie annehmen, sie durchleben,
werden wir eines Tages den Menschen loslassen können
und damit unseren Schmerz und unsere Trauer.
Niemand sagt, dass dies einfach ist –
aber es ist möglich!
Viele Menschen haben es uns bereits vorgelebt.

Mit diesen Gedanken verabschiede ich das alte Jahr!
Ich möchte meinen Rucksack mit allem Schweren an der
Tür zum neuen Jahr stehen lassen.
Wenn ich um 24 Uhr die Tür zum neuen Jahr öffne,
möchte ich ‚Altlasten’ nicht mit hinüber nehmen.

Ich möchte die Tür zum Jahr 2016
voller Zuversicht und Hoffnung öffnen.
Vorsichtig, noch ein bisschen zaghaft und unsicher
werden meine ersten Schritte sein.
Doch dann werden sie sicherer werden,
wenn ich erkenne,
dass ich nicht alleine unterwegs bin.
Auf Schritt und Tritt ist da jemand,
der mich führt, mich leitet und an die Hand nimmt.
Das allerdings muss ich erkennen und die Hand annehmen!

Allen, die meinen Weg bis hierher begleitet haben,
bin ich dankbar, denn jeder hat auf seine Weise
mein Leben bereichert und mich etwas gelehrt!

Danke auch euch allen!
Die meisten Besucher meines Blogs kenne ich persönlich nicht
und doch sind wir alle untereinander verbunden
und können uns stützen –
auch wenn uns viele 1000 Kilometer trennen!

Mein Wunsch für uns alle ist ein
fröhliches
friedliches und
glückliches Jahr 2016!

Martina Pfannenschmidt




Ich freue mich,

 Peggy,

in meinem Bloghaus
begrüßen zu können!
Wie schön, dass du da bist!




Dienstag, 29. Dezember 2015

Im Winterwald

Gerade fiel mir eine Geschichte, 
die ich im Jahr 2013 schrieb, 
in die Hände.
Sie ist in erster Linie für Kinder gedacht,
doch vielleicht erfreut sie ja auch euch!



Es war ruhig und still im Wald. Auf den Bäumen und Tannen lag dick der Schnee. Manchmal sah man den Förster, der den Tieren etwas zum Fressen brachte. Sie fanden keine Nahrung mehr - zu lange schon war der Boden gefroren.
Das Eichhörnchen huschte aus seinem Kobel und scharrte das Laub an der Baumwurzel fort. Gott sei Dank fand es dort ein paar Nüsse, die es im Herbst dort verbuddelt hatte. Das Eichhörnchen war nämlich sehr hungrig. Die Igel hielten ihren Winterschlaf. In ihren Höhlen war es gemütlich warm und zum Fressen brauchten sie nichts – sie schliefen ja.
Ein paar Rehe standen an der Futterkrippe und kauten genüsslich das Heu. Nur zwei kleine Schneehasen tollten umher.
Ein mächtiger Hirsch näherte sich dem Geschehen.
„He“, rief er den Hasenkindern zu, „nun seid mal etwas vorsichtiger. Wenn ihr so um unsere Beine saust, geraten wir noch ins Stolpern.“
„Wir hören aber nicht auf“, rief der vorlaute Felix.
„Na, na du frecher Kerl. Haben dir deine Eltern nicht beigebracht, wie man sich benimmt?“
„Er meint es nicht so!“, entschuldigte Flocke seinen Bruder, für den er sich oft schämte.
„Klar hab ich das so gemeint“, reagierte Felix trotzig. „Wenn der Hirsch meint, er ist hier der Chef, hat er sich aber getäuscht. Der hat mir gar nichts zu sagen.“
„Pass nur auf!“, meinte der Hirsch und Zorn stieg in ihm auf: „Oft folgt die Strafe auf dem Fuße.“
„Welche Strafe auf welchem Fuße?“, lachte Felix übermütig.
Die Rehe schüttelten nur mit dem Kopf. Noch nie hatten sie einen solchen Frechdachs erlebt.
Felix war sehr ausgelassen und trieb es auf die Spitze, als er den Hirsch fragte: „Du, alter Mann, wollen wir ein Wettrennen veranstalten?“
„Felix“, rief Flocke, „hör jetzt auf.“
Der Hirsch reagierte gar nicht auf den kleinen Schneehasen, der ihn provozieren wollte.
„Schaut nur, was ich kann“, rief Felix den anderen zu und vollführte mächtige Sprünge.
„Ja, ja, du bist ein toller Kerl“, meinte das Reh ironisch, „und jetzt wäre es uns lieb, wenn ihr an einem anderen Ort spielen könntet.“
„Geht ihr doch weg, wenn es euch nicht passt. Wir bleiben hier“, sagte Felix patzig.
In dem Moment machte er einen mächtigen Sprung, übersah dabei die dicke Baumwurzel, die völlig vereist unter dem Schnee lag und landete so unglücklich mit der rechten Pfote, dass sie gebrochen war.
 „Au“, schrie Felix, „dass tut so verflixt weh.“
„Hab ich es dir nicht gesagt“, schimpfte der Hirsch. „Wer nicht hören will, muss fühlen. Das hast du jetzt von deiner großen Klappe.“
Doch Felix hatte gar keine große Klappe mehr. Ganz im Gegenteil. Dicke Tränen kullerten aus seinen Augen. Seine Pfote schmerzte ziemlich stark.
„Was machen wir denn jetzt nur?“, fragte Flocke völlig panisch. „Wir können Felix doch nicht einfach hier liegen lassen. Er erfriert doch.“
„Wo sind denn eure Eltern?“, erkundigte sich das Reh. „Hol deine Mama, damit sie ihm hilft.“
„Unsere Eltern leben nicht mehr“, weinte Flocke, „und wenn mein Bruder jetzt auch noch stirbt, bin ich ganz alleine auf der Welt.“
„Lasst uns überlegen, was zu tun ist“, lenkte der Hirsch ein. Er hatte nun doch Mitleid mit den beiden Hasenkindern.
„Mir ist so kalt und mein Bein schmerzt ganz doll“, jammerte Felix.
„Tragt Laub zusammen“, ordnete der Hirsch an, „wir wollen den Kleinen damit bedecken, sonst erfriert er uns.“
Sofort liefen alle auseinander, scharrten den Schnee beiseite und sammelten Laub. Bald lag Felix jammernd unter einem dicken Laubhaufen.
„Das Bein muss geschient werden“, meinte das Reh. „Der Hase braucht einen Arzt.“
„Aber wie soll das gehen?“, fragte der Hirsch.
"Vielleicht kann ich euch helfen“, schlug das Eichhörnchen vor.
„Und wie?“, wollte das Reh wissen.
„Ich könnte zum Haus des Försters laufen. Sein Sohn spricht mit den Tieren im Wald. Er könnte seinem Vater von Felix erzählen.“
„Weißt du denn, wo der Förster wohnt?“, fragte Flocke und ein kleines Fünkchen Hoffnung keimte in ihm auf.
„Er wohnt in einem Haus am Waldrand. Aber es ist ein ganz schön weiter Weg bis dort hin. Alleine möchte ich nicht gehen.“
„Ich komme mit“, schlug Flocke vor und an seinen Bruder gerichtet.:„Felix hörst du, wir holen Hilfe.“
„Ja“, jammerte Felix, „bitte lauft so schnell ihr könnt.“
Sogleich machten sich die beiden auf den Weg. Völlig erschöpft erreichten sie nach einiger Zeit ihr Ziel. Inzwischen war es dunkel geworden, doch man sah Licht hinter einem Fenster.
Schnell sprang das Eichhörnchen auf die Fensterbank und sah in den Raum hinein.
„Der Junge sitzt vor dem Fernseher. Ich werde jetzt an die Scheibe klopfen. Vielleicht hört er es.“
„Wir müssen es versuchen“, meinte Flocke, „hoffentlich klappt es.“
Das Eichhörnchen klopfte so laut es konnte, doch der Junge hörte ihn nicht. Der Fernseher war einfach zu laut.
„Wir müssen Kieselsteinchen suchen. Wenn ich die gegen die Scheibe werfe, dann hört er mich vielleicht.“ Es war die einzige Idee, die dem Eichhörnchen jetzt noch kam. - Aber es klappte. Der Junge drehte sich zum Fenster um und kam nach draußen.
„Hallo!“, begrüßte er die beiden Tiere verwundert. „Was macht ihr denn hier?“
„Du musst uns helfen“, sagte Flocke aufgeregt. „Mein Bruder hat sich die Pfote gebrochen. Er liegt im Wald bei der Futterkrippe und hat ganz furchtbare Schmerzen. Er muss dringend zu einem Tierarzt gebracht werden.“
„Ach herrje, dass ist ja eine Katastrophe. Ich werde es gleich meinem Vater erzählen. Er wird euch ganz sicher helfen und in den Wald fahren. An der Futterkrippe liegt er, sagt ihr?“
„Ja, an der Futterkrippe unter einem Laubhaufen.“
„Wollt ihr mit uns fahren?“, erkundigte sich das Kind bei den Tieren.
Das Eichhörnchen und der Schneehase sahen sich an. Sie hatten Angst, in diese dröhnende Blechdose, die die Menschen Auto nannten, einzusteigen. Doch ihre Beinchen waren eine so lange Strecke gelaufen, dass die Zwei doch einwilligten. Sie waren verwundert, wie warm und bequem es in der Blechkiste war.
Nach einiger Zeit trafen sie an der Futterkrippe ein. Alle Tiere versteckten sich sogleich im Unterholz, um von dort aus die Rettungsaktion zu beobachten.
„Ach du armer kleiner Kerl“, äußerte der Förster verständnisvoll und nahm Felix sehr vorsichtig auf seinen Arm. „Komm her, ich bringe dich zu einem Tierarzt, damit er dir hilft.“
„Aber Flocke müssen wir auch mitnehmen“, erklärte der Junge seinem Vater. „Die Eltern der Beiden leben nicht mehr und er bliebe ganz alleine zurück.“
„Selbstverständlich nehmen wir ihn auch mit“, antwortete der Förster.
So wurde Felix gerettet. Die beiden Schneehasen verbrachten den ganzen Winter beim Förster und seiner Familie. Als das Frühjahr kam, war die Pfote des kleinen Schneehasen wieder verheilt. Deshalb verabschiedeten sie sich von den Menschen und gingen zurück in den Wald.
Seit diesem Geschehen war Felix wie ausgewechselt. Er war nett und hilfsbereit und niemals mehr hörte man ein böses Wort aus seinem Mund. Felix wurde sehr beliebt bei den allen Tieren des Waldes. 

© Martina Pfannenschmidt, 2013



Hallo und herzlich Willkommen
liebe Christine vom Blog
Ich freue mich, dass du zu mir gefunden hast!








Samstag, 26. Dezember 2015

Welche soll ich nur als Erste probieren?

Leute, ich kann euch sagen, es gibt echte Luxusprobleme! 
Ich hatte eins – ein riiiieeeesengroßes!

Schaut mal bitte:

Erdbeer-Rhabarber-Marmelade
Johannisbeergelee
Kirschmarmelade
Rotwein-Zwetschge-Zimt
Quittengelee


Welche soll ich nur als Erste probieren? – 
Erkennt ihr mein Luxusproblem? 
Ich habe mich entschieden und … nee, das verrate ich nicht. Welche Sorte hättet ihr denn gewählt?

Die Marmelade wurde übrigens jetzt im Dezember frisch gekocht und vielleicht denkt der eine oder die andere: Hab ich diese Gläser nicht schon irgendwo gesehen? Durchaus möglich – vielleicht hier????


Die allerliebste Senftante schickte mir als Dankeschön diese Leckereien – sie trafen pünktlich zum Fest ein und ich habe mich uuuuunglaublich darüber gefreut. Die Marmelade wurde mit sooooooo viel Liebe gekocht und mit ebenso viel Liebe eingeweckt und verpackt!!! Danke, Danke, Danke!!!!!

Du fragst dich, ob sie schmeckt? 
Mmmmmmmmmmhhhhhhhhh leeeeeeecker!!!!



Im Päckchen waren außerdem diese
5 zauberhaften Sterne und
eine liebevoll gestaltete Karte
- davon sind auch noch einige andere eingetroffen -!
Deshalb an dieser Stelle auch dafür
Dankeschön an
Ella (und Familie), Renate, Manu, Uschi und Anita!
Ich habe mich über jede einzelne
von Herzen gefreut!
Danke all ihr lieben Menschen
in der Nähe und in der Ferne!




Mittwoch, 23. Dezember 2015

Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!

Endlich ist es soweit! Heiligabend! Das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Obwohl es nicht das ‚höchste Fest’ der Christenheit ist, so ist es sicher das bekannteste und beliebteste Fest - nicht nur in unserem Land - und kaum jemand kann sich der Energie dieser besonderen Tage entziehen.
Auch wenn Weihnachten zu einem Fest der Geschenke und des Konsums zu ‚verkommen’ scheint, so steckt doch eine sehr bewegende Geschichte dahinter – vielleicht die schönste und tiefgründigste Geschichte der Menschheit.
Sie erzählt von der Liebe und vom Frieden - durch die Geburt eines kleinen Jungen in einem kalten Stall. Diese Geschichte wird am Heiligabend in allen christlichen Kirchen weltweit gelesen. 
Ich möchte sie euch heute ans Herz legen - zusammen mit den besten Wünschen für ein friedvolles und besinnliches Weihnachtsfest!
Weihnachten nostalgie bilder
Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.
Und diese Schätzung  war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.
Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.
Und  sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde.
Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr.
Und der Engel sprach zu ihnen:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

(Lukasevangelium 2, 1-14)

Dienstag, 22. Dezember 2015

Des Lebens müde


 Die
Reizwörtergeschichten
haben sich
am vergangenen Dienstag
in die Weihnachtspause verabschiedet.
Dennoch gibt es heute eine Geschichte bei mir 
- so ganz ohne Reizwörter!! :-)

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Hanne saß am Fenster ihres Zimmers. Sie konnte von hier aus das Treiben im Eingangsbereich des Altenheimes beobachten. Das war das einzig Spannende in ihrem Leben, seit sie vor ein paar Wochen hier eingezogen war. Sie konnte sich noch gar nicht damit abfinden, dass sie nun hier war. Wie gerne wäre sie in ihren eigenen 4 Wänden geblieben, doch sie musste sich eingestehen, dass sie ihren Alltag alleine nicht mehr meistern konnte.
Leise klopfte jemand an ihre Tür.
„Herein“, rief Hanne und wischte heimlich eine Träne fort. Es war Henriette. Sie wohnte im Zimmer nebenan und sie war eine wirklich liebenswerte Person. Die einzige, mit der Hanne bisher ein bisschen Kontakt hatte.
„Ich wollte dich nur erinnern“, sagte Henriette fürsorglich, „es gibt jetzt Mittagessen.“
Hanne sah auf die Uhr. Sie konnte sich einfach noch nicht daran gewöhnen, so früh zu Mittag zu essen. Zuhause hatte sie frühestens um halb zwei zu Mittag gegessen. Hier stand das Essen um Punkt 12 Uhr auf dem Tisch.
Hanne erhob sich. „Danke, Henriette, ich hätte es wohl wieder vergessen.“ Sie griff nach ihrem Rollator und die beiden gingen in Richtung Fahrstuhl, um in den Essenssaal zu gelangen.
„Früher“, erzählte Hanne, „habe ich immer die Treppe genommen. Ich bin nie mit einem Fahrstuhl gefahren oder sehr selten. So habe ich mich fit gehalten. Aber heute wollen die alten Knochen nicht mehr.“
Henriette nickte zustimmend.
Die beiden Frauen setzten sich zu zwei anderen Bewohnerinnen an den Tisch. Das Essen wurde aufgetragen und bald darauf löffelten alle stumm ihre Suppe. Hanne hatte einen dicken Kloß im Hals. Es schmeckte einfach nicht wie zu Hause. Aber sie wollte nicht jammern. Das passte einfach gar nicht zu ihr. Sie ärgerte sich sowieso schon über sich selbst, weil sie in den letzten Wochen so ein Jammerlappen geworden war. Aber in ein Altenheim zu ziehen war so, als würde man in eine Wartehalle geschoben, um auf seinen Tod zu warten.
Später saß sie wieder am Fenster ihres Zimmers und blickte nach draußen. Sie dachte an ihren Mann, der vor ein paar Jahren verstorben war. Er hatte es jetzt leichter als sie. Er hatte dieses Leben schon hinter sich gebracht. Sie schüttelte mit dem Kopf. „Sag mal, Hanne, bist du noch ganz bei Trost?“, fragte sie sich. Es geht doch nicht darum, das Leben hinter sich zu bringen. Wie hatte eine weise Frau einmal gesagt: ‚Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.’
Ihr ging ein Gespräch durch den Kopf, das sie vor ein paar Tagen unfreiwillig mitangehört hatte. Zwei Frauen am Nachbartisch hatten sich nach dem Essen darüber unterhalten, dass sie nun einen Mittagsschlaf halten wollten. „So geht der Tag schneller herum“, hatte die eine zur anderen gesagt. Das war ganz traurig und zeugte davon, wie lebensmüde diese Frauen sein mussten. Möglichst schnell den Tag hinter sich bringen und dann? Der nächste Tag würde auch keine Freude bringen und der übernächste auch nicht. Sie aßen, schliefen und warteten auf den Tod. Das war einfach nur schrecklich und hatte mit einem sinnvoll geführten Leben so gar nichts zu tun. Auch wenn man im Alter nicht mehr so aktiv sein konnte, so konnte man doch Freude am Leben empfinden.
Hanne schloss die Augen: „Ach Fritz, was soll ich denn bloß machen?“, fragte sie in die Stille des Raumes hinein.
Nach einer Weile wurde ihr ganz warm zumute. Es war ihr, als wäre ihr Fritz bei ihr und würde ihr über den Kopf streichen und sie fragen: „Ist das die Hanne, wie ich sie kenne? Was ist denn mit dir los? Wo sind deine Spontaneität und Lebensfreude geblieben?“
Ihre Lebensfreude? In der Tat, die war irgendwo auf der Strecke geblieben. Sie hatte sie wohl in ihrer Wohnung zurück gelassen und gar nicht mit hierher gebracht. Das war nicht gut. Sie brauchte ihre Lebensfreude zurück – doch wie sollte sie das machen?
Hanne erhob sich, griff erneut nach ihrem Rollator und ging zielstrebig über den Flur, bis sie Annette gefunden hatte, die Leiterin des Hauses.
„Wissen Sie, Annette“, begann sie, „die Menschen hier benötigen dringend ein bisschen Abwechslung.“
„Da haben Sie sicher recht“, antwortete Annette, „doch wissen Sie, uns bleibt so wenig Zeit neben aller Arbeit ...“
Hanne winkte ab und ließ sie gar nicht ausreden. „Ich weiß, ich weiß und es wird ja auch schon einiges angeboten. Doch ich denke, da ist noch mehr möglich. Wenn ich darf, würde ich das gerne in die Hand nehmen. Ich kenne so viele Menschen, die ein ganz besonderes Talent besitzen. Wenn es Ihnen recht wäre, könnte ich fragen, ob jemand bereit wäre, hier den einen oder anderen Nachmittag zu gestalten. In jedem Fall müssen wir auch mal Kinder zu uns einladen. Die haben die Lebensfreude noch in sich. Das wirkt auf ältere Menschen bestimmt ansteckend oder Tiere.“ Hanne steckte voller Ideen und sprühte vor Elan. Erwartungsvoll sah sie Annette an.
„Machen Sie nur. Es ist in unserem Sinn, wenn sich die Bewohner hier wohl und wirklich zuhause fühlen“, freute sich die Leiterin über so viel Engagement.  
Hocherhobenen Hauptes ging Hanne zurück in ihr Zimmer. Sie würde ein paar Telefonate führen und zwar sofort.
Abrupt blieb sie stehen und drehte sich um. Hatte da jemand mit ihr gesprochen? Sie hätte geschworen, dass sie gehört hatte: „Da ist sie ja wieder, meine Hanne!“


© Martina Pfannenschmidt, 2015 

Samstag, 19. Dezember 2015

Eine Erinnerungsgeschichte von Christel



Vor ein paar Tagen ließ mir Christel eine Erinnerungsgeschichte zukommen. 
Sie erinnerte sich an einen Abend, als ihr Sohn 12 Jahre alt war und natürlich nicht mehr an den Nikolaus glaubte. Dass dieser nicht mehr zu ihm kam, fand er allerdings ein bisschen schade. Doch dann klingelte es an der Haustür und zur Überraschung des großen Buben stand der Nikolaus davor. Natürlich wollte er von dem Jungen ein Gedicht hören, doch Ralph konnte sich an keines mehr erinnern. Nicht auf den Mund gefallen zauberte er kurzerhand eine Geschichte aus dem Hut:

Vor langer, langer Zeit lebte die Babuschka (ein altes Großmütterchen) in ihrem Haus ganz allein im Wald und sie hatte nichts anderes im Sinn, als von morgens bis abends ihr Haus zu putzen. Eines Tages erschienen die Heiligen drei Könige auf ihrem Weg zur Weihnachtskrippe bei der alten Babuschka. Sie gab ihnen zu essen und zu trinken und fragte, wohin ihr Weg denn führen würde. Die Könige erzählten ihr,  dass sie hinter dem Weihnachtsstern her wandern würden bis zum Stall und der Krippe mit dem Jesuskind. ‚Ohhhh’ meinte die Babuschka, ‚da möchte ich auch gerne mit!’
‚Das ist überhaupt kein Problem’, sagten die Heiligen drei Könige, ‚mach dich fertig und komm einfach mit!’ 
‚Prima’, antwortete die Babuschka, ‚ihr ruht euch noch etwas aus und ich putze derweil mein Häuschen schnell fertig.’
Nach einer Weile wurden die drei Könige unruhig, weil sie Sorge hatten, nicht rechtzeitig zur Krippe zu kommen. Die Babuschka rief: ‚Gleich bin ich fertig, einen Moment noch.’ Und so vertröstete die Babuschka noch einige Male die Heiligen drei Könige. Denen passte das nach einiger Zeit nicht mehr und sie sagten: ‚Pass auf, wir gehen jetzt vor, immer dem Stern am Himmel nach und wenn du dich auch an den Stern hältst, holst du uns gewiss ein.’ Und so setzten sie ihren Weg fort. Die Babuschka putzte noch schnell eins, zwei, drei Fenster und den Keller, zog ihren Mantel an und die Mütze auf und begann die Heiligen drei Könige zu suchen … sie suchte und suchte, sah zwar den Stern, aber die drei Könige - und damit die Krippe - hat sie nicht gefunden......
Und die Moral von der Geschichte? Zuviel putzen und aufräumen ist einfach nicht gut, weil man dann wichtige Dinge verpasst … 

Vielleicht sollten wir in den kommenden Tagen an diese Geschichte des Jungen denken, wenn wir mit unserem Weihnachtsputz beginnen. Es wäre doch wirklich fatal, wenn wir vor lauter Putzen das Kind in der Krippe übersehen würden. 


Dienstag, 15. Dezember 2015

Lasst uns ein Licht sein

Am heutigen Dienstag
verabschieden sich die 
Reizwörtergeschichten
für dieses Jahr!
Am 15. Januar 2016
lesen wir uns wieder!

Reizwörter:
Schlitten – Glocken – bimmeln – gesichert – überrascht



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Aufgeregt betrat Annegret das Büro. „Das hättest du hören müssen, wie der Chef mit Angelika Schlitten gefahren ist. Ich konnte zwar nicht herausfinden, worum es ging, aber neulich fehlte doch Geld in der Kaffeekasse, die wird doch nicht …“
Wirsch wurde sie von Mathilde unterbrochen. „Annegret hör auf mit deinen Verurteilungen und Anschuldigungen. Du weißt doch gar nicht, worum es ging, hast du gerade gesagt. Und übrigens fehlte gar kein Geld in der Kaffeekasse. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, war es nur ein Irrtum. Also bitte hör auf!“
Annegret reagierte überrascht auf die schroffe Reaktion ihrer Kollegin: „Ist ja schon gut!“, maulte sie und setzte sich an ihren Platz. In Mathilde brodelte es. Immer wieder dasselbe. Ihre Kollegin hörte überall die Glocken läuten, wusste aber selten, wo sie bimmelten. Das konnte man ihr irgendwie nicht austreiben.
Nach Feierabend schlenderte Mathilde durch die Stadt. Nur noch eine gute Woche, dann war Heiligabend. Sie erinnerte sich zurück, wie es in Kindertagen war. Damals konnte man es kaum erwarten, bis es endlich soweit war.
Die Erwartungen an das Fest waren immer sehr groß – auch heute noch. Jeder hatte seine eigenen Vorstellungen davon, wie es abzulaufen hatte. Genau das war das Problem. Selten passten die Wünsche und Vorstellungen der Mitmenschen überein. Schon seit Jahren wünschte sie sich heimlich, ein paar entspannte Tage mit ihrer Freundin zu verbringen. Doch das war ganz ausgeschlossen. Was hätten ihre Eltern dazu gesagt und auch ihre Schwester mit Familie erwartete, dass sie zu Besuch kam. Das machte sie ja auch gerne. Sie freute sich auf die Kinder, doch musste dieser Besuch immer zu Weihnachten stattfinden?
Auch ihre Freundin hatte Familie. Sie putzte, kochte und backte im Vorfeld wie eine Weltmeisterin. Gerade zu Weihnachten musste es das beste und schönste Essen sein. Dafür hatte Mathilde kein Verständnis. Wäre es nicht besser, ein einfaches Gericht zu kochen und stattdessen mehr Zeit zu haben, um mit den Kindern zu spielen? Und was hatte das alles überhaupt mit dem Sinn von Weihnachten zu tun?
Es war sicher ein schöner Brauch, sich an Weihnachten zu beschenken. Gott hatte uns mit seinem Sohn beschenkt, so war es schön, sich gegenseitig mit einem Geschenk daran zu erinnern. Aber mussten es solche Berge an Geschenken sein? 
Sie hatte alles beisammen, was sie den anderen übergeben wollte. Schon lange im Vorfeld hatte sie überlegt, wie sie jedem eine echte Freude machen könnte. Sie verschenkte gerne etwas ganz Persönliches. Das fand sie besser, als einen Gutschein oder Parfüm zu verschenken.
Ihr Blick fiel auf ein Ehepaar, das mit mehreren Taschen bepackt sein Auto ansteuerte. Mathilde schmunzelte: Wenn der Platz im Kofferraum und auf der Rückbank nicht ausreichte, konnten sie ja noch ein paar Tüten auf dem Dach verstauen. Die Ladung müsste nur gut gesichert sein, damit sie nicht unterwegs verloren ging.
Wahnsinn! Es war einfach ein Wahnsinn, wie viel Geld die Menschen zum Weihnachtsfest und für Geschenke erübrigten. Und manchmal fiel auch ein kleiner Betrag für die Flüchtlinge oder andere wohltätige Aktionen dabei ab. Gerade zum Weihnachtsfest gab es viele Bittbriefe und Wohltätigkeitsveranstaltungen. Sie fragte sich, ob es nicht sinnvoller war, sich vor Ort einzusetzen und den Menschen direkt zu helfen, als an Organisationen zu spenden, von denen man nicht wusste, wie viel von dem Geld wirklich dort ankam, wo es eigentlich gebraucht wurde.
Es war so viel im Argen auf der Welt. Auch 2000 Jahre nach der Geburt von Jesus, dem Sohn Gottes, hatten die Menschen nicht wirklich dazu gelernt. Immer noch gab es Kriege, Menschen schossen auf Menschen. Warum? Hatte er nicht die Liebe gebracht und gepredigt? War es in seinem Sinn, wie wir uns verhielten? 
Betrachtete man die Welt, sah man überall viel Not und großes Leid. Wir in Europa bilden eine kleine Keimzelle des Friedens. Jeder, der zu uns kam, suchte genau diesen Frieden.
Warum machten uns die Menschen Angst, die im Frieden mit uns zusammen leben wollten? Weil sie eine andere Hautfarbe hatten? Mathilde dachte zurück an ein Spiel aus Kindertagen: ‚Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? – Niemand! – Und wenn er kommt? Dann laufen wir!’
War es diese Angst vor dem ‚schwarzen Mann’ unserer Kindertage, die uns dunkelhäutigen Menschen gegenüber skeptisch sein ließ?
Wenn man in diesen Tagen durch die Stadt ging, war es unübersehbar: Viele Menschen aus anderen Kulturen belebten das Stadtbild. Konnten wir nicht auch von ihnen lernen? Machten sie unser Land nicht bunter? Warum machte uns die Situation so viel Angst? Weil es so viele waren oder weil wir Angst hatten, unseren Wohlstand mit ihnen teilen zu müssen?
Unsere Eltern hatten dieses Land zum Blühen gebracht und jetzt kamen die Fremden um die Ernte einzufahren? Waren das die Gedanken einiger? Gott sei Dank waren sie in der Minderheit, doch genau das waren die Menschen, die ihr persönlich Angst machten. Das waren die, die Hass streuten und vor Gewalt nicht zurück schreckten.
Die Welt war im Umbruch. An allen Ecken und Enden ‚brannte’ es und wir als Deutsche konnten uns da nicht heraus halten. Wir hatten die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, zu teilen und die Menschen willkommen zu heißen und ihnen zu zeigen, was es wirklich bedeutete, im Frieden miteinander zu leben. Wir mussten unser engstirniges Denken ändern. Wir waren Deutsche, ja, aber wir waren auch Europäer und wir mussten lernen, global zu denken. Daran führte kein Weg vorbei. 
War nicht diese Zeit genau die richtige, zu zeigen, was es bedeutete, ein Christ zu sein? War es nicht an der Zeit zu zeigen, dass wir Christen Weihnachten nicht nur mit Stress in Verbindung brachten? War es nicht an der Zeit, unser Denken zu ändern und nicht nur etwas zu spenden, um unser Gewissen zu beruhigen, sondern aus tiefstem Herzen und aus Überzeugung zu sagen: Wir haben so viel, davon geben wir euch gerne etwas ab? War es im Sinne der Resonanz nicht so, dass man immer belohnt wurde für gute Taten? Wie würde das aussehen, wenn ein Tages ein ganzes Land für seine guten Taten belohnt würde?
War die jetzige Zeit nicht genau die richtige, das Licht von Bethlehem weiterzureichen und die Welt Stück für Stück ein kleines bisschen heller werden zu lassen? Wäre es nicht schön, wenn dieses Ausbreiten des Lichtes in der Welt von diesem Land ausginge?


© Martina Pfannenschmidt, 2015

Sonntag, 13. Dezember 2015

Sonntagsgedanken: Kindheit!

Nachdem ich am Donnerstag das Video der stimmgewaltigen Kinder eingestellt hatte, gab es viele Kommentare. Gänsehaut pur – ja: Aber! Und dieses ‚Aber’ hat ganz sicher seine Berechtigung.
Raubt man den Kindern vielleicht ihre Kindheit, indem man sie so jung auf die Bühne bringt? Wie viele Stunden dürfen sie täglich proben – oder soll ich lieber ‚müssen sie’ schreiben? Ich weiß es nicht. Oft ist der Ehrgeiz der Eltern größer, als der der Kinder. Sicher sind Eltern stolz, wenn das eigene Kind eine großartige Begabung hat und möchten dies der ganzen Welt zeigen. Doch da gibt es Grenzen, die schnell überschritten werden, da habt ihr leider recht.
Es ist ganz sicher schwer festzustellen, inwieweit die Kinder diesem Drängen oder Wunsch der Eltern einfach nur nachgeben. Vielleicht tun sie manches auch nur, um den Eltern zu gefallen und nicht aus Lust und Freude an ihrem Tun. Das gilt für sportliche Kinder, von denen Höchstleistungen gefordert werden, genau so, wie für die, die zu musikalischen Höchstleistungen getrieben werden.
Viele Mütter scheuen auch nicht davor zurück, ihre kleinen Kinder als Models über die Laufstege zu schicken. ‚Ist sie nicht süß, meine Kleine?’ Auch für diese Kinder gilt: Ob sie eine wirklich unbeschwerte Kindheit haben?
Schauen wir auf die andere Seite der Welt: Kinder arbeiten unter schlimmsten Verhältnissen. Auch hier wird ihnen die Kindheit genommen. Und da müssen wir uns fragen: Ist Geiz wirklich geil? 
Kindern werden Waffen in die Hand gedrückt - und vergessen wir nicht die Kinder, die vor der Gewalt in ihrem Geburtsland fliehen müssen. Das werden sie so schnell - vielleicht nie - verarbeiten können.
Doch meine Gedanken hören hier nicht auf: Eltern treiben ihre Kinder nicht nur zu Höchstleistungen, sie fügen ihnen auch körperlichen oder seelischen Schaden zu. Auch diese Kinder haben keine unbeschwerte Kindheit. Einige Kinder leben mit ihren Familien an der Armutsgrenze, haben nicht genug zu essen. Es gibt keinen Platz, wo sie spielen können. 
Spielende kinder clipartsEs ist sehr traurig, wenn man darüber nachdenkt, wie viele Kinder keine unbeschwerte Kindheit haben. 
Werdet wie die Kinder, hat Jesus gesagt. Doch wie viele Kinder werden heute viel zu früh zu unglücklichen Erwachsenen?
Wo ist das Rad, um diese Entwicklung anzuhalten?





Donnerstag, 10. Dezember 2015

Gänsehautmoment

Fast 19.000.000 mal wurde das Video bereits aufgerufen - und das in nur zwei Monaten. Vielleicht kennt ihr es schon - meine Tochter hat es mir gerade gezeigt. Es ist so berührend. Das müsst ihr euch anhören!!! 


Dienstag, 8. Dezember 2015

Wenn die Bäume schlafen

Willkommen zur Geschichte am Dienstag!
Diesmal lagen den Geschichten diese Reizwörter zugrunde:
Tanne – Nase – süß – sammeln – kriechen
Natürlich haben auch
eine Geschichte geschrieben.
Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!

Bildergebnis für gifs kostenlos maus und eichhörnchen

Unter einem dicken Laubhaufen an der Wurzel einer Tanne saß Krümel, der kleine Mäuserich, um sich vor Gott und der Welt zu verkriechen. Nur seine süße kleine Nase lugte hervor, während er Florentine, das Eichhörnchen, beim Sammeln von Vorräten für den bevorstehenden Winter beobachtete.
„Hatschi!“
Florentine fuhr verschreckt herum. „He Krümel“, rief sie ihm zu, „ich hatte dich gar nicht gesehen. Versteckst du dich dort unter dem Laubhaufen?“
„Mir ist kalt“, murmelte Krümel.
„Was sagst du?“, erkundigte sie sich und hüpfte dichter zu ihm. „Ich hab dich nicht verstanden. Warum sitzt du hier?“
„Weil mir kalt ist“, brüllte die Maus das Eichhörnchen an.
„Meine Güte, da hat aber einer schlechte Laune. Wenn dir kalt ist, dann musst du dich bewegen, damit dir warm wird.“
„Keine Lust“, maulte Krümel.
„Ja was willst du nun, dass dir warm wird oder willst du weiter frieren?“
Die Frage konnte Krümel ihr und sich selbst nicht beantworten. Er wusste nicht so genau, was mit ihm los war. Er fühlte sich nicht wirklich krank aber auch nicht gesund. Er hatte einfach keine Lust auf diesen blöden Herbst und das sagte er auch unumwunden:
„Ich hab überhaupt keine Lust auf diesen blöden Herbst und dann kommt noch dieser eiskalte Winter. Daran darf ich gar nicht denken. Warum kann denn nicht immer die Sonne scheinen? Und warum kann es nicht immer schön warm sein. Das wäre mir recht.“
Florentine wurde sehr ärgerlich.
„So, du möchtest, dass immerzu die Sonne scheint?“
„Ja!“
„Und es soll auch nie regnen?“
„Nein, ich mag den Regen nicht und den Herbst mag ich auch nicht und den Winter schon gar nicht.“
„Aber denk nur, wenn es die unterschiedlichen Jahreszeiten nicht gäbe, wie trostlos unser Land aussehen würde. Es gäbe keine Bäume, nur Sand und Wüste. So ist das nämlich dort, wo immerzu die Sonne scheint. Dort kann nichts wachsen und was sollten wir dann fressen?“
„Warum würde dort nichts wachsen?“
„Na, weil die Bäume genauso das Wasser benötigen, wie wir. Ohne Wasser können wir alle nicht leben.“
Krümel wurde nachdenklich. Es konnte durchaus sein, dass Florentine recht hatte. Doch er konnte dem Herbst einfach nichts abgewinnen. Diese Stürme und das trockne Laub machten ihn geradezu depressiv.
„Aber schau, ist es nicht traurig, dass die Bäume sterben?“, gab er deshalb zu bedenken. „In jedem Herbst sterben sie.“
„Aber nein, sie sterben doch nicht, sonst könnten sie ja im Frühjahr nicht erneut Blätter und Früchte austreiben. Du solltest übrigens dankbar sein, dass wir ihre Früchte für den Winter sammeln dürfen und hier nicht herum maulen. Und denk nur, wie gemütlich es im Winter in unseren Höhlen ist. Ich finde, die Natur hat das gut eingerichtet. Alle Jahreszeiten haben etwas Schönes!“
Krümel überlegte. „Wenn die Bäume nicht sterben, schlafen sie dann etwa? Halten sie auch einen Winterschlaf, so wie wir? Sie sehen aber aus wie tot.“
„Das stimmt, im Winter, wenn die Bäume nicht mit Schnee bedeckt sind, sehen sie sehr bizarr aus. Kahle Äste ragen in den Himmel und die dunklen Stämme wirken ein bisschen mystisch.“
„Und überall liegen braune und matschige Blätter herum“, führte Krümel weiter aus.
„Das ist aber so bestimmt und der Lebenslauf der Bäume. Er schützt sich so vor dem Frost. Er fällt in eine Starre, wenn er seine Blätter verloren hat. Das ist fast so wie ein Winterschlaf bei uns Tieren.“
„Und im Frühjahr, was passiert, wenn die Blätter wieder da sind?“
„Dann versorgen sie den Baum erneut. Im Winter, wenn die Sonne nur noch wenig scheint, könnten die Blätter ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen und deshalb wirft der Baum sie ab. Er nimmt dadurch keinen Schaden. Im Gegenteil. Er schläft einfach und hat vorher genügend Nährstoffe gesammelt, genau wie wir unsere Vorräte sammeln.“
„Es kann ja auch sein, dass die Bäume ihre Blätter verlieren“, überlegte Krümel unterdes, „damit sie sich wie eine Decke auf den Waldboden legen. So schützen sie einige Tiere und die Wurzeln der Bäume vor dem Frost.“
„Siehst du. Es ist gar nicht so schlecht, dass die Bäume ihr Laub verlieren. Alles hat seinen Sinn und dass wir uns für den Winter bevorraten auch. Sag, willst du nicht heraus kommen aus deiner Laubhöhle? Schau mal, wie die Sonne durch die Äste blinzelt und wie die Blätter im Sonnenlicht funkeln. Es sieht einfach herrlich aus.“
Florentine musste Krümel gar nicht lange überreden. Schnell kam er unter seinem Laubhaufen hervor gerochen und die beiden tobten durch das raschelnde Laub.
Wie gut es war, Freunde zu haben, die einem die Augen öffneten für die Schönheit der Natur und die es schafften, trübe Gedanken einfach fort zu schicken.

© Martina Pfannenschmidt, 2015