Montag, 15. August 2016

Zweimal Spaghetti Carbonara?

Aus den Reizwörtern
Ponyhof – Triumph – heulen – demonstrieren – standesgemäß
haben 
und ich
eine Geschichte geschrieben.

pixelio.de/Ines Wehl



Paula stand vor ihrem Kleiderschrank, schnappte sich ihre Lieblingsjeans, eine leichte Bluse und einen Pulli, den sie sich um die Schultern legen wollte. Gegen Abend wurde es oft empfindlich kühl.
Babs, ihre beste Freundin, hatte sich telefonisch bei ihr gemeldet und ein Treffen in ihrer Lieblingspizzeria vereinbart. Bestimmt wollte sich Barbara bei ihr ausheulen. Das unerwartete Treffen hatte sicher mit Leo, ihrem Freund, zu tun. Paula konnte diesen Menschen nicht ausstehen. Er fühlte sich als etwas Besseres, nur weil seine Eltern ein großes Unternehmen führten. Paula hatte von Anfang an bemerkt, dass Leo sie als nicht standesgemäß betrachtete. Sie war eben nicht so reich, wie er. Aber das war Babs auch nicht.
Paula hatte sich schon daran gewöhnt, dass ihre Freundin ihm gegenüber immer Stärke demonstrierte. Doch Babs bemerkte gar nicht, wie sehr sie sich verändert hatte. Und das sagten alle anderen Freunde auch. Seitdem Barbara mit diesem Lackaffen zusammen war, hatte sie all ihre Träume und Ziele über den Haufen geworfen. Paula war sich sicher, dass Leo das als einen Triumph für sich verbuchte. Wahrscheinlich war dieser Schnösel noch stolz darauf, dass er einen derart großen Einfluss auf Babs nehmen konnte.
An diesem Abend würde sie ihrer Freundin ordentlich den Kopf waschen und ihr nahe legen, sich endlich von diesem Mann zu trennen. Das würde sicher nicht leicht werden, Babs davon zu überzeugen, dass dieser Schritt überfällig war,  doch manchmal stehen halt schwerwiegende Entscheidungen an. Nicht umsonst heißt es: Das Leben ist kein Ponyhof. Davon konnte Paula auch ein Lied singen – mit mehreren Strophen sogar. Außerdem war sie sicher, dass es keine wahre Liebe sein konnte zwischen den Beiden, wenn sich eine Seite so verbiegen musste.
Als Paula später in der Pizzeria saß und auf Barbara wartete, hatte sie sich all ihre Worte schon zurecht gelegt. Sie musste es einfach schaffen, ihrer Freundin den Spiegel vorzuhalten. Es wurde Zeit, dass Babs ihr Leben wieder selbst in die Hand nahm und nicht ein fremdbestimmtes Leben führte. Es musste ihr einfach gelingen.
Als sich die Tür öffnete, war Paula überrascht. Babs betrat den Raum in Jeans, Pulli und Turnschuhen und nicht wie sonst in einem Hosenanzug mit High Heels an den Füßen. Paula konnte sich eine Anspielung nicht verkneifen: „Gut siehst du aus, meine Liebe! Ich staune, dass Leo dir erlaubt hat, so das Haus zu verlassen.“
„Ich habe ihn gar nicht dazu befragt“, antwortete Babs, während sie ihre Freundin zur Begrüßung umarmte.
„Na, das ist ja schon mal ein guter Anfang“, meinte Paula, holte tief Luft und spulte alles ab, was sich in ihrem Kopf angesammelt hatte. Durch nichts und niemanden würde sie sich jetzt noch stoppen lassen: „Hör zu, Babs, du weißt, dass ich Leo nicht leiden kann. Aber noch weniger kann ich es leiden, wie er mit dir umgeht. Du lebst doch gar nicht mehr dein Leben, sondern seins. Du hast einfach aufgegeben, dein Leben so zu gestalten, wie du es dir aus tiefstem Herzen wünscht. Ich kenne dich, Babs. Du kannst mir nichts vormachen. Du bist nicht glücklich. Aber weißt du, du hast es selbst in der Hand, ein glückliches Leben zu führen. DU musst dir Ziele setzen und Schritte in diese Richtung gehen. Ich will auch nicht Leo die ganze Schuld in die Schuhe schieben, aber ich kann dir nur eines raten, Babs: Trenne dich von ihm und zwar so schnell wie möglich. Es liegt mir wirklich am Herzen, dass es dir gut geht. Du kannst sicher sein, dass ich nach der Trennung an deiner Seite stehen werde. Hörst du?! Ich werde deine Träume mit dir träumen, so wie früher. Du musst dich nur wieder daran erinnern, wer du eigentlich bist und was deine Träume sind. Ich habe den Eindruck, dass sie nichts mit dem zu tun haben, was du heute lebst. Frag dich mal, was dir wichtig ist im Leben! Was bringt dir wahre Freude? Es kann doch nicht das Geld sein, das Materielle, das Leo dir bietet. So bist du doch gar nicht. Er schränkt dich in deiner Freiheit ein, so dass du dich gar nicht entfalten kannst. Du lebst ein Leben wie in einem goldenen Käfig. Willst du das wirklich? Mensch, Babs, sag doch auch mal was.“
Babs saß ihr gegenüber und lachte laut los. „Was war das denn gerade? Hast du den Text auswendig gelernt? Meine Güte, ich kenne dich aber auch nicht wieder. Ich weiß, dass du Leo nicht leiden kannst. Daraus hast du nie einen Hehl gemacht. Aber meine Entscheidungen, die treffe ich immer noch selbst.“
„Tust du eben nicht“, fiel Paula Babs ins Wort.
„Was darf ich den Damen bringen?“, erkundigte sich Giovanni, der Kellner, und stellte gleich darauf fest: „Ihr wart aber lange nicht gemeinsam hier.“
„Siehst du“, triumphierte Paula, „sogar Giovanni hat es schon bemerkt.“
„Na, na, was soll das denn heißen, 'sogar Giovanni'“, erwiderte dieser und tat ein wenig beleidigt. Aber das war er natürlich nicht. „Wie immer?“, erkundigte er sich. „Zweimal Spaghetti Carbonara und für beide Damen einen Chianti?“
„Ja gerne“, antwortete Paula, während Babs zur gleichen Zeit: „Wir warten noch einen kleinen Moment“, sagte.
„Wie, wir warten noch, worauf denn? Doch nicht etwa auf Leo? Sag, dass das nicht wahr ist! Dieser Kasper kommt nicht auch hierher oder?!“
Noch bevor Babs darauf antworten konnte, schnappte Paula ihre Tasche und erhob sich. Sie wollte das Lokal umgehend verlassen. Es hatte einfach keinen Zweck. Babs würde nie merken, dass der Typ nicht zu ihr passt.
Im selben Moment betrat ein verdammt gut aussehender Italiener das Lokal und kam direkt auf ihren Tisch zu.
„Weißt du, Paula“, und Barbara wirkte bei den Worten ein wenig schadenfroh, „es ist wirklich nett von dir, dass du dich so sehr um mich sorgst. Doch auch du musst mir nicht sagen, wie ich mein Leben führen soll. Eigentlich wollte ich dir die ganze Zeit schon erzählen, dass ich mich von Leo getrennt habe." Mit einer Handbewegung in die Richtung des hübschen Italieners führte sie weiter aus: "Und dieser gut aussehende junge Mann hier neben mir ist der Grund dafür. Darf ich dir Francesco vorstellen.“
Völlig baff plumpste Paula zurück auf ihren Stuhl.



© Martina Pfannenschmidt, 2016


Und ab damit zu 
Elke!
meine laufende Linkparty:

Herzlich begrüße ich
Sophia!






Kommentare:

  1. Das ist wieder eimal eine sehr gelungene und unterhaltsame Geschichte, liebe Martina. Danke dafür und für den Link. Ich bin gerade wieder aus dem Urlaub zurück und arbeite mich langsam durch die E-mails.
    LG Elke

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  2. Guten Morgen, Martina,
    was habe ich gelacht über den Redeschwall, den Paula ihrer Freundin um die Ohren gehauen hat! DER hätte auch von mir sein können ... **grins**.
    Komischerweise habe ich dieses Mal mit so einem Ende gerechnet!
    Eine schöne Geschichte - und die verzwickten Reizwörter gut "in Szene gesetzt". Kompliment!
    Liebe Grüße
    Christine

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  3. Hallo Martina,
    da ist dir wieder eine tolle Geschichte gelungen. Hab mich prächtig amüsiert, vielen Dank!
    Herzliche Grüße
    Regina - die Nachzüglerin

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  4. Herrlich, liebe Martina,
    das war genau die richtige Geschichte, um meinen Feierabend einzuläuten :O) Bei uns gibt es heute auch italienisch, aber Kalte Küche ;O)
    Ich wünsche Dir noch einen wundervollen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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  5. Liebe Martina, schön Deine Geschichte. Freundinnen sind immer so eine eine Sache, bedarf immer viel Fingerspitzengefühl. Meist kann man sich den Mund fusselig reden. Liebe Grüße Eva

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  6. *Lautlach*

    Da hatte sich ja allerhand angestaut das mal raus musste. Aber wie wäre es mit einem: „Hallo, schön dich zu sehen, wie geht es dir?“ zur Begrüßung, statt wie eine Dampfwalze loszubreschen????

    ♥∗✿≫✿≪✿∗♥
    Herzlich grüßt
    Uschi

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  7. Liebe Martina,
    was für eine schöne Geschichte.....
    Hat mir sehr gut gefallen....
    Ganz liebe Grüße
    Jen

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  8. Liebe Martina,
    Was für eine tolle Geschichte herauskommt, wenn "ihr" euch Wörter zurechtlegt, echt genial. Ihr tastet euch sehr sicher an das Geschehen heran und spart nicht mit amüsanten Seitenhieben.
    Sie ist unterhaltsam und sehr köstlich zu lesen.
    Schmunzeln garantiert!
    Ganz liebe Grüße an euch alle,
    Manuela


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  9. Donnerschlittchen!!!! Was für eine Gardinenpredigt!!!!! Ich musste laut loslachen. Jetzt bin ich aber mal gespannt, was für ein Typ Francesco ist. Den musst du uns bei Gelegenheit aber mal näher vorstellen. ;-) ;-) LG Tanja

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  10. Herrlich, liebe Martina. Ich saß als stilles Mäuschen mit am Tisch und habe mich köstlich über den Redeschwall amüsiert. Da hat sich die Freundin endlich ein Herz gefasst und will die liebe Babs auf den richtigen Weg bringen und dabei hat Babs alles schon selbst in die Hand genommen. Trotzdem muss ich sagen, das ist echte Freundschaft, wenn man auch unangenehme Dinge zur Sprache bringt.
    Danke für Deine schöne Geschichte. Ich freue mich schon auf den 15. September. Vielleicht lesen wir dann ja eine Fortsetzung!
    LG
    Astrid

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  11. Liebe Martina,

    ich habe sofort geahnt, dass Babs sich von Leo getrennt hat, nachdem sie in
    der legeren Kleidung kam.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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  12. vielen Dank für dein Willkommen liebe Martina
    deine Geschichte ist, wie auch die vergangenen, wieder sehr schön zu lesen, anregend nachzudenken .. du eben
    alles Liebe wünsch ich dir

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  13. Hallo Martina,
    was Du hast schon bei mir reingeschaut, ich noch nicht bei Dir, bin noch etwas im Urlaubsmodus. Ja, Sneek war total schön, wir dachten ja erst wir sind am Ende der Welt angelangt, aber es war einfach wunderbar und wir kommen bestimmt mal wieder. Ja, in Dänemark hatten wir damals auch diese knappen Betten. Daran kann ich mich so gar nicht gewöhnen... Aber ansonsten ein schönes Fleckchen Erde. Hier ist das Wetter auch noch super, wir hatten also mal wirklich wahnsinnig Glück, denn sonst regnet es ja meistens.
    LG
    Manu
    P.S.: Geht es der Senftante samt Ehemann soweit gut?

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  14. Wenn auch spät, so komm ich doch, habe ich jetzt gelacht, hast du bei der Geschichte vielleicht mich vor den Augen gehabt, die ich doch dich und Regina auch nicht immer zu Wort kommen lasse, hahaaa
    Schönen Sonntag wünsche dich dir, LGLore

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