Sonntag, 11. Dezember 2016

Lieber Weihnachtsmann, ... (5)


früher habe ich dir oft geschrieben. Doch jetzt hast du schon lange nichts mehr von mir gehört. Das liegt darin, dass ich inzwischen längst den Kinderschuhen entwachsen bin. Es ist vielleicht etwas kindisch, dir zu schreiben, doch mein inneres Kind hat mir geraten, es zu tun.
Weihnachten nostalgie bilderWie du weißt, bin ich bei meinen Großeltern aufgewachsen und kann heute sagen, dass ich eine wirklich schöne Kindheit bei ihnen verbringen durfte. 
Ab dem Teenageralter wurde das Verhältnis zwischen meinem Opa und mir jedoch angespannt, um es vorsichtig auszudrücken. An meinem 18. Geburtstag hab ich meine Sachen gepackt und bin ohne ein Wort gegangen. Seither hatten wir keinen Kontakt mehr. Inzwischen bin ich fast 30 Jahre alt und in den letzten Jahren nimmt mein schlechtes Gewissen ihnen gegenüber immer mehr zu. Ich hätte mich zumindest von meiner Oma verabschieden und mich auch mal bei ihr melden müssen. 
Je mehr Zeit verstreicht, umso schwieriger wird es für mich. Ich kann doch nicht einfach so tun, als wäre nie etwas geschehen und plötzlich vor ihrer Tür stehen - oder doch? Auch mit dem Gedanken, ihnen einen Brief zu schreiben, habe ich schon gespielt. Meine Großeltern sind nicht mehr die Jüngsten und ich hab das Gefühl, mir läuft die Zeit davon. Irgendwann wird es zu spät sein, um mich bei ihnen für mein Verhalten zu entschuldigen. Heute, mit Abstand, sehe ich den Konflikt von damals als gar nicht so dramatisch an. Der Gedanke, meiner Oma, aber auch meinem Opa, das Herz gebrochen zu haben, liegt schwer auf meiner Seele.
Ich glaube, ich kenne die Antwort, die du mir geben wirst:  Geh zu ihnen, sonst findest du keine Ruhe! Ich weiß, ich muss es tun – auch für mich und meinen Seelenfrieden. Vielleicht kannst du mir beistehen! 
Dein Alexander



Kommentare:

  1. Welch rührender Brief an den Weihnachtsmann...!
    Ja irgendwann, könnte es zu spät sein, die Großeltern aufzusuchen um sich zu entschuldigen und den eigenen Seelenfrieden zu finden. Ich bin mir sicher, die Großeltern haben ihm längst verziehen und warten sehnsüchtig auf ein Zeichen von ihm.

    LG und weiterhin einen schönen dritten Advent, wünscht dir
    Klaudia

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  2. Ja es ist sehr berührend und es gibt nur einen Weg mit den Großeltern zureden. Sie werden sich freuen und ihm verzeihen!
    Dir einen schönen Adventabend und eine gute neue Woche, Klärchen

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  3. Hallo Martina,
    die Geschichte ist berührend, genauso wie Dein Geschnek. Auf diesem Weg erstmal ganz herzlichen Dank, aber ich melde mich noch.
    LG
    Manu

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  4. Liebe Martina,
    das sind genau die Geschichten, die mir einen ganz dicken Klos im Hals "bescheren"!
    Du versetzt dich rein gedanklich in alle drei betroffenen Personen und das Herz wird Dir schwer...(ganz besonders die Oma in dieser Geschichte, tut mir unendlich leid...!)
    Möge ALLEN, die ähnliche Konflikte mit sich herumtragen oder die voller Sehnsucht auf Nachricht warten der erlösende Schritt ganz nahe sein!

    Alles Liebe für Dich

    Heidi


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  5. Jetzt habe ich auch einen Kloß im Hals, liebe Martina.
    Hoffentlich findet Alexander (und alle, die solch ein Problem mit sich tragen) bald den Weg zurück. ZUm wohle aller Beteiligten. Weihnachten wäre ein schöner Anlass dazu.
    LG
    Marle

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