Freitag, 30. September 2016

Der Herbst …

… steht auf der Leiter – so heißt es in einem bekannten Gedicht – und er hat uns bisher ganz viel Sonnenschein und einen wunderbaren Spätsommer beschert, den wir wohl alle genossen haben – und vielleicht ja auch noch weiterhin genießen dürfen.
Herbst bilderHerbst bilderHerbst bilderHerbst bilder
Der Herbst erinnert uns aber auch an die Vergänglichkeit und so vermischen sich in diesen Tagen viele Gefühle miteinander. Leider ist das Thema Abschied in unserer Familie gerade sehr präsent und der Grund dafür, dass es in meinem Blog in letzter Zeit sehr ruhig war und wohl auch noch für eine Weile bleiben wird. 
Dennoch wird es demnächst wieder häufiger eine Geschichte zu lesen geben, denn wir, das sind Christine, Eva, Lore, Regina und ich, haben besprochen, dass wir uns ein bisschen mehr ‚reizen’ lassen möchten und dass es ab dem 1.10. – also ab morgen – alle 14 Tage eine Geschichte geben soll - statt wie bisher nur einmal im Monat. Doch jetzt kommt ein dickes ABER! ABER wir werden nicht immer ALLE am 1. und am 15. eines Monats eine Geschichte präsentieren. Also: Kein Druck! Wir müssen keine Geschichte abliefern, aber wir dürfen :-)!
Ich kann ja schon mal die Reizwörter präsentieren, die morgen an der Reihe sind: Ernte – Feuer – husten – lachen – traurig! Da ich finde, dass sie nach Herbst klingen, führten sie mich zu einer herbstlichen Geschichte. Ich würde mich freuen, wenn ihr morgen wieder herein schaut, um sie zu lesen. Die Geschichte trägt den Titel ‚Altweibersommer’.
Am Schluss möchte ich mich sehr, sehr herzlich für all eure lieben Kommentare zur letzten Geschichte bedanken. Vielleicht war der Übergang von einer 'realistischen' zu einer 'fabelhaften' Geschichte doch ein wenig zu rasant! :-)

Donnerstag, 15. September 2016

Schwarzweiß

Es gibt nicht nur schwarz und weiß,
doch in meiner heutigen Geschichten herrschen
diese beiden Farben vor.
:-)
Die Reizwörter dazu lauteten:

Topf – Tränen – verirren – dunkelrot – mutig

 Weitere Geschichten gibt es bei

Zebra bilder

„Mama, weshalb weinst du?“, fragte Tabea besorgt, als sie in die Küche stürmte und ihre Mutter mit Tränen in den Augen sah. Doch schnell konnte sie sich die Antwort selbst geben. Mama hatte gerade eine Zwiebel in kleine Würfel geschnitten.
„Was gibt es denn zum Mittagessen?“, war die nächste Frage, die das Mädchen stellte. Doch auch diese musste Mama nicht beantworten, denn schon schaute Tabea in den Topf: „Oh, Nudeln - mit Tomatensoße – lecker!“
„Wenn du möchtest, kannst du schon mal den Tisch decken“, schlug Mama vor.
„Nö, keine Lust. Kannst mich ja rufen, wenn du fertig bist.“
Mama schmunzelte. Sie war als Kind nicht anders, als ihre Tochter heute, und Arbeiten, die mit dem Haushalt zu tun hatten, gehörten damals auch nicht zu ihren liebsten Aufgaben. - Bald darauf rief sie nach Tabea und füllte die Nudeln mit der Tomatensoße auf Teller.
„Pass auf, dass du nicht wieder kleckerst“, feixte Mama und spielte dabei auf den Fleck an, den ihre Tochter sich das letzte Mal auf einer weißen Bluse eingefangen hatte. Die Aussage veranlasste das Mädchen, die Augen zu verdrehen. Immer diese Belehrungen. Sollte Mama lieber aufpassen, dass es ihr nicht passierte. Außerdem bestand diesmal sowieso keine Gefahr. Auf ihrem dunkelroten Shirt würde so ein kleiner Tomatensoßen-Klecks gar nicht auffallen.
Just als Tabea die letzte Gabel voll mit der leckeren Köstlichkeit in den Mund geschoben hatte, klingelte das Telefon. Das Mädchen sprang auf, nuschelte etwas, dass wie ‚ich geh schon’ klang und sprintete in die Richtung, aus der das Klingeln kam.
„Hallo, hier ist Tabea Richter.“
„Und hier ist Opa Hans! Das ist ja schön, dass ich dich gleich am Telefon hab. Pass mal auf, mein Kind, ich habe eine Überraschung für dich. Kannst mal eben rüberkommen. Am besten gehst du gleich zur Pferdekoppel.“
„Mach ich“, erwiderte sie, gab kurz ihrer Mutter Bescheid und lief ein paar Häuser weiter zum Bauernhof ihres Großvaters. Genauer gesagt, schlug sie gleich die Richtung zur Pferdekoppel ein.
„Ich glaub es nicht!“, rief sie schon von weitem. „Woher kommt das denn?“
„Da staunst du, nicht wahr! Erinnerst du dich an den Zirkus, der hier letztens gastierte? Der Direktor ist schwer erkrankt und muss seinen Zirkus deshalb aufgeben. Jetzt sucht er ein neues Zuhause für seine Tiere und nun hat er mich gefragt, ob ich mir zutrauen würde, sein Zebra aufzunehmen.“
„Das ist ja geil!“
Schon kletterte Tabea mutig über den Zaun, doch Opa hielt sie auf: „Halt, mein Fräulein, so haben wir nicht gewettet. Auch wenn das Zebra an Menschen gewöhnt ist, bleibt es ein Wildtier, das zubeißen kann, wenn es sich bedroht fühlt.“
„Aber doch nicht von mir. Ich will es doch nur streicheln und willkommen heißen hier auf unserer Weide.“
„Ja, ich weiß. Trotzdem, sei bitte vorsichtig.“
Tabea versprach es und Opa ging zurück zum Stall, um seine Arbeiten zu verrichten.
Mist, jetzt hatte sie vergessen, ihren Großvater nach dem Namen des Zebras zu fragen.
„He, du“, rief Tabea deshalb fragend Richtung Zebra, „wie heißt du eigentlich?“
„Pyjama!“
Das Mädchen drehte sich um. Wie jetzt? Wer hatte gerade Pyjama gesagt?
„Ich heiße Pyjama!“
Tabea sah wieder Richtung Zebra, das langsam auf sie zukam. 
„Du wolltest doch wissen, wie ich heiße“, meinte es. „Man hat mich wegen meiner Streifen so genannt.“
Tabea war perplex. Ein Tier, das mit ihr sprach, war eine völlig neue Erfahrung. 
„Und wie heißt du?“, wollte das Zebra wissen.
„Tabea!“
„Und wie kommt es, dass du dich hierher zu mir verirrt hast?“
„Der Bauer ist mein Opa. Er hat mich angerufen und gesagt, er habe eine Überraschung für mich.“
„Und ich bin die Überraschung?“, fragte das Zebra und stellte dabei die Ohren auf.
„Ja, genau!“
„Ich war noch nie in meinem Leben eine Überraschung, noch niemals in meinem ganzen Leben.“ Vor Freude schlug es mit den Hinterbeinen aus, drehte sich mehrmals um sich selbst und gab obendrein eigenartige Geräusche von sich. Tabea hatte niemals zuvor ein Zebra wiehern hören.
"Als ich geboren war“, erzählte Pyjama, nachdem er sich wieder beruhigt hatte, „verstarb meine Mama. Kurz darauf wurde ich in den Zirkus verbracht. Ich kam in den Stall zu den Pferden. Es gab ein pechschwarzes Pferd, einen Rappen, und ein weißes, also einen Schimmel. Die beiden waren sehr nett und nahmen mich freundlich auf. Nur die Menschen, die machten sich lustig über mich. Ich hätte mich wohl für keine der beiden Farben entscheiden können, meinten sie und dass ich aussähe wie der Zirkusdirektor in seinem gestreiften Schlafanzug. Schon hatte ich meinen Namen weg.“
„Ich finde deinen Namen lustig“, meinte Tabea und fügte ein Frage an: „Sag mal, vertragen sich Zebras und Gazellen?“
„Ja klar, weshalb fragst du?“
„Weil Tabea Gazelle bedeutet!“, antwortete sie verschmitzt.
Das Zebra lachte auf und schüttelte dabei den Kopf, dass seine Mähne nur so hin und her flog.
Bald darauf verabschiedete sich das Mädchen von dem Zebra und lief schnell nach Hause, um mit der besten Freundin zu telefonieren. Tabea wollte schnellstens klären, ob sie ihren neuen Freund zur nächsten Pyjama-Party mitbringen durfte. 


© Martina Pfannenschmidt, 2016


Meine Geschichte
nimmt auch dieses Mal wieder an Elkes
froher und kreativer
Linkparty teil!

Montag, 12. September 2016

Achtsamkeit


Dieses Wort begegnet mir in letzter Zeit auffallend häufig – es scheint, als sei es ein Modewort. 
Im Internet findet man Achtsamkeits-Übungen – unzählige Bücher wurden über das Thema geschrieben.


Doch was bedeutet es eigentlich, achtsam zu sein - und wem gegenüber? Mir selbst, anderen Menschen, der Natur?
Wenn ich viele Dinge gleichzeitig tue oder wie automatisiert erledige, bin ich nicht achtsam. Wenn ich esse, aber schon an die Dinge denke, die ich anschließend noch zu erledigen habe, schenke ich dem, was ich gerade tue – nämlich essen -, keine Achtsamkeit.
Achtsam zu sein bedeutet, den augenblicklichen Moment zu (er)leben, ohne ihn zu beurteilen – und dies bestenfalls mit einem ruhigen Geist, voll auf das konzentriert, was ich tue. Das ist das Geheimnis der Achtsamkeit. Doch wann gelingt uns dies? Ob es schon genügt, nicht unachtsam zu sein und mit allen Sinnen stets das wahrzunehmen, was ist? Auch den Menschen neben mir und die Natur?
Wann sind wir achtsam? Wenn etwas Neues, Unbekanntes, auf uns zukommt. Doch im täglichen Alltag verfallen wir oft in eine Routine und in diesen Momenten schenken wir dem, was wir tun und letztlich unserem Leben in der Gegenwart - keine Achtsamkeit.

Die Gegenwart

Achte sie und behandle sie gut.
Lass dich auf sie ein,
denn sie lebt,
noch mehr:
Sie ist voller Leben,
sie ist das Leben.

Die Gegenwart.
In ihrer kurzen Zeitspanne
ist alles enthalten, was es gibt,
was existiert und was wahr ist:
Die Freude am Wachsen,
das Gelingen der Arbeit,
das Gefühl von Schöpferkraft.
Von der Vergangenheit bleibt ja
nichts weiter
als die Erinnerung,
und die Zukunft ist nur eine Vision.

Die Gegenwart aber
- richtig gelebt und erlebt -
verwandelt die Vergangenheit
in eine frohe Erinnerung
und macht die Zukunft
zu einem Ausblick voller Hoffnung.
Deswegen:
Pass gut auf sie auf,
auf die Gegenwart.

(nach einem alten Sanskrit-Gedicht)



Foto: pixelio.Rosel Eckstein