Montag, 31. Oktober 2016

Ein goldenes Blatt

Nein, nein, keine Angst, 
das wird keine Schleichwerbung für irgendeine Zeitschrift, 
sondern ein
Danke schon bilder
-Post!
Schaut mal bitte:


(Ein Klick auf das Bild vergrößert das Foto!)


Könnt ihr das goldene Blatt erkennen?
Die mit viel Kreativität gebastelte herbstliche Karte erreichte mich heute und ich habe mich wirklich riiiieeeesig darüber gefreut. 
Na klar, jetzt möchtet ihr wissen, wer sie abgeschickt hat.
Dann schaut doch einfach mal 
HIER!

Liebe Absenderin! 
Vielen, vielen Dank für die wundervolle Karte und die so lieben Worte, die sie enthält, und eines ist ganz sicher: Wir werden auf jeden Fall einen ‚Lichtblick’ verschicken. Doch an wen und wann, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten!

:-):-):-)

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Früher war alles anders

Na, alles nun auch wieder nicht.
Früher mussten wir auswendig lernen und heute auch noch. 
Das bekannte Gedicht von Herrn von Ribbeck zum Beispiel.
Im Moment ist es bei uns sehr aktuell,
denn die Deutsch-Hausaufgabe unserer Großen 
lautet in dieser Woche:
Gedicht lernen.
Und das macht sie so, wie wir früher auch?
Ne, sag ich doch, früher war alles anders J!

Hör und schau: 





Herzlich Willkommen,
Cat!



Dienstag, 25. Oktober 2016

Aufschieben

Kennt Ihr das? Eigentlich sollte man … müsste man … ABER – ich habe keine Lust – heute nicht, weil … - und ich garantiere: Ich finde eine Ausrede! Wie ich ausgerechnet heute auf das Thema komme? Weil ich mir fest vorgenommen hatte, drei Dinge unmittelbar zu erledigen, die ich seit einiger Zeit vor mir her schiebe. Eigentlich alles Kleinigkeiten, die ich sofort hätte erledigen können – ABER :-)  alle drei beginnen mit einem Telefonat. Fest entschlossen, dieser Lethargie heute ein Ende zu setzen und ENDLICH die Telefonate zu führen (und Termine zu machen), nahm ich beherzt das Telefon und hatte im Fall 1 den Anrufbeantworter am Telefon – im Fall 2 die Meldung: Die Telefonnummer ist ungültig und im Fall 3 tatsächlich jemanden an der Strippe. Also kann ich fröhlich vermelden: 1 von 3 aufgeschobenen Dingen erledigt zu haben. Der Anfang ist also gemacht und der innere Schweinehund überwunden. 
Bildergebnis für gifs innerer schweinehund

Dieses auf die lange Bank schieben der Steuererklärung oder das Abwarten, ob die Zahnschmerzen vielleicht doch noch von selbst verschwinden – kennen wir wohl alle. Doch wusstet ihr, dass dieses Aufschieben sogar krankhaft werden kann? Prokrastination nennen das die Ärzte. 


Sonntag, 23. Oktober 2016

Der Ärger von gestern ...

ist inzwischen verraucht und ich glaube, ich habe bis auf ganz wenige alle Schäfchen wieder eingefangen. Ging besser, als ich zunächst dachte. So konnte ich guten Gewissens einen kleinen Spaziergang machen. Dabei hab ich diesen Baum gesehen, der meinen Blick mit seiner herrlichen Färbung auf sich zog. Er ist total schief gewachsen und man schaut quasi von oben in seine Krone hinein.



Er hängt mit seinen Ästen weit hinunter und berührt sogar das Wasser des kleinen Teiches. Dadurch bietet er den Entchen einen Schutz vor den Blicken der zahlreichen Spaziergänger, die heute unterwegs waren. Das Wetter musste ausgenutzt werden. Morgen soll es ja wieder regnen – zumindest hier bei uns in OWL.




Habt eine schöne Woche!


Samstag, 22. Oktober 2016

Ich könnte SCHREIEN!!!!

Wie blöd kann man sein??? Manno, ich fasse es nicht. Ich wollte doch NUR zwei Blogs entfernen, die nicht mehr existieren und jetzt habe ich ALLE gelöscht. ALLE Blogs, denen ich folge, sind weg – mit einem Klick!!! Das ist einfach unfassbar!!! Ich hab nicht richtig gelesen, was dort stand, als ich auf löschen geklickt hab. Ich bin echt fertig mit der Welt – so ein Mist!!! Es wird Jahre dauern, bis ich euch alle wieder gefunden habe!!! Ich könnte echt schreien – aber das bringt ja jetzt auch nichts mehr. Ich werde mein Bestes geben, um alle verlorenen Schäfchen wieder einzufangen. Habt bitte Geduld mit mir!!!




Nachtrag:
Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird, sagt man. Das habe ich auch gerade festgestellt. Viele von euch habe ich inzwischen wieder eingefangen, schließlich gibt es ja noch den Zweitblog! Freu!!!!
Einige fehlen noch - morgen geht es weiter.
Jetzt hänge ich mein Lasso zuerst einmal an den Nagel!


Samstag, 15. Oktober 2016

Der Liebesbrief

Ach, ihr Lieben,
jetzt war es schon wieder soooo lange still hier.
Aber heute melde ich mich zu Wort, um

Bildergebnis für gifs kostenlos liebesbrief

TROMMELWIRBEL BITTE

die

100. Reizwörtergeschichte

abzuliefern.
Ist das nicht unfassbar?!
Sooooooo viele!!!
Dass ich das schaffe,
damit hätte ich nicht gerechnet.
Ich bin richtig stolz auf mich.
Und euch sage ich vielen, vielen Dank,
dass ihr hierher kommt,
um sie zu lesen und dafür, dass ihr
mit Kommentaren nicht spart.

DANKESCHÖÖÖÖÖN!!

Und das sind sie, die Reizwörter,
die zur 100. Geschichte führten:

Schatzkästchen – Wasserdampf – beschützen – pflegen – unbeobachtet

Und das hier sind die Namen meiner Mitschreiberinnen:

ChristineEvaLoreRegina

Schaut doch bitte, ob sie auch eine Geschichte in ihren Blog eingestellt haben:


 Bild in Originalgröße anzeigen



Seitdem seine Mutter verstorben war, lebte Siegfried alleine. Das lag jetzt schon einige Jahre zurück. Bisher war es ihm nicht gelungen, sich von den Dingen zu trennen, die seiner Mutter gehörten. Nichts hatte er entsorgt, gar nichts. Häufig überkam ihn eine große Einsamkeit, vor allen Dingen sehnte er sich nach Liebe. Seine Mutter hatte ihn zeitlebens geliebt, doch seit ihrem Tod gab es niemanden mehr, der ihm Liebe und Zuneigung schenkte.
Siegfried kam oft mit Menschen zusammen. Das brachte sein Beruf als Postbote so mit sich. Das waren die einzigen sozialen Kontakte, die er pflegte. Er war sehr beliebt in seinem Bezirk und so ergab sich manches Gespräch. Für alle war er der nette Postbote Siggi. Seinen Nachnamen kannte kaum jemand. Wenn eben möglich, verheimlichte er ihn. Zeitlebens schon empfand Siegfried ihn als belastend.
In seinem Beruf ging Siggi auf. Am liebsten trug er Postkarten aus. Einerseits wegen der schönen Motive von Orten, die auf der Vorderseite zu sehen waren und die er wohl niemals zu Gesicht bekäme, andererseits wegen der Texte auf der Rückseite. Immer, wenn er in dunklen Hausfluren stand und sich unbeobachtet fühlte, las er die Grüße, bevor er die Karten in die Briefkästen steckte.
Er hatte im Laufe der Jahre Antennen dafür entwickelt, ob es sich bei Briefen um private Post handelte, die liebe und freundliche Worte enthielt. Leider wurden diese Briefe im Zeitalter von Internet und Handy immer rarer. Doch es gab sie noch – auch Liebesbriefe. Deshalb war er besonders aufmerksam. Diese Umschläge steckte er nicht in die Briefkästen, sondern in seine Jackentasche. Immer mal wieder einen. Das war bisher noch niemandem aufgefallen. Die meisten dieser Briefe, die er zu Hause vorsichtig über Wasserdampf öffnete, überbrachte er am darauf folgenden Tag. Nur einige wenige Liebesbriefe hatte er zurückbehalten, um sie immer mal wieder zu lesen und sich an ihnen zu wärmen.
„Hallo, Siggi, hast du heute Post für mich?“, fragte Frau Schaller, die am geöffneten Fenster des Erdgeschosses stand und das Treiben auf der Straße beobachtete. Wie so oft, antwortete er auch an diesem Tag: „Heute leider nicht! Aber vielleicht morgen!“ Meistens blieb Siegfried in diesen Momenten stehen und unterhielt sich ein Weilchen mit der einsamen alten Frau. Dass seine Tour dadurch etwas länger dauerte, war ihm egal. Auf ihn wartete ja niemand. Doch diesmal war es anders. In seiner Jackentasche steckte ein Umschlag, der neben der Anschrift übersät war mit kleinen roten Herzen. Das musste ein Liebesbrief sein. Siegfried wollte dringend nach Hause, um ihn zu lesen. Deshalb nahm er sich heute nicht die Zeit für einen kleinen Plausch.
Mit allergrößter Vorsicht holte er das weiße Blatt aus dem Umschlag. Sein Herz klopfte, während er die ersten Zeilen las. Wie er bald bemerkte, hatte er einen Volltreffer gelandet:
‚Liebe Lucie, heute nehme ich all meinen Mut zusammen, denn du sollst endlich wissen, was ich für dich empfinde. Du bist so unglaublich schön und wirkst so zerbrechlich. Du bist alles, was ich mir jemals erträumt habe. Ja, du bist das weibliche Wesen, das in meinen Träumen erscheint! Wenn ich an dich denke, beginne ich von innen heraus zu strahlen, wie die Mittagssonne am Himmel. Manchmal kann ich sogar fühlen, wie du in meinen Armen liegst und ich dich beschütze. Ich bin in diesen Momenten so unendlich glücklich und mir steigen Tränen der Sehnsucht in die Augen. Ach könnte dieser Traum doch irgendwann Wahrheit werden. Ich würde alles für dich tun. Glaub mir, alles! Ich würde dich auf Händen tragen und dich auf Rosen betten. Niemals würde ich dich verletzen, weil ich dich für immer lieben werde. Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich so empfunden. Noch niemandem habe ich mein Herz so geöffnet, wie dir in diesem Augenblick. Noch nie habe ich so geliebt und noch nie war ich so verletzbar. Käme eine Fee und ich hätte einen Wunsch frei, so wünschte ich mir, dass auch du mich lieben könntest. Ich lege dir mein Herz zu Füßen und hoffe, du nimmst es an dich und behältst es für immer. Dann wird es aufhören zu bluten und die Sehnsucht wird vergehen und es wird Liebe bleiben – für immer und ewig!’
Siegfried nahm den Brief und hielt ihn an sein Herz. Niemand schrieb, wie Liebende. Niemand! Behutsam legte er den Umschlag zu den anderen in sein kleines Schatzkästchen. Dieser Brief würde ihn, immer wenn er ihn las, aus seiner Einsamkeit holen und ihn spüren lassen, dass es in der kalten Welt doch noch Liebe gab. 
Zu dem Zeitpunkt ahnte er noch nicht, dass er wenige Tage später eine große Sehnsucht, ein gewaltiges Verlangen, nach dieser Lucie verspüren würde. Seine Gedanken kreisten nur noch um sie. Lucie musste noch sehr jung sein. - In ein paar Tagen begannen die Ferien. Vielleicht besuchte sie noch die Schule. Dann hätte sie bald frei. Unter einem Vorwand könnte er bei ihr klingeln, um sie zu sehen und ihr seine Liebe zu gestehen. Siggi verspürte bei diesen Gedanken ein Kribbeln, das ihm ganz neue Gefühle offenbarte. Gefühle, die er bisher nicht gekannt hatte und die mit der Liebe, die er für seine Mutter verspürte, nichts zu tun hatten. Er begehrte diese junge Frau. Er wollte sie nicht nur sehen, er wollte sie spüren, berühren. Mehr und mehr steigerte er sich in dieses Verlangen hinein – bis er eines Tages tatsächlich mit klopfendem Herzen vor ihrer Wohnungstür stand und klingelte.
Eine verschlafene junge Frau mit zerwühlten Haaren öffnete ihm. „Ja bitte!“, brachte Lucie hervor, als sie Siegfried vor der Tür stehen sah. 
„Ich habe hier einen Brief für Lucie Kleinert, den ich persönlich übergeben müsste.“
„Ich bin Lucie“.
„Bist du alleine?“, erkundigte sich Siggi wie der liebe Onkel, der sich sorgte. Lucie nickte.
Siegfried sah sich kurz um und schob das Mädchen zurück in den Flur. Vorsichtshalber hielt er ihr dabei den Mund zu. Nicht, dass sie ihn falsch verstand und um Hilfe rief. Womit er jedoch nicht gerechnet hatte, war die Tatsache, dass sie sich vehement zur Wehr setzte. Warum machte sie das? Er wollte ihr doch nichts Böses, er liebte sie doch und genau das wollte er ihr heute gestehen. Doch dazu musste sie ruhig werden. Siggi musste seine Hand schließlich immer fester auf ihren Mund drücken, damit sie nicht das ganze Haus auf die Situation aufmerksam machte. Das wäre ihm sehr unangenehm gewesen. Schließlich kannte ihn jeder.
„Sei doch bitte still“, bat er sie inständig und bemerkte gar nicht, dass die inzwischen auf dem Boden Liegende gar keine Luft mehr bekam. Erst, als ihre Gegenwehr nachließ und Lucie regungslos und mit weit aufgerissenen Augen vor ihm lag, begriff er, was geschehen war. Das hatte er nicht gewollt! Was hatte er getan?
Abrupt wandte er sich von ihr ab, öffnete vorsichtig die Tür. Langsam und unbeobachtet verließ er anschließend das Haus. Ein paar Häuser weiter hielt er wie so oft einen Plausch mit Frau Schaller - er, der beliebte Postbote Siegfried Kindsmörder!


© Martina Pfannenschmidt, 2016



Natürlich nimmt auch diese Geschichte an
Elkes froher und kreativer Linkparty teil!


Klick!!








Samstag, 1. Oktober 2016

Altweibersommer

Schön, dass ihr da seid! 
Wie bereits gestern angekündigt,
gibt es heute bei mir eine herbstliche Geschichte zu lesen! 
Und nun bin ich sehr gespannt, 
welche Mitschreiberin 
noch eine Geschichte präsentiert:



Bildergebnis für gifs herbst drachen kostenlos

Rosenduft stieg in Annabelles Nase, als sie heißes Wasser in die Tasse goss, um sich einen Tee aus Rosenblättern zuzubereiten. Sie nahm die große Tasse mit dem wohlriechenden Inhalt an sich und ging zu einem Fenster, aus dem sie einen weiten und freien Blick genießen konnte. Sie liebte das Leben auf dem Land und diese Aussicht ganz besonders.
Annabelle beobachtete, wie der Wind mit den herabgefallenen Blättern sein Spiel trieb und welche Freude er daran hatte, die dicken Watte-Wolken über das Firmament zu jagen. Dabei warfen sie ihren Schatten auf das abgeerntete Feld. Eine Weile verfolgte sie dieses Schauspiel, als ihr der Gedanke kam, dass alles Licht benötigt, sogar der Schatten, denn ohne Licht gäbe es selbst ihn nicht.
In der Ferne vernahm sie Kraniche, die in ihrer bekannten Keil-Form Richtung Süden zogen. Ihr Rufen war weithin zu hören und ein weiteres Indiz dafür, dass der Herbst Einzug gehalten hatte.
Nun war sie endgültig vorbei, die Zeit der lauen und langen Sommernächte, doch dafür warteten kuschelige Momente auf sie, mit einem guten Buch bei Kerzenschein in einem wohlig-warmen Zimmer. Ein durchaus verlockender Gedanke.
Annabelle winkte ihren Buben zu und musste lachen, weil sie gemeinsam mit ihrem Großvater versuchten, am Himmel einen wilden Drachen zu bändigen. Kinder haben noch die Gabe, sich jeder Jahreszeit anzupassen und ihr das Beste abzugewinnen. Die Erwachsenen hadern oft mit dem Herbst, doch im Moment zeigte er sich keineswegs grau und dunkel, sondern in seiner ganzen Pracht. Die Blätter des wilden Weines am Nachbarhaus erstrahlten in den herrlichsten Rottönen, besonders in der Spanne, in der Sonnenstrahlen auf sie fielen.
Annabelle konnte sich nicht satt sehen an all den Farben in ihren unterschiedlichen Nuancen. Bald wäre diese malerische Zeit vorüber und es galt, den grauen November mit all seinen traurigen Feiertagen anzunehmen, doch bis dahin wollte sie noch viele herbstliche Sonnenmomente genießen.
Als die Haustür aufflog und ihre Kinder ins Haus stürmten, wandte sie sich um.
„Du Opa, was ist denn eigentlich ein Altweibersommer?“, fragte ihr Großer wissbegierig und Annabelle lauschte der Antwort ihres Vaters ebenso, wie ihre Söhne.
„Lasst uns zuerst einmal reinkommen und unsere Jacken ausziehen“, meinte dieser jedoch in seiner besonnenen Art, „danach ziehen wir die Schuhe aus, damit wir der Mama nicht alles schmutzig machen. Was haltet ihr davon, wenn wir uns anschließend in die Küche begeben, eine heiße Schokolade trinken und ich es euch dabei erzähle?“
Die Jungs nahmen diesen Vorschlag begeistert an, warfen ihre Schuhe mit einem Schwung in die Ecke und eilten Richtung Küche.
Eine Weile später: „Also, das mit dem Altweibersommer ist so: Im Herbst gibt es oft ein paar besonders schöne und warme Tage, die uns an den Sommer erinnern. Doch morgens ist es vielfach empfindlich kühl und es bildet sich Nebel. In dieser Zeit sind Spinnennetze besonders gut zu erkennen. Man kann sie überall entdecken: an Gräsern, Blumen und Zäunen zum Beispiel. Da die Spinnennetze in der Sonne aussehen wie silbrig glänzende Fäden, erinnern sie sehr an die grauen Haare älterer Frauen. Man denkt deshalb, dass der Begriff damit zu tun haben könnte.“
„Ob Oma das weiß?“, erkundigte sich der Kleine. „Wenn nicht, müssen wir es ihr unbedingt erzählen.“ Anschließend bat er: „Opa, kannst du uns noch mehr über den Herbst erzählen?“
„Na klar kann ich“, erwiderte dieser mit stolz geschwellter Brust. „Als ich noch ein Schulkind war, bekam ich genau wie ihr im Herbst Ferien und nun dürft ihr raten, wie wir diese Zeit nannten.“
Die Kinder sahen sich an, zogen die Schultern hoch und entgegneten: „Na, Herbstferien, halt!“
„Ne, eben nicht“, feixte Opa, „wir nannten sie ‚Kartoffelferien’ und wollt ihr wissen, weshalb?“
Nachdem beide Kinder übereinstimmend genickt hatten, erzählte er es bereitwillig.
„Die Herbstzeit ist ja eine Zeit der Ernte und so gingen wir Kinder mit unseren Eltern und Großeltern gemeinsam zum Acker, auf dem die Kartoffeln wuchsen und ernteten sie. Damals fuhr man noch nicht mit großen Erntemaschinen über die Felder, sondern die Männer hoben die Kartoffeln mit Forken aus der Erde und die Frauen und Kinder holten die Erdäpfel mit den Händen heraus. Ihr müsst aber nicht denken, dass wir es als Arbeit empfanden und keine Freude daran hatten. Ganz und gar nicht. Es war eine wirklich schöne Zeit. Die ganze Familie half und mein Großvater hat mir damals aus seiner Kindheit erzählt, so wie ich es heute tue. Besonders toll fand ich allerdings die Pausen. Dann gab es Brote mit dick Butter und Wurst darauf. Wasser, um sich vorher die Hände zu waschen, hatten wir nicht. Wir wischten sie einfach an unseren Hosen ab und bissen anschließend herzhaft in unser Brot. ‚Dreck scheuert den Magen’, sagte mein Großvater häufig.“
„Siehste Mama“, fiel ihr Großer Opa ins Wort, „und bei dir müssen wir uns ständig die Hände waschen.“
„Schaden kann es auch wieder nicht“, meinte Opa schnell, nachdem er den mahnenden Blick seiner Tochter vernommen hatte.
„Erzähl weiter, Opa!“, bat jetzt der größere der beiden Brüder.
„Die Kartoffeln sammelten wir in Drahtkörben. Wenn sie voll waren, konnten wir Kinder diese nicht mehr anheben, weil sie viel zu schwer für uns waren. Deshalb riefen wir nach einem starken Mann, der die Körbe abholte und die Kartoffeln in einen Hänger schüttete. Wenn die Arbeit getan war, kam ein besonders schöner Teil. Direkt auf dem Feld verbrannte man die trocknen Blätter der Kartoffeln. Zu Anfang bildete sich oft viel dunkler Rauch und deshalb mussten einige husten. Doch bald darauf wurde es ein richtig großes Feuer, das weithin sichtbar war. Einige Kartoffeln hatten wir vorher beiseite gelegt. Die kamen auf lange Stöcke und wurden ins Feuer gehalten. Wenn die Erdäpfel gar waren, haben wir sie direkt vor Ort mit ein bisschen Salz darauf gegessen. Das war einfach köstlich, kann ich euch sagen!“
„Können wir das auch mal machen?“, bettelten die Kinder.
Opa überlegte kurz, bevor er antwortete: „Also, wenn Mama einverstanden ist, nehme ich euch mit zu Oma Hannelore, dann könnten wir es gleich heute bei uns zu Hause mit Holzkohle auf unserem alten Grill ausprobieren und anschließend dürft ihr bei uns übernachten. Was haltet ihr davon?“
Die Antwort ihrer Mutter warteten die beiden Buben gar nicht ab. Jubelnd sprangen sie von den Stühlen und liefen in ihre Zimmer, um die Rucksäcke zu packen.
Annabelle sah ihren Vater dankbar an. Ihr war bewusst, dass er gerade einen kleinen Keim ins Herz ihrer Kinder gelegt hatte. Dort konnte er nun reifen, um später als kostbare Erinnerung an ihren Opa und ihre Kindheit aufzugehen. 

© Martina Pfannenschmidt, 2016




Auch diese Geschichte
wandert zu Elkes
froher und kreativer