Freitag, 30. Dezember 2016

Jahresrückblicke …

Silvester_und_neujahr bildergab es in letzter Zeit zur Genüge. Kaum ein Sender, der uns nicht noch einmal vor Augen führen wollte, wie das Jahr 2016 war.
Ich muss gestehen, dass mein Mann und ich diese Rückblicke nie schauen, denn selten sind es die wirklich glücklichen und fröhlichen Momente, die uns da noch einmal gezeigt werden. Es sind in aller Regel die, die Unglück und Leid zeigen.
Ich denke dann immer: Was verändert sich dadurch, dass wir uns noch einmal erinnern, wenn sich durch die Bilder IN uns nichts verändert? Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir abstumpfen gegenüber der Brutalität, die wir zu sehen bekommen. Vielleicht können wir auch nicht mehr zwischen der Realität und Fiktion unterscheiden, die ja auch allabendlich über unseren Bildschirm flimmert.
Jede Katastrophe, die weltweit geschieht, wird durch die Medien ausgeschlachtet und uns präsentiert. Das ist erst in der Neuzeit möglich. Wenn ich da an meinen Opa denke, der durchaus interessiert war am Weltgeschehen und vor allen Dingen an der Politik: Ihm standen damals all diese Informationen noch gar nicht zur Verfügung.
Vielleicht war es dadurch so, dass die Angst nicht so geschürt werden konnte, wie heute. Das finde ich, hat in der letzten Zeit dramatisch zugenommen und ich weiß nicht, ob das gut für uns alle ist – oder eher nicht. Jeder mag sich sein eigenes Urteil bilden.
Doch so ein Jahresende lässt uns ja auch persönlich zurück blicken. Das habe ich eigentlich immer so gehalten. In diesem Jahr allerdings ist es irgendwie anders.
Das Jahr 2016 war für uns nicht nur fröhlich, sondern im Gegenteil besonders in den letzten Monaten sehr bedrückend. Darauf möchte ich heute nicht mehr zurück blicken. Es bringt mir nur weitere Traurigkeit – und die möchte ich nicht mehr mit hinüber nehmen in das neue Jahr – oder allenfalls nur noch bedingt.
An diesem letzten Tag im alten Jahr nehme ich mir ganz fest vor, mit festem Schritt in das neue Jahr zu treten und einfach zu schauen, was es uns bringt. Dass es nicht immer nur Sonnenschein geben wird, ist klar. Zu unserem Leben gehört der Regen (im übertragenen Sinn) genau so dazu, wie der Schnee – aber auch der Regenbogen.
Er zeigte sich im zurückliegenden Jahr an einem für mich besonders emotionalen Tag. Ich war mit dem Auto unterwegs und er begleitete mich während der Fahrt und ich muss sagen, er verfehlte nicht seine Wirkung. Der Regenbogen zeigte sich für mich in dem Moment als die Brücke vom Diesseits ins Jenseits und ich wusste, dass die Person, zu der ich mich auf den Weg befand, bald über diese Brücke gehen würde. Das war einerseits traurig, doch andererseits empfand ich dieses Bild als sehr tröstlich.
Das neue Jahr wird neben unglaublich vielen runden Geburtstagen, die sich in unserer Familie und im Freundeskreis in 2017 wie Perlen an einer Schnur reihen, nicht nur Jubeltage bringen. Doch ist es nicht so, dass gerade die anderen Tage und Momente, die ihre Spur in unserer Seele hinterlassen, uns prägen und zum Nachdenken bringen?
Ich bin sehr sicher, dass alle Lernaufgaben, die das Leben für uns bereit hält, uns weiter bringen auf unserem Weg. Schließlich sind wir alle unterwegs mit dem gleichen Ziel: Zurück zu unserem Ursprung – zurück ins Licht! Nur jeder halt auf einem anderen Weg und mit seinen eigenen ganz besonderen Lebenserfahrungen!

Silvester_und_neujahr bilder

Ich wünsche jedem von Euch einen guten Rutsch und viele Erkenntnisse im Jahr 2017!

Mein herzlicher
Willkommensgruß
gilt
Waltraud Mayer!
Schön, dass du da bist!


Samstag, 24. Dezember 2016

Frohe Weihnachten!



Das Licht der
Weihnachtskerzen
weise dem Glück
den Weg zu
Deinem Haus!
(Irischer Segenswunsch)

Weihnachts kerzen bilder

Lasst uns Kerzen entzünden 
und die gemeinsame Zeit mit der Familie genießen, 
solange wir noch beisammen sind.

Lasst uns an die denken, 
die uns am Herzen liegen und an die, 
die nicht bei uns sind.

Lasst uns ruhige Stunden verbringen 
und uns auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben besinnen.

Lasst uns hoffnungsvoll ins neue Jahr schauen.

Weihnachten nostalgie bilder

Ein frohes Weihnachtsfest 
wünsche ich jedem, 
der mein Bloghaus betritt!




Donnerstag, 22. Dezember 2016

Wir sind das Licht!

In diesen Tagen, in denen es um uns herum immer dunkler wird, sehnen wir uns nach dem Licht. Wir entzünden viele Kerzen und manch einen treibt es auf der Suche nach diesem Licht in wärmere Länder. Wir merken, dass uns das Licht fehlt und verwechseln es mit der Sonne oder Kerzenlicht.
Das Licht, das wir alle suchen, kann jedoch durch keine Kerze und auch nicht durch die Sonne ersetzt werden. Die Sonne befreit den Mond in der Nacht von seiner Dunkelheit, doch sie kann nicht uns Menschen von der Dunkelheit befreien.
Besonders in der Weihnachtszeit wünschen wir uns gegenseitig ‚Besinnung’. Doch worauf? Darauf, wer wir wirklich sind?
In den letzten Wochen und besonders Tagen bemerkte ich in mir eine immer größer werdende Unruhe. Wenn die Wellen in uns hoch schlagen, müssen wir zuerst wieder zur Ruhe kommen, um besinnlich werden zu können.
Ich zündete so viele Kerzen wie möglich an und im Hintergrund lief weihnachtliche Musik. Langsam wurde ich ruhiger und ich bemerkte: Die Musik muss aus. Ich brauche nicht nur Ruhe – ich brauche die Stille.
Viele von uns sind angesichts der Gewalt und der Dunkelheit, die nun auch uns hier in Deutschland erreicht hat, in Unruhe. Auch in vielen anderen schlagen die Wellen hoch und Fragen kommen auf: Was können wir tun, um diese Dunkelheit zu stoppen? Was können wir all dem dunklen Treiben entgegensetzen?
Es nutzt gar nichts, wenn wir dieser Dunkelheit mit Angst begegnen. Dunkelheit vertreibt man nicht mit Angst. Kerzen machen diese Zeit heller – aber sie vertreiben nicht diese Art der Dunkelheit. Nicht einmal das Sonnenlicht vermag sie zu vertreiben. Doch was ist es dann, dass uns helfen kann und die Antwort ist einfach: Licht!
In diesen Tagen der Stille wurde ich zu einem ganz besonderen Hörbuch geführt. Es ist eine Geschichte von Neale Donald Walsch: ‚Ich bin das Licht!’ mit dem Untertitel ‚Die kleine Seele spricht mit Gott.
Da ist eine kleine Seele, die weiß, dass sie das Licht ist, doch sie erkennt sich nicht und deshalb bittet sie Gott, er möge etwas tun, damit sie sich erkennt. Gott antwortet der Seele, dass er nichts anderes als Licht erschaffen habe. Doch die Seele bettelt weiter: Mach was, damit ich mich erkenne. Du bist doch Gott. ‚Wenn du dich wirklich erkennen willst’, so sagt Gott, ‚muss ich dich mit Dunkelheit umhüllen’. Und die kleine Seele fragt weiter: ‚Was ist Dunkelheit?’
An einer anderen Stelle sagt Gott, dass er nur Lichtwesen erschaffen hat – er hat nichts anderes erschaffen, als Licht und Lichtwesen – also Engel - und er sagt der kleinen Seele: ‚Vergiss das nie. Jeder, der dir begegnet, ist ein Engel – er hat es nur vergessen, weil er sich nicht mehr als Licht erkennt.’
Ich stelle das Video (Hörbuch) für alle Suchenden und nach dem Sinn von allem Fragenden ein. Gönn dir eine Dreiviertelstunde Stille und erkenne, wer du bist und wer dein Nächster ist.



Samstag, 17. Dezember 2016

Stille

Wenn wir traurige Ereignisse verarbeiten müssen,
ist es das Gebot der Stunde, 
sich zurückzuziehen und still zu werden. 



Doch zunächst
möchte ich herzlich danken:
Zum einen der lieben Heidi,
bei der ich einen wunderschönen
Kerzentopf gewonnen habe.
Schaut:


 Liebe Worte hat sie auch gefunden.
Dankeschön!

Zum anderen bei der lieben Manu,
die mich gut zu kennen scheint.
Schaut: 
Ich bekomme das Bild leider nicht gedreht.


Ihr habt mir wirklich eine große Freude bereitet!
Dankeschön!








Donnerstag, 15. Dezember 2016

In dulci jubilo

Die Reizwörter
Geburtstag – Schneetreiben – verwunschen – staunen – verklärt
führten mich zu dieser Geschichte:

Foto: pixelio.de/Manfred

Mama nahm Luisa in den Arm: „Alles Liebe zu deinem Geburtstag und ganz viel Glück im neuen Lebensjahr!“
„Danke, Mama! Aber jetzt komm erst einmal herein. Es ist heute ziemlich kalt.“
„Wie so oft an diesem Tag“, erwiderte Mama.
„Stimmt!“
Luisa nahm ihrer Mutter den Mantel ab und freute sich über das Geschenk und den schönen Blumenstrauß, den ihre Mutter ihr übergab. Beide gingen anschließend in die Küche, wo es schon so herrlich nach Kaffee duftete. Doch zunächst packte Luisa das Päckchen aus. Wie gewünscht bekam sie selbst gestrickte Socken. Darauf lagen zwei Konzertkarten, über die sie sich sehr freute.
Als die beiden Frauen später bei Kaffee und Kuchen beisammen saßen, gingen ihre Gedanken zurück in Luisas Kindheit.
„Weißt du, Mami, eigentlich ist es blöd, jetzt Geburtstag zu haben. Doch du hast immer einen besonderen Tag für mich daraus gemacht. Ich hatte nie das Gefühl, weniger Geschenke zu bekommen, als andere Kinder oder meine Geschwister, auch wenn mein Geburtstag so dicht vor Weihnachten liegt. Und weißt du noch, dass du mir in der kalten Jahreszeit immer viel vorgelesen hast. Am liebsten mochte ich Märchen.“
„Wie könnte ich das jemals vergessen!“
Luisa senkte ihre Stimme, als sie weiter sprach: „Ein Mann ging an einem kalten Wintermorgen bei dichtem Schneetreiben in den Wald, um Holz zu hacken. Wenig später stand er staunend vor einem verwunschenen Schloss, auf das er mit verklärtem Blick schaute.“ Luisa brach in lautes Gelächter aus. „Ich glaube, ich habe kein Talent dafür, Märchen zu erzählen.“
„Das macht nichts“, meinte Mama und lachte auch. „Dafür liegen deine Talente auf einem anderen Gebiet. Beim Kuchen backen zum Beispiel. Dieser hier ist einfach köstlich.“ Schon schob Mama sich wieder ein Stückchen davon in den Mund.
„Weihnachten bringe ich in jedem Fall Kekse mit“, kündigte Luisa an. „Irgendwie bin ich in diesem Jahr im Back- und Vorweihnachtsfieber. Ich freue mich riesig, dass wir alle zusammen kommen, so wie früher.“
„Wie früher?!“, wiederholte Mama. „Erinnerst du dich, früher hattet ihr alle einen Adventskalender mit Schokoladenstückchen darin und obwohl ihr wusstet, dass es am folgenden Tag wieder so sein würde, habt ihr euch trotzdem darüber gefreut. Schließlich gab es auch an jedem Tag ein neues Bildchen hinter der verschlossenen Tür.“
„Ich ahne, worauf die hinaus willst. Heute muss es mindestens einer sein, der 24 kleine Geschenke enthält.“
„Genau. Die täglichen Gaben sind doch oftmals schon wie kleine Weihnachtsgeschenke.“
„Ja, das stimmt wohl. Auch die Beleuchtung war früher viel minimalistischer, als heute – und vor allen Dingen: Es krochen keine Plastikweihnachtsmänner die Fallrohre hinauf.“
„Und wenn ich daran denke, wie ich euch früher zum Schlittschuhlaufen geschickt habe, bekomme ich noch heute ein ganz schlechtes Gewissen. Kein Knie- und Armschutz, keinen Helm.“
„Passiert ist aber nie etwas.“
„Zum Glück“, entgegnete Mama. „Erinnerst du dich auch noch an den Nikolaustag, an das Poltern und Klopfen. Du hast dich immer so gefürchtet. Doch wenn ich dir sagte, dass der Nikolaus da war, um etwas in deine Schuhe zu stecken, bist so schnell zum Fenster gerannt. Schließlich wolltest du noch einen Blick auf ihn erhaschen.“
„Klar, erinnere ich mich und ganz besonders an die Bescherung am Heiligabend. Wir saßen mit dir zusammen in der Küche. Dass Papa nie dabei war, ist mir damals gar nicht aufgefallen.“
„Und irgendwann klingelte das Glöckchen und wir gingen gemeinsam ins Wohnzimmer.“
„Ja, genau, aber vergiss nicht: Zuerst musste ich auf der Blockflöte Weihnachtslieder spielen. Erst dann durften wir zu den Geschenken.“
„Ja, die Geschenke. Sie fielen halt nicht so üppig aus, wie heute. Ich hatte immer einen neuen Pulli für euch gestrickt und Oma steuerte selbst gestrickte Socken bei, die du ja heute noch liebst.“
„Aber es gab auch immer Spielsachen für uns.“
„Ja, das stimmt. Damit habt ihr dann in den folgenden Tagen ununterbrochen gespielt.“
„Mama?“
„Ja.“
„Warum ist die Freude am Weihnachtsfest eigentlich verloren gegangen, obwohl es überall glitzert und leuchtet?“
„Keine Ahnung! Vielleicht, weil wir die Weihnachtslieder heute von den Stars singen lassen, anstatt sie selbst anzustimmen? Oder weil es Weihnachten für Schal und Mütze oft viel zu warm ist und es nur noch ganz selten weiße Weihnachten gibt? Ich kann es dir nicht beantworten.“
„Vielleicht liegt es auch daran, dass viele Menschen Weihnachten heute als stressig empfinden. Schon Anfang Dezember jammern sie, weil sie nicht wissen, wie sie das alles schaffen sollen und vor allen Dingen, womit sie eine Freude beim Schenken bereiten können.“
„Und die Geschäfte sind nach Weihnachten voller, als sie an den Tagen davor waren, weil so vieles umgetauscht wird. Kein Wunder, dass fast nur noch Gutscheine verschenkt werden.“
„Schade eigentlich, dass viele Kinder nicht mehr so aufwachsen, wie wir es kennen gelernt haben und wer spielt Weihnachten noch Blockflöte oder singt Lieder?“
„Weißt du was? Wollen wir es in diesem Jahr nicht so machen, wie früher?“
„Du meinst, ich soll vor der Bescherung Blockflöte spielen?“
„Ja, das wäre doch toll und eine echte Überraschung für alle.“
„Aber dann muss Papa auch vorher das Glöckchen läuten und vor allen Dingen: Ich muss noch jede Menge üben und soviel Zeit bleibt mir dazu gar nicht mehr.“
„Na, worauf wartest du noch, hol sie her, deine alte Blockflöte und dann wird geübt“, frohlockte Mama.
Luisa sprang auf, um ihr altes Musikinstrument zu holen. Dabei schmetterte sie voller Vorfreude: „In dulci jubilohoho, nun singet und seid frohhoho!“


© Martina Pfannenschmidt, 2016

Geschichten gibt es auch hier:

Meine Geschichte

Dienstag, 13. Dezember 2016

Lieber Weihnachtsmann, ... (6)


Weihnachten nostalgie bilderdu musst wissen, dass ich eine ganz wundervolle Familie habe und eine ganz tolle Enkeltochter. Sie heißt Lena, ist vor kurzem 6 Jahre alt geworden und wird ab dem kommenden Jahr die Schule besuchen. Doch nun gibt es ein großes Problem. Gestern kam sie aus dem Kindergarten nach Hause und erzählte mir, dass es dich gar nicht gibt. Und nun ist sie unglaublich enttäuscht, weil ich dir doch schreiben sollte, dass sie sich einen Ranzen wünscht. Klar, so ein Vorschulkind benötigt ihn dringend. Aber was, wenn es dich nun nicht gibt? Gibt es dann auch keinen Ranzen für Lena?
Ich habe ihr jedoch Mut gemacht und ihr gesagt, dass ich dir in jedem Fall in ihrem Namen schreiben werde. Also, falls es dich doch gibt, könntest du Lena dann vielleicht einmal besuchen, damit sie dich persönlich kennen lernt? Und wenn es geht, bring doch bitte einen Ranzen für sie mit. Sie hat sich schon einen besonders Schönen ausgesucht. Da sie sehr zart und klein ist, wünscht sie sich einen Trolly, den sie auch mal hinter sich herziehen kann. Rosa soll er sein mit kleinen weißen Herzchen darauf. Was denkst du, gibt es so einen bei dir am Nordpol?
Heute Nachmittag werden Lena und ich zusammen Plätzchen backen. Ich werde meine Enkeltochter mal fragen, ob wir eine kleine Plätzchen-Tüte für dich vorbereiten sollen. Die könnte sie dir bei deinem Besuch überreichen und du hättest für deinen langen Rückweg ein wenig Wegzehrung.
Lena sagt gerade: Wenn du keine Zeit hast oder nur in der Nacht zu ihr kommen kannst, ist das auch okay. Dann sollst du den Ranzen einfach an ihre Zimmertür stellen.

Liebe Grüße von Lena und ihrer Oma!

Sonntag, 11. Dezember 2016

Lieber Weihnachtsmann, ... (5)


früher habe ich dir oft geschrieben. Doch jetzt hast du schon lange nichts mehr von mir gehört. Das liegt darin, dass ich inzwischen längst den Kinderschuhen entwachsen bin. Es ist vielleicht etwas kindisch, dir zu schreiben, doch mein inneres Kind hat mir geraten, es zu tun.
Weihnachten nostalgie bilderWie du weißt, bin ich bei meinen Großeltern aufgewachsen und kann heute sagen, dass ich eine wirklich schöne Kindheit bei ihnen verbringen durfte. 
Ab dem Teenageralter wurde das Verhältnis zwischen meinem Opa und mir jedoch angespannt, um es vorsichtig auszudrücken. An meinem 18. Geburtstag hab ich meine Sachen gepackt und bin ohne ein Wort gegangen. Seither hatten wir keinen Kontakt mehr. Inzwischen bin ich fast 30 Jahre alt und in den letzten Jahren nimmt mein schlechtes Gewissen ihnen gegenüber immer mehr zu. Ich hätte mich zumindest von meiner Oma verabschieden und mich auch mal bei ihr melden müssen. 
Je mehr Zeit verstreicht, umso schwieriger wird es für mich. Ich kann doch nicht einfach so tun, als wäre nie etwas geschehen und plötzlich vor ihrer Tür stehen - oder doch? Auch mit dem Gedanken, ihnen einen Brief zu schreiben, habe ich schon gespielt. Meine Großeltern sind nicht mehr die Jüngsten und ich hab das Gefühl, mir läuft die Zeit davon. Irgendwann wird es zu spät sein, um mich bei ihnen für mein Verhalten zu entschuldigen. Heute, mit Abstand, sehe ich den Konflikt von damals als gar nicht so dramatisch an. Der Gedanke, meiner Oma, aber auch meinem Opa, das Herz gebrochen zu haben, liegt schwer auf meiner Seele.
Ich glaube, ich kenne die Antwort, die du mir geben wirst:  Geh zu ihnen, sonst findest du keine Ruhe! Ich weiß, ich muss es tun – auch für mich und meinen Seelenfrieden. Vielleicht kannst du mir beistehen! 
Dein Alexander



Freitag, 9. Dezember 2016

Lieber Weihnachtsmann! (4)


Weihnachten nostalgie bilderIch habe meiner Mama schon meinen Wunschzettel gegeben. Sie hat gesagt, sie wird ihn dir schicken. Doch ich wollte dir heute lieber selbst noch einen Brief schreiben, weil ich unbedingt was wissen möchte: Wie machst du das eigentlich, dass du in einer Nacht zu allen Kindern dieser Welt kommst? Du musst ja unheimlich schnell sein. Bestimmt spielst du ganz viel Fußball oder läufst mit den Engeln um die Wette, so als Training. Vielleicht sind sie sogar schneller als du, denn eigentlich bist du ja ganz schön dick. Jedenfalls hat der Weihnachtsmann, den ich kenne, einen ziemlich dicken Bauch.
Vielleicht bist du aber auch gar nicht alleine, sondern es gibt viele Weihnachtsmänner, die sich die Arbeit teilen so wie bei meinem Papa auf der Arbeit. Das wäre ja auch möglich. Dann wärst du da oben am Nordpol auch nicht so alleine und hättest immer jemanden, mit dem du sprechen kannst. Was mich auch noch interessiert: Was machst du denn an all den anderen Tagen im Jahr?
Soll ich dir verraten, was Frederik gesagt hat? Er hat gesagt, es gibt gar keinen Weihnachtsmann. Aber das glaube ich ihm nicht. Ich glaube an dich.
Du Weihnachtsmann, wenn du diesmal kommst, kannst du dann vom Nordpol vielleicht Schnee mitbringen? Also wenn das klappen könnte, wäre das echt toll. Ach da fällt mir ein: Mein Schlitten ist kaputt. Ich hab ganz vergessen, diesen Wunsch auf meinen Wunschzettel zu schreiben. Wie gut, dass mir das gerade noch einfällt.
Ich bin echt schon richtig aufgeregt, aber jetzt dauert es ja nicht mehr so lange, bis endlich Weihnachten ist. Also wenn das mit dem Schnee und dem Schlitten klappen könnte, wäre das richtig cool.

Dein Leonard 


Mittwoch, 7. Dezember 2016

Lieber Weihnachtsmann! (3)

Ich heiße Dennis und bin acht Jahre alt. Ob es dich wirklich gibt, weiß ich nicht. Wenn, wäre es gut, dann erfüllst du mir bestimmt meine Wünsche.
Weihnachten nostalgie bilderPass auf, das ist nämlich so: Ich hab noch zwei Brüder, die sind aber nicht so lieb, wie ich. Die haben immer viel Blödsinn im Kopf. Einmal haben sie unserer Katze Blechdosen an den Schwanz gebunden. Als sie völlig verwirrt davon lief, haben sie sich kaputt gelacht. Oder sie sammeln Spinnen und setzen sie unserer Mutter ins Bett. Die schreit dann natürlich, weil sie keine Spinnen mag. Einmal haben sie sogar ein Seil über die Straße gespannt und unsere alte Nachbarin wäre fast darüber gestolpert. Also, den Beiden brauchst du wirklich nichts zu bringen. Die haben das echt nicht verdient. Meine Oma sagt nämlich, nur die Kinder bekommen etwas vom Weihnachtsmann, die auf ihre Eltern hören und die lieb sind. Also meistens höre ich auf meine Eltern. Meine Brüder aber nie und ich finde, dass musst du wissen.
Ich wünsche mir ein blaues Fahrrad. Das mit den vielen Gängen. Es steht bei Fahrrad Schneider im Schaufenster. Es ist zwar ganz schön teuer, aber das Geld dafür hast du ja bei meinen Geschwistern eingespart. Dann hätte ich auch gerne noch ein Trikot meines Lieblingsvereins, Eintrittskarten für ein Fußballspiel und einen Freizeitpark und natürlich jede Menge Süßigkeiten. Ich freue mich schon auf all die Sachen und das dumme Gesicht meiner Brüder!

Dein Dennis 

Dienstag, 6. Dezember 2016

Lieber Weihnachtsmann, ... (2)

Weihnachtsmann schwarz bilderweißt du noch, dass du mir früher immer Schokolade gebracht hast? Die mit ganz viel Milch darin? Es war und ist bis heute meine Lieblingsschokolade. Wenn ich sie esse, kommt die Erinnerung an glückliche Kindertage zurück.
Meine Kindheit war wirklich schön. Damals lebte ich auf dem Land – aber das weißt du ja. Wir hatten einen schönen Garten in dem allerlei Obst und Gemüse wuchs. Mutter machte aus dem Obst süße Marmelade und kochte das Gemüse ein.
Im Sommer gab es manchmal einen Eintopf, den sie ‚Quer-durch-den-Garten’ nannte. Sie ging mit ihrer Schüssel durch den Garten und erntete, was gerade reif war und daraus machte sie den leckersten Eintopf der Welt. Alles war so frisch und knackig.
Ich musste immer meinen Teller aufessen – so sagte sie gerne -, obwohl ich den Teller ja nicht wirklich essen musste, sondern nur das, was darauf war. Das hab ich auch gemacht – du weißt schon: Damit ich groß und stark wurde.
Wenn ich mich zurück erinnere an das vergangene Weihnachtsfest ohne sie, muss ich sagen, dass es schon sehr traurig war.  Zum ersten Mal gab es keinen süßen Teller für mich, der sonst immer von meiner Mutter so liebevoll für mich hergerichtet wurde. Natürlich waren die Kekse, die darauf lagen, selbst gebacken und die goldenen Taler durften nicht fehlen und – ganz klar - meine Lieblingsschokolade. Das alles hab ich – neben ihr – doch schmerzlich vermisst. 
Also, mein lieber Weihnachtsmann, wenn du das hinbekommst, dass unter dem Tannenbaum ein bunter Teller für mich steht, würde ich glatt wieder an dich glauben.

Dein Heino

Sonntag, 4. Dezember 2016

Beim Weihnachtsmann

Die liebe Frau Sonnenhut fragte in ihrem gestrigen Kommentar, ob ich nicht erzählen könne, wie es dort ausschaut beim Weihnachtsmann und wie er so lebt. Vielleicht interessiert es ja auch noch den einen oder anderen Leser und deshalb schreib ich heute mal darüber und wie es überhaupt dazu kam, dass ich beim Weihnachtsmann sein durfte.
Weihnachten nostalgie bilderVor vielen, vielen Jahren schrieb ich ihm. Es muss noch in der Grundschulzeit gewesen sein. Damals wünschte ich mir von ganzem Herzen einen Hund und was soll ich euch sagen, der Wunsch wurde nicht erfüllt, worüber ich natürlich ziemlich traurig war. Was ich nicht ahnen konnte: Ein kleiner Engel (bei Astrid könnt ihr mehr über ihn erfahren) hat meinen Brief versehentlich nicht dem Weihnachtsmann übergeben. Vermutlich ist er ihm aus seiner Tasche gerutscht.
Als nun nach 50 Jahren im Himmel wieder einmal ein weihnachtlicher Großputz durchgeführt wurde, kam mein kleines Briefchen zum Vorschein. Der Engel wurde sogleich vom Weihnachtsmann beauftragt, zu mir zu fliegen und mich als Wiedergutmachung bei ihm zum Kaffeetrinken einzuladen. Das war natürlich eine sehr nette Geste.
Das kleine Engelchen verband mir die Augen, da kein Mensch den Weg zum Weihnachtsmann kennen darf. Bald darauf saß ich in einem großen Ohrensessel in einer gemütlichen Stube. Mein Blick fiel sofort auf einen Kamin, der behagliche Wärme ausstrahle. In einem anderen Sessel, sie waren übrigens aus rotem Samt, saß der Weihnachtsmann. Er trug ein weißes Hemd, dessen Ärmel er aufgekrempelt hatte. Dazu eine rote Hose aus Samt - passend zu den Sesseln. An seinen Füßen prangten riesengroße braune Filzpantoffeln. Ich weiß gar nicht, ob ich verraten darf, dass er ein Pfeifchen rauchte. Ich mag Pfeifenduft. Er vermischte sich mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee und Keksen. Es waren übrigens die himmlischsten selbst gebackenen Kekse, die ich je gegessen habe. Leider durfte ich das Rezept nicht erfahren.
Der Weihnachtsmann erzählte ein wenig und meinte dann, er müsse nun wieder an seinen Schreibtisch zurückkehren. Es gälte, noch viele Briefe zu lesen. Wenn ich wolle, so bot er an, könne ich ihm dabei gerne über die Schulter schauen, was ich natürlich nicht abgelehnt habe.
Sein Schreibtisch ist wirklich riesengroß, aus einem warmen braunen Holz mit sehr dicken Beinen. Das muss so sein, sonst würde er unter der Last der vielen Briefe glatt zusammen brechen. Eine Lampe befand sich nicht im Raum, aber eine Menge Kerzen. Eine besonders dicke brannte auf dem Schreibtisch und spendete dem Weihnachtsmann beim Lesen ihr Licht.
Zunächst setzte er eine goldene runde Brille auf seine Nase. Anschließend begann er mit einer großen Ruhe und Besonnenheit seine Tätigkeit. Er nahm einen Brief nach dem anderen in seine Hände, öffnete sie vorsichtig und las. Bald darauf griff er zu seinem Stift, - nein, das stimmt so nicht, es war eine Feder, die er in ein altes Tintenfass tunkte und notierte den jeweiligen Wunsch des Kindes in seinem dicken goldenen Buch.
Später würde er eine kleine Pause einlegen und die Engel damit beauftragen, in seinem Buch nachzuschauen, welches Kind welches Geschenk bekommen solle. Die Aufgabe der Engel ist, die Geschenke zusammen zu tragen, mit Namen zu versehen und auf einen Schlitten zu legen.
Als ich aus dem Fenster schaute, das sich hinter dem gewaltigen Schreibtisch befand, sah ich bereits den Schlitten vor der Türe stehen. Er war herrlich verziert. Sogar die Kufen waren aus reinem Gold. Ich war sehr beeindruckt. Viele Geschenke lagen bereits auf ihm. Die Rentiere standen schon bereit. Eingespannt waren sie allerdings noch nicht. Sie fraßen Heu, denn ihr müsst wissen, dass sehr viel Schnee auf den Wegen, Plätzen, Häusern und Tannen lag.
Aus den Schornsteinen der Häuser kräuselte sich weißer Rauch. Dort wohnen die Engel, backen und werkeln. Zu gerne hätte ich einmal einen Blick in eins der Häuschen getan, doch leider …  saß ich wieder in meinem Sessel zu Hause in meinem Wohnzimmer. Es war gemütlich warm und viele Kerzen flackerten. Wie ich allerdings wieder hierher zurückkam, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.


© Martina Pfannenschmidt, 2016

Samstag, 3. Dezember 2016

Lieber Weihnachtsmann! (1)

Wie Ihr alle wisst, erreichen den Weihnachtsmann in jedem Jahr ziemlich viele Briefe - übrigens nicht nur von Kindern. Auch einige Erwachsene schreiben ihm. 
In diesem Jahr hatte ich nun das große Glück, dem Weihnachtsmann beim Lesen über die Schulter schauen zu dürfen - da staunt ihr gewiss, nicht wahr? 
Ich habe versucht, mir die Inhalte zu merken - natürlich nur für EUCH - , war es doch eine wahre Freude, sie zu lesen. Heute kommt nun der Erste! 

Weihnachten nostalgie bilder
Mein Name ist Maxi. Also, eigentlich heiße ich Maximilian, aber alle sagen einfach nur Maxi. Ich bin 9 Jahre alt und jedes Jahr hast du mir meine Wünsche erfüllt. Doch ob es in diesem Jahr auch klappen wird? Da bin ich sehr gespannt, denn ich habe einen ganz besonderen Wunsch. Pass auf, ich schreib dir, welchen! 
Meistens haben meine Eltern schlechte Laune und dann streiten sie nicht nur, sondern schimpfen auch immerzu mit mir herum. Maxi, mach deine Hausaufgaben. Maxi, räum dein Zimmer auf. Maxi, setz dich vernünftig an den Tisch. Maxi, Maxi, Maxi! Den ganzen Tag. Dabei bemühe ich mich schon, nicht so viel falsch zu machen, doch manchmal vergesse ich einfach, meinen Ranzen gleich in mein Zimmer zu stellen. Doch wehe, er steht im Flur, schon geht das Geschrei wieder los. Obwohl ich zugeben muss, dass Mama einmal fast darüber gefallen wäre. Gut, dass nichts passiert ist. Aber ich mache das doch nicht absichtlich. Ich vergesse es einfach.
Sag mal, kannst du mir erklären, warum ich immer mein Zimmer aufräumen muss? Am nächsten Tag spiele ich doch sowieso wieder darin. Immer muss ich alles wieder neu aufbauen. Das ist doch echt doof.
Meistens werfe ich auch meine Schmutzwäsche in den Wäschekorb. Ich vergesse es wirklich nur sehr selten. Aber das gibt natürlich auch sofort wieder Ärger.
Lieber Weihnachtsmann, du bist doch schon alt und kennst meine Eltern aus der Zeit, als sie noch Kinder waren. Haben sie eigentlich immer ihr Zimmer aufgeräumt und sich die Zähne geputzt? Waren sie immer brav? Das würde mich echt mal interessieren. Und nun bin ich gespannt, ob du mir das schreibst.

Dein Maximilian







Donnerstag, 1. Dezember 2016

Gebt den Hungrigen zu essen

Endlich ist der 1. Dezember da und die Kinder können das 1. Türchen im Adventskalender öffnen. Sie fieberten schon sehr darauf hin.
Ein Adventskalendertürchen gibt es bei mir leider nicht zu öffnen, doch eine Geschichte, die gibt es zu lesen - zumindest für all diejenigen, die dies möchten.
Ich verrate euch auch noch die Reizwörter, die zu dieser Geschichte führten. Sie lauten:
Zimtstern – Engelhaar – tauschen – frieren – funkelnd
Mal schauen, was meine Mitschreiberinnen sich zu diesen Wörtern haben einfallen lassen:
Helmut saß auf einer Bank mitten in der Einkaufsstraße, so wie er es an jedem Tag tat. Heute war er alleine. Das machte ihm aber nichts aus. Er war ganz gerne mal für sich. Fast hätte er bei dem Gedanken laut los gelacht. Das war mal ganz anders, früher, in seinem alten Leben. Damals gab es viele Termine, jede Menge Stress und viele hektische Menschen um ihn herum.
Weihnachtsbaum glitzer bilder
Die hell erleuchteten Straßen und Geschäfte verrieten, dass die Adventszeit gekommen war. Überall in den Auslagen funkelte es und es gab etliche Tannenbäume, die mit Kugeln, Lametta oder Engelhaar geschmückt waren.
Heute konnte er sich kaum noch vorstellen, dass es mal Zeiten für ihn gegeben hatte, in denen seine Uhr so teuer gewesen war, wie ein gebrauchter Kleinwagen und seine Sekretärin für seine Frau zu Weihnachten ebenso teuren Schmuck besorgt hatte.
Helmut schüttelte den Kopf. Niemals hätte er damit gerechnet, dass er jemals in diese Situation geraten könnte. Er, der Macher, der vor Ideen nur so strotzte. Doch dann hatte er sich verspekuliert, sehr viel Geld verloren. Aufträge waren weg gebrochen, Kunden hatten nicht gezahlt.
Seine Frau war nicht bereit gewesen, auf ein Leben im Luxus zu verzichten. Sie hatte ihn verlassen. Als sich dann auch noch seine Freunde und Geschäftspartner von ihm abgewandt hatten, war das der Anfang vom Ende für ihn gewesen. Wie in einer Abwärtsspirale war es für ihn nur noch bergab gegangen. Tiefer und tiefer! Doch tiefer, als er jetzt war, konnte er nicht mehr fallen. Ein irgendwie beruhigender Gedanke, dachte Helmut sarkastisch.
Menschen gingen an ihm vorüber, ohne ihn zu beachten. Das kannte er schon. Die meisten allerdings schauten voller Abscheu weg. Das traf ihn am meisten. Oft erreichte ihn der Blick von Kindern und er hörte, wie sie ihre Eltern fragten: „Was ist mit dem Mann? Hat der nichts zu essen? Ist der arm? Muss der frieren?“
Ja, oft war ihm lausig kalt und es gab wohl niemanden, der sein Leben mit dem seinen hätte tauschen wollen. Viele seiner heutigen Kumpel versuchten, ihrer Situation und der Kälte durch das Trinken von Alkohol zu entkommen. Doch man entkam ihr nicht. Sie kroch wie eine Schlange von den Füßen her an einem hoch und ließ einen erzittern.
Es gab aber auch Menschen, die anders waren, die heiße Getränke brachten und auch wärmende Decken. Letztens hatte ihm eine Frau sogar einen Glühwein spendiert und dazu eine Tüte mit Zimtsternen. Diese Momente waren aber eher selten.
An jedem Abend ging Helmut ins so genannte Nachtcafé der Heilsarmee. Dort gab es eine warme Mahlzeit, die er sich nicht entgehen ließ. Am Abend zuvor war es dort zu einem Gespräch mit dem dortigen Leiter gekommen. Er hatte sich ganz spontan zu ihm an den Tisch gesetzt und ihn nach seinem Leben gefragt. Helmut hatte von früher erzählt und wie es heute für ihn so ist. Dass er auf Parkbänken oder in Bahnhofsecken übernachtet, so lange, bis man ihn von dort vertreibt und er hatte ihm anvertraut, dass er sich müde und ausgelaugt fühlt.
Helmuts Blick war auf eine Bibelstelle gefallen, die dort auf einem Plakat an der Wand prangte: ‚Gebt den Hungrigen zu essen, nehmt Obdachlose bei euch auf und wenn ihr einem begegnet, der in Lumpen herumläuft, gebt ihm Kleider! Helft, wo ihr könnt und verschließt eure Augen nicht vor den Nöten eurer Mitmenschen!’
„Wissen Sie“, hatte Helmut dem Mann gesagt und dabei auf die Worte gezeigt, „wenn ich wie Sie einen Glauben hätte, könnte ich ‚dem da oben’ alles in die Schuhe schieben oder ich könnte ihn bitten, mir in meiner Situation zu helfen. Doch ich weiß, dass ich ganz alleine für mein Dilemma verantwortlich bin und dass es niemanden gibt, der mir helfen kann oder wird.“
Dieses Gespräch hatte Helmut noch im Kopf, als er ein kleines Mädchen hören rief: „Schau Mama, dort sitzt der Nikolaus. Lass uns zu ihm gehen!“ Dabei zeigte sie in seine Richtung. Helmut sah sich um. Das Kind meinte tatsächlich ihn. Mit seinem weißen Vollbart und der roten Mütze, die er gegen die Kälte trug, hatte er wohl tatsächlich Ähnlichkeit mit dem Weihnachtsmann.
Die Frau zog das Kind jedoch weiter. Verständlich. Welche Mutter sah es gerne, wenn ihr Mädchen mit so einem wie ihm Kontakt hatte. Doch die Kleine riss sich von der Hand der Mutter los und kam direkt auf ihn zu.
„Isabell, was soll das denn jetzt, komm sofort wieder her, wir müssen weiter.“
„Ich komme gleich. Ich möchte dem Mann nur etwas geben“, rief sie ihrer Mutter zu, wandte sich Helmut zu und meinte: „Hier, nimm. Das ist ein Glücksstein. Du sollst ihn haben.“ Das Mädchen drückte ihm dabei einen weißen Kieselstein in die Hand und einen Kuss auf die Wange, bevor es zurück zu seiner Mutter lief. Diese kleine Geste brachte Helmut fast aus dem Gleichgewicht. So viel Wärme und Zuneigung hatte ihm schon lange niemand mehr geschenkt.
Selbstvergessen betrachtete er den Stein. Es war ein ganz normaler kleiner Stein, doch ihm wurde ganz warm ums Herz. Es war, als habe dieses kleine Mädchen die Ketten gesprengt, die sich um sein Herz gelegt hatten.
Nach einer Weile erhob er sich und trat den Weg an, um seine warme Mahlzeit einzunehmen. Viele Gedanken gingen ihm dabei durch den Kopf: Was könnte ich tun oder wie könnte ich es schaffen, mich aus meiner Situation zu befreien? Gibt es irgendwo einen Lichtblick – auch für mich? Und dann tat er etwas, was er noch nie zuvor getan hatte. Helmut blickte nach oben und dachte: Okay, wenn es da oben wirklich jemanden gibt, der mir helfen könnte, wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.
Bald darauf betrat er die warme Stube der Heilsarmee. Als er seine Suppe löffelte, kam der Mann vom Vortag auf ihn zu und sprach ihn erneut an: „Wir haben uns doch gestern so nett unterhalten und ich hatte den Eindruck, dass Sie ein verlässlicher Mensch sind. Wir könnten hier ein bisschen Unterstützung ganz gut gebrauchen. Essensausgabe, aufräumen, einfache Arbeiten. Viel Geld lässt sich damit freilich nicht verdienen, doch es wäre ein Anfang. Wie schaut’s aus? Sind sie dabei?“
© Martina Pfannenschmidt, 2016

Auch die Geschichte
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