Sonntag, 20. August 2017

Frage 12: Gibt es Engel?

Engeln bilderEs gab Zeiten, da sah man sie nur zur Weihnachtszeit, doch in den letzten Jahren hat die Industrie die Engel für sich entdeckt. 
Keine Tasse, kein T-Shirt, auf dem sie sich nicht tummeln. – Schutzengel in jeglicher Form. Sehr beliebt als Kettchen- oder Armbandanhänger.


Ist das nur ein Trend, eine Mode-Erscheinung, oder haben die Menschen die Engel tatsächlich für sich und als ihre Begleiter ‚entdeckt’?

Wenn es sie tatsächlich gibt:

Welche Aufgabe haben sie?
Uns zu beschützen vor Unheil?
Uns zu begleiten und auf den rechten Weg zu führen?
Aber wo sind sie?
Überall?
Um uns herum?
Stets bei uns?
Oder gibt es sie nur im sog. ‚Himmel’?
Doch wie sollen sie von dort auf uns acht geben?
Hat jeder Mensch seinen eigenen Engel?

Bei ca.  7.473.690.000 Menschen, die z. Zt. in etwa die Welt bevölkern, wären das ebenso viele Engel.

Hältst du das für möglich?

In der Bibel begegnen sie uns an vielen Stellen. Vom Himmel hoch, da kommen sie her, um den Menschen etwas zu verkünden. Sie melden sich, wenn es um eine Botschaft Gottes an uns Menschen geht. Sie treten in vielfacher Form auf: als Beschützer, aber auch als Mahner. 'Damals' schien dieser Kontakt zwischen Menschen und Engeln möglich gewesen zu sein. 


Heute auch noch?
Können wir auch heute noch
mit diesen geistigen Wesen in Kontakt treten
oder sind sie verstummt,
weil wir keine 'Antennen' mehr dafür besitzen,
ihre Botschaft wahrzunehmen?


Eines ist sicher: Um dies geschehen zu lassen, müssen wir uns für sie öffnen, müssen bereit sein für eine Begegnung mit den uns unbekannten Wesen.

 Wärst du bereit?


Sophia: Ja und ja..
Ich glaube an die Existenz, oder vielleicht wünsche ich es mir auch nur?
Wenn ich daran glauben kann dass es mehr gibt, als ich sehen kann, dann ist es tröstlich und lässt mich beruhigt aufatmen.
Helfende Hände und besonders emphatische Menschen, selbstlos im Umgang mit anderen, werden auch als Engel benannt, ja, vielleicht sind sie das auch, wer kann das schon sagen.
Meine Engel, mit denen ich mich schon seit vielen Jahren gerne umgebe, sind wichtig für mich und manche Ereignisse könnten als Bestätigungen angesehen werden.
Aber ich weiß nicht genau, ob das wirklich notwendig ist.
Allein der Gedanke und diese Hoffnung... sie sind schon sehr wohltuend für mich.
Martina: Ich glaube, wir Menschen der heutigen Zeit sind so gestrickt, dass wir am besten das annehmen können, was wir mit unseren fleischlichen Augen sehen können. Doch es gibt eine geistige Ebene und die entzieht sich unserem 'normalen' Blick! -Menschliche Engel in seiner Nähe zu wissen, tut einfach gut!
Alexander: Ja selbstverständlich gibt's Engelwesenheiten (, aber bitte ohne Flügel). Ich kann da nur mein 3-Seelen-Buch empfehlen. Unabhängig davon, sollte ich dazu mal etwas Genaueres darüber schreiben. Vielleicht eine reale Begebenheit? Oder einen "Durchblicker" a la "Ein Tag mit meinem Sehsinn durch die Welt" ...? :-) 
Martina: Am meisten freue ich mich darüber, dass du so klar 'Ja, selbstverständlich gibt es sie' sagst. Ich stimme dir zu 100 Prozent zu (was ja in dieser hohen Prozentzahl nicht immer der Fall ist - lach). --- Ja, bitte, schreib darüber!!
Angel: wenn ich an Engel denke dann sehe ich damit Schutzengel vor meinem geistigen Auge, empfinde es so, dass es einen Schutz für uns gibt und egal ob man sie Engel nennt - wenn man daran glaubt dass es jemanden gibt der auf uns achtet und uns schützt, dann gibt es das auch genauso wie das Gute im menschen niemals aufgibt daran zu glauben...
Martina: Schön, wenn man sagen kann: Ich habe das Gefühl, beschützt zu werden!
Klaudia: Ein schweres Thema;-) (Martina: Leicht kann jeder - lach!)
Engel sind nicht sichtbar, sie wirken eher im verborgenem...so zumindest mein Glaube. Ich bin davon überzeugt, das es so eine Art Schutzengel gibt....oder wünsche ich es mir nur. Bei Engel denke, ich an ein besonderes Bild, welches bei meinen Eltern übern Bett hing, das hat mir oft Kraft gegeben, bestimmte Dinge anzugehen und durchzustehen.
Martina: Als ich deinen Kommentar las, stand mir sofort ein Bild vor Augen. Es hing auch über dem Bett (meiner Großeltern), war ziemlich groß und zeigte die Darstellung von Kindern, über denen Engel schwebten. - 'Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten, auf all deinen Wegen!' - So steht es in der Bibel und darauf können wir ganz sicher bauen!
Varis: Ich habe so meine Probleme mit dem Begriff "Engel", weil er für mich einen zu religiösen Beigeschmack hat. Religionen sind für mich ein rotes Tuch, weil sie meiner Meinung nach die spirituelle Entwicklung der Menschheit eher unterdrücken als vorantreiben. Aber das ist ein anderes Thema. Die Realität hat viel mehr Ebenen und Facetten als der Mensch mit seinen physischen Sinnen wahrnehmen kann. Deshalb ja, es gibt diese geistigen Wesenheiten und man kann mit ihnen auch Kontakt aufnehmen, auch wenn diese naturgemäß meist jenseits der physischen Sinne stattfindet. 
Martina: Jeder sollte seinen spirituellen Weg auf seine Weise gehen. Der eine benötigt dazu vielleicht die Religionen. Ein anderer nicht. - Es gibt viele 'Realitäten' - da bin ich ganz bei dir. Diese hier, in der wir zur Zeit leben, ist eine davon. - Wir sind ja auch eine 'geistige Wesenheit', die sich im Moment in einem Körper hier auf der Erde befindet. - Daher kann ein Wahrnehmen der 'Engel' wohl auch nur über diese Ebene geschehen.
Christine: An das, was religiöse Menschen unter Engeln verstehen, glaube ich absolut nicht. Ebenso wenig wie an eine Existenz nach dem Tod.
Aber ich kenne durchaus reale Menschen, die ich so bezeichnen würde.
Martina: Ich muss ein bisschen schmunzeln, weil ich ja schon weiß, was ich dir antworten möchte - lach! Pass auf: Wenn es doch anders ist und es ein Leben nach dem Tod gibt, dann gibst DU einen aus, wenn wir uns treffen - okay? ;-)
Jutta K.: Tja was soll ich sagen.
Ich denke mal, dass Engel die Beschreibung ist für etwas eigentlich Unbeschreibliches.
Ich meine damit himmlische Begleitung.
Begleitung für tatsächlich jeden einzelnen Menschen, egal wie viele wir auch sind !
Engel beschützen uns dann, wenn unser vorbestimmter Lebensweg noch nicht voll gelebt ist.
Wenn Böses sich unserer Seele bemächtigen will.
Dann heißt es, Gott, der oder die hat aber einen Schutzengel gehabt.
Daher glaube ich, dass es nicht unbedingt Sinn macht zu sagen, lieber Schutzengel, bitte hilf mir da oder da . . !
Er ist um uns und wacht über uns, bis wir bereit sind zu gehen.
In eine andere Wirklichkeit.
Hmm, ich hoffe, ich konnte zum Ausdruck bringen, was ich meine.

Martina: Ich denke schon, dass ich dich verstanden habe. - Engel werden uns beschützen, doch manchmal hat eben auch etwas für uns Sinn, was uns 'Schaden' zufügt. Da wird der Engel dann nicht eingreifen, da er ja unseren Weg kennt (wahrscheinlich sogar besser, als wir selbst). Vielleicht ist er dazu da, uns immer wieder in die richtige Richtung zu lenken, wenn wir unseren Weg (gravierend) verlassen haben.
Klärchen: Ich glaube all die kleinen Engel und Schutzengel um uns sind immer da und im rechten Augenblick zur Stelle, wenn wir sie brauchen ohne gefragt zu werden.Es gibt sie die Wesen, auch in Menschengestalt, helfende Hände im rechten Augenblick.Glaube,Liebe und Hoffnung, da sind sie zu finden.
Liebe Grüße und ein Danke an dich für deine schönen Themen, immer wieder neu.
Martina: Was mir gerade auffällt ist, dass noch niemand von einem Moment geschrieben hat, wo er gespürt hat, dass er bewahrt wurde. - Ich denke, dass es diese Situationen in jedem Leben gibt. Manchmal gehen wir vielleicht einfach darüber hinweg, ohne zu beachten, wie viel Schutz uns gerade gewährt wurde. - Du hast recht: Wir müssen die Engel nicht bitten. Sie gewähren uns ihre Hilfe auch so. 
Helga F.: Letzten Montag bin ich rückwerts über einen kleinen Absatz nach unten gestürzt und mit dem Rücken und Kopf aufgeschlagen.Alle dachten ich wäre nach diesem Sturz auf Beton zumindest schwer verunglückt,aber ich habe mit einer kleinen Kopfwunde und einer leichten Gehirnerschütterung diesen schlimmen Sturz überlebt. Soviel zur realen Hilfe von meinem Schutzengel. 
Martina: Oh, Helga, da bist du wirklich vor Schlimmerem bewahrt worden. - Was die leichten Verletzungen betrifft: Gute Besserung!
Elke: ich bin schon mehrfach in meinem Leben von meinem Schutzengel beschützt worden, wenn es ihn denn gibt und das alles kein Zufall war, dass im rechten Augenblick die richtigen Leute zur Stelle waren, die mich gerettet haben.
Martina: Ist das nicht schön, wenn man bemerkt, dass alles sich fügt?! - In solchen Momenten verspürt man eine große Dankbarkeit.
Azmuto:  Danke :-)
Martina: Gerne! ;-)

Donnerstag, 17. August 2017

Dumm aus der Wäsche schauen

Unsere Enkelkinder haben ja noch Ferien und so durfte gestern jede eine Freundin zum Übernachten einladen. Da wir zusammen in einem Haus wohnen, sind mir die Freundinnen bekannt und ich kenne auch ihre Vornamen, doch welche Familien dahinter stehen, weiß ich nicht unbedingt.
Freunde bilder
Die Freundin der Großen wurde heute von der Oma abgeholt. Ich bekam das mit, weil ich mich gerade draußen auf dem Hof aufhielt. – Als ich die Oma sah, dachte ich: Das kann doch nicht wahr sein. Auch wenn wir uns fast 40 Jahre lang nicht mehr gesehen hatten, erkannten wir uns dennoch – auf den zweiten Blick 😊 - und unsere Enkelkinder schauten ziemlich dumm aus der Wäsche, denn: Wir waren damals Kolleginnen - und heute sind unsere Enkeltöchter miteinander befreundet. 
Solche Zusammenhänge faszinieren mich!



Dienstag, 15. August 2017

Großtante Gertrud

Kartoffelsalat – Treppenstufe – verschwinden – öde - glühend

Das sind die Reizwörter,
die in meiner Geschichte und in denen von
zu finden sind.

Die Fotos stammen von Klärchen.
Danke dafür!



„Mensch, Pia, wenn jemand dein Gesicht sieht, könnte er denken, du hättest ein schlechtes Zeugnis bekommen.“
„Hab ich aber nicht“, maulte Pia ihre Mutter an.
„Ja, weiß ich doch. Ich weiß nur nicht, warum du schaust, wie 7 Tage Regenwetter?“
Darauf antwortete Pia nicht. Das konnte sich Mama ja wohl denken. Anstatt in den Urlaub, fuhren sie in dieses öde Kaff. Pia wollte sich nicht einmal den Namen dieses Ortes merken.
Vorhin auf dem Pausenhof war sie ständig gefragt worden: „Und, Pia, wohin fährst du in diesem Jahr in den Urlaub?“
Sie konnte einfach nicht die Wahrheit sagen. Das wäre ihr zu peinlich gewesen. Deshalb hatte sie behauptet, sie wollten ganz spontan entscheiden, wohin die Reise gehen solle. Dabei stand längst fest, dass sie das Haus von Mamas Großtante Gertrud ausräumen mussten. Mama hatte es ganz unerwartet geerbt und nun hatte sich ein Käufer dafür gefunden.
„Weißt du, ich habe so viele schöne Sommermonate bei meiner Großtante verbracht“, versuchte Mama, ihre Tochter aufzumuntern, „und ich bin ganz sicher, dass es auch dir dort gefallen wird.“
Pia warf ihrer Mutter einen viel sagenden Blick zu. Das würde niemals geschehen! Was sollte sie überhaupt machen in dieser Einöde, wo sie keinen Menschen kannte?
Einen Tag später standen sie vor dem kleinen Häuschen. Es war wirklich in die Jahre gekommen, doch es schien, als hätte der Käufer erkannt, dass sich hinter der maroden Fassade ein liebevolles Zuhause befand.
Papa öffnete die Haustür und Pia wich einen Schritt zurück.
„Hier bleibe ich nicht. Hier stinkt’s“, verkündete sie und stapfte Richtung Auto.
„Pia, bitte, komm zurück. Es riecht hier so eigenartig, weil lange nicht gelüftet wurde. Wir öffnen schnell alle Fenster und du wirst sehen, bald hat sich das Problem wie von selbst gelöst“, meinte Mama.
„Nee, ganz sicher nicht“, erwiderte Pia patzig, „es riecht nach alt und das lässt sich durch Lüften bestimmt nicht ändern.“
Mama und Papa wechselten einen Blick und gingen ohne einen weiteren Kommentar ins Haus. Bald darauf standen alle Fenster weit offen. Pia setzte sich derweil auf die Treppenstufen, die zum Haus führten. Es war einfach nicht zu fassen, dass sie jetzt hier herum saß und all ihre Freundinnen sich irgendwo in der Sonne aalten. Warum musste ausgerechnet ihre Mutter dieses blöde Haus erben? Vielleicht spukte es sogar darin! – Ein kalter Schauer lief ihr bei diesem Gedanken über den Rücken.
Bald darauf verspürte Pia Hunger. Doch zum Essen würde sie ins Haus gehen müssen und das wollte sie ja eigentlich nicht, doch gerade in dem Augenblick rief Mama: „Pia, es gibt Kartoffelsalat und Würstchen. Papa und ich, wir essen jetzt. Wenn du auch Hunger hast, müsstest du herein kommen.“
Pia schlich in die Küche und ließ ihren Blick schweifen. Wie das hier aussah! Alles war uralt und richtig schäbig. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, dass die alte Tante und auch ihre Mutter es hier schön fanden. Sie fand einfach alles grauenhaft. Doch irgendwie begriff sie, dass aller Widerstand nichts nutzte. Für ein paar Tage saß sie hier fest.
Da es keine Spülmaschine gab, musste Pia nach dem Essen sogar das Geschirr abtrocknen. Es fühlte sich wirklich so an, als sei in diesem Haus die Zeit stehen geblieben.
Bald darauf begannen Mama und Papa mit den ersten Aufräumarbeiten. Das Kind entschied, das Haus einmal genauer in Augenschein zu nehmen. Irgendwann gelangte Pia über eine schmale und knarrende Holztreppe in den Bodenraum. Duster war es hier und stickig. Sie zog einen alten Hocker unter das kleine Dachfenster, um es öffnen zu können. Anschließend sah sie sich in dem staubigen Raum um. Was hier alles herumstand! Unfassbar! Einige Dinge kannte sie überhaupt nicht. Es würde bestimmt Wochen dauern, bis ihre Eltern das alles entsorgt hätten.
Vorsichtig öffnete Pia den Deckel eines alten Koffers. Einige vergilbte Spiele und eine Puppe kamen darin zum Vorschein. Die Puppe trug ein braunes Kleid mit einer hellen Schürze. Als Pia sie aus dem Koffer nahm, öffneten sich ihre Augen. Das Mädchen fragte sich in diesem Moment, wie lange die Puppe wohl schon hier oben gelegen haben mochte.
„Es werden wohl bald 70 Jahre sein“, sagte daraufhin eine Stimme. Pia drehte sich abrupt um und erschrak. Sie erkannte es nicht deutlich, doch sie nahm eine helle Gestalt wahr, bei der es sich um eine alte Frau handeln musste.
„Entschuldige bitte, wenn ich dich erschreckt habe“, meinte die alte Dame. „Du musst Pia sein, die Tochter meiner Großnichte. Ich habe dich als ganz kleines Mädchen einmal gesehen. Außerdem hat mir deine Mutter in jedem Jahr zum Weihnachtsfest geschrieben und ein Foto von dir beigelegt. Daher kenne ich dich. Aber du kannst dich gewiss nicht mehr an mich erinnern. Ich bin Tante Gertrud.“
Pia hatte es gewusst: Hier spukt es! Starr vor Schreck war sie weder in der Lage, zu schreien, noch, sich zu bewegen und diesen Raum zu verlassen.
„Es ist bestimmt komisch für dich, mich hier zu sehen. Weißt du, Pia, ich wollte gerne noch eine Weile in diesem Haus sein, bevor es der Käufer umbaut und es sich verändert. Ich dachte, hier auf dem Dachboden wird mich niemand finden. Das war, wie es scheint, wohl dumm von mir. Kinder sehen halt Dinge, die Erwachsene nicht mehr wahrnehmen können.“
Pia war immer noch nicht in der Lage, zu reagieren. Aber ganz so schaurig fand sie die Situation jetzt nicht mehr. Außerdem wurde die Gestalt immer deutlicher für Pia, je länger sie hinschaute.
„Das ist Marie“, sagte die Tante und zeigte auf die Puppe, die Pia noch immer in ihren Händen trug. „Ich habe sie so sehr geliebt. Du musst wissen, dass wir früher nicht so viele Spielsachen hatten, wie ihr heute. Nach dem Krieg hatten die Menschen wenig Geld. Aber wir Kinder hatten viel Fantasie und fanden immer etwas, was und womit wir spielen konnten. Weißt du, was ‚knickern’ bedeutet?“, fragte die Tante. Das Mädchen schüttelte mit dem Kopf.
„Pia, wo bist du?“, rief Mama in diesem Augenblick und eine Treppenstufe knarrte. 
„Wenn du möchtest, erzähle ich dir später mehr davon“, flüsterte Tante Gertrud noch schnell, bevor sie in einer dunklen Ecke verschwand.
 „Was machst du denn hier oben?“, fragte Mama, als sie den Raum betrat.
„Ich? Ich hab diese Puppe hier gefunden“, antwortete Pia schnell und hielt sie ihrer Mutter entgegen. Mit glühenden Wangen fügte sie hinzu: „Sie hat bestimmt deiner Tante Gertrud gehört.“
„Ja, ganz sicher sogar“, entgegnete Mama. „Weißt du was, die nehmen wir mit nach Hause, als Erinnerung an meine Tante.“
Mama sah sich um und seufzte. Es gab wirklich noch viel zu tun. „Kommst du wieder mit runter?“, wollte sie von Pia wissen.
„Nee, ich bleib noch ein bisschen hier oben und schau mich weiter um. Irgendwie find ich es doch ziemlich cool hier.“
Mama grinste. Schade, dass sie nicht sehen konnte, dass auch über Tante Gertruds Gesicht ein Lächeln huschte.


Sonntag, 13. August 2017

Frage 11: Kannst du dich gut von Dingen trennen?

Ich weiß, dass es jetzt eine Bloggerin gibt, die schmunzelt, weil sie genau weiß, dass ich durch ein Gespräch mit ihr auf diese Frage gekommen bin. J
Wie ich euch schon erzählt habe, renovieren wir unser Schlafzimmer und bekommen in dem Zug auch neue Möbel. Das heißt: Alle alten Schränke mussten ausgeräumt werden und ich staunte nicht schlecht, was da alles zum Vorschein kam.
Da wir ganz bewusst weniger Stauraum im neuen Schlafzimmer haben werden, müssen wir uns von vielen Dingen trennen und das ist auch gut so. – Immer mal wieder räume ich auf und aus, denn eines ist nicht zu unterschätzen: 


Alles gibt seine Energien ab.

Foto: Pixelio.de/Margot Kessler

Manche Menschen hüten viele Schätze aus Kindertagen. Einige bewahren Liebesbriefe auf. Daran kann doch nichts Schlechtes sein – oder doch?
Wenn wir Dinge aus Kindertagen aufheben, sollten wir uns vielleicht fragen, warum wir das tun. Haben wir Angst, die Verbindung zu früher und zu den Menschen, an die wir dabei denken, völlig zu kappen? Halten wir mit den Objekten eine unsichtbare Verbindung aufrecht?
Wenn die Tage unserer Kindheit glücklich waren, wird der Gegenstand keine negativen Energien abgeben. Doch wie sieht es aus, wenn das Objekt mit vielleicht traurigen Erinnerungen verbunden wird? Was macht es dann mit uns, wenn wir es betrachten? – Was macht es mit uns, wenn wir spüren, dass diese Zeit vorüber ist und nicht zurückkommen wird?


Foto: pixelio.de/Rainer Sturm


Auch bei den Liebesbriefen! 
Warum heben wir sie auf? 

Um uns an die schöne Zeit zu erinnern? Klar! Doch beim Lesen dieser alten Briefe passiert etwas mit uns. - Vielleicht machen sie uns ebenfalls traurig, weil wir erkennen, dass es so wie damals nicht mehr ist. Oder ist es ganz anders und bei der Erinnerung kommen Gefühle hoch, die wir gerne wieder aufleben lassen möchten?

Denkt ihr auch über derartige Dinge nach 
und trennt euch ganz bewusst von einigen Erinnerungsstücken, 
weil die Energien euch beeinflussen könnten, 
nicht mehr zu euch passen 
oder die Dinge 
einfach abgeschlossen werden sollten?

Magst du davon erzählen?


Varis: Ich bin ein Mensch, der sich auf die Gegenwart konzentriert und Gegenstände aus der Vergangenheit nicht hortet. Die Vergangenheit trägt man im Herzen und sie wird immer ein Teil von einem sein, aber das Leben spielt sich im Hier und Jetzt ab. 
Martina: Dem ist nichts hinzuzufügen. :-)
Klaudia: Ein sehr interessantes Thema...jedoch habe ich bisher nicht noch wirklich drüber nachgedacht. Leider horte ich viel zu viel....und das werde ich mir mal mehr bewusst machen und in Angriff nehmen;-).
Martina: Das freut mich, dass du darüber nachdenken möchtest.
Regina: Seit ich die sechzig überschritten habe, bin ich ein wenig gründlicher im Aussortieren geworden. Manchmal denke ich: Wenn ich mal nicht mehr da bin, wer will diesen ganzen "Mist" entsorgen und will ich eigentlich, dass andere (auch meine Kinder) darin herumwühlen? Nee, will ich nicht. Deshalb trenne ich mich von Dingen (auch alten Briefen), die nicht unbedingt für andere Augen bestimmt sind. Auch bei den Büchern habe ich schon angefangen. Bücher, die ich nie und nimmer mehr lesen werde, bringe ich entweder in die öffentlichen Bücherschränke oder entsorge sie im Papiermüll, wenn sie vermutlich auch niemand anders lesen will. Einmal habe ich eine ganze Kiste einer Frau geschenkt, die damit so Bücherkunst macht, also Staubfänger, die dann Wörter wie LOVE oder sowas bilden. Hast du bestimmt schonmal gesehen ...
Mit Kleidung bin ich noch vorsichtig, habe ja verschiedenen Größen in meinem Kleiderschrank, die immer mal wieder passen könnten - alles bis Größe 42, also die Elfengrößen, habe ich aber bereits verschenkt, eine Elfe werde ich wohl nicht mehr werden.
Martina: Lach! Das kenne ich. Auch in meinem Kleiderschrank gab es verschiedene Größen. Heute nicht mehr. Es ist, wie es ist und gut! - Was du schreibst, macht mich nachdenklich und ist ein Aspekt, den man bedenken sollte. - Ich weiß von einem Fall, wo das ganze Haus voll ist von Dingen, die die Mutter nicht wegwerfen konnte (wie sie immer gesagt hat). Jetzt tun sich die Kinder schwer damit, diese zu entsorgen, weil es ja Dinge sind, die der Mutter wichtig waren. - Ich habe in dieser Hinsicht nichts mehr, woran ich mein Herz hängen könnte - außer den Menschen, die zu meiner engsten Familie gehören!
Sophia: Trennen von Dingen, Puh..
Ich bin in meinem Leben schon so unglaublich oft von einem Ort zum nächsten gezogen, dass ich solche Erinnerungsstücke gar nicht habe. Schade vielleicht, aber wie du schon sagst, alles ist Energie. Lediglich Kleinkindererinnerungsstücke meines Sohnes hab ich zu meiner Mutter gebracht um sie aufzubewahren, falls er sie einmal haben/sehen möchte, oder seinen Kindern zeigen will.
Ich finde es schön, Erinnerungen nicht nur im Kopf zu haben, sondern sie auch anfassen zu können... ab und zu mal
Lieben Gruß und danke für deine Denkanstöße, mir tun sie gut
Martina: Ich finde es gut, dass du die Entscheidung, wie er mit seinen Erinnerungsstücken umgehen möchte, bei deinem Sohn lässt und nicht für ihn entscheidest. - Dazu neigen Eltern häufig! :-) 
Helga: Ja ich trenne mich ganz bewusst von vielen alten Erinnerungsstücken.
Aus meiner Kindheit habe ich nur ein paar selbst gemachte Dinge aufgehoben.
Alte Liebesbriefe, Geschenke und meine alten Tagebücher habe ich vor Jahrzehnten mit einem Feuerritual entsorgt, nachdem ich mich innerlich davon gelöst hatte.
Aber von extrem vielen alten Gebrauchsgegenständen haben wir uns im letzter Zeit verabschiedet, wir brauchten Platz für unsere neuen Obermieter (sie wohnen oben :)) Da staunt man /frau beim ausmisten, was sich so alles in den Räumen versteckt hatte... Nun fühle ich mich erleichtert, es ist immer noch zu viel von uns und unseren Jungen im Haus, wir werden immer mal wieder Razzia mit Rauswurf machen, der Dachboden ist als nächstes dran.
In diesem Sinne wünsche ich ein fröhliches loslassen innen wie außen. 

Martina: Ich bin auch ein 'Obermieter' :-), weil ich sooo gerne oben wohne! - Dadurch, dass wir unser Haus über Jahre hinweg umgebaut und renoviert haben, ist seeehr viel Altes entsorgt worden. - Da mein Opa dieses Haus gebaut hat und es mit seiner Familie und den Schwiegereltern bewohnte, kannst du dir vorstellen, was da alles zu finden war. - Danach bewohnten meine Eltern mit ihrer Familie dieses Haus. - Wir wurden also von vielen Dingen und alten Energien umgeben, die wir mit Respekt vor den Ahnen, aber auch mit Dankbarkeit, dass wir und die Familie unserer Tochter jetzt dieses Haus bewohnen dürfen, entsorgt haben. - Es ist befreiend, sich von Materiellem, aber auch von alten Erinnerungsstücken, zu trennen. Da stimme ich dir zu. Dennoch: Dieses Loslassen - manchmal nicht so einfach.
Manu: mmmh, der Mann würde sagen: "Ja, wir müssen achtgeben, dass wir nicht irgendwann mit einem Schild- Abzugeben - vor der Türe stehen" Aber ganz so schlimme find ich mich nicht! Ich hätte es gerne noch etwas leichter. Das fällt mir aber im Hobbyraum so unendlich schwer, da ich mir jedem Teilchen sofort wieder gefühlte hundert neue Ideen im Kopf habe, was daraus entstehen könnte. Und dann gibt es noch eine Ecke im Keller die voll ist mit alten Schätzen. Die stehen da zwar nicht rum, sondern werden immer wieder verdekoriert, aber es könnte etwas weniger sein. Also kurz und knapp, ein Messie bin ich mit Sicherheit nicht und alles was ich nicht mehr mag, oder mit negativen Gedanken verbunden ist, darf sofort gehen!
Martina: Okay, dass es dir schwer fällt, Dinge aus dem Hobbyraum zu entfernen, das glaube ich gerne. Man könnte es ja nochmal gebrauchen! :-) - Kann ich mir gut vorstellen. - Aber wer ein Haus hat, kennt das: Je mehr Platz zur Verfügung steht, umso mehr bewahrt man auf. - Das kenne ich auch!
Cosmee: Jahrzehntelang habe ich alte Tagebücher gehütet, die ich ab 17 vollgeschrieben habe und dies bis weit in die Vierziger. In diesem Jahr, ich bin über 60, habe ich sie endlich geschreddert. Der Gedanke, dass meine Kinder darin lesen könnten, wenn ich gestorben bin, den fand ich ganz schauderhaft. Denn ich bin längst nicht mehr die, die ich damals war. Und ich bin wirklich froh drum, eine Last fiel von mir.
Martina: Oh ja, gerade Tagebücher enthalten natürlich sehr viele Emotionen - auch wenn es die eigenen sind. Das ist sicher nicht zu unterschätzen. Ich kann es mir sehr gut vorstellen, dass du dich wie befreit gefühlt hast, als diese 'Altlasten' von dir genommen wurden. - Danke für deinen Kommentar!
Jutta: Ich halte es eigentlich genau wie "Regina ".
Allerdings habe ich eine Erinnerungskiste, da sind mine gesammelten Werke von Tagebüchern drin und ein paar "Werke " meiner Kinder , Briefe zum Muttertag ect.
Da kann ich mich einfach nicht trennen.;-)
Ansonsten weg mit dem Ballast !
Ach ja, meine Tagebücher können meine Kinder ruhig lesen, da verstehen sie mich vielleicht dann besser in so manchen Dingen. 
Martina: Über den letzten Satz musste ich einerseits schmunzeln, andererseits habe ich mich gefragt, ob deine Kinder sie wirklich lesen würden. Empfindet man das nicht als einen Eingriff in die Privatsphäre des anderen - auch über den Tod hinaus? Ich weiß es nicht. - Ja, diese Erinnerungskisten sind sehr beliebt - aber voller Energien und Emotionen :-)!! 
Klärchen: Oh,je, Martina, ich bin gerade dabei auszumisten, weil ich muss... Viel ist es nicht, aber eine Kiste(Blechdose habe ich, da fällt es schwer),aber ich empfinde wie Regina und Jutta.In der großen alten Dose habe ich nur schöne Erinnerungen. Allerdings die Todesanzeigen meiner Mutter und meines Vaters, die sind etwas besonderes.Die Briefwechsel mit meiner Freundin, die Liebesbriefe zwischen meinem Mann und mir, erzählen meine Lebensgeschichte in der Jugend. Die werde ich für meine Biografie verwenden und meinen Kindern schenken.Natürlich nicht alles, das Geheimste bleibt geheim.Auch das Armbändchen meines ersten Kindes habe ich aufbewahrt, blau, eine Freude! Ja, manchmal schaue ich und lese, denke wie viele Veränderungen es gab.Lebe im Heute und brauche Erinnerungen um zu sehen wie sich alles geändert hat.Ich lächele dann und habe die Bilder vor mir ohne Wehmut und bekomme einen andere Sicht auf viele Dinge die passiert sind, eher hat sich alles ins positive gewandelt.Es bleibt Dankbarkeit, und Schmerz der mir zugefügt wurde habe ich verstanden und verziehen, soweit es geht.Es ist eben in der Kiste und abgeheftet!Alles andere ist in meinem Herzen und im Kopf!
Martina: Wenn man beim Anblick von alten Dingen sagen kann, dass sich alles zum Besseren gewendet hat, ist das sehr schön. Auch die Idee, den Kindern eine Biografie zu hinterlassen ist nicht schlecht. Wir wissen es aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man die Mutter nicht mehr fragen kann: Wie war das früher bei dir? So kann man manches besser verstehen. - Doch bei den Todesanzeigen bekomme ich eine Gänsehaut. Was macht sie so besonders für dich?
Erica Sta: Ja und Nein zugleich. Da sind weniger die Erinnerungsstücke - die es freilich gibt - als der Gedanke, das eine oder andere weiter verwenden zu können. Bin ich doch noch in der Generation aufgewachsen, da man lange auf etwas gespart hat und wenn der Stuhl, das Kleid etc. schäbig wurde, hat man sich die Mühe gemacht es zu reparieren und/ oder zu restaurieren.
Inzwischen änderten sich die Materialien, was früher aus Holz gefertigt, liegt als Plastikteil vor, von dem ich mich ohne mit der Wimper zu zucken verabschieden kann.
Fazit: Ich habe Prinzipien!

Martina: Das kenne ich natürlich, wie du auch. Es wurde gespart und dann erst gekauft - und zwar etwas Hochwertiges. - Du hast schon recht, dass man sich heute leichter trennt, weil viele Dinge aus Plastik sind, doch auch die könnte mein Mann evtl. noch gebrauchen ;-). - Prinzipien zu haben ist sicher nichts Schlechtes!

Freitag, 11. August 2017

Kreativ-Award

Alle, die meine Geschichten lesen, wissen, dass diese immer zu Elke und ihrem kleinen Blog gehen. Das mache ich schon so, seit sie die Aktion 'Elkes frohe und kreative Linkparty' ins Leben gerufen hat. Im Juli nahm ich mit der Geschichte 'Der alte Krämerladen' teil. - Ja und nun ist es tatsächlich passiert: Mit einer anderen Bloggerin teile ich mir den im Juli vergebenen Kreativ-Award. Da bin ich doch echt platt!



Wenn ich in manchen Blogs unterwegs bin, staune ich über die große Kreativität. Ich selbst halte mich gar nicht für kreativ, zumindest nicht auf handwerklichem Gebiet.
Auf der anderen Seite sind wir alle kreative Menschen. So kann eine Kreation sein, mit allen unseren Empfindungen und Sinnen im Augenblick zu leben und uns bewusst zu sein, dass das, was wir in dem Moment denken und fühlen, Teil unserer Zukunft wird. - Bei aller Kreativität in dieser Hinsicht sollten wir jedoch bedenken, dass unsere Sorgen und Ängste, die wir in uns tragen, ein Teil unserer Zukunft werden können. Deshalb sollten wir unser Leben in so vielen Momenten wie möglich genießen, damit es auch in Zukunft ein Genuss bleibt, zu leben!

Mein herzliches Willkommen
gilt
Ulrike Schäfer-Zimmermann 
mit ihrem Blog
Sie ist diejenige,
mit der ich mir den Juli-Award teile!



Mittwoch, 9. August 2017

Ich konnte mich sofort erinnern!


 Woran?

An DIESE Tapete hier:




Die kleine Geschichte dazu:

Wir haben beschlossen, unser Schlafzimmer zu renovieren. In dem Zusammenhang sagte ich vor ein paar Tagen, dass ich schon als kleines Kind in dem Zimmer schlief, das heute - wieder - mein (unser) Schlafzimmer ist.
Heute begann mein Mann damit, einen eingebauten Schrank zu entfernen und ich sagte, dass der schon immer dort stand – früher halt in einem anderen Holz.
Als mein Mann nun das Gerüst dieses Schrankes entfernte und auch die Tapeten dahinter, kam darunter an einigen Stellen meine alte Kinderzimmertapete zum Vorschein – ziemlich vergilbt, aber immer noch schön J.



Ich konnte mich sofort an die Frösche unter dem Regenschirm erinnern und an die Marienkäfer und blaue Käfer gab es auch.
Das finde ich unfassbar, denn es ist wirklich schon ziiiiieeeemlich lange her J! - Irgendwie freue ich mich wie Bolle, sie noch einmal zu sehen! Klar, hab ich sie sofort im Bild festgehalten, bevor sie für immer verschwindet!





Sonntag, 6. August 2017

Frage 10: Warum wurde ich überhaupt geboren?

Hast du dich das auch schon einmal gefragt?
Oder Fragen wie diese gestellt:
Warum wurde ich zu dieser Zeit geboren
und nicht früher oder später?
Warum wurde ich in diese Familie hinein geboren
und nicht in eine andere?
Was sagst du, wenn die Antwort lautet:
Weil du dir den Zeitpunkt und die Familie
vor dem Eintritt in dieses Leben
ganz bewusst ausgesucht hast!
Warum sollte ich das getan haben, 
wirst du vielleicht fragen.
Was sagst du, wenn die Antwort lautet:
Weil deine Seele in dieser Familie, an diesem Ort
und zu dieser Zeit die Erfahrungen machen kann,
die sie machen möchte.
Nein, nein, wirst du vielleicht widersprechen.
Das kann gar nicht stimmen.
Wenn es nämlich so wäre,
hätte ich mir reiche Eltern ausgesucht,
wäre Prinz oder Prinzessin oder Supermodel,
hätte ein großartiges Talent!
Aber ich würde ganz sicher nicht dieses Leben führen!
Nein?!
Welchen Grund gibt es dann
für DEIN LEBEN an dem Platz,
an dem du stehst?


Jutta K.: 
Ich wurde geboren, weil meine Eltern sich liebten.
Ich wurde geboren, weil meine Eltern sich ein Kind wünschten.
Ich wurde geboren, weil meine Seele wieder auf Erden verweilen wollte.
Ich wurde geboren, weil ich noch viel zu lernen habe.
Ich wurde geboren, weil ich ein Teil des ewigen, endlos währenden Lebenszyklus bin.
Die ersten beiden Gründe weiß ich mit Sicherheit.
Die anderen Gründe sind Wunschgedanken, weil ich sonst einfach keine Erklärung dazu finden kann.
Martina: Du hast es wunderbar ausgedrückt - für mich macht auch alles andere keinen Sinn.
Alexander: Das sind tatsächlich ganz viele Frage, um die gleiche Grundsatzfrage herum, die jeder sich ganz einfach (im Grunde) selbst beantworten kann, wenn man es nicht von Beginn an weiß - und auch so. In den Träumen kann es jeder ergründen. Hilfe bekommt man auch durch die Menschen, Lebewesen und Gegebenheiten, um einen herum bzw. welche, die auf einen zu kommen. Von daher schließt sich der Kreis, an dessem Ende oder Beginn man dann vollumfänglich Ge-Wissheit (...) hat. Im Idealfall sind alle Einwirkungen dazu allerdings nur Bestätigungen des "offenen Verborgenen". 
Jeder hat seine eigene Geschichte, die mit anderen auch kollidiert; Ich schäme mich geradezu, dass ich bislang noch nicht gewillt war meine eigene fortzuführen, hatte ich doch schon damit begonnen in der Schensi-Erzählung. Diese wiederum setzt viel zu früh an und doch zu spät. Ich sollte darüber eine Biografie der andere Art machen. Danke für den Gedankenimpuls zu einem Mammutprojekt, welches ich vielleicht doch nie umsetzen oder beenden werde. Wozu auch? Es ist ja nur meine eigene Geschichte. Es fehlt ggf. der Mehrwert für andere. Aber ich weiß jetzt zumindest wie und wo ich (neu) ansetze, wenn ich es tue.
Um "kurz" die Frage zu beantworten, auf mich bezogen: Weil ich die Grundpfeiler in meinem letzten Leben bereits gesetzt hatte, in meinem speziellen Fall allerdings mit leichten Fehlern bei der Schau in die neue Manifestation, die große Wirkungen hervorriefen. Das erklärt dann auch die anderen Fragen, die heute - in der Jetztzeit - aufkommen und was man wo und wie zu tun hat. 
Martina: Ich kann dir nur Mut machen: Nimm das Projekt an und auf. Und übrigens: Woher willst du wissen, was andere möchten? :-) Sag nicht voraus, dass es keinen anderen interessiert! - Danke für deinen Kommentar. Es lohnt sich immer, über deine Gedanken und Aussagen nachzudenken!
Varis: Diese Fragen ließen sich für jeden Menschen beantworten, wenn sie sich nur nicht so von den Oberflächlichkeiten der Gesellschaft ablenken ließen. Wenn die Menschen endlich einmal damit beginnen würden, sich die Natur wirklich anzusehen und sich in sie hineinzufühlen anstatt sich von äußeren Instanzen das Gehirn waschen zu lassen, sähe das Leben auf diesem Planeten anders aus. Das Wesentliche entzieht sich einer Analyse des sog. logischen Verstandes, sondern lässt sich "nur" mit der Seele erfahren. 
Martina: Das Leben würden ganz sicher anders aussehen. Da gebe ich dir recht. Dennoch denke ich, dass alles nach einem großen Plan verläuft und auch die Tatsache, dass wir alle 'geblendet' werden von z. B. vielerlei materiellen Dingen, wird seinen Sinn haben. - Ich habe das Gefühl, dass einiges im Umbruch ist. Immer mehr Menschen hinterfragen und suchen. - Ein guter Weg, auch wenn sich uns nicht alles erschließen wird.
Sophia: Ich möchte mich ja gerne an diesen Gedanken festhalten (die wir ja offenbar teilen :) ) - dass die Seele sich dieses Leben, diesen Körper, diese Familie, dieses Jetzt vor Geburt auserwählt hat. Dann könnte man aufhören zu Grübeln warum dies/oderdas/oderjenes gerade MIR geschieht (oder dir, oder unseren Nächsten)- der Lernerfahrung wegen nämlich.
Aber andererseits - schön ist es schon, und befreiend, nicht wahr?
Mir gefällt dieser Gedanke jedenfalls.
Und ich hab immer viele Fragen an mich, an das Leben und immer wieder erlebe ich was alles an Geschenken "geliefert" wird.
Ich merke schon, ich verliere mich gerade wieder in Gedanken.
Martina: Du darfst dich gerne in deinen Gedanken verlieren! :-) - Es ist tröstlich. Ja! Aber nicht nur deshalb denke ich, dass es so sein muss, sondern weil alles andere einfach keinen Sinn macht. - Und das unser Leben sinnlos ist, das glaube ich in gar keinem Fall!
Helga: Ich wurde genau zum richtigen Zeitpunkt, genau in die richtige Familie und genau in dieses jetzige Leben geboren, um zu lernen.
Alles was mir geschah und geschieht, ist eine Lernaufgabe
und dient meiner geistigen Entwicklung. 
Martina: Ich darf dir etwas verraten: Ich auch! :-)
Daraufhin Helga: :) Ja von der Liebe kann unser Bewusstsein gar nicht genug lernen. :):)
Manu: Ich habe mich heimlich still und leise in das Leben meiner Eltern geschlichen. Wieso weiß keiner, aber sie haben sich darüber gefreut! Ich denke der da oben, hat sich dabei bestimmt was gedacht und ich bin froh darüber! *g*
Martina: 'Der da oben' ist sicher nicht ganz unschuldig daran, dass du an deinem und ich an meinem Platz stehe. Als - kleines oder größeres - Licht ist er ein Teil von uns oder besser gesagt: Wir von ihm! :-)
Angelface: Ob wir darüber rätselnde Gedanken führen - warum - wozu - weshalb und hat`s einen Sinn, - wir leben es im Jetzt und Hier. Wer privilegiert ohne Kummer und Sorgen ist, keine Existenzängste verspürt der denkt sicher nicht lange darüber nach Warum und zu welchem Zweck er in dieses Leben hineingeboren wurde. Wer irgendwie " Pech hat" , bei dem vieles im Argen ist/war oder bleibt, - übersetzt dies oft als "ungerecht" gegen sich.
vielleicht - ist es ja SEINE Aufgabe durch besondere Erfahrungen sein Leben zu meistern oder zu erkennen dass er damit nicht alleine auf der Welt ist.
gute Gedanken die gerade dieses Thema näher beleuchten" wünsche ich jedem der in der Lage ist über sich selbst nachzudenken ohne davor auf der Flucht zu sein..
 

Martina: Ganz genau so ist es. Wann machen wir uns Gedanken über diese Dinge - dann, wenn es nicht rund läuft in unserem Leben. Dann beginnen wir, es zu hinterfragen, vielleicht sogar infrage zu stellen. - Und schon wissen wir, wozu es gut ist, wenn es nicht rund läuft! :-)
Grazyna: Es ist wohl die Frage aller Fragen, liebe Martina, und vor zwanzig Jahren hat mich das Leben dazu bewegt, mir diese und andere Fragen zu stellen oder besser gesagt, lieferte zuerst die Antworten und die Inspirationen, eher ich überhaupt auf die Idee gekommen wäre, die Fragen zu formulieren. So ergab alles einen Sinn und heute bin ich unendlich dankbar, dass ich damals diesen Unfall hatte, der das Beste war, was mir passieren könnte :)) 
Martina: Schon unglaublich, oder? Bei mir war es ähnlich. Leider gibt es seither eine 'Behinderung'. Aber auch sie wird ihren Sinn haben. - Danach suche ich allerdings noch. :-)

Christine: Diese Fragen habe ich mir auch schon öfters gestellt. Meine Mutter hatte, bevor sie mit mir schwanger wurde, das Kind im vierten Monat verloren. Deshalb habe ich mir schon öfters Gedanken darüber gemacht, dass eigentlich ein anderer Mensch an meiner Stelle wäre, wenn meine Mutter das Kind nicht verloren hätte.
Martina: Das sind sehr zermürbende Gedanken. DU stehst ganz sicher nicht an der Stelle des Kindes, das deine Mutter verloren hat. Es kommt mir so vor, als hättest du das Gefühl, diesem Kind 'seinen Platz' in eurer Familie streitig gemacht zu haben. Das ist ganz sicher nicht der Fall. Dieses Kind konnte nicht geboren werden, weil die 'Umstände' nicht stimmten. Das Kind konnte seine Lebensaufgabe in eurer Familie dann doch nicht finden und hat sich entschieden, wieder zu gehen. DU bist geblieben, weil die Lebensumstände für dich und deine Lernaufgaben stimmten!
Wolfgang: Die Frage ist so ähnlich, wie die nach dem Sinn des Lebens und über die zweite habe ich oft nachgedacht und finde nur die Antwort, dass der Sinn des Lebens das Leben selbst ist und in diesem Kontext machen die Antworten, die Du in Deinem Post aufgeschrieben, oder vielleicht auch gegeben, hast durchaus Sinn. Vielleicht sind wir hier genau zu dieser Zeit und an genau diesem Ort, um Erfahrungen zu machen, die wir zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort so nicht machen können.
Martina: Die Frage nach dem Sinn unseres Daseins ist wohl eine der größten Fragen, die wir uns stellen können. - Die Antwort kann uns immer nur zum Teil befriedigen, da uns halt die Gewissheit fehlt. - Doch sich diese Frage zu stellen und auf die Suche nach dem Sinn zu machen, lohnt ganz sicher und bringt immer wieder - wenn auch kleine - neue Erkenntnisse!
Klärchen: 2001 schrieb ich dazu
Die Frage nach dem Warum
werden wir immer wieder stellen,
unser Leben lang
gerade deshalb
weil wir keine Antwort finden werden.
Wir können nur unsere eigenen Vermutungen und Erklärungen für uns finden, uns damit trösten, beruhigen,unser Leben annehmen, jeden Tag neu.Es hält uns wach und lebendig nicht aufzugeben die Wahrheit und Antwort zu finden.
Was ist die Wahrheit?
Die Wahrheit ist die Antwort auf die Fragen, warum leben wir jetzt und heute?
Martina: Die 'Wahrheit' - ein Schlüsselwort in deinem Kommentar! Jeder hat seine eigene 'Wahrheit' - keiner von uns hat die ganze Wahrheit. Die werden wir hier auf der Erde auch nicht finden! - Es ist, wie du schreibst: Wir vermuten, versuchen zu erklären und so für uns den Sinn zu finden!
Margrit: Ich war eines von tausenden Spermien und war einfach das schnellste lach...:-))
Na ja ich bin einfach da so wie Millionen andere auch und übrigens bin ich sicher schon mal gelebt zu haben in Afrika und nach meinem Tode geht es dann weiter ,so ist der Lauf des Lebens und der Lauf der Natur ,sie generiert sich immer wieder und wieder !
Es tönt vielleicht verrückt aber ich glaube einfach daran !!!
Martina: :-)) - Da hast du recht! - Du hast in Afrika gelebt?! Wie spannend. - In meinen Ohren klingt es nicht verrückt, sondern einleuchtend! - Eigentlich müssen wir nur die Natur beobachten, um zu dieser Erkenntnis zu kommen! 


Donnerstag, 3. August 2017

Jung - mittel – alt

Was ist davon gut oder besser? Was ist gar schlecht? Also junger Gouda schmeckt mir besser als alter, aber alter Wein schmeckt mir besser, als junger! J - Das meine ich natürlich nicht, wie ihr euch denken könnt. Ich meine uns Menschen.
In manchen Kulturen werden und wurden ältere Menschen sehr geachtet. In den asiatischen Ländern zum Beispiel. Hier in unseren Breitengraden war das schon immer etwas anders. Dennoch habe ich das Gefühl, dass man früher vor dem Alter mehr Respekt hatte.
Ich erinnere mich an eine Familie, die vor Jahnzehnten aus Kasachstan hier in unsere Gemeinde kam. Sie wurden unsere Nachbarn. Unsere Tochter spielte mit den Kindern. Auch wir Erwachsenen verstanden uns gut. Damals lebte meine Mutter noch und sie bot wie selbstverständlich das Du an und ich hab noch im Ohr, wie die junge Familie dies vehement ablehnte – aus Erfurcht vor ihrem Alter.
Früher waren die Alten ganz selbstverständlich für die Kleinen da. Sie hüteten sie, während die Eltern arbeiteten. Damals hatten die Alten noch einen Platz im Gefüge der Familie. Sie standen am Ende einer Kette – die Kinder am Anfang.
Als Kind hatte man zu  gehorchen: ‚Kinder soll man sehen, aber nicht hören’, war ein beliebter Satz. ‚Mach einen Knicks’, ‚Mach einen Diener’, ‚Gib die schöne Hand’. Das erinnert eher an den Umgangston in einer Kaserne. 
Wenn ich heute die oft sehr selbstbewussten Kinder beobachte, frage ich mich: Wann kam in dieser Beziehung eigentlich die Wende? Eines galt aber damals genau wie heute:  Alle Jugendlichen wollen möglichst schnell ‚groß’ werden, um zu dem (scheinbar) exklusiven Club der Erwachsenen dazu zu gehören.
Wenn ich an die Männer meiner Kindheit zurück denke, kommt es mir so vor, als wenn die ‚gestandenen Männer mittleren Alters’ sehr stolz waren auf alles, was sie erreicht hatten. Aus diesem Stolz heraus präsentierten sie neben allem Materiellen, was sie vorzuweisen hatten, gerne wohlerzogene Kinder und ‚adrette’ Frauen.

Nostalgie bilder

Ich erinnere mich in diesem Moment an die Sonntagsauflüge. Man ‚putzte’ sich heraus. Mein Vater trug an jedem Sonntag Anzug und Krawatte. Wir Kinder hatten auch Sonntagskleidung, die wir natürlich nicht schmutzig machen durften. – Ach Kinder, wie die Zeit vergeht und was sich alles mit ihr ändert!


Dienstag, 1. August 2017

Kontaktanzeige

Wenn man dem Kalender Glauben schenken möchte,
schreiben wir heute den 1. August! :-)

Und das bedeutet:
Es sind schon wieder 14 Tage seit der letzten Geschichte vergangen.
Unglaublich, wie ich finde.

Die Reizwörter für die Geschichten, geben 'wir'
uns immer gegenseitig vor.

Wir, das sind meine Mitschreiberinnen

Die Reizwörter waren diesmal: 
Amtsschimmel – Schreck – salzig – vergessen – überlegen



Hannelore stand in ihrem Schlafzimmer vor dem Kleiderschrank. Was sollte sie nur anziehen? Der Schrank war wirklich bis zum Bersten voll, doch sie konnte sich einfach nicht entscheiden. Wie auch? Dieser Fall war ja völlig neu! Nie zuvor hatte sie auf eine Kontaktanzeige geantwortet, doch ganz nach dem Motto: ‚Einmal ist immer das erste Mal’, hatte sie es diesmal getan. Und nun stand sie hier, war ein bisschen weich in den Knien und wusste nicht weiter. Hätte sie doch bloß nicht … aber sie konnte ja immer noch, wenn sie wollte, einen Rückzieher machen. Aber nein, so ein Angsthase war sie ja nun auch wieder nicht. Was sie begann, zog sie auch durch. Zielsicher schnappte sie sich ihre Lieblingsbluse und eine weiße Hose. Damit konnte sie nichts falsch machen. So war sie weder overdressed, noch das Gegenteil. Das würde schon passen und überhaupt. Seit wann legen Männer Wert auf Kleidung und wenn, würde sie an eine besondere Spezies geraten.
Aufgeregt war sie schon, das musste sie zugeben. Im ‚Amtsschimmel’ wollten sie sich treffen. Das war ein alteingesessenes Gasthaus in der nahe gelegenen Kleinstadt. Einmal war sie bisher dort gewesen, mit ihrer Freundin Gisela. Damals hatten sie ein Schnitzel mit Bratkartoffeln gegessen, die ein bisschen zu salzig gewesen waren. Sie überlegte kurz, wie lange das schon zurück lag, aber das war ja jetzt auch völlig egal, heute ging es ja gar nicht ums Essen. Heute ging es ja um die Liebe oder zumindest um einen netten Herrn, mit dem sie hin und wieder Ausflüge machen oder auf Konzerte gehen wollte. So alleine machte das einfach keine Freude. Sie wollte ja nicht mit ihm zusammen ziehen, nein, das auf gar keinen Fall, sie war ihre Freiheit gewohnt, lebte schon immer alleine, doch jetzt, wo sie Rentnerin war, kam doch das Verlangen in ihr auf, hin und wieder an der Seite eines Mannes durchs Leben zu gehen.
Hannelore trug einen knallroten Lippenstift auf, der exakt die Farbe ihrer Bluse hatte. Sie drehte sich vor dem großen Spiegel hin und her und war recht zufrieden mit dem, was sie dort sah. Sie war ja auch noch nicht alt und runzlig, nein sie war noch recht knackig. Hoffentlich war Er kein Stinkstiefel. So einen konnte sie nicht gebrauchen und einen dicken Bierbauch müsste er auch nicht zwingend haben. Hoffentlich kommt er nicht in kurzer Hose mit Socken und Sandalen, ging es ihr durch den Kopf. Also das ging gar nicht. Dann würde sie gleich Reißaus nehmen.
Sie nahm ihre Handtasche und drehte sich suchend um. Hatte sie etwas vergessen? Nein, sie glaubte nicht. Schnell nahm sie den Autoschlüssel vom Haken und machte sich auf den Weg. Sie liebte Abenteuer und dies schien ihr ein ganz besonderes zu werden.
Bald darauf betrat Hannelore das Lokal. Bisher waren nur wenige Plätze besetzt. Kein einzelner Herr war zu sehen. Im selben Moment fuhr ihr der Schreck in alle Glieder. Sie hatte doch etwas vergessen. Sie sollte doch als Erkennungszeichen eine gelbe Rose in Händen halten. So hatten sie vereinbart. Aber so schlimm war es nun auch wieder nicht. Sie würden schon zueinander finden, wenn es so bestimmt war.
„Haben sie reserviert?“, wurde sie von dem netten Kellner gefragt. „Nein, nein, ich hätte aber gerne einen Tisch für 2 Personen. Der Herr wird wohl gleich kommen“, erwiderte Hannelore.
Der Kellner wies ihr einen Platz zu. Direkt am Fenster. Das war gut. So konnte sie schon vorher sehen, wer sich auf den „Amtsschimmel“ zu bewegte. Wenn ihr gar nicht gefiel, was sie sah, konnte sie ja immer noch durch den Hinterausgang verschwinden.
Hannelore bestellte ein Glas Wasser. Wein würde sie erst später trinken – oder auch nicht, je nachdem, wem sie heute begegnete. Ach, irgendwie war das Ganze doch ganz schön aufregend.
Als sie den ersten Schluck nahm, traute sie ihren Augen kaum. Die Schnepfe aus dem Erdgeschoss kam direkt auf das Lokal zu. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Ilse war die größte Tratsche, die sie kannte. Wenn die sie hier mit einem Mann sehen würde, wüsste das spätestens morgen die halbe Nachbarschaft. Aber wenn schon, dann war es halt so. Sie hatte ja nichts zu verbergen.
Ilse betrat den Raum, aber was hielt sie denn da in der Hand? Das war unverkennbar eine Rose. Eine rote Rose? Was hatte das denn zu bedeuten?
Hannelore hatte wirklich großes Glück. Ilse schaute nicht in ihre Richtung, sondern nahm an einem Tisch in der anderen Ecke des Raumes Platz. Na, das war ja noch einmal gut gegangen. – Aber die rote Rose wollte Hannelore so ganz und gar nicht aus dem Kopf gehen. Ilse würde doch nicht etwa …
Wieder kam jemand auf das Lokal zu. Diesmal war es ein Mann. Hannelores Herz setzte für einen Moment aus. Sie konnte wirklich jedem, der ein Abenteuer suchte, nur raten, einmal auf eine Kontaktanzeige zu antworten. Das war spannender als jeder Krimi. Der Mann sah recht nett aus. Ja, der könnte ihr gefallen und er trug auch etwas in seiner Hand. War es eine Rose? Sie konnte es nicht genau erkennen. Als der Mann den Raum betrat, überlegte sie kurz, ob sie die Hand heben und auf sich aufmerksam machen sollte, doch sie zögerte. Im selben Moment ging der Mann zwei Schritte auf sie zu, wendete sich dann jedoch wieder ab. Hannelore war entsetzt. Er würde doch nicht kneifen oder noch schlimmer, sie unattraktiv finden und gleich wieder gehen wollen? Noch immer wusste sie nicht, was sie tun sollte. Auf sich aufmerksam machen oder abwarten? Sie entschied sich für die letztere Variante. Der Mann verließ das Lokal jedoch nicht, sondern ging ein paar Schritte weiter in die andere Richtung der Gaststube und blieb am Tisch von Ilse stehen. Sie erhob sich und er begrüßte sie mit einem Handkuss und überreichte ihr die Rose. Das war ja unfassbar! Ob die Ilse heimlich eine Kontaktanzeige aufgegeben hatte? Bestimmt! Das passte zu der Ilse. Aber sich über andere das Maul zerreißen.
Hannelore griff zu ihrem Handy. Das musste sie Gisela schreiben. Ihre Freundin kannte die Ilse aus der Schulzeit. Gisela würde Augen machen, wenn sie davon erfuhr, dass sich die Ilse heimlich mit einem Verehrer traf.
Hannelore legte das Handy zurück in ihre Handtasche. Es war wirklich schade, dass sie die beiden von ihrem Platz aus nicht gut sehen konnte. Zu gerne hätte sie die Situation beobachtet, aber das war ihr einfach nicht möglich. Ob sie sich umsetzen sollte? Aber dann würde Ilse sie ja auch sehen. Obwohl, das wäre ihr eigentlich ganz recht.
Hannelore malte sich in den schillernsten Farben aus, wie peinlich die Situation für Ilse würde, als ein dicker kleiner Mann mit kurzer Hose, weißen Socken und braunen Sandalen auf das Lokal zusteuerte. In der Hand hielt er eine gelbe Rose!


© Martina Pfannenschmidt


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