Dienstag, 31. Januar 2017

Frühlingsgefühle

Eigentlich ist es ja noch ein 
bisschen zu früh, für
Frühlingsgefühle -
aber durch diese Reizwörter

Vogelvilla – Zombie – lächeln – rufen - frei

wurde ich in diese Richtung geführt.

Ich bin gespannt auf die Geschichten meiner Mitschreiberinnen:




Vogel bilder

Franz saß auf dem höchsten Ast einer Buche und hielt nach seinem Neffen Ausschau. Er war an diesem Nachmittag mit einigen anderen Jungvögeln ausgeflogen. Doch jetzt setzte die Dämmerung ein und Franz wurde unruhig. Schließlich hatte er seiner Schwester vor ihrem Abflug in den Süden hoch und heilig versprochen, auf ihren Jüngsten aufzupassen. Im selben Moment kam eine Schar schwatzender junger Buchfinken angeflogen. Gott sei Dank! Niemand hatte einen Flügelbruch oder ähnliches erlitten.
Franz lächelte, als er daran dachte, wie laut es erst im Frühjahr sein würde, wenn all diese jungen Männer auf der Suche nach ihrem weiblichen Gegenstück waren. Das gäbe ein Gezwitscher und Gezirpe.
Er selbst war Junggeselle geblieben. Zwar kein überzeugter, doch es hatte sich so ergeben, da der Vater von Ferdinand, seinem Neffen, ein Bruder Leichtfuß war. Anscheinend ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, hatte er seine Schwester mit 4 kleinen Buben zurück gelassen und sich einfach aus dem Staub gemacht. Da konnte Franz doch nicht einfach wegschauen und an sich denken. Er hatte es als seine Pflicht angesehen, seiner Schwester beizustehen und ihr bei der Aufzucht der Kleinen zu helfen. Seine eigenen Wünsche hatte er einfach zurückgestellt und dass sich jetzt, in seinem Alter, noch eine Buchfinken-Dame für ihn interessieren würde, hielt er für unwahrscheinlich.
„Hallo!“, rief Ferdinand, landete gekonnt neben seinem Onkel und begann zu schwärmen: „Das war toll. Wir waren im Nachbarort und haben Kinder beobachtet, die auf dem Teich mit Schlittschuhen liefen. Sie hatten so viel Spaß dabei. Ach, könnte ich das doch auch einmal ausprobieren. Schade, dass wir nur fliegen können. Ich würde auch so gerne einmal Schlittschuh laufen. Du musst es dir unbedingt anschauen. Was meinst du, wollen wir morgen zusammen dorthin fliegen?“
„Wir werden sehen“, antwortete Franz in seiner ruhigen Art, „lass uns jetzt zuerst einmal nach Hause fliegen. Du solltest dich ein bisschen aufwärmen. Es ist ganz schön kalt heut.“
„Du“, entgegnete Ferdinand und begann zu lachen, „du hättest Hans-Werner sehen sollen. Als wir unser Gefieder gegen die Kälte ordentlich aufgeplustert hatten, sah er aus wie ein Zombie, echt, und auch ein bisschen wie seine Tante Mimmi“. 
Die Jugend von heute, dachte Franz, musste aber über sich selbst schmunzeln, denn es gab wohl keine ältere Generation, die das nicht über die jüngere sagte. Und über den Wunsch seines Neffen, Schlittschuhe laufen zu wollen, grinste er noch mehr. Dem jungen Hüpfer war wohl gar nicht bewusst, was es bedeutete, fliegen zu können. Bestimmt wünschten sich andere Tiere und die Menschen, auch einmal so frei zu sein, wie die Vögel.
Bald darauf erhoben sich die beiden und flogen zu ihrem Zuhause. Das war eine wunderschöne Vogelvilla, die Franz von seinem Vater vererbt bekommen hatte und die er sicher einmal an seinen Neffen weiter vererben würde.
Als sie später dicht nebeneinander saßen, um sich gegenseitig zu wärmen, erzählte Ferdinand von seinen Beobachtungen am Teich. Neben den Kindern, denen er zugeschaut hatte, interessierte er sich für seine entfernten Verwandten, die Enten. Obwohl er selbst ja auch keine Schuhe trug, wunderte er sich darüber, dass seine Artgenossen mit ihren großen Paddelfüßen über das Eis laufen konnten, ohne dass sie erfroren. Franz erklärte ihm, dass alle Vögel im Winter kalte Füße haben, da sie die Temperatur darin selbst heruntersenken, um nicht zu viel Wärme über die Füße abzugeben. Zum anderen erzählte er ihm, dass die kalten Füße bei den Wasservögeln dafür sorgen, dass das Eis nicht antaut, da sie sonst daran festfrieren würden. Ferdinand war begeistert. Er senkte selbst die Temperatur in seinen Füßen ab und war sich dessen nicht einmal bewusst. Das war echt genial.
„Du, Onkel Franz?!“
„Ja.“
„Darf ich dich noch was fragen?“
„Ja, klar!“
„Warum hast du eigentlich keine Frau und keine eigenen Kinder?“
Oh, jetzt saß Franz in der Zwickmühle. Auf keinen Fall sollte sein Neffe erfahren, dass er oder besser gesagt die Situation seiner Mutter daran nicht ganz unschuldig waren. Der Junge konnte ja nichts dafür. Deshalb antwortete Franz ausweichend: „Nun ja, manchmal kommt es im Leben anders, als man denkt.“
„Weißt du“, fuhr Ferdinand fort, „ich frage, weil mir der Hans-Werner von seiner Tante erzählt hat. Du kennst sie doch, die Mimmi?“
„Ja, wer kennt sie nicht.“
„Also, die Mimmi, die hat ja auch keinen Partner und letztens hat Hans-Werner gehört, wie die Mimmi zu ihrer Freundin gesagt hat, dass sie den Franz – also dich – ganz toll fände.“
„Mich?“, rief Franz. „Und ich dachte immer, die Mimmi interessiert sich nicht für mich, sondern nur für Krimis. Na da schau an.“
„Die Mimmi hat wohl Bedenken, dass du sie vielleicht nicht magst, weil sie so ein bisschen aufgeplustert aussieht – also immer, jeden Tag, auch im Sommer."
Ferdinand hüstelte. Er wollte nicht sagen, dass die Mimmi ziemlich dick war. Es konnte ja durchaus sein, dass seinem Onkel das gefiel – und genau so war es auch.
Als Ferdinand bald darauf die Augen zufielen, kannten die Gedanken seines Onkels nur eine Richtung: Mimmi! Würde es für ihn wirklich noch eine Liebe geben und vielleicht sogar eigene Kinder?
Franz wurde ganz eigenartig zumute. Konnte das möglich sein? Frühlingsgefühle zu dieser Jahreszeit – und das in seinem Alter?!


Kommentare:

  1. Liebe Martina,
    wieder eine ganz wundervolle Geschichte aus deiner Feder.
    Ich lese hier sehr gern.
    Liebe Dienstagsgrüße schickt Dir
    Irmi

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  2. Eine lustige Idee, die Geschichte aus der Sicht eines Vogels zu schreiben. So hast du alle Reizwörter gut untergebracht.
    LG Elke

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  3. Oh, wie niedlich! Aus der Sicht eines Vogels zu schreiben, darauf kommst auch nur Du! Super!
    Ich musste zum Schluss ein wenig schmunzeln, denn es scheint schon etwas dran zu sein, dass jedes Töpfchen auch sein Deckelchen findet. So ist es bei den Menschen und wohl auch im Tierreich. Für jeden ist gesorgt.
    Danke für diese schöne Geschichte.
    LG
    Astrid

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  4. Liebe Martina,
    danke für diese wieder so schöne Geschichte!
    Hab einen wundervollen Wochenteiler!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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  5. Was für eine herrliche Geschichte besonders laut habe ich gelacht über die Mimi und ihre Krimis.
    Und wieder hast du eine Information verpackt mit den kalten Entenfüßen, das wusste ich noch nicht.
    LGLore

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  6. Liebe Martina, das wusste ich auch nicht mit den wohltemperierten Entenfüßen, und die Mimmi mit dem Krimi cool, ich finde das toll, wenn man unseren bepelzten oder gefiederten Freunden eine Stimme schenkt, herrlich. Liebe Grüße Eva

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  7. Liebe Martina,
    gerade habe ich dich bei Elke entdeckt. Schön ist es bei dir. Ich folge Dir gerne.
    Liebe Grüße Patricia

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  8. Oh wie nett, da musste ich gleich eine Blick auf unseren Teich runter werfen, da schwimmen in einer kl. offenen Fläche, 5 Enten . . . ob da die Mimmi oder der Franz dabei ist?
    Gruß Doris

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  9. das ist eine süße Geschichte, leider sind meine Enkel groß. Aber was stellt man fest, Frühlingsgefühle kann man in jedem Alter haben...grins.
    Liebe Grüße, Klärchen

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  10. Liebe Martina,
    eine gelungene Geschichte! Frühlingsgefühle kennen kein Alter - das ist schön <3!
    Liebe Grüße und einen schönen Abend,
    Christine

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  11. Ach wie wunderschön, liebe Martina!!!!
    Du hast in deiner herzlichen Erzählung so viel untergebracht. Ein paar passende Bilder dazu und das Ganze würde ein ganz tolles Buch abgeben. Ich habe mir beim Lesen die ganze Zeit vorgestellt, ich hätte ein Kind auf dem Schoß und wir würden gemeinsam diese Geschichte genießen. Uns über dies und das, das du angesprochen hast unterhalten, so wie ich es schon so oft erlebt habe….. (dabei ist mir gleich ein wenig wehmütig ums Herz geworden).
    Das mit der Temperatur heruntersenken war mir neu. Ist ja interessant. Darüber hätten wir bestimmt länger gesprochen und dann hätte ich auch sicher erklären müssen, warum ich bei der Selle mit dem Krimi lachen musste…..
    Ich danke dir von ganzen Herzen für diesen bezaubernden Beitrag.

    ♥ ♡ ♥ ♡ ♥ ♡ ♥
    Herzlich grüßt
    Uschi

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  12. Liebe Martina,
    das ist wirklich eine ganz niedliche Geschichte! Auch ich musste herzhaft lachen über die Mimmi und den Krimi ...
    Und am Schluß kam mir der Gedanke, dass ich auch so eine "Mimmi" bin - ein "aufgeplustertes" Töpfchen, das sein Deckelchen gefunden hat ... nee, eigentlich war es eher umgekehrt - das Deckelchen hat das Töpfchen gefunden! - Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Ich bedaure in diesem Moment sehr, dass ich keine Enkel habe, denen ich diese Geschichte vorlesen könnte ...
    Liebe Grüße
    Christine

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  13. hach..
    wie süß deine Geschichte..
    ja.. Liebe kennt kein Alter..
    und manchmal klappt etwas erst etwas später ;)
    hat mir sehr gut gefallen
    liebe Grüße
    Rosi

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