Freitag, 13. Januar 2017

Wann ist Frieden möglich?

Frieden bilder

Eine Frage, die ganz sicher nicht nur mich beschäftigt.
In der Welt herrscht so viel Krieg, obwohl alle Menschen, mit denen ich Kontakt habe, sich Frieden wünschen. Gibt es überhaupt Menschen, die sich einen Krieg wünschen? Sicher nur wenige. Doch warum herrscht dann nicht Frieden auf der Welt? Eine Theorie: Weil wir täglich Kleinkriege führen – und zwar in unseren Gedanken.
Geh mal bitte eine halbe Stunde durch eine Stadt und frag dich anschließend, ob es dir gelungen ist, in dieser Zeit kein einziges Mal über einen Mitmenschen zu urteilen.
Beispiele gefällig? „Die könnte auch mal wieder zum Friseur gehen, ihr dunkler Ansatz sieht echt sch…. aus.“ „Meine Güte, der junge Mann kann kaum gehen, so tief hängt ihm die Hose.“ „Eine Nummer größer würde der Mantel nicht so spannen.“ „Kein Wunder, dass der so dick ist, sitzt schon wieder bei Mäkkes und schiebt sich einen Hamburger rein.“
Macht jeder in dieser oder ähnlicher Form, nicht wahr? Wir be- und verurteilen Menschen, die wir überhaupt nicht kennen und natürlich auch die, die wir kennen: „Der ist doch nur Abteilungsleiter geworden, weil er sich eingeschleimt hat.“
Die Frage ist doch: Warum machen wir das? Im letzten Fall könnte zum Beispiel Neid dahinter stecken. – Aber es ist nun mal so, dass wir in sozialen Gruppen leben, in der es eine Ordnung gibt. Leute, die oben stehen und Leute, die unten stehen.
Eine Straßenverengung. Zwei Fahrzeuge begegnen sich. Du bist einer der Fahrer. Was machst du? Soll der andere doch halten! In dem Moment wollen wir nichts anderes, als über den anderen herrschen.
Oft steckt Unsicherheit hinter unserem Verhalten, weil wir unseren Wert nicht erkennen. Wenn wir unseren Wert nicht erkennen und uns minderwertig fühlen, versuchen wir, andere herabzusetzen. Ich möchte nicht das Gefühl haben, dass ein anderer mehr Wert ist, als ich.
Dieses Verurteilen und Bewerten anderer Menschen passiert in unseren Köpfen und das bleibt für uns nicht ohne Folgen. Buddha sagte: „An Zorn festzuhalten ist wie Gift trinken und erwarten, dass der Andere dadurch stirbt.“ – Was er damit sagen will: Wir fügen uns selbst dadurch einen Schaden zu, nicht dem anderen.
Solange wir den anderen nicht so nehmen, wie er ist, nehmen wir ihn und damit die Realität nicht an. Wer ständig verurteilt, stößt eine Tür auf, hinter der die Unzufriedenheit wohnt. Unzufrieden über das Wetter, den Fußballclub, die Politik, das Geld, die Arbeit, die Gesundheit, das ganze Leben.
Wir urteilen alle, doch wenn wir uns dessen bewusst werden und unsere Gedanken stoppen, indem wir sagen: „Moment, ich urteile gerade wieder“, haben wir schon einen großen Schritt getan.
Der nächste Schritt: Wir müssen schauen, warum wir verurteilen. Vielleicht sind es Verletzungen, die uns zugefügt wurden, die uns urteilen lassen oder die eigene Unsicherheit. Es bringt nichts, sich dafür zu verurteilen, dass man wieder geurteilt hat. Aber es bringt etwas, nach der Ursache zu forschen. Wir sollten uns in diesen Momenten bewusst werden, dass wir uns nur selbst einen Schaden zufügen. – Auch der andere sucht sein Glück und hat sein Päckchen zu tragen. Zitat: „Urteile nie über einen anderen Menschen, bevor du nicht 7 Meilen in seinen Schuhen gelaufen bist.“
Wenn es uns gelingt, die anderen Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind, wird es uns auch gelingen, dass ganze Leben so zu akzeptieren, wie es ist.

Wenn in jedem Menschen, der diese Erde bewohnt, Frieden herrscht, wird Frieden für alle möglich sein! Und dieser Frieden muss in unseren Köpfen beginnen!

Nachtrag: Tanja vom Blog 'Fründliche Scherereien' hat sich ebenfalls Gedanken zum Thema 'Frieden' gemacht. Wer sie lesen möchte: KLICK!



Kommentare:

  1. Liebe Martina
    ich habe deinen Beitrag aufmerksam gelesen,
    ja wir wissen es, wie es sein sollte, dass wir nicht
    bewerten sollen, nicht neidig sind, sich nicht vordrängen,
    nicht einmischen, einfach sich überlegen und besser fühlen als andere.
    Aber ist das so leicht, ich denke es ist menschlich, jeder macht sich seine eigenen Gedanken über gewisse Dinge, jeder hat seinen eigenen Geschmack, dem gefällt diese Frisur, der andere sagt vielleicht "Geh schau, was der für eine Frisur hat"
    "Frieden" ist ein großes Wort bei diesen Alltäglichkeiten oder Unzufriedenheiten, aber ich gebe dir Recht, es muss im Kopf beginnen, ich versuche immer wertschätzend, respektvoll und gerecht zu sein, allerdings bin ich nicht gefeit gegen menschliche Schwächen.
    Ich wünsche dir ein ruhiges, lustiges und hoffentlich
    sonniges We.
    LG Sadie

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  2. oh ja..
    die kleinen Dinge im Kopf..
    sie geschehen ganz automatisch..
    und oft schäme ich mich für meine Gedanken..
    aber ich kann sie nicht einfach stoppen..
    doch sollten diese Gedanken eingeschlossen bleiben .. und nicht Taten daraus folgen.. dann ist es noch irgenrwie zu verzeihen..
    ich werde mein Gegenüber nicht beleidigen und ihm sagen dass dies oder jenes an ihm nicht gefällt.. (es sei denn ich würde gefragt)
    aber ich würde auch nicht falsch lobhudeln..
    aber du hast schon Recht.. man soll sein Denken auch hinterfragen..
    und sich überlegen warum der Andere so aussieht.. vielleicht hat er kein Geld für den Frisör..
    oder für modische Kleidung ( allerdings achte ich da gar nicht drauf da ich selber keinen Wert darauf lege)
    vielleicht ist mein Gegenüber von etwas einfacherem Gemüt und kann sich daher nicht gut ausdrücken
    oder er kommt aus einer Ecke die seine Weltanschauungen begünstigt..
    da sollte man freundlich und höflich bleiben..auch wenn man anderer Meinung ist..
    der Krieg beginnt da wo ich andere herabsetze.. meine sie verändern zu müssen.. sie nicht als Mensch wertschätze..

    alles Liebe
    Rosi

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  3. Da hast du gut und viel nachgedacht liebe Martina -


    aus meinem Gedankenurteil wird meine Handlungsweise -

    dann sollte ich sicher erst mal bei mir beginnen, mich selbst so an-zu-nehmen wie ich bin und nicht wie ich gern sein möchte :-)

    Dann klappts vllt.auch mit dem Nachbarn!

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  4. Wichtig ist, glaube ich, was die Herrschenden dieser Welt denken.
    Wenn ein Politiker bestimmte Menschen als minderwertig bezeichnen und ausgrenzen, schüren sie Hass zwischen den Völkern. Neid und Macht sind die größten Kriegstreiber. Solange die Menschen leider nicht überall auf der Welt gleich gut und zufrieden leben können, wird es Krieg geben.
    LG Elke

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  5. Liebe Martina, dabei erwische ich mich auch oft. Dabei ist so ein Verhalten total bescheuert. Jeder muss doch so leben können, wie es ihm gefällt,lobe Besserung. Liebe Grüße Eva

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  6. Ich stimme dir vollkommen zu, aber das Problem ist die Gesellschaft an sich, es geht nur noch um´s Geld. Die Menschen sind oberflächlich und egoistisch geworden....schade, aber innere Werte und Nächstenliebe zählen nicht mehr. LG Romy

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  7. Liebe Martina, ich habe keinen Kommentar sondern Deinen Beitrag auf meiner Seite verlinkt und meine Gedanken danebengestellt. Danke für Deinen Post, er hat mich echt zum Nachdenken gebracht. LG Tanja

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  8. Liebe Martina,
    über dieses Thema sollten wir uns alle Gedanken machen. Aber oftmals möchten wir uns über die vielen Kriege in unserer Welt keinen Gedanken verschwenden. Die Kriege sind so weit weg. Und dennoch: Sie sind näher als wir denken.
    Ein schönes Wochenende wünscht Dir
    Irmi

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  9. Das ist so wahr, was Du hier schreibst, liebe Martina!

    Ich fand gerade erst auf Instagram jemand, die sich ähnliche Fragen stellte und mein Kommentar dazu war folgendermaßen: Ich halte den Weltfrieden - leider - auch für eine schöne Illusion. Anwälte, Gerichte, Ex-Ehepartner, Nachbarn, Hundebesitzer, Hundehasser, Raucher, Nichtraucher, Gemobbte, Mobber, Vergewaltigte, Massakrierte u.v.a.m. können das bezeugen. Der Krieg ist allgegenwärtig, nicht erst im globalen Zusammenhang.

    Alle behaupten, sie wollten Frieden, doch WER hält sich wirklich daran? Ich sehe nichts! Und ich glaube, die Menschen sind unzufrieden, leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen, wollen sich selbst erhöhen, indem sie andere klein machen. Aber ganz so einfach ist das sicher nicht, alle sind in einem "Korsett" "gefangen" - vielleicht haben sie sich ihr Leben ganz anders vorgestellt .... und machen auf diese Weise ihrem inneren Unwohlsein Luft? Es kann so viele Gründe haben ...
    Und stimmt, wir selbst schaden uns am meisten! Schade, daß so viele Menschen sich und ihr eigenes Verhalten nicht selbst reflektieren!

    Du bist sehr weit vorgedrungen zum menschlichen Sein und ich teile, wie ich eingangs sagte, Deine Gedankengänge!

    Aber was ich hier u.a. in den Kommentaren lese ... die Gesellschaft sind WIR, wir alle, jeder Einzelne und wenn jeder ein wenig verändert, ist das schon viel! Auf "die Gesellschaft" kann man alles schieben doch jeder hat jetzt, hier und heute die Möglichkeit, es anders, besser zu machen, es basiert nur auf der eigenen Entscheidung! Die Bequemlichkeit mal über Bord werfen, das stünde manchen wirklich gut! Dazu gehört sicher auch Mut, sich gegen "die Gesellschaft", also "die anderen" zu stellen, aber mit dem Strom schwimmen, ist zwar bequem, doch was daraus werden kann, haben wir ja 1939 gesehen.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
    Sara

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  10. Liebe Martina,
    Du schreibst hier so viel Wahres auf und frei sprechen von diesem Fehlverhalten kann sich wohl kaum jemand. Doch arbeiten an uns sollten wir! Mit ein wenig Verständnis für unsere Mitmenschen, Nachbarn lassen sich zumindest Unfrieden und Kleinkriege untereinander beilegen. Auch wenn es schwer fällt, andere Lebensmodelle oder eine andere Kultur zu verstehen.
    Ich bemühe mich meist um Verständnis und doch ertappe ich mich immer wieder mal bei einem Vorurteil.
    Und auch wenn wir wir alle vorbildlich und vorurteilsfrei wären, trotzdem wird es weiterhin Kriege geben, denn die Ressourcen unseres Planeten sind ungleich verteilt und werden immer knapper. Wieder ein Ansatz, wo jeder Einzelne gefragt ist...
    Herzliche Grüße
    Marle

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  11. Hallo Martina,
    ja, da können wir uns wohl alle ein bisschen wieder entdecken! Danke für den Gedankenanstoß!
    LG
    Manu

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  12. welch ein kluger Postgedanke, liebe Martina, ich bewundere dass du ihn so offen aussprichst, denn - wir die wir denken ehe wir handeln (zumindest sollte es so sein, denken genau das!- erst mal bei sich vor der eigenen Tür kehren ehe wir den Balken im Auge des gegenübers sehen( nämlich das was uns nicht an dem "passt" woran wir Anstoss nehmen und es auch kund tun.
    Mal heimlich still und lesie, mal unverbrämt laut in einer Kritik am anderen..
    was meine Mitleserin dazu meinten kann ich im einzelnen alles unterstreichen...
    ein tolles Thema, ein guter Post..
    sehr nachdenkenswert...
    danke sag ich zu dir....
    herzlichst Angel...

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