Mittwoch, 15. Februar 2017

Mach das Beste draus

Morgen 
werde ich verraten,
wer der Sieger meiner 
kleinen Schätzaktion ist
und
Heute
gibt es wieder einmal eine Geschichte,
die diesmal diese Reizwörter enthalten musste:
Andenken – Topflappen – werfen – rosa – berühmt

 Schaut doch bitte, ob es auch bei
etwas zu lesen gibt. 

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Mit nur zwei Fingern hielt Vanessa zwei Topflappen in die Höhe:  „Mensch Omi“, rief sie aus, „diese alten Dinger kannst du aber wirklich mal entsorgen und dann noch dieeeese Farbe. Schweinchen-Rosa! Die sind einfach nur hässlich, Omilein.“
„Mag sein, dass sie in deinen Augen abgängig sind, aber die werde ich niemals in den Müll werfen, weil sie nämlich ein Andenken an meine Mutter sind.“
Vanessa wusste, dass sie ihrer Oma mit ihrer Bemerkung eine Steilvorlage geliefert hatte und auch, welcher Satz nun folgen würde.
„Hab ich dir schon erzählt, dass sie eine grandiose Köchin war und erst ihre Torten! Für ihre Schwarzwälder Kirschtorte war sie berühmt!“
„Ja, Omilein, hast du schon erzählt.“
„So?!“
Es dauerte gar nicht lange, da schwelgte Oma in ihren Erinnerungen und ihre Enkelin hörte ihr aufmerksam zu. Sie wusste, dass sie von dem, was ihre Oma zu erzählen hatte, etwas für sich und ihr Leben lernen konnte.
„Weißt du“, begann Oma, „meine Mutter war eine kluge Frau. Gerne wäre sie Grundschullehrerin geworden, doch sie war die Älteste von 10 Kindern. Da war zum einen kein Geld für ein Studium vorhanden und zum anderen wurde ihre Arbeitskraft im Haushalt benötigt. Die Frauen früher hatten selten das Glück, ihren Talenten und Begabungen folgen zu können. Bestimmt hat sich meine Mutter oft gefragt, was wohl aus ihr geworden wäre, wenn sie zu einer anderen Zeit geboren worden wäre.“
„Hat sie mal mit dir darüber gesprochen?“
„Nein, nein. Sie war schon zufrieden mit ihrem Leben. Doch irgendwann fragen wir uns wohl alle, was wäre, wenn. Doch sie musste sich als junges Mädchen halt um ihre Geschwister kümmern und ihre Mutter entlasten. Später hatte sie ihre eigenen Kinder und ihren Mann zu versorgen und wie selbstverständlich hat sie sich auch um ihre Eltern gekümmert, als sie alt waren und alleine nicht mehr zurecht kamen.“
„Denkst du, ihr wurde das manches Mal zu viel?“
„O ja, ganz sicher sogar. Doch sie hat nie geklagt. Sie hat uns immer gesagt, dass die Liebe, die wir anderen geben, auf uns zurückfällt. Und damit hat sie ganz sicher recht. Wenn ich an sie zurück denke, dann immer nur voller Liebe und Dankbarkeit. Sie war ein wirklich warmherziger und liebenswerter Mensch und eine wunderbare Mutter.“
„Das ist schön, wenn man das über jemanden sagen kann.“
Oma nickte.
„Weißt du, Kind, ich denke manchmal darüber nach, dass wir alle, wenn wir geboren werden, einen leeren Rucksack bei uns tragen. Doch vom ersten Atemzug an füllen wir ihn mit all den Erfahrungen, die wir in unserem Leben machen und da kommt so einiges zusammen: Die Kindheit, die Jugend, das Erwachsen werden, schlechte Ereignisse, Tiefpunkte, schmerzhafte Erlebnisse. Aber auch Schuld, die wir auf uns laden. Natürlich kommen auch all die Dinge in den Rucksack, die erfreulich sind. Schöne und glückliche Momente, Höhepunkte in unserem Leben, die den Rucksack leichter machen. Manch schwere Momente wiegen aber tatsächlich schwer. Sie belasten uns und irgendwann wird das Gewicht für uns tatsächlich problematisch. Dann hilft nur noch eins: Wir müssen den Rucksack öffnen und all die Dinge heraus nehmen, die uns so schwer belasten. Verletzungen, die uns zugefügt wurden oder Vorwürfe, die wir anderen Menschen gemacht haben: Raus damit, damit der Rucksack wieder leichter wird. Auch die Trauer um liebe Menschen belastet und macht das Gepäck schwer. Auch sie müssen wir irgendwann los lassen und in liebevolle Erinnerung wandeln, damit wir unter unserem schweren Gepäck nicht zusammen brechen.“
„Das ist ein schönes Bild, Omi. Hilfreich wäre wohl auch, die glücklichen Momente mehr wahr zu nehmen, um den Rucksack leichter zu machen. Ich glaube, ich muss auch mal nach meinem Gepäck schauen“, meinte Vanessa nachdenklich, „ich glaube, wenn wir Dinge verdrängen, liegen sie dennoch weit unten im Rucksack und machen ihn schwer.“
„Das hast du ganz richtig erkannt, mein Kind. Dinge zu verdrängen mag für eine kurze Zeit erfolgreich sein – oder besser gesagt, es mag so scheinen. Das ist aber ein Trugschluss. Wir müssen einfach an unsere Probleme herangehen und daran arbeiten.“
„Das sagt sich so einfach“, bekannte Vanessa, „aber ich kann dir sagen, einfach ist das nicht.“
„Die Erfahrung hab ich auch gemacht“, erwiderte Oma und musste ein bisschen über ihr kleines Küken schmunzeln. „Und noch etwas habe ich bemerkt: Für andere hab ich schnell eine Lösung für all ihre Probleme parat. Nur bei den Lösungen für mich selbst, da hapert es oft. Aber das ist wohl ganz normal und menschlich.“
„Omi?“
„Ja!“
„Wenn ich mir manche ältere Menschen anschaue, bekomme ich ein bisschen Angst vor dem Altern.“
„Ach, dass musst du nicht. Du wirst ja nicht von heute auf morgen alt. Es ist ja ein schleichender Prozess und du wirst langsam ans Alter herausgeführt. Manchmal ist es schon so, dass man in den Spiegel schaut und sich über sein eigenes Spiegelbild wundert. Man fühlt sich nämlich innen drin gar nicht so alt, wie es nach außen scheint. Vor allen Dingen musst du dir das Staunen, Träumen und Wünschen bewahren. Natürlich wünscht man sich mit 30 andere Dinge, als mit 80. In jungen Jahren wünschst du dir vielleicht, im Beruf erfolgreich zu sein, Geld für Reisen zur Verfügung zu haben oder eine Familie zu gründen.
Weißt du, wenn ich mittags in meinem gemütlichen Sessel sitze, um mich auszuruhen, denke ich oft an all die Wanderungen, die ich mit Opa gemacht habe und dann habe das Gefühl, ich könnte doch jetzt einfach vom Sessel aufspringen und losgehen. Doch wenn ich mich mühsam erhoben habe, weiß ich, dass diese Zeit vorüber ist. Trotzdem bin ich glücklich und nehme mein Alter an, damit mein Rucksack leicht bleibt. Wäre es anders, käme ein weiterer schwerer Stein in mein Gepäck. Es liegt also an dir, das Alter anzunehmen und nicht mit ihm zu hadern.“
„Mir scheint, Omilein, dass wir alle selbst für uns und unser Gepäck verantwortlich sind. Das werde ich mir für mein Leben merken.“
„Das freut mich, dass du das als Erkenntnis aus unserem Gespräch herausgezogen hast. Jedes Leben hält glückliche und traurige Momente bereit. Es liegt an uns, wie wir mit ihnen umgehen. Mach also das Beste aus deinem Leben, mein Kind!“


© Martina Pfannenschmidt, 2017



Kommentare:

  1. boa.....in so einer geschuichte liebe Martina und ich freue mich sie schon am Morgen gefunden zu haben, packst du alles - aber auch alles hinein was in so einen Lebensrucksack passt und hineingehören muss!---
    wunderschön, lebendig, gefühlvoll voller Ernst und dennoch leicht und alles andere als lehrreich beschrieben, ein Rucksack voller Gepäck von dem wir selbst entscheiden was man behält und was man davon leert.
    eine tolle Geschichte!!!!!!!
    sollte man jedem Kind wenigstens einmal im Leben vorlesen...
    herzlichst ein Danke in deinen Tag...angelface

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  2. Liebe Martina, das hast Du wunderbar geschrieben und die Weisheit der Oma ist ein guter Weg.Alle Lasten aus dem Rucksack nehmen und als Erinnerung außen anschauen. Ja, so oder ähnlich würde ich es auch meinen Enkeln sagen.Lesen würden sie es wohl weniger, es sind zwei Jungs, die andere Sachen im Kopf haben, aber auf Oma und Opa hören sie. Übrigens die Rosa Topflappen hätte ich Dir zur Verfügung stellen können, mit rosa Rand gab es sie auch bei mir - ererbt :-)).
    Liebe Grüße, Klärchen

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  3. Da hast du eine Geschichte mit Lebenhilfe geschrieben, wirklich lehrreich. Die Idee mit dem Rucksack ist gut. Es liegt an uns selbst, was wir aus unserem Leben machen. Danke auch, dass du immer an der Linkparty teilnimmst. Außer dir macht das noch eine Autorin, die Kinderbücher schreibt.
    LG Elke

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  4. Liebe Martina, hab schon immer gewusst, Omas sind einfach gute Philosophen. Das sollte jeder beherzigen, nur leider macht der Mensch sich das Leben einfach zu schwer. Leichter Rucksack das muss das Motto für jeden sein. Liebe Grüße Eva

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  5. Sagt man nicht: Jeder hat sein Päckchen zu tragen?! Von nun an werde ich mir kein Päckchen, sondern einen Rucksack vorstellen. Deine Geschichte ist einfach top. Wie Du die Oma das alles hast erklären lassen, ist so bildlich und gleichzeitig so realistisch. Ja, wir schleppen in der Tat so viel mit uns rum und es tut gut Ballast abzuwerfen, damit unser Rucksack wieder leichter wird und unser Leben angenehmer. Wir sollten uns das Leben nicht so schwer machen. Manchmal jedoch bekommt man vom Leben etwas in den Rucksack gepackt, was man gar nicht haben möchte und das man auch ganz schnell wieder loshaben möchte. Deshalb wünsche ich uns allen allzeit einen leichten Rucksack und einen angenehmen Weg.
    Danke für diese so wunderschöne Geschichte.
    LG
    Astrid

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  6. Liebe Martina,
    eine wunderschöne Geschichte hast du hier geschrieben.
    Ich denke als Oma hat man doch schon eine gewisse Gelassenheit und
    auch Reife, vielleicht auch ein bisschen Weisheit,
    die den jungen Leuten noch fehlt. Leider gelingt es auch uns nicht immer den Ballast abzustreifen, aber es wäre schön, wenn der Rucksack leichter werden würde.
    Wünsche dir einen fröhlichen Nachmittag.
    LG Sadie
    PS: jetzt bin ich echt schon gespannt, wer der glückiche Gewinner ist ;-)

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  7. Liebe Martina,
    diese Geschichte ist nicht nur für Vanessa sehr lehrreich! Ich habe beim Lesen festgestellt, dass auch MEIN Lebensrücksack jede Menge Übergewicht enthält, das dringend ausgemistet gehört. Leider ist das nicht ganz einfach - Gefühle und Erinnerungen wirft man nicht so einfach weg wie alte Kleider.
    Trotzdem - wir sollten immer daran denken, unseren Fokus auf die schönen und angenehmen Dinge des Lebens zu werfen, damit unser Rucksack leichter wird ...
    Vielen Dank für diese nachdenkliche Geschichte!
    Liebe Grüße
    Christine

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  8. Liebe Martina,
    es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die
    Geschichten sind.
    Deine Geschichte gefällt mir sehr gut. Die Oma
    hat die nötige Gelassenheit. Es ist schön, dass
    du immer wieder die ältere Generation zu Wort
    kommen lässt.
    Einen angenehmen Abend wünscht Dir
    Irmi

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  9. Ja Martina, du bist einfach ein Philosoph und das mit dem Rucksack ist ein wunderbarer Vergleich.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende und vor allem gute Besserung, LGLor

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  10. Oh wie schön Martina und wie wahr! Ich wünsche mir auch, dass von meinen Lebenserinnerungen am Ende vor allem die Guten noch im Rucksack sind! LG Tanja

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  11. ich musste die geschichte einfach nochmal lesen,
    weil sie so wunderschön erzählt wird und soo viel wahres enthält...
    nochmals und nochmals Dank dir dafür....
    manchmal
    ja manchmal sollte man sich solche schon längst geschriebenen Geschichten tatsächlich nochmal vorholen - egal wie "alt" sie sind und nochmals lesen um sie nicht, wirklich nicht - zu vergessen...
    deshalb eben
    hier nochmal mein Kommentar..lächelt angel die so gerne bei dir kramt...

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  12. einfach wunderschön deine Geschichte..

    eine "Anleitung" fürs Leben.. ohne erhobenen Zeigefinger..

    liebe Grüße
    Rosi

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