Montag, 1. Mai 2017

Die fremde Frau (Fortsetzung)

Dies 
waren die vorgegebenen Reizwörter: 
Aussicht – Land – witzig – flüstern – grün

Dies
sind die Namen meiner 'Mitschreiberinnen':

Und dies ist die

Ich wünsche euch allen einen schönen 1. Mai
und viel Freude beim Lesen!


Schloss und burg bilder

Sandra fuhr noch ein paar Stationen weiter. Es war schon eigenartig, dass sie sich derart beschwingt fühlte. Sie wusste, dass es etwas mit dem Gespräch zu tun hatte, das sie im Bus mit der älteren Dame geführt hatte. Erklären konnte sie sich das nicht.
Noch ein paar Gehminuten, dann hatte sie ihren Kindergarten erreicht. Gerade in dem Moment, als sie die Holzpforte öffnen wollte, um den kleinen Weg zur Eingangstür zu betreten, trat ein Mann aus dem Kindergarten heraus. Abrupt blieb Sandra stehen. Das konnte doch nicht wahr sein! Noch nie war sie mit Lucas Vater zusammen getroffen. Das war schon ein witziger Zufall. Ob sie ihn einfach ansprechen sollte? Aber was sollte sie sagen? „Ach, guten Morgen! Das ist ja nett, dass wir uns hier treffen. Ihre Mutter hat mich gerade eben zu einem gemeinsamen Ausflug in den Zoo eingeladen“. Oder wie sollte sie jetzt reagieren? Gar nichts sagen? Manno, das war eine verzwickte Situation. Noch verzwickter fand sie allerdings die Tatsache, dass sich beim Anblick dieses Mannes irgendetwas in ihrem Inneren tat. Sandra konnte es nicht beschwören, doch das Gefühl kam ihr irgendwie bekannt vor. Was war nur mit ihr los?
„Entschuldigung, würden Sie mich bitte vorbei lassen?“
Oh mein Gott, war das peinlich. Sandra stand mitten in der Pforte und versperrte Lucas Vater den Weg. Sie merkte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Schnell murmelte auch sie „Entschuldigung“ und ging rasch weiter. Großartig! Das war ja wirklich ganz großartig gelaufen. Aber was hatte sie denn geglaubt? Dass sich eine Liebe zwischen ihr und diesem Mann anbahnen würde?
Schlagartig war Sandras gute Laune gegen Null. Blödsinn! Derartige Liebesgeschichten ereigneten sich nicht im wahren Leben. Wenn überhaupt, dann nur in irgendwelchen schlechten Filmen.
Am folgenden Tag saß Sandra brummig im Bus. Gleich würde Lucas Oma zusteigen. Hoffentlich setzte sie sich nicht wieder neben sie. – Doch genau so kam es. „Guten Morgen, Sandra!“, wurde sie freundlich begrüßt. „Ach, wie ich mich freue, dass ich Sie gestern angesprochen habe; nur vorgestellt habe ich mich noch gar nicht. Ich bin Ingelore.“ Schon hielt sie Sandra ihre Hand hin. „Wollen wir vielleicht ‚Du’ sagen?“
Manno! Schon wieder so eine Situation, die Sandra überforderte. Zuhause war sie noch sicher gewesen, dass sie diesen Ausflug mit der ihr unbekannten Familie wieder absagen wollte, doch jetzt, wo die nette Frau neben ihr saß, hielt sie dies für unhöflich. Ingelore war wirklich sehr freundlich und ihre Augen strahlten, als sie Sandra ansah. Sie mochte ihr das einfach nicht antun – und eigentlich freute sie sich ja auch auf diesen Ausflug. Deshalb nahm sie die ihr angebotene Hand.
„Ich habe gestern noch mit Luca und meinem Sohn telefoniert“, schwadronierte Ingelore los. „Sie freuen sich sehr über unser unerwartetes Zusammentreffen und besonders über deine Zusage. Luca war sofort Feuer und Flamme. Er kennt dich ja schon aus dem Kindergarten und wird dich heute sicher ansprechen.“
Sandra schwieg, obwohl sie zu gerne gewusst hätte, wie denn Ingelores Sohn auf ihre Zusage reagiert hatte. Es dauerte jedoch nicht lange, da bekam sie die Antwort auf ihre nicht gestellte Frage wie auf einem Silbertablett serviert: „Mein Sohn, er heißt übrigens Heiko, freut sich auch. Er meinte, wenn du magst, könnten wir vielleicht gleich früh morgens los fahren. Auf dem Weg zum Zoo liegt die Burg Abendfels, zu der wir einen Abstecher machen könnten. Von dort hat man übrigens einen wunderbaren Blick über das Land.“
Sandra war hin und her gerissen. Gerade hatte sie die Fahrt noch absagen wollen, jetzt schmiedete sie bereits weitere Pläne.
„Ich kenne die Burg“, erwiderte sie. „Ich liebe die Aussicht, die man von dort hat. Wir haben früher oft ein Picknick auf der Wiese unterhalb der Burg gemacht.“
„Das ist eine grandiose Idee. Ich werde einen Picknickkorb für uns alle herrichten und wir werden auf einer Decke direkt auf der grünen Wiese unser Frühstück einnehmen.“
Ingelore sah Sandra tief in die Augen. „Ach Kindchen, ich weiß gar nicht, wann ich mich das letzte Mal so auf etwas gefreut habe.“
Sandra erging es ähnlich.
Ein Jahr später!
„Heiko, kommst du bitte mal?!“
„Was gibt es denn?“, erkundigte er sich und trat direkt hinter Sandra.
„Sag mal, dieses Zimmer hier, nutzt ihr das eigentlich noch als Gästezimmer?“
„Ja und nein. Ursprünglich war es für meine Mutter gedacht, doch die möchte abends lieber wieder nach Hause gebracht werden, wenn sie uns besucht. Sie schläft in ihrem eigenen Bett halt besser. Weshalb fragst du?“
„Was hältst du davon, wenn wir den Raum etwas anders einrichten? Den Schrank könnten wir vielleicht woanders unterbringen, dann hätten wir ein bisschen mehr Platz in diesem Raum!“
„Und wofür brauchen wir den?“, erkundigte er sich.
Sandra drehte sich um und flüsterte ihm ins Ohr: „Für das neue Leben, das in meinem Bauch wächst.“




Kommentare:

  1. Guten Morgen, Martina,
    sieht beinahe so aus, als wären wir diesmal die einzigen, die mit einer Reizwortgeschichte vertreten sind ...
    Deine Fortsetzung gefällt mir prima - ein Happyend, wie es im Buche steht! Schön, nach all den garstigen Nachrichten im Fernsehen mal wieder was fürs Herz zu lesen ...
    Liebe Grüße, und einen schönen Feiertag - mit hoffentlich viiiieeel Sonnenschein! Ich schicke Dir mal ein paar Strahlen - bei uns scheint sie nämlich. NOCH!
    Christine

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  2. Liebe Martina
    ich habe vorher den ersten Teil gelesen, der ist mir irgendwie entgangen und jetzt die Fortsetzung dieser wunderschönen Geschichte.
    Wie das Leben so spielt, manchmal fügt sich alles zusammen.
    Bewunderswert, wie es dir gelingt dies aus ein paar Reizwörtern zu zaubern.
    Ich wünsche dir einen fröhlichen, sonnigen 1. Mai.
    LG Sadie

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  3. Wieder eine schöne Fortsetzung und noch mit Happy End. Danke für die nette Geschichte in meiner Linkparty.
    Ich wünsche dir auch einen schönen 1. Mai.
    LG Elke

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  4. wie eine Liebesgeschichte aus einem Buch wo man sich fragt, Wirklichkeit - Wunschdenken - Träumereinen oder ein Blick in die ZUkunft", so richtig was zum träumen für Mädels die an die Liebe glauben, auch - dass sie einen "plötzlich überfällt!"lacht angel...herzlichen Dank fuer diese schöne Geschichte, wie ist - wie aus einem Märchen entsprungen und so wahr, kann es auch gehen...
    manchmal hats auch der Zufall in der Hand dass ein Wunsch in Erfüllung geht...

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  5. Liebe Martina,
    es ist so schön, dass ich heute Muße finde, deine Geschichte so richtig zu genießen. Angel hat es treffend formuliert. Aber wer denn sonst, wenn nicht sie? Ich bin immer wieder überrascht über eure Kreativität. Hoffentlich schreibt ihr noch lange!
    Ich wünsche dir einen guten Start in den Mai
    Irmi

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  6. Ach wie schön, ich liebe deine Geschichten. Mir geht es noch nicht so gut, aber da Calaudia am Samstag kommt, muss ich mich sputen mit dem Gesundwerden, zwinkern. LGLore

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  7. Liebe Martina,
    nachdem ich mir deine restlichen Fotos vom Urlaub betrachtet habe (die Strandfotos fand ich besonders faszinierend, da hätte ich noch ewig weiterschauen können und an der Bildqualität gibt es meiner Meinung nach nichts zu meckern, da kommt mein Smarty nicht mit) habe ich mir gleich auch noch die Fortsetzung der Geschichte gegönnt.
    Ach, da geht einem doch das Herz auf *grins*.
    Ja, ich mag Happy Ends. In der realen Welt geht schon so viel daneben, läuft so vieles schief (ich mag oft die Nachrichten gar nicht mehr anhören), da tut es gut wenn man ab und zu mal abtauchen und von der heile Welt träumen kann. Und mir gefällt besonders, wie du den Schluss gestaltet hast, dieser Zeitsprung.
    Und so beschwingt werde ich mich nun an Arbeit machen.

    Lalala *mir geht’s gut!* Ich hoffe, dir auch. Hab eine feine neue Woche!!!

    ♥ ♡ ♥ ♡ ♥ ♡ ♥
    Herzlich grüßt
    Uschi

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  8. Ende gut, alles gut! So muss es sein. Danke für die tolle Fortsetzung. Liebe Grüße Eva

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  9. Liebe Martina, so musste es ja kommen, ich habe richtig mit gehofft.
    Nun sind alle glücklich, auch die Ingelore. Eine schöne Familienzusammenführung ist gelungen.Sehr gut und lebensnah geschrieben.
    Danke auch für deinen Besuch, eine 660 Jahre alte Linde ist auch gewaltig. Ich habe im Internet mal geschaut, es gibt mehrere in Deutschland. ich finde den Stamm sehr urig, man verschwindet darin fast, wie man sieht.Ein neues Thema aus einem Buch ist da, Du weißt schon.
    Liebe Grüße zu Dir, Klärchen

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  10. Ach, welch verschlungenen Wege das Leben manchmal nimmt und am Schluss alles mühelos zusammenfügt. Diese Geschichte ist so schön und könnte sich wirklich so oder in ähnlicher Form zutragen. Manchmal sind es nämlich die Zufälle, die Menschen einander näher bringen.
    Ich schicke Dir liebe Abendgrüße
    Astrid

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  11. Genau so habe ich mir das Ende vorgestellt! Sehr schön geschrieben und eine wunderbare Fortsetzung.
    ♥lich Claudia

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  12. Was für eine gelungene Fortsetzung, liebe Martina!
    Und gleich mit Nachwuchs, wunderbar.
    Danke für Deine Info zu gestern Abend. Leider habe ich es dann doch verpasst, ich musste unsere Terrassenbepflanzung retten, denn letzte Nacht hatten wir Frost.
    Herzliche Grüße
    Marle

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