Freitag, 1. September 2017

Katerstimmung

Manche 'reizenden' Wörter haben es echt in sich. 
Diese hier zum Beispiel:

Junggesellenabschied – Wasserbett – toben – helfen – bedenklich

Diesmal bin ich auf die Geschichten meiner Mitschreiberinnen
besonders gespannt:


Foto: Pixelio.de/Birgit.H


Oliver wartete auf die Jungs, die in ein paar Minuten auftauchen müssten, um ihn zu seinem Junggesellenabschied abzuholen. 
Er erinnerte sich in diesem Moment an eine Situation vor einem halben Jahr. Zu dem Zeitpunkt hatte er vor der Entscheidung gestanden, ob er um Jennys Hand anhalten sollte oder lieber doch nicht. Er wusste noch genau, dass er damals von seinem besten Freund Tobias folgendes gehört hatte: „Vielleicht kann ich dir helfen!", hatte er gemeint. "Pass auf, wirf einfach eine Münze! Kopf heißt ‚Ja’, du fragst sie und Zahl heißt ‚Nein’“. 
Olli hatte daraufhin empört geantwortet, dass man eine solche Entscheidung nicht auf diese Weise trifft. Doch Tobi hatte ihm erklärt, wie er es meinte: „Wirf die Münze mit geschlossenen Augen und frag dich, worüber du dich mehr freuen würdest, wenn sich der Kopf zeigt, oder die Zahl?“ – Dieser Tipp war ungewöhnlich, doch Olli hatte es tatsächlich gemacht und er hätte nicht gewollt, dass sich die Zahl zeigt. Am darauf folgenden Tag hatte er Jenny einen Heiratsantrag gemacht und ein ‚Ja’ bekommen. Und nun kam der große Tag immer näher. In einer Woche würden sie getraut, doch an diesem Tag wollte er zunächst einmal seinen Abschied aus dem Junggesellendasein ausgiebig feiern.
Hupend hielt ein Auto vor seiner Haustür. Das waren die Jungs. Marko, Jennys bester Freund, hatte sich als Antialkoholiker bereit erklärt, zu fahren. Natürlich waren auch sein bester Freund Tobias dabei und noch ein paar Jungs, mit denen er schon seit ewigen Zeiten befreundet war. Oliver wollte sich noch einmal so richtig austoben. – Voller Vorfreude auf einen lustigen Abend lief er aus dem Haus.

Am nächsten Tag: Olli öffnete die Augen – aber nur einen kleinen Schlitz breit. Das Tageslicht brannte in seinen Augen, sein Kopf schmerzte und seine Blase drückte. Oliver musste sich zunächst sammeln. Was war für ein Tag und warum ging es ihm so schlecht? Langsam dämmerte es ihm: Junggesellenabschied! Genau! Er hatte mit den Jungs gefeiert und viel zu viel Alkohol getrunken. Doch wie war er nach Hause gekommen? Er konnte sich nicht erinnern.
Oliver wollte sich umdrehen, um aufzustehen, doch das Bett schwankte bei seinen Bemühungen bedenklich. Er fühlte sich, als sei er auf einem Schiff! Schlagartig riss er die Augen weit auf, als er bemerkte, dass es nicht Jenny war, die da neben ihm lag. Es war Marco! Er lag mit Jennys bestem Freund in dessen Wasserbett.
Olli hob die Bettdecke. Er war nackt. Splitterfasernackt – und Marko? Marko war auch nackt. Aber nicht nur das. Marko war auch schwul! Olli wurde schwindlig. Er würde doch nicht … mit IHM? 
Um ihn nicht zu wecken, verhielt sich Olli möglichst leise. Als er endlich auf seinen Beinen stand, hatte er das Gefühl, zu schwanken. Er wollte in diesem Moment nur eines: So schnell wie möglich aus dieser mysteriösen Situation heraus.
Er bestellte sich ein Taxi und ließ sich nach Hause bringen. Ein Gedanke schwirrte in seinem Kopf: Ob Marco Jenny gegenüber dicht hielt? Zuhause angekommen war er froh, dass seine Freundin noch nicht da war. Er ließ sich in der Dusche kaltes Wasser über seinen dröhnenden Kopf laufen, doch seine Erinnerung kam dadurch nicht zurück. Als er aus dem Bad kam, hörte er einen Schlüssel in der Haustür. Das war Jenny. Wie sollte er sich ihr gegenüber verhalten? Sein schlechtes Gewissen war riesengroß. Warum nur hatte er sich in eine solch blöde Situation manövriert? Wenn Jenny davon erfuhr, würde sie vielleicht die Hochzeit absagen. Er war wirklich der größte Idiot auf Gottes Erdboden.
„Hallo, mein Schatz“, rief Jenny und drückte Oliver einen Kuss auf den Mund. „Oh mein Gott, du riechst ja immer noch wie eine Kneipe! Ich werde uns erst einmal einen Kaffee kochen. Brötchen hab ich grad vom Bäcker geholt. Das wird dir bestimmt gegen deinen Kater helfen – oder brauchst du Rollmöpse?“, fragte sie lachend. „Ich bin auch noch nicht lange zurück“, plauderte sie gelassen weiter, während sie den Tisch deckte, „es war so toll in diesem Hotel. Wir haben uns total verwöhnen lassen. Das war viel besser, als irgendwo abzufeiern. Und wie war es bei euch? Hattet ihr viel Spaß? Erzähl doch mal!“
„Da gibt es nichts zu erzählen!“, brummte Olli.
„Wie, da gibt es nichts zu erzählen? Du willst mir doch nicht sagen, dass du die halbe Nacht mit deinen Freunden gefeiert hast und dass es nichts zu erzählen gibt.“
Abrupt drehte sich Jenny zu Olli um. Sie sah seiner Nasenspitze an, dass da etwas nicht stimmte. Er würde sie doch nicht …? Dass könnte sie ihm nicht verzeihen.
„Olli, hast du mich betrogen?“, fragte sie deshalb rundheraus.
In dem Moment klingelte es an der Haustür.
„Ich gehe, aber du wirst mir meine Frage noch beantworten", zeterte Jenny.
Wutentbrannt rannte sie zur Tür.
„Hey Jenny, ich wollte nur schauen, ob dein zukünftiger Ehemann wohlbehalten zuhause angekommen ist. Er ist nämlich ohne ein Wort zu sagen gegangen“, verkündete Marko, „kein feiner Zug von ihm, wo er mich die halbe Nacht wach gehalten hat.“
Olli war so weiß wie die Wand, vor der er stand. Jetzt käme alles heraus. Er hätte nicht soviel Alkohol trinken sollen! Aber jetzt war es für diese Erkenntnis zu spät. Marko würde alles ausplaudern. Er kannte ihn und wusste genau, dass er nichts für sich behalten konnte.
„Und, wie geht’s dir?“, fragte Marko und es klang sogar ein wenig mitfühlend.
„Geht so“, erwiderte Olli.
Marko stöhnte, als er sich auf einen Stuhl plumpsen ließ. „Also wirklich, mit dir macht man was mit.“
„Was denn?“, mischte sich nun fragend Jenny ein. „Mein lieber Olli kann sich nämlich an nichts mehr erinnern.“
„Das kann ich mir gut vorstellen. Ist ihm im Nachhinein bestimmt alles sehr peinlich.“
Halt doch einfach den Mund, dachte Olli.
„Also, noch einmal mach ich das nicht mit“, meinte Marko theatralisch. „Die Jungs waren derart betrunken und dein Freund hier ist besonders negativ aufgefallen. Da jammert er mir die ganze Zeit die Ohren voll, dass er nicht alleine zuhause sein möchte und ich bin so gutmütig und nehme ihn mit zu mir und was macht er? Anstatt ins Haus zu gehen, rennt er in den Garten und springt in den Teich. Keine Ahnung, wie er es geschafft hat, sich vorher auszuziehen. Ich hab dann ein Handtuch besorgt und ihn ins Schlafzimmer bugsiert. Doch nicht genug. Er stand wieder auf, zog die Nachttischschublade auf und wollte dort hinein … ich erspare euch Details. Gerade noch rechtzeitig hab ich ihn ins Bad geschoben. Also, wie gesagt, noch einmal mach ich das nicht mit.“
„Uns sonst? Was ist sonst noch passiert?“, fragten Jenny und Olli fast gleichzeitig.
„Wie? Was soll denn sonst noch passiert sein? Also, mir hat das allemal gereicht!"

Kommentare:

  1. Liebe Martina,
    die Wörter waren wirklich eine Herausforderung, die du wunderbar angenommen und umgesetzt hast. Habe mich köstlich amüsiert, danke für diese lustige Geschichte am Morgen!
    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende dir
    Regina

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  2. Liebe Martina,
    das hast Du eine sehr schöne Geschichte geschrieben mit einem überraschenden Ende, so wie ich Geschichten mag und am Ende musste ich fast lachen. Die Geschichte habe ich sehr gerne gelesen.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  3. Ach, wie lustig. Solch Junggesellenabschiede sind gefährlich. Wir hatten nur einen Polterabend und der hat auch gereicht:)
    LG Elke

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  4. Liebe Martina, ich habe immer noch das Grinsen im Gesicht ... morgen heiratet der Freund meines Sohnes - er ist Trauzeuge und hat auch den Junggesellenabschied organisiert. Nix genaues weiß ich zwar nicht, aber ganz so feuchtfröhlich wie in deinem Post war es wohl nicht :) War fein zu lesen :) LG Ulla

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  5. *Lach* Eine kurzweilige, lustige Geschichte, liebe Martina.
    So richtig schön geeignet um vergnügt abzuschalten, aber dennoch nicht flach, sondern interessant und mit Spannung gewürzt.
    Hast du wieder prima gemacht!!!

    ♥ ♡ ♥ ♡ ♥ ♡ ♥
    Herzlich grüßt
    Uschi

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  6. Herrlich! Danke für diese unterhaltsam Geschichte Martina! Ich stell mir vor wie jemand in eine Schublade will, das wird mir wohl den Tag noch länger Bilder im Kopf erzeugen! *lach*
    ♥lich Claudia

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  7. Liebe Martina,
    es war wieder ein Genuß, Deine neue Geschichte zu lesen " Vielen Dank dafür!
    Hab ein zauberhaftes Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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  8. Liebe Martina, der war ja sehr breit, auweija. Solche Abstürze sind fürchterlich. Hast du exzellent in deiner Geschichte beschrieben. Liebe Grüße Eva

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  9. Liebe Martina,
    Du hast es wieder einmal geschafft unsere Neugier und unser Interesse zu wecken. Den anfänglichen Verdacht von Jenny und die Ängste von Oli hast Du mit viel Humor vertrieben und mir damit ein breites Grinsen entlockt.
    Was lehrt uns Deine Geschichte?: Alkohol ist kein guter Geselle, dem man unbedacht vertrauen kann, aber seinen wahren Freunden sollte man schon Vertrauen schenken.
    Herzliche Grüße
    Astrid

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  10. Habe mich köstlich amüsiert, du hast wirklich die Wörter super umgesetzt, grinse jetzt noch. Schönes Wochenende wünsche ich dir, LGLore

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  11. Liebe Martina,bei mir herrscht gerade Überschwemmung! Ich stehe bis zu den Knöcheln in meinen Lachtränen ... Deine Geschichte erinnert mich ungeheuer an meine Sturm- und Drangzeit. Da hatte ich auch so manchen Filmriss, und das mit der Schublade ... nee, mehr wird nicht verraten. Das hier ist schließlich ein öffentlicher Blog, und meine Schandtaten von früher sind sowieso längst verjährt! **lach**
    Heutzutage kann mir das nicht mehr passieren - ich vertrage noch nicht mal mehr ein Glas Sekt ...
    Liebe Grüße, und vielen Dank für diese lustige (Erinnerungs-)Geschichte!
    Christine

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